Vorgeführt vom Meister: GWD Minden erlebt beim THW Kiel ein 26:41-Debakel Marcus Riechmann Kiel. Keine Abwehr, keine Chance, keine Punkte. Stattdessen gab es einen ganzen Sack voll Gegentore und eine sportliche Lektion: Handball-Bundesligist GWD Minden hat ein Debakel erlebt und das Auswärtsspiel beim THW Kiel 26:41 (16:23) verloren. Lediglich eine Woche nach dem ersten Saisonsieg, dem 31:26 gegen Berlin, erhielten die Mindener einen herben Dämpfer und gehen mit einem Frust-Erlebnis in die Länderspielpause. Die Abwehr, bisher Prunkstück des Mindener Spiels, war der Spielkunst des Deutschen Meisters am Sonntagnachmittag vor den leeren Rängen der Kieler Wunderino-Arena nicht gewachsen. 23 Gegentore in der ersten Halbzeit sind ein Saisonhöchstwert, damit kassierte die GWD-Deckung in 30 Minuten nahezu so viele Tore wie beim 24:24 in Melsungen in der doppelten Spieldauer. Die Gäste hatten sich viel vorgenommen, doch gegen den meisterlich aufspielenden THW waren sie schnell auf verlorenem Posten. Bis zum 7:6, erzielt von Linksaußen Joscha Ritterbach in der 13. Minute, hielt Minden mit. Dann erlebten die Männer in Grün aber ihr blaues Wunder. Kiel spielte konzentriert und nutzte die zahlreichen offensiven Optionen im brillant besetzten Kader flexibel aus. Linkshänder Harald Reinkind nutzte die Räume im Rückraum mit harten und platzierten Würfen , Rune Damke vollendete die Spielzüge von Linksaußen und immer wieder setzten Sander Sagosen und Kollegen die Kreisläufer gekonnt ein. Die Mindener Abwehr war der Angriffswucht des Meister nicht im Geringsten gewachsen. Die GWD-Torhüter Carsten Lichtlein (bis zur 19. Minute) und Malte Semisch konnten die Fehler der Vorderleute nicht ausbügeln, auch sie waren machtlos. Zudem profitierte der THW von der Vielzahl technischer Fehler, die den GWD-Männern im Angriff unterliefen. Mindestens sechs Ballverluste leisteten sich die Gäste mit ihrem risikoreichen Offensivspiel bis zur Halbzeitpause. Jedes Mal nutzte Kiel das zu eigenen Treffern. Von 7:6 lösten sich die Gastgeber auf 10:6, das Kiels Rechtsaußen Niclas Ekberg per Gegenstoß nach dem vierten Mindener Ballverlust erzielte. GWD-Coach Frank Carstens reagierte, nahm nach einer Viertelstunde die erste Auszeit. Mehr Körperlichkeit und besseres Zweikampfverhalten in der Abwehr mahnte er an. Doch seine Ansage verhallte wirkungslos. Der THW wirbelte die GWD-Abwehr weiter durcheinander und hatte fünf Minuten später durch Kreisläufer Patrick Wiencek bereits mit 15:8 eine Sieben-Tore-Führung herausgeworfen. Auch der kurz zuvor für den wirkungslosen Christoffer Rambo eingewechselte Christian Zeitz konnte der Partie keine Wendung geben. Dem langjährigen THW-Torjäger gelang zwar der Treffer zum 15:9, doch gegen die auf Touren gekommene Angriffsmaschine in Weiß war kein Mindener Kraut gewachsen. Mit dem 16:23 und damit einem Sieben-Tore-Rückstand war GWD zur Halbzeit noch gut bedient. Wer nun dachte, es könnte nicht mehr schlimmer kommen, sah sich getäuscht: Kiel ruhte sich auf dem Vorsprung nicht aus, sondern legte mit Beginn der zweiten Halbzeit nochmals eine Schippe drauf. Coach Filip Jicha hatte nun Niklas Landin für Dario Quenstedt zwischen die Pfosten beordert, und der dänische Weltklassetorhüter machte mal eben den Laden dicht. Mit einer Parade gegen GWD-Kreisläufer Lucas Meister führte sich Landin gut ein. Dann wehrte er einen Siebenmeter von Juri Knorr ab und gleich noch weitere Mindener Würfe. Weil gleichzeitig die Kieler Angreifer weiter konsequent ihrer Arbeit nachgingen, nahm das Mindener Debakel Formen an. Beim 27:17 durch Domagoj Duvnjak (35. Minute) stellte Kiel die Treffer-Uhr auf zehn, fünf Minuten später durch Ekberg beim 30:18 mit dem bereits zehnten THW-Tor in zweiten Abschnitt auf zwölf und dann nach 45 Minuten mit dem 34:18 (Duvnjak) auf 16. Die Mindener Mannschaft war nicht mehr, als ein Spielball der hochüberlegenen Kieler. Juri Knorr und Kollegen erlebten in der nahezu menschenleeren Arena eine der schwärzesten Stunden der vergangenen Jahre. Nach denkwürdigen 60 Minuten blieb für die Gäste als Trost lediglich das Wissen, dass auch ein solches Debakel lediglich zwei Zähler in der Tabelle wert ist, und dass das Heimspiel gegen den Bergischen HC am 12. November bei 0:0 beginnt. Der Kieler Rekordmeister hat mit dem 41:26-Kantersieg die Tabellenführung erobert. Der Topfavorit schob sich dank der um einen Treffer besseren Tordifferenz an den punktgleichen Rhein-Neckar Löwen vorbei. Die Mannheimer hatten sich zuvor gegen HBW Balingen-Weilstetten mit 36:27 (16:14) durchgesetzt. Als Dritter in die Länderspielpause geht die SG Flensburg-Handewitt, die bereits am Samstag mit 30:25 beim Bergischen HC die Oberhand behielt. Das Spitzentrio weist jeweils 10:2 Zähler auf. GWD Minden rutschte nach der Niederlage mit nun 3:9 Punkten in der Tabelle auf Rang 16 ab - einen Platz und einen Punkt vor den vier Abstiegsplätzen. Auch in den anderen Sonntagsspielen gab es Favoritensiege. Der Vorjahresdritte SC Magdeburg gewann beim Aufsteiger HSC 2000 Coburg mit 28:26 (14:15). Die MT Melsungen siegte gegen die HSG Nordhorn-Lingen mit 33:28 (15:13), die Füchse Berlin setzten sich gegen die HSG Wetzlar mit 35:28 (17:15) durch.

