Vom Notkauf zum Volltreffer: Christoffer Rambo geht mit Ehrgeiz in die Saison - seine letzte bei GWD? Marcus Riechmann Minden. Er war ein Notkauf. Moritz Schäpsmeier hatte sich einen Achillessehnenriss zugezogen und GWD Minden noch kein einziges Saisonspiel gewonnen. Neben dem 23-jährigen Christoph Steinert benötigte das Team dringend einen zweiten Spieler im rechten Rückraum. Manager Horst Bredemeier zauberte im November 2013 einen schlaksigen Norweger aus dem Hut, der bis dahin recht unauffällig im französischen Dunkerque sein Geld verdiente. Sein Name: Christoffer Rambo. Heute, sieben Jahre später, ist klar: Der Notkauf von einst hat sich als Volltreffer erwiesen. Der knapp zwei Meter große Blondschopf hat sich unter der Regie von Trainer Frank Carstens von einer „Wurfmaschine“ zum vielseitigen Stammspieler entwickelt. Der 30-Jährige, den alle nur John nennen, ist als Torjäger, Passgeber und cleverer Verteidiger zu einer tragenden Säule im GWD-Team gereift. Er fühlt sich in Minden wohl. Statt neben Landsmann Magnus Gullerud, den es zum SC Magdeburg zog, wohnt er nun neben Carsten Lichtlein. „Das passt“, meint Rambo. Man kenne sich aus langen Bundesliga-Jahren, sagt der Linkshänder und erklärt grinsend: „Wir haben oft genug gegeneinander gespielt. Ich als Torjäger, er als Torwart. Da entsteht eine Beziehung.“ Die ist nun in der Rolle als Teamkollegen und Nachbarn erheblich gewachsen. Die beiden sind die einzigen Väter im Kader. Auch das verbindet. Wenn Lichtleins Kinder zu Besuch sind, freut sich Rambos ältester Sohn über Spielkameraden gleich nebenan. Der dienstälteste Profi bei GWD blickt der neuen Saison und dem Auftakt bei der TSV Hannover-Burgdorf am 1. Oktober gleichermaßen gespannt wie gelöst entgegen. Nach einigen unrunden Wochen in der Vorbereitung mit schwachen Testspielen und eigener schlechter Leistung hat ihm der Spielo-Cup am Wochenende Sicherheit verliehen. „Wir haben den Ball schon ganz gut laufen lassen. Es wird besser“, sagt der dreifache Vater und betont: „Man spürt: Das Potenzial ist da. Und es ist cool, dass wir in die richtige Richtung gehen.“ Das betrifft auch das für ihn so wichtige Zusammenspiel mit den Kreisläufern. Vier Jahre war Magnus Gullerud sein Partner bei GWD, zuvor hatten sie schon in Norwegen zusammen gespielt. Mit ihm verstand er sich blind. „Ja, das war wohl so“, sagt Rambo. Doch er sieht, dass das Verständnis nach einem gemeinsamen Jahr mit Lucas Meister und auch mit dem neuen Kreisläufer Joshua Thiele wächst. „Wir kommen ins Timing, das spielt sich immer besser ein“, meint der Top-Angreifer, der auch in der Abwehr eine immer wichtigere Rolle spielt: Mit seinen langen Armen ist er ein wirkungsvoller Zerstörer des gegnerischen Passspiels und ein gewiefter Balldieb. Solche Steals bereiten ihm wachsende Freude. „Das ist schon cool, dann den direkten Assist für ein Tor zu spielen“, meint er und betont angesichts der Abhängigkeit des Teams vom Tempospiel: „Die Defensive wird dieses Jahr noch wichtiger.“ Er hält große Stücke auf die aktuelle Mannschaft, der er auch ohne Marian Michalczik und Gullerud eine Menge zutraut. „Klar fehlen die beiden, aber ich bin nicht nervös. Wir haben jetzt neue Möglichkeiten“, sagt Rambo, doch er macht deutlich: „Neue Spieler müssen Verantwortung übernehmen, damit es läuft. Alle, die in der Kabine sitzen, müssen liefern. Wenn das klappt, kann es sehr gut werden.