Sechsmal zehn statt einmal 60 - GWD Mindens mentaler Kniff vor dem BHC-Heimspiel Sebastian Külbel Minden. Nach dem Niederschlag in Stuttgart rappelt sich der Tabellenletzte der Handball-Bundesliga mühsam wieder auf. „Das hat jeden getroffen“, sagt GWD Mindens Trainer Frank Carstens über das bittere 31:35 im Kellerduell am vorigen Donnerstag. Im Heimspiel gegen den Bergischen HC nehmen er und sein Team am Donnerstag den nächsten Anlauf, um endlich die so dringend benötigte Aufholjagd zu starten – und besinnen sich dabei auf einen mentalen Kniff, der schon einmal funktioniert hat. Nachdem GWD in drei der vergangenen vier Partien den Start völlig verschlafen hat, liegt der klare Fokus auf der Anfangsphase. „Es hat uns alle geschockt, wie das Spiel in Stuttgart zu Beginn gelaufen ist“, sagt Carstens. Ähnlich war es schon in den ersten Wochen dieser Saison, auf die der Coach jetzt zurückkommt: „Wir haben damals eine Strategie entwickelt, um das zu verbessern.“Seinerzeit half es den Mindenern, das Spiel in einzelnen Phasen zu betrachten. Carstens erklärt, wie das helfen kann: „Direkt vor dem Anpfiff können 60 Minuten ganz schön lang sein. Wir haben das Spiel in Etappen unterteilt, um Größe der Aufgabe kleiner zu machen.“ Statt an einmal 60 denken die GWD-Profis jetzt an sechsmal zehn Minuten – und viel weiter soll der Horizont zurzeit auch nicht reichen: „Wir gucken gar nicht groß über die einzelnen Spiele hinaus.“ Ein Punkteziel für die vier Spiele bis zur EM-Pause hat der Mindener Trainer daher auch nicht: „Das einzige Ziel ist es, Spiele zu gewinnen.“ Dafür muss sich seine Mannschaft in vielen Aspekten verbessern – aber vor allem im Angriff. Hatte Carstens direkt nach dem Debakel in Stuttgart noch die Abwehr ins Zentrum seiner Kritik genommen, sieht er das nach einer genaueren Analyse anders: „Ich musste meine Einschätzung korrigieren. Bei 35 Gegentreffern denkt man zuerst über die Abwehr nach. Aber angesichts von 13 Tempotoren gegen uns in der ersten Halbzeit muss man feststellen, dass wir im Angriff und im Rückzugsverhalten nicht allzu viel hinbekommen haben.“ Denn während sein Team in der Abwehr trotz der vielen Gegentore zumindest den Zahlen zufolge die beste Saisonleistung hingelegt habe, passte die Statistik im Positionsangriff überhaupt nicht: „Wir hatten 19 Fehlwürfe und nur 47 Prozent Wurfeffektivität. Das ist die zweitschlechteste Zahl nach dem Spiel gegen den TuS N-Lübbecke.“ Vor allem zu Beginn des Spiels war dieses Defizit gravierend: Sechs erfolglosen Mindener Angriffen standen fünf Stuttgarter Tore gegenüber. Das hat im Prinzip schon fast gereicht. Genau deshalb blickt Carstens jetzt so stark auf die Anfangsphase: „Das ist der erste und wichtigste Ansatzpunkt. Wir müssen uns Selbstvertrauen holen und uns mit gelungenen Aktionen in dieses Duell hineinkämpfen, um am Ende die Chance auf ein Erfolgserlebnis zu haben.“ Um dessen Wichtigkeit zu erfassen, ist dann doch einmal der Blick auf die Tabelle nötig: In dieser ist der Kreisrivale aus Lübbecke auf dem ersten Nichtabstiegsplatz bereits sechs Punkte entfernt. Dennoch gerät der 50-Jährige noch nicht in Panik: „In Stuttgart ist nichts passiert von dem ich sage, das passiert eigentlich nicht.“ Und die Fortschritte im Training machen ihm weiter Mut: „Wir arbeiten vernünftig und kommen vorwärts. Ich sehe keine Alternative dazu. Wir arbeiten an unseren Automatismen und daran, stressresistenter zu werden.“ Hoffnung macht den Mindenern, dass sie die Erkältungswelle im Team bewältigt haben und alle Spieler, abgesehen von den Langzeitverletzten, wieder fit sind. Und auch auf dem Transfermarkt kommt Coach Carstens, der nach der Trennung von Sport-Geschäftsführer Frank von Behren auch für die Kaderzusammenstellung verantwortlich ist, voran: „Es könnte jetzt schnell gehen, es ist etwas in der Röhre. Ich kann aber nur sagen, dass es für Donnerstag noch nichts wird.“

