Stille Helden von GWD Minden: Warum fürs Team nicht nur die Stammspieler wichtig sind Astrid Plaßhenrich Minden. Es sind die anderen, die im Mittelpunkt stehen. Es sind diejenigen, die treffen wie am Fließband, die die entscheidenden Tore erzielen. Es sind diejenigen, die in der letzten Sekunde mit den Fingerspitzen noch den Ball abwehren oder mit der letzten Aktion einen Siebenmeter parieren. Doch um den Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga zu sichern, brauchte GWD Minden mehr, als die Helden an vorderster Front. Es sind Szenen, die in nach dieser verrückten Corona-Saison in Erinnerung bleiben. Mats Korte, der mit dem Ertönen der Schlusssirene mit seinem Wurf über das gesamte Spielfeld zum 30:29 gegen Hannover traf. Carsten Lichtlein, der in der allerletzten Aktion des Spiels den Ball nach einem Siebenmeter von Essens Noah Beyer neben das Tor lenkte und damit zwei Punkte sicherte. Max Janke, der den finalen Wurf von Ludwighafens Hendrik Wagner blockte und damit der Klassenerhalt sicher war. Und natürlich bleiben die spektakulären Treffer der Torjäger im Gedächtnis. Christoffer Rambo, Kevin Gulliksen und Juri Knorr waren mit ihren Toren die Mindener Lebensader. Das Trio traf auch im letzten Saisonspiel bei der HSG Wetzlar am häufigsten. Knorr war achtmal erfolgreich, Rambo sechs- und Gulliksen dreimal. Die beiden Norweger waren es auch, die nach der Pause innerhalb von viereinhalb Minuten mit ihren Toren ein 13:17 in ein 17:17 verwandelten und GWD wieder ins Geschäft brachten. Dagegen war es nur eine Randnotiz, dass Tim Brand im letzten Saisonspiel zu seinen ersten Bundesligaminuten kam. GWD-Trainer Frank Carstens setzte in Wetzlar noch einmal alle mitgereisten Spieler ein. Für Brand reichte es zu einem Kurzeinsatz ab der 56. Minute. Das Spiel stand zu lange Zeit auf der Kippe. „Ich kann das voll verstehen“, sagt der 22-jährige Rückraumspieler, „ich habe mich gefreut, dass ich überhaupt noch spielen durfte. Und es ist doch klar, dass wir alles versuchen, so lange die Chance besteht zu punkten. Wir wollten schließlich noch einmal seriös auftreten. Das ist gelungen.“ Frank Carstens belohnte mit Brands Einwechslung dessen Trainingsfleiß und Dienst für die Mannschaft. Gerne hätte der Mindener Coach den 22-Jährigen länger gebracht. „Das war echt schade“, sagte der 49-Jährige. Denn er weiß, was er an den Spieler aus dem Anschlusskader, zu dem auch Jonas Molz oder Leon Grabenstein gehörten, in den vergangenen Monaten hatte. Rechtsaußen Max Staar bringt das auf den Punkt: „Es tritt leider in den Hintergrund, dass alle ein Jahr mittrainieren und uns die Trainingssituationen geben, die wir brauchen. Sie trainieren uns, damit wir bereit für die Spiele sind.“ Als Tim Brand vor einem Jahr vom Drittligisten Eintracht Hagen nach Minden gewechselt war, stellte er sich seine Rückkehr – der 22-Jährige spielte bereits von 2014 bis 2018 für GWD – anders vor. Das gibt er offen zu. Trainieren bei der Bundesligamannschaft, Spielpraxis sammeln bei Zweiten in der 3. Liga. Doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Aufgrund der Pandemie stand die dritthöchste deutsche Klasse still. Trotzdem ist es für den Rechtshänder kein verlorenes Jahr. „Natürlich habe ich davon profitiert, mit den erfahrenen Spielern zu trainieren. Das hat mich weitergebracht“, sagt Brand, der sich als vollwertiges Mitglied der Mannschaft gefühlt hat: „Ich habe die Trainingsqualität hochgehalten, konnte immer wieder Lücken schließen, die verletzte Spieler hinterlassen haben.“ Jetzt schlägt Brand aber ein neues Kapitel auf: Der 22-Jährige wechselt zum Drittligisten SG Menden Sauerland. Am Montag packte er die letzten Sachen zusammen, am Mittwoch zieht er nach Sundern. Dort wohnen auch seine Eltern. Und dann tritt der Leistungssportgedanke etwas in den Hintergrund. Nach seinem Urlaub beginnt Brand eine Ausbildung bei der Polizei. Und dann kann er seinen Kollegen von einer legendären Partynacht nach einem dramatischen Abstiegskrimi erzählen. Zum Thema: Knorrs Noch-Nicht-Nominierung, Rambos und Carstens‘ supercooler Urlaubsplan Dass Christoffer Rambo nach knapp acht Jahren Minden verlässt, stand seit Monaten fest. Wie sehr seine Frau Michelle und die Söhne ihren Ehemann und Vater im vergangenen halben Jahr vermissten, beweist ein Instagram-Post von Montag. Die Familie hatte jeden einzelnen Tag bis zu Rambos Heimkehr auf einem Kalenderblatt abgestrichen. „Der Countdown ist vorbei. Daddy kommt endlich nach Hause“, postete seine Frau Michelle. Die Familie war bereits im Januar zurück nach Norwegen gezogen, Rambo bis zum Vertragsende in Minden geblieben. Gestern landete gegen 13 Uhr das Flugzeug mit dem Zwei-Meter-Schlaks an Bord. Dann konnte der Mindener Rekordtorschütze mit 1228 Treffern seine Lieben endlich wieder in die Arme schließen. Frank Carstens hat nach der langen Saison mit zahlreichen Unwägbarkeiten zwei positive Dinge an Corona festgemacht. Dadurch dass die kommende Serie wie auch schon im vergangenen Jahr erst im Herbst startet, kann der GWD-Trainer mit seiner Familie jetzt in den Urlaub. „Das ist supercool“, sagt der 49-Jährige. Auch Weihnachten und Silvester konnte Carstens mit seiner Familie feiern, ohne einen Gedanken an Handball zu verschwenden – der Quarantäne von FA Göppingen sei Dank.