“ Er, Lucas Meister und Spielmacher Juri Knorr sind die Eckpfeiler des Angriffsspiels. „Auf ihnen liegt viel Verantwortung. Sie sind alle drei außergewöhnliche Spieler, aber sie müssen funktionieren“, beschreibt Sportgeschäftsführer Frank von Behren das, was beim Spielo-Cup offenbar wurde. Die Aufgabe nimmt Rambo gerne an, doch er empfindet sie nicht als Belastung: „Das ist nicht mehr Druck als vorher. Jedenfalls nicht in meinem Kopf. Es ist einfach, wie es ist.“ Heute ist die Situation ähnlich wie im Jahr 2013: In Christoph Reißky fällt der etablierte Rambo-Partner im rechten Rückraum nach einer Schulter-Operation für einen Großteil der Saison aus. Und wieder sucht GWD händeringend nach Ersatz. Anders als 2013 scheint es aber nicht auf einen Unbekannten hinauszulaufen. Der zurzeit vereinslose langjährige Nationalspieler Christian Zeitz könnte Rambos neuer Partner werden. Kaderplaner von Behren hält sich noch bedeckt, doch Rambo könnte sich den 39-Jährigen, der in der Vorsaison als „Feuerwehrmann“ beim TVB Stuttgart seine Bundesligatauglichkeit bewies, als Teamkollegen vorstellen: „Zeitz wäre gut“, meint er trocken. Dem Norweger ist es wichtig, dass ein zweiter Mann für seine Position verpflichtet wird. „Das wird eine lange Saison“, sagte er. Und auch, wenn er sich körperlich fit fühle, könne er nicht jedes Spiel 60 Minuten Vollgas geben: „Ich bin kein Supermann. Und es kann auch immer was passieren“, warnt er vor Verletzungen. Drei Kinder, darunter die jungen Zwillinge, halten den Familienvater auf Trab. Auf der kleinen Terrasse beim Kaffee wird er von seinen Jungs fast pausenlos in Anspruch genommen. Der Zwei-Meter-Schlaks sitzt gelassen auf einem Bänkchen, nimmt die Kleinen im Wechsel auf den Schoß und kehrt zurück zum Gespräch. „Man weiß manchmal nicht mehr, was gestern war“, gesteht Papa Rambo, dass sich vor allem mit der Geburt der Zwillinge das Leben verändert hat. Als Erklärung für die Leistungsdelle in der Vorbereitung will er das aber nicht gelten lassen. Beim Handball könne er abschalten: „Beim Spiel ist man beim Spiel“, sagt er in skandinavischer Gelassenheit, die durchaus im Kontrast zu den heißblütigen Ausbrüchen auf dem Feld steht. Abgeklärt betrachtet er seine Schwäche beim Tempogegenstoß: Frei vor dem gegnerischen Torwart tut sich der Mann, der sonst aus allen Lagen den Ball in den Winkel hämmert, schwer. Vor allem beim ersten Konter lässt Rambo oft den Keeper gewinnen. „Keine Ahnung warum, das ist wohl so“, meint er ungerührt und spielt den Ball spitzbübisch lächelnd an den Mentalcoach des Teams weiter: „Das muss Jörg Schiebel mal herausfinden.“ Der 30-Jährige setzt sich im idealen Handballer-Alter für die neue Saison große Ziele. Mit GWD, wo sein Vertrag im Sommer ausläuft, will er „mein bestes Jahr spielen“. Auch das letzte? Sein Blick richtet sich jedenfalls wieder in die Heimat: Dort soll der fünfjährige Sohn Noah eingeschult werden, seine Frau Michelle will ein Studium aufnehmen. Und Rambo selbst? Er will nach jahrelanger Pause wieder für Norwegen spielen und große Turniere bestreiten. Von Nationaltrainer Christian Berge hat er bereits positive Rückmeldungen erhalten. „Der Kontakt ist wieder da“, erzählt er und fügt selbstbewusst hinzu: „Ich will wieder ins Team.“