Sechsmal zehn statt einmal 60 - GWD Mindens mentaler Kniff vor dem BHC-Heimspiel

Frank Carstens zerbricht sich den Kopf darüber, wie er er GWD Minden konstant zu Siegen führen kann. Er setzt auf konzentrierte Trainingsarbeit – „einen anderen Weg sehe ich nicht“. Foto: © Tabea Guenzler/Eibner-Pressefoto

Minden. Nach dem Niederschlag in Stuttgart rappelt sich der Tabellenletzte der Handball-Bundesliga mühsam wieder auf. „Das hat jeden getroffen“, sagt GWD Mindens Trainer Frank Carstens über das bittere 31:35 im Kellerduell am vorigen Donnerstag. Im Heimspiel gegen den Bergischen HC nehmen er und sein Team am Donnerstag den nächsten Anlauf, um endlich die so dringend benötigte Aufholjagd zu starten – und besinnen sich dabei auf einen mentalen Kniff, der schon einmal funktioniert hat.

Nachdem GWD in drei der vergangenen vier Partien den Start völlig verschlafen hat, liegt der klare Fokus auf der Anfangsphase. „Es hat uns alle geschockt, wie das Spiel in Stuttgart zu Beginn gelaufen ist“, sagt Carstens. Ähnlich war es schon in den ersten Wochen dieser Saison, auf die der Coach jetzt zurückkommt: „Wir haben damals eine Strategie entwickelt, um das zu verbessern.“

Seinerzeit half es den Mindenern, das Spiel in einzelnen Phasen zu betrachten. Carstens erklärt, wie das helfen kann: „Direkt vor dem Anpfiff können 60 Minuten ganz schön lang sein. Wir haben das Spiel in Etappen unterteilt, um Größe der Aufgabe kleiner zu machen.“ Statt an einmal 60 denken die GWD-Profis jetzt an sechsmal zehn Minuten – und viel weiter soll der Horizont zurzeit auch nicht reichen: „Wir gucken gar nicht groß über die einzelnen Spiele hinaus.“ Ein Punkteziel für die vier Spiele bis zur EM-Pause hat der Mindener Trainer daher auch nicht: „Das einzige Ziel ist es, Spiele zu gewinnen.“

Dafür muss sich seine Mannschaft in vielen Aspekten verbessern – aber vor allem im Angriff. Hatte Carstens direkt nach dem Debakel in Stuttgart noch die Abwehr ins Zentrum seiner Kritik genommen, sieht er das nach einer genaueren Analyse anders: „Ich musste meine Einschätzung korrigieren. Bei 35 Gegentreffern denkt man zuerst über die Abwehr nach. Aber angesichts von 13 Tempotoren gegen uns in der ersten Halbzeit muss man feststellen, dass wir im Angriff und im Rückzugsverhalten nicht allzu viel hinbekommen haben.“

Denn während sein Team in der Abwehr trotz der vielen Gegentore zumindest den Zahlen zufolge die beste Saisonleistung hingelegt habe, passte die Statistik im Positionsangriff überhaupt nicht: „Wir hatten 19 Fehlwürfe und nur 47 Prozent Wurfeffektivität. Das ist die zweitschlechteste Zahl nach dem Spiel gegen den TuS N-Lübbecke.“ Vor allem zu Beginn des Spiels war dieses Defizit gravierend: Sechs erfolglosen Mindener Angriffen standen fünf Stuttgarter Tore gegenüber. Das hat im Prinzip schon fast gereicht.

Genau deshalb blickt Carstens jetzt so stark auf die Anfangsphase: „Das ist der erste und wichtigste Ansatzpunkt. Wir müssen uns Selbstvertrauen holen und uns mit gelungenen Aktionen in dieses Duell hineinkämpfen, um am Ende die Chance auf ein Erfolgserlebnis zu haben.“ Um dessen Wichtigkeit zu erfassen, ist dann doch einmal der Blick auf die Tabelle nötig: In dieser ist der Kreisrivale aus Lübbecke auf dem ersten Nichtabstiegsplatz bereits sechs Punkte entfernt.

Dennoch gerät der 50-Jährige noch nicht in Panik: „In Stuttgart ist nichts passiert von dem ich sage, das passiert eigentlich nicht.“ Und die Fortschritte im Training machen ihm weiter Mut: „Wir arbeiten vernünftig und kommen vorwärts. Ich sehe keine Alternative dazu. Wir arbeiten an unseren Automatismen und daran, stressresistenter zu werden.“

Hoffnung macht den Mindenern, dass sie die Erkältungswelle im Team bewältigt haben und alle Spieler, abgesehen von den Langzeitverletzten, wieder fit sind. Und auch auf dem Transfermarkt kommt Coach Carstens, der nach der Trennung von Sport-Geschäftsführer Frank von Behren auch für die Kaderzusammenstellung verantwortlich ist, voran: „Es könnte jetzt schnell gehen, es ist etwas in der Röhre. Ich kann aber nur sagen, dass es für Donnerstag noch nichts wird.“

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