Talent vor dem Absprung: Der HSV Hamburg lockt GWD-Kreisläufer Justus Richtzenhain Marcus Riechmann Minden. Alarm bei GWD Minden: Nach Juri Knorr, der sich im Sommer den Rhein-Neckar Löwen anschließen wird, könnte der Handball-Bundesligist das nächste Top-Talent früher als gewünscht verlieren. Der Zweitliga-Tabellenführer HSV Hamburg möchte zur kommenden Saison GWD-Kreisläufer Justus Richtzenhain verpflichten. Er wäre nach Spielmacher Knorr, Linksaußen Joscha Ritterbach und Linkshänder Christoffer Rambo sowie Rechtsaußen Kevin Gulliksen, dessen Abschied in Richtung Göppingen sich abzeichnet, der bereits fünfte Profi, der GWD nach dieser Spielzeit verlassen würde. „Ja, es gibt Interesse“, bestätigt Richtzenhain , „ich habe mit dem HSV Gespräche geführt.“ Auch mit GWD haben die Hamburger bereits Kontakt aufgenommen. HSV-Trainer Torsten Jansen hat Mindens Sportgeschäftsführer Frank von Behren über seine Absichten informiert. „Toto hat mich angerufen“, sagt von Behren, doch er macht deutlich: „Wir würden Justus gerne halten.“ Es ist noch nicht lange her, da zweifelte Justus Richtzenhain, ob seine Zukunft im Handball liegt. Das Eigengewächs von GWD Minden, seit bald 20 Jahren bei den Dankersern am Ball, hatte es zwar direkt aus der Jugend in die Drittliga-Mannschaft und als Perspektivspieler an die Schwelle zum Bundesliga-Kader geschafft. Doch dort stagnierte die Entwicklung. Die Aussicht: unsicher. Vor einem Jahr traf der Kreisläufer eine Entscheidung. Er setzte voll auf die Karte Handball. Das hat sich ausgezahlt. Bei GWD hat er den Sprung ins Bundesliga-Team geschafft. Als Kreisläufer Lucas Meister in zwei Spielen im Herbst nach Roten Karten ausfiel, erhielt der 22-Jährige seine Chance und nutzte sie. „Da hatte ich persönlich das Glück, das man manchmal braucht, und konnte mich zeigen“, meint Richtzenhain und stellt fest: „Ich war mental soweit. Das wäre ich ein Jahr vorher vielleicht noch nicht gewesen.“ Er überzeugte zunächst im Angriff und dann – als auch dort Not herrschte – in der Abwehr. An beiden Stellen wird Richtzenhain in den kommenden Monaten gebraucht, weil Lucas Meister nach seiner im Heimspiel gegen TBV Lemgo erlittenen Sehnenverletzung noch lange ausfallen wird. „Wir würden gerne mit drei Kreisläufern in die neue Saison gehen“, sagt von Behren. „Justus hat sich gut entwickelt, er hat einen großen Schritt nach vorn gemacht. Er ist bei uns gut aufgehoben, die Voraussetzungen sind gut“, sagt der Sportgeschäftsführer zuversichtlich. Mit Joshua Thiele und Meister sieht er GWD zwar stabil am Kreis aufgestellt. Thiele, der im Sommer von der TSV Hannover-Burgdorf kam, besitzt einen Vertrag bis 2022. Gleiches gilt für Meister, der eine Ausstiegs-Option zum Jahreswechsel verstreichen ließ. „Trotzdem ist es uns wichtig, dass Justus bleibt“, setzt von Behren klar auf die weitere Entwicklung des Eigengewächses: „Wir haben ihm gesagt, dass wir gerne mit ihm weiter arbeiten wollen.“ Der Spieler bestätigt: „Ich hatte gute Gespräche mit GWD.“ Er fühle sich in Minden wohl. „Ich habe mit Frank Carstens einen super Trainer der auf die Jugend schaut, ich habe mich gut entwickelt. Alles passt.“ Trotzdem lockt der Ruf aus der Großstadt. „Hamburg ist eine tolle Stadt, der HSV ein cooler Verein“, sagt Richtzenhain, „nach Minden ist Hamburg die Stadt, zu der ich die stärkste Bindung haben.“ Sein Bruder Conrad lebt in der Elbmetropole, im ein Jahr älteren Jonas Gertges spielt ein alter GWD-Kumpel beim HSV auf Linksaußen. „Mit Jonas habe ich seit den Super-Minis bei GWD zusammengespielt“, erzählt Richtzenhain. Ob ihn in Hamburg die 1. oder 2. Liga erwartet, ist offen, aber, so Richtzenhain, „das ist nicht das entscheidende Kriterium.“ Beim HSV scheint ihm jedenfalls ein Stammplatz sicher. Die Verträge der beiden aktuellen Kreisläufer Niklas Weller (27) und Dominik Vogt (22) laufen im Sommer aus. „Ich werde nach Hamburg fahren, mit Torsten Jansen sprechen und mir alles anschauen“, sagt Richtzenhain und kündigt an: „Dann soll die Entscheidung schnell fallen, möglichst bis Ende Januar.“ Bis dahin will Frank von Behren ein anderes Problem gelöst haben. Bei der Suche nach einem kurzfristigen Ersatz für den bis zum Saisonende ausfallenden Miljan Pusica (Kreuzbandriss) sei man „auf einem guten Weg.“ Dabei richtet sich der Blick vor allem auf einen Stellvertreter im Angriff, um im linken Rückraum Doruk Pehlivan zu entlasten. In der Abwehr sollen Thiele, Pehlivan und Richtzenhain den Innenblock zusammenhalten. Größte Baustelle bleibt die Spielmacherposition, die nach den Wechseln von Marian Michalczik und demnächst Juri Knorr ein drittes Mal innerhalb kurzer Zeit neu zu besetzten ist. Hier sucht man die große Lösung mit einem gestandenen Profi. Von dieser Entscheidung ist im vielschichtigen Personalpuzzle die weitere Besetzung des Kaders abhängig. Immerhin kann von Behren seine Planungen intensivieren, denn von den GWD-Gesellschaftern hat er Rückendeckung erhalten: Sie haben ihm einen stabilen Personaletat, in etwa auf Vorjahresniveau mit einem leichten Corona-Abzug, zugesichert.