Stille Helden von GWD Minden: Warum fürs Team nicht nur die Stammspieler wichtig sind

Schicksalsgemeinschaft: Tim Brand (rechts) und Jonas Molz standen im Profikader immer hinten an. Jetzt wechseln beide zu Drittligisten. Brand zur SG Menden Sauerland, Molz zur HSG Krefeld. Foto: Noah Wedel © Noah Wedel

Minden. Es sind die anderen, die im Mittelpunkt stehen. Es sind diejenigen, die treffen wie am Fließband, die die entscheidenden Tore erzielen. Es sind diejenigen, die in der letzten Sekunde mit den Fingerspitzen noch den Ball abwehren oder mit der letzten Aktion einen Siebenmeter parieren. Doch um den Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga zu sichern, brauchte GWD Minden mehr, als die Helden an vorderster Front.

Es sind Szenen, die in nach dieser verrückten Corona-Saison in Erinnerung bleiben. Mats Korte, der mit dem Ertönen der Schlusssirene mit seinem Wurf über das gesamte Spielfeld zum 30:29 gegen Hannover traf. Carsten Lichtlein, der in der allerletzten Aktion des Spiels den Ball nach einem Siebenmeter von Essens Noah Beyer neben das Tor lenkte und damit zwei Punkte sicherte. Max Janke, der den finalen Wurf von Ludwighafens Hendrik Wagner blockte und damit der Klassenerhalt sicher war. Und natürlich bleiben die spektakulären Treffer der Torjäger im Gedächtnis. Christoffer Rambo, Kevin Gulliksen und Juri Knorr waren mit ihren Toren die Mindener Lebensader.

Das Trio traf auch im letzten Saisonspiel bei der HSG Wetzlar am häufigsten. Knorr war achtmal erfolgreich, Rambo sechs- und Gulliksen dreimal. Die beiden Norweger waren es auch, die nach der Pause innerhalb von viereinhalb Minuten mit ihren Toren ein 13:17 in ein 17:17 verwandelten und GWD wieder ins Geschäft brachten.