Vom Notkauf zum Volltreffer: Christoffer Rambo geht mit Ehrgeiz in die Saison - seine letzte bei GWD?

Der Routinier geht voran: Nach dem Halbfinalsieg beim Spielo-Cup gegen den Bergischen HC hatte Christoffer Rambo sein Lächeln wiedergefunden. © MT-Foto: Marcus Riechmann

Minden. Er war ein Notkauf. Moritz Schäpsmeier hatte sich einen Achillessehnenriss zugezogen und GWD Minden noch kein einziges Saisonspiel gewonnen. Neben dem 23-jährigen Christoph Steinert benötigte das Team dringend einen zweiten Spieler im rechten Rückraum. Manager Horst Bredemeier zauberte im November 2013 einen schlaksigen Norweger aus dem Hut, der bis dahin recht unauffällig im französischen Dunkerque sein Geld verdiente. Sein Name: Christoffer Rambo.

Heute, sieben Jahre später, ist klar: Der Notkauf von einst hat sich als Volltreffer erwiesen. Der knapp zwei Meter große Blondschopf hat sich unter der Regie von Trainer Frank Carstens von einer „Wurfmaschine“ zum vielseitigen Stammspieler entwickelt. Der 30-Jährige, den alle nur John nennen, ist als Torjäger, Passgeber und cleverer Verteidiger zu einer tragenden Säule im GWD-Team gereift.

Er fühlt sich in Minden wohl. Statt neben Landsmann Magnus Gullerud, den es zum SC Magdeburg zog, wohnt er nun neben Carsten Lichtlein. „Das passt“, meint Rambo. Man kenne sich aus langen Bundesliga-Jahren, sagt der Linkshänder und erklärt grinsend: „Wir haben oft genug gegeneinander gespielt. Ich als Torjäger, er als Torwart. Da entsteht eine Beziehung.“ Die ist nun in der Rolle als Teamkollegen und Nachbarn erheblich gewachsen. Die beiden sind die einzigen Väter im Kader. Auch das verbindet. Wenn Lichtleins Kinder zu Besuch sind, freut sich Rambos ältester Sohn über Spielkameraden gleich nebenan.

Der dienstälteste Profi bei GWD blickt der neuen Saison und dem Auftakt bei der TSV Hannover-Burgdorf am 1. Oktober gleichermaßen gespannt wie gelöst entgegen. Nach einigen unrunden Wochen in der Vorbereitung mit schwachen Testspielen und eigener schlechter Leistung hat ihm der Spielo-Cup am Wochenende Sicherheit verliehen. „Wir haben den Ball schon ganz gut laufen lassen. Es wird besser“, sagt der dreifache Vater und betont: „Man spürt: Das Potenzial ist da. Und es ist cool, dass wir in die richtige Richtung gehen.“

Das betrifft auch das für ihn so wichtige Zusammenspiel mit den Kreisläufern. Vier Jahre war Magnus Gullerud sein Partner bei GWD, zuvor hatten sie schon in Norwegen zusammen gespielt. Mit ihm verstand er sich blind. „Ja, das war wohl so“, sagt Rambo. Doch er sieht, dass das Verständnis nach einem gemeinsamen Jahr mit Lucas Meister und auch mit dem neuen Kreisläufer Joshua Thiele wächst. „Wir kommen ins Timing, das spielt sich immer besser ein“, meint der Top-Angreifer, der auch in der Abwehr eine immer wichtigere Rolle spielt: Mit seinen langen Armen ist er ein wirkungsvoller Zerstörer des gegnerischen Passspiels und ein gewiefter Balldieb. Solche Steals bereiten ihm wachsende Freude. „Das ist schon cool, dann den direkten Assist für ein Tor zu spielen“, meint er und betont angesichts der Abhängigkeit des Teams vom Tempospiel: „Die Defensive wird dieses Jahr noch wichtiger.“

Er hält große Stücke auf die aktuelle Mannschaft, der er auch ohne Marian Michalczik und Gullerud eine Menge zutraut. „Klar fehlen die beiden, aber ich bin nicht nervös. Wir haben jetzt neue Möglichkeiten“, sagt Rambo, doch er macht deutlich: „Neue Spieler müssen Verantwortung übernehmen, damit es läuft. Alle, die in der Kabine sitzen, müssen liefern. Wenn das klappt, kann es sehr gut werden.“

