Rückblick: Corona beendet die Blütezeit von GWD Minden Michael Lorenz Minden. Nach der Saison 2018/19 war Dalibor Doder, der langjährige Mittelmann und Kapitän des Handball-Bundesligisten GWD Minden, von Bord des grün-weißen Dampfers gegangen. Die Last, die der mittlerweile 40-jährige Schwede als Torjäger und Spielgestalter getragen hatte, sollte auf mehrere Schultern verteilt werden, so der Plan. Ein neuer Spielmacher wurde zunächst nicht verpflichtet. Als die Mindener Transferperiode bereits für abgeschlossen erklärt worden war, stand plötzlich doch ein neuer Regisseur auf der Matte: Juri Knorr kam aus der Reserve des FC Barcelona nach Minden. Der Sohn des langjährigen Nationalspielers Thomas Knorr war in der katalanischen Kaderschmiede„La Masia“ ausgebildet worden, im Mai gerade erst 19 Jahre alt geworden und galt als größtes deutsche Talent seiner Altersklasse. Die Umstände, dass GWD-Trainer Frank Carstens sich in der Vergangenheit den Ruf erworben hatte, junge deutsche Talente zu fördern und dass Carstens zudem mit Thomas Knorr befreundet ist, bewogen den Sunnyboy dazu, seine ersten Bundesligaschritte in Minden gehen zu wollen. Doch zunächst hatte er Anpassungsschwierigkeiten – so wie das gesamte Team. Der Auftakt für GWD mit einer peinlichen Pokalpleite gegen Hamm und Bundesliga-Niederlagen in Hannover und gegen Leipzig verlief eher schleppend. Am 3. Spieltag aber landeten die Mindener einen sensationellen 29:25-Sieg bei den Füchsen Berlin einen Paukenschlag. Es folgten ein Remis in Stuttgart, ein glatter Sieg gegen die Ludwigshafener Eulen und eine vermeidbare Niederlage in Göppingen. Am 29. September gab es im OWL-Derby gegen den TBV Lemgo einen 33:31-Sieg, der so etwas wie den emotionalen Höhepunkt dieser ersten Saisonphase darstellte. Juri Knorr unterlief in der entscheidenden Phase ein haarsträubender Technischer Fehler, doch er machte unverdrossen weiter. Ein sensationeller No-Look-Pass auf Kreisläufer Magnus Gullerud, den dieser zum 31:30 verwandelte, und ein Hüftwurf ins TBV-Netz zum 32:31 waren prägende Aktionen des Youngsters. Es folgten Niederlagen beim Bergischen HC und gegen Flensburg. Bei Schlusslicht Nordhorn-Lingen kam Minden zu einem schmeichelhaften 26:25-Sieg . Der entscheidende Mann war erneut Knorr. Am 11. Spieltag holte GWD ein glückliches 30:30 gegen Balingen und stand mit 10:12 Punkten und Platz zehn sehr gut da. Doch Juri Knorr zog sich in diesem Spiel eine schwere Handverletzung zu und fiel Monate lang aus. Ohne seinen„Game-Changer“, wie Carstens ihn nannte, begann für GWD Saisonphase zwei, und die hatte es im negativen Sinne in sich. Trotz ordentlicher Leistungen gab es Niederlagen in Magdeburg, gegen Melsungen, in Wetzlar, gegen die Rhein-Neckar Löwen und beim THW Kiel. Mit dem Rücken zur Wand trafen die Mindener am 15. Dezember zuhause auf den direkten Konkurrenten HC Erlangen: Das 26:29 markierte den Tiefpunkt der Saison, aber auch das Ende von Saisonphase zwei, in der GWD mit 0:12 Punkten schnurstracks in den Tabellenkeller gerutscht war. Kurz vor Weihnachten fing sich das Team wieder. In die Chef-Rolle war mehr und mehr Marian Michalczik hineingewachsen. Der Kapitän ging voran, erzielte wichtige Tore, glänzte als Anspieler und stand in der Deckung seinen Mann. Ein Sieg gegen Angstgegner Bergischer HC und nach einer Niederlage in Flensburg ein Remis gegen den Tabellenzweiten TSV Hannover Burgdorf beendeten Saisonphase drei für GWD Minden. Das Spiel gegen Hannover war das letzte in der Mindener Kampa-Halle und das Finale von Saisonphase drei, in der sich das Team konsolidierte. „Die Mannschaft hat nach der Erlangen-Niederlage genau die richtige Antwort gegeben“, lobte Coach Carstens. Es folgte die EM-Pause und der Umzug nach Lübbecke. Dort geschah das Unerwartete: Die GWD-Fans zogen mit mit und verwandelten die grün-weiß gewandete Kreissporthalle in einen Hexenkessel. In den Heimspielen gegen Göppingen und Berlin gewannen die Mindener und hielten sich gegen Klassenprimus THW Kiel lange Zeit mehr als achtbar. Auswärts verlor man in Lemgo und Leipzig. Bei Balingen-Weilstetten gab es am 27. Spieltag ein hart erkämpftes 26:26-Remis. Das war's. Das Corona-Virus stoppte den guten Lauf von GWD Minden und beendete die Saison vorzeitig. „Das abrupte Ende war bitter. Ich hatte mich auf den letzten Saisonteil gefreut, da habe ich der Mannschaft noch einiges zugetraut“, sagt Frank von