Dagegen war es nur eine Randnotiz, dass Tim Brand im letzten Saisonspiel zu seinen ersten Bundesligaminuten kam. GWD-Trainer Frank Carstens setzte in Wetzlar noch einmal alle mitgereisten Spieler ein. Für Brand reichte es zu einem Kurzeinsatz ab der 56. Minute. Das Spiel stand zu lange Zeit auf der Kippe. „Ich kann das voll verstehen“, sagt der 22-jährige Rückraumspieler, „ich habe mich gefreut, dass ich überhaupt noch spielen durfte. Und es ist doch klar, dass wir alles versuchen, so lange die Chance besteht zu punkten. Wir wollten schließlich noch einmal seriös auftreten. Das ist gelungen.“

Frank Carstens belohnte mit Brands Einwechslung dessen Trainingsfleiß und Dienst für die Mannschaft. Gerne hätte der Mindener Coach den 22-Jährigen länger gebracht. „Das war echt schade“, sagte der 49-Jährige. Denn er weiß, was er an den Spieler aus dem Anschlusskader, zu dem auch Jonas Molz oder Leon Grabenstein gehörten, in den vergangenen Monaten hatte. Rechtsaußen Max Staar bringt das auf den Punkt: „Es tritt leider in den Hintergrund, dass alle ein Jahr mittrainieren und uns die Trainingssituationen geben, die wir brauchen. Sie trainieren uns, damit wir bereit für die Spiele sind.“

Als Tim Brand vor einem Jahr vom Drittligisten Eintracht Hagen nach Minden gewechselt war, stellte er sich seine Rückkehr – der 22-Jährige spielte bereits von 2014 bis 2018 für GWD – anders vor. Das gibt er offen zu. Trainieren bei der Bundesligamannschaft, Spielpraxis sammeln bei Zweiten in der 3. Liga. Doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Aufgrund der Pandemie stand die dritthöchste deutsche Klasse still. Trotzdem ist es für den Rechtshänder kein verlorenes Jahr. „Natürlich habe ich davon profitiert, mit den erfahrenen Spielern zu trainieren. Das hat mich weitergebracht“, sagt Brand, der sich als vollwertiges Mitglied der Mannschaft gefühlt hat: „Ich habe die Trainingsqualität hochgehalten, konnte immer wieder Lücken schließen, die verletzte Spieler hinterlassen haben.“

Jetzt schlägt Brand aber ein neues Kapitel auf: Der 22-Jährige wechselt zum Drittligisten SG Menden Sauerland. Am Montag packte er die letzten Sachen zusammen, am Mittwoch zieht er nach Sundern. Dort wohnen auch seine Eltern. Und dann tritt der Leistungssportgedanke etwas in den Hintergrund. Nach seinem Urlaub beginnt Brand eine Ausbildung bei der Polizei. Und dann kann er seinen Kollegen von einer legendären Partynacht nach einem dramatischen Abstiegskrimi erzählen.

Zum Thema: Knorrs Noch-Nicht-Nominierung, Rambos und Carstens‘ supercooler Urlaubsplan

Dass Christoffer Rambo nach knapp acht Jahren Minden verlässt, stand seit Monaten fest. Wie sehr seine Frau Michelle und die Söhne ihren Ehemann und Vater im vergangenen halben Jahr vermissten, beweist ein Instagram-Post von Montag. Die Familie hatte jeden einzelnen Tag bis zu Rambos Heimkehr auf einem Kalenderblatt abgestrichen. „Der Countdown ist vorbei. Daddy kommt endlich nach Hause“, postete seine Frau Michelle. Die Familie war bereits im Januar zurück nach Norwegen gezogen, Rambo bis zum Vertragsende in Minden geblieben. Gestern landete gegen 13 Uhr das Flugzeug mit dem Zwei-Meter-Schlaks an Bord. Dann konnte der Mindener Rekordtorschütze mit 1228 Treffern seine Lieben endlich wieder in die Arme schließen.

Frank Carstens hat nach der langen Saison mit zahlreichen Unwägbarkeiten zwei positive Dinge an Corona festgemacht. Dadurch dass die kommende Serie wie auch schon im vergangenen Jahr erst im Herbst startet, kann der GWD-Trainer mit seiner Familie jetzt in den Urlaub. „Das ist supercool“, sagt der 49-Jährige. Auch Weihnachten und Silvester konnte Carstens mit seiner Familie feiern, ohne einen Gedanken an Handball zu verschwenden – der Quarantäne von FA Göppingen sei Dank.

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