Vorgeführt vom Meister: GWD Minden erlebt beim THW Kiel ein 26:41-Debakel

Freie Bahn für Kiels Kreisläufer Patrick Wiencek gegen GWD-Torhüter Malte Semisch. Zuvor hat Wiencek Mindens Juri Knorr (unten) abgeschüttelt. GWD-Abwehrchef Miljan Pusica schaut dem Treffer zur Kieler 20:12-Führung machtlos hinterher. Foto: Holsteinoffice.de/Jörg Lühn © Jörg Lühn

Kiel. Keine Abwehr, keine Chance, keine Punkte. Stattdessen gab es einen ganzen Sack voll Gegentore und eine sportliche Lektion: Handball-Bundesligist GWD Minden hat ein Debakel erlebt und das Auswärtsspiel beim THW Kiel 26:41 (16:23) verloren. Lediglich eine Woche nach dem ersten Saisonsieg, dem 31:26 gegen Berlin, erhielten die Mindener einen herben Dämpfer und gehen mit einem Frust-Erlebnis in die Länderspielpause.

Die Abwehr, bisher Prunkstück des Mindener Spiels, war der Spielkunst des Deutschen Meisters am Sonntagnachmittag vor den leeren Rängen der Kieler Wunderino-Arena nicht gewachsen. 23 Gegentore in der ersten Halbzeit sind ein Saisonhöchstwert, damit kassierte die GWD-Deckung in 30 Minuten nahezu so viele Tore wie beim 24:24 in Melsungen in der doppelten Spieldauer.

Christian Zeitz, hier beim Wurf gegen Kiels Hendrik Pekeler (links) hatte bei seiner Rückkehr nach Kiel keinen Grund zur Freude. Foto: Holsteinoffice.de/Jörg Lühn - © Jörg Lühn
Christian Zeitz, hier beim Wurf gegen Kiels Hendrik Pekeler (links) hatte bei seiner Rückkehr nach Kiel keinen Grund zur Freude. Foto: Holsteinoffice.de/Jörg Lühn - © Jörg Lühn

Die Gäste hatten sich viel vorgenommen, doch gegen den meisterlich aufspielenden THW waren sie schnell auf verlorenem Posten. Bis zum 7:6, erzielt von Linksaußen Joscha Ritterbach in der 13. Minute, hielt Minden mit. Dann erlebten die Männer in Grün aber ihr blaues Wunder.

Kiel spielte konzentriert und nutzte die zahlreichen offensiven Optionen im brillant besetzten Kader flexibel aus. Linkshänder Harald Reinkind nutzte die Räume im Rückraum mit harten und platzierten Würfen , Rune Damke vollendete die Spielzüge von Linksaußen und immer wieder setzten Sander Sagosen und Kollegen die Kreisläufer gekonnt ein. Die Mindener Abwehr war der Angriffswucht des Meister nicht im Geringsten gewachsen. Die GWD-Torhüter Carsten Lichtlein (bis zur 19. Minute) und Malte Semisch konnten die Fehler der Vorderleute nicht ausbügeln, auch sie waren machtlos.

Zudem profitierte der THW von der Vielzahl technischer Fehler, die den GWD-Männern im Angriff unterliefen. Mindestens sechs Ballverluste leisteten sich die Gäste mit ihrem risikoreichen Offensivspiel bis zur Halbzeitpause. Jedes Mal nutzte Kiel das zu eigenen Treffern.

Von 7:6 lösten sich die Gastgeber auf 10:6, das Kiels Rechtsaußen Niclas Ekberg per Gegenstoß nach dem vierten Mindener Ballverlust erzielte. GWD-Coach Frank Carstens reagierte, nahm nach einer Viertelstunde die erste Auszeit. Mehr Körperlichkeit und besseres Zweikampfverhalten in der Abwehr mahnte er an. Doch seine Ansage verhallte wirkungslos. Der THW wirbelte die GWD-Abwehr weiter durcheinander und hatte fünf Minuten später durch Kreisläufer Patrick Wiencek bereits mit 15:8 eine Sieben-Tore-Führung herausgeworfen. Auch der kurz zuvor für den wirkungslosen Christoffer Rambo eingewechselte Christian Zeitz konnte der Partie keine Wendung geben. Dem langjährigen THW-Torjäger gelang zwar der Treffer zum 15:9, doch gegen die auf Touren gekommene Angriffsmaschine in Weiß war kein Mindener Kraut gewachsen. Mit dem 16:23 und damit einem Sieben-Tore-Rückstand war GWD zur Halbzeit noch gut bedient.

Wer nun dachte, es könnte nicht mehr schlimmer kommen, sah sich getäuscht: Kiel ruhte sich auf dem Vorsprung nicht aus, sondern legte mit Beginn der zweiten Halbzeit nochmals eine Schippe drauf. Coach Filip Jicha hatte nun Niklas Landin für Dario Quenstedt zwischen die Pfosten beordert, und der dänische Weltklassetorhüter machte mal eben den Laden dicht. Mit einer Parade gegen GWD-Kreisläufer Lucas Meister führte sich Landin gut ein. Dann wehrte er einen Siebenmeter von Juri Knorr ab und gleich noch weitere Mindener Würfe. Weil gleichzeitig die Kieler Angreifer weiter konsequent ihrer Arbeit nachgingen, nahm das Mindener Debakel Formen an. Beim 27:17 durch Domagoj Duvnjak (35. Minute) stellte Kiel die Treffer-Uhr auf zehn, fünf Minuten später durch Ekberg beim 30:18 mit dem bereits zehnten THW-Tor in zweiten Abschnitt auf zwölf und dann nach 45 Minuten mit dem 34:18 (Duvnjak) auf 16.

Die Mindener Mannschaft war nicht mehr, als ein Spielball der hochüberlegenen Kieler. Juri Knorr und Kollegen erlebten in der nahezu menschenleeren Arena eine der schwärzesten Stunden der vergangenen Jahre. Nach denkwürdigen 60 Minuten blieb für die Gäste als Trost lediglich das Wissen, dass auch ein solches Debakel lediglich zwei Zähler in der Tabelle wert ist, und dass das Heimspiel gegen den Bergischen HC am 12. November bei 0:0 beginnt.

Der Kieler Rekordmeister hat mit dem 41:26-Kantersieg die Tabellenführung erobert. Der Topfavorit schob sich dank der um einen Treffer besseren Tordifferenz an den punktgleichen Rhein-Neckar Löwen vorbei. Die Mannheimer hatten sich zuvor gegen HBW Balingen-Weilstetten mit 36:27 (16:14) durchgesetzt. Als Dritter in die Länderspielpause geht die SG Flensburg-Handewitt, die bereits am Samstag mit 30:25 beim Bergischen HC die Oberhand behielt. Das Spitzentrio weist jeweils 10:2 Zähler auf.

GWD Minden rutschte nach der Niederlage mit nun 3:9 Punkten in der Tabelle auf Rang 16 ab - einen Platz und einen Punkt vor den vier Abstiegsplätzen.

Auch in den anderen Sonntagsspielen gab es Favoritensiege. Der Vorjahresdritte SC Magdeburg gewann beim Aufsteiger HSC 2000 Coburg mit 28:26 (14:15). Die MT Melsungen siegte gegen die HSG Nordhorn-Lingen mit 33:28 (15:13), die Füchse Berlin setzten sich gegen die HSG Wetzlar mit 35:28 (17:15) durch.

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