Talent vor dem Absprung: Der HSV Hamburg lockt GWD-Kreisläufer Justus Richtzenhain

Auch wenn ihn hier die linke Hand unerlaubt bereits im Torkreis stützt: Kaum ein Kreisläufer der Bundesliga wirft so spektakulär wie Justus Richtzenhain, hier im Heimspiel gegen die Füchse Berlin. Das GWD-Eigengewächs hat in diesem Jahr den Durchbruch geschafft. Das hat das Interesse des HSV Hamburg geweckt. Foto: Noah Wedel © Noah Wedel

Minden. Alarm bei GWD Minden: Nach Juri Knorr, der sich im Sommer den Rhein-Neckar Löwen anschließen wird, könnte der Handball-Bundesligist das nächste Top-Talent früher als gewünscht verlieren. Der Zweitliga-Tabellenführer HSV Hamburg möchte zur kommenden Saison GWD-Kreisläufer Justus Richtzenhain verpflichten. Er wäre nach Spielmacher Knorr, Linksaußen Joscha Ritterbach und Linkshänder Christoffer Rambo sowie Rechtsaußen Kevin Gulliksen, dessen Abschied in Richtung Göppingen sich abzeichnet, der bereits fünfte Profi, der GWD nach dieser Spielzeit verlassen würde.

„Ja, es gibt Interesse“, bestätigt Richtzenhain , „ich habe mit dem HSV Gespräche geführt.“ Auch mit GWD haben die Hamburger bereits Kontakt aufgenommen. HSV-Trainer Torsten Jansen hat Mindens Sportgeschäftsführer Frank von Behren über seine Absichten informiert. „Toto hat mich angerufen“, sagt von Behren, doch er macht deutlich: „Wir würden Justus gerne halten.“

Es ist noch nicht lange her, da zweifelte Justus Richtzenhain, ob seine Zukunft im Handball liegt. Das Eigengewächs von GWD Minden, seit bald 20 Jahren bei den Dankersern am Ball, hatte es zwar direkt aus der Jugend in die Drittliga-Mannschaft und als Perspektivspieler an die Schwelle zum Bundesliga-Kader geschafft. Doch dort stagnierte die Entwicklung. Die Aussicht: unsicher.