Er, Lucas Meister und Spielmacher Juri Knorr sind die Eckpfeiler des Angriffsspiels. „Auf ihnen liegt viel Verantwortung. Sie sind alle drei außergewöhnliche Spieler, aber sie müssen funktionieren“, beschreibt Sportgeschäftsführer Frank von Behren das, was beim Spielo-Cup offenbar wurde. Die Aufgabe nimmt Rambo gerne an, doch er empfindet sie nicht als Belastung: „Das ist nicht mehr Druck als vorher. Jedenfalls nicht in meinem Kopf. Es ist einfach, wie es ist.“

Heute ist die Situation ähnlich wie im Jahr 2013: In Christoph Reißky fällt der etablierte Rambo-Partner im rechten Rückraum nach einer Schulter-Operation für einen Großteil der Saison aus. Und wieder sucht GWD händeringend nach Ersatz. Anders als 2013 scheint es aber nicht auf einen Unbekannten hinauszulaufen. Der zurzeit vereinslose langjährige Nationalspieler Christian Zeitz könnte Rambos neuer Partner werden. Kaderplaner von Behren hält sich noch bedeckt, doch Rambo könnte sich den 39-Jährigen, der in der Vorsaison als „Feuerwehrmann“ beim TVB Stuttgart seine Bundesligatauglichkeit bewies, als Teamkollegen vorstellen: „Zeitz wäre gut“, meint er trocken.

Dem Norweger ist es wichtig, dass ein zweiter Mann für seine Position verpflichtet wird. „Das wird eine lange Saison“, sagte er. Und auch, wenn er sich körperlich fit fühle, könne er nicht jedes Spiel 60 Minuten Vollgas geben: „Ich bin kein Supermann. Und es kann auch immer was passieren“, warnt er vor Verletzungen.

Drei Kinder, darunter die jungen Zwillinge, halten den Familienvater auf Trab. Auf der kleinen Terrasse beim Kaffee wird er von seinen Jungs fast pausenlos in Anspruch genommen. Der Zwei-Meter-Schlaks sitzt gelassen auf einem Bänkchen, nimmt die Kleinen im Wechsel auf den Schoß und kehrt zurück zum Gespräch. „Man weiß manchmal nicht mehr, was gestern war“, gesteht Papa Rambo, dass sich vor allem mit der Geburt der Zwillinge das Leben verändert hat.

Als Erklärung für die Leistungsdelle in der Vorbereitung will er das aber nicht gelten lassen. Beim Handball könne er abschalten: „Beim Spiel ist man beim Spiel“, sagt er in skandinavischer Gelassenheit, die durchaus im Kontrast zu den heißblütigen Ausbrüchen auf dem Feld steht. Abgeklärt betrachtet er seine Schwäche beim Tempogegenstoß: Frei vor dem gegnerischen Torwart tut sich der Mann, der sonst aus allen Lagen den Ball in den Winkel hämmert, schwer. Vor allem beim ersten Konter lässt Rambo oft den Keeper gewinnen. „Keine Ahnung warum, das ist wohl so“, meint er ungerührt und spielt den Ball spitzbübisch lächelnd an den Mentalcoach des Teams weiter: „Das muss Jörg Schiebel mal herausfinden.“

Der 30-Jährige setzt sich im idealen Handballer-Alter für die neue Saison große Ziele. Mit GWD, wo sein Vertrag im Sommer ausläuft, will er „mein bestes Jahr spielen“. Auch das letzte? Sein Blick richtet sich jedenfalls wieder in die Heimat: Dort soll der fünfjährige Sohn Noah eingeschult werden, seine Frau Michelle will ein Studium aufnehmen. Und Rambo selbst? Er will nach jahrelanger Pause wieder für Norwegen spielen und große Turniere bestreiten. Von Nationaltrainer Christian Berge hat er bereits positive Rückmeldungen erhalten. „Der Kontakt ist wieder da“, erzählt er und fügt selbstbewusst hinzu: „Ich will wieder ins Team.“

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