Vor einem Jahr traf der Kreisläufer eine Entscheidung. Er setzte voll auf die Karte Handball. Das hat sich ausgezahlt. Bei GWD hat er den Sprung ins Bundesliga-Team geschafft. Als Kreisläufer Lucas Meister in zwei Spielen im Herbst nach Roten Karten ausfiel, erhielt der 22-Jährige seine Chance und nutzte sie. „Da hatte ich persönlich das Glück, das man manchmal braucht, und konnte mich zeigen“, meint Richtzenhain und stellt fest: „Ich war mental soweit. Das wäre ich ein Jahr vorher vielleicht noch nicht gewesen.“ Er überzeugte zunächst im Angriff und dann – als auch dort Not herrschte – in der Abwehr. An beiden Stellen wird Richtzenhain in den kommenden Monaten gebraucht, weil Lucas Meister nach seiner im Heimspiel gegen TBV Lemgo erlittenen Sehnenverletzung noch lange ausfallen wird.

„Wir würden gerne mit drei Kreisläufern in die neue Saison gehen“, sagt von Behren. „Justus hat sich gut entwickelt, er hat einen großen Schritt nach vorn gemacht. Er ist bei uns gut aufgehoben, die Voraussetzungen sind gut“, sagt der Sportgeschäftsführer zuversichtlich. Mit Joshua Thiele und Meister sieht er GWD zwar stabil am Kreis aufgestellt. Thiele, der im Sommer von der TSV Hannover-Burgdorf kam, besitzt einen Vertrag bis 2022. Gleiches gilt für Meister, der eine Ausstiegs-Option zum Jahreswechsel verstreichen ließ. „Trotzdem ist es uns wichtig, dass Justus bleibt“, setzt von Behren klar auf die weitere Entwicklung des Eigengewächses: „Wir haben ihm gesagt, dass wir gerne mit ihm weiter arbeiten wollen.“

Der Spieler bestätigt: „Ich hatte gute Gespräche mit GWD.“ Er fühle sich in Minden wohl. „Ich habe mit Frank Carstens einen super Trainer der auf die Jugend schaut, ich habe mich gut entwickelt. Alles passt.“ Trotzdem lockt der Ruf aus der Großstadt. „Hamburg ist eine tolle Stadt, der HSV ein cooler Verein“, sagt Richtzenhain, „nach Minden ist Hamburg die Stadt, zu der ich die stärkste Bindung haben.“ Sein Bruder Conrad lebt in der Elbmetropole, im ein Jahr älteren Jonas Gertges spielt ein alter GWD-Kumpel beim HSV auf Linksaußen. „Mit Jonas habe ich seit den Super-Minis bei GWD zusammengespielt“, erzählt Richtzenhain. Ob ihn in Hamburg die 1. oder 2. Liga erwartet, ist offen, aber, so Richtzenhain, „das ist nicht das entscheidende Kriterium.“ Beim HSV scheint ihm jedenfalls ein Stammplatz sicher. Die Verträge der beiden aktuellen Kreisläufer Niklas Weller (27) und Dominik Vogt (22) laufen im Sommer aus. „Ich werde nach Hamburg fahren, mit Torsten Jansen sprechen und mir alles anschauen“, sagt Richtzenhain und kündigt an: „Dann soll die Entscheidung schnell fallen, möglichst bis Ende Januar.“

Bis dahin will Frank von Behren ein anderes Problem gelöst haben. Bei der Suche nach einem kurzfristigen Ersatz für den bis zum Saisonende ausfallenden Miljan Pusica (Kreuzbandriss) sei man „auf einem guten Weg.“ Dabei richtet sich der Blick vor allem auf einen Stellvertreter im Angriff, um im linken Rückraum Doruk Pehlivan zu entlasten. In der Abwehr sollen Thiele, Pehlivan und Richtzenhain den Innenblock zusammenhalten.

Größte Baustelle bleibt die Spielmacherposition, die nach den Wechseln von Marian Michalczik und demnächst Juri Knorr ein drittes Mal innerhalb kurzer Zeit neu zu besetzten ist. Hier sucht man die große Lösung mit einem gestandenen Profi. Von dieser Entscheidung ist im vielschichtigen Personalpuzzle die weitere Besetzung des Kaders abhängig. Immerhin kann von Behren seine Planungen intensivieren, denn von den GWD-Gesellschaftern hat er Rückendeckung erhalten: Sie haben ihm einen stabilen Personaletat, in etwa auf Vorjahresniveau mit einem leichten Corona-Abzug, zugesichert.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in GWD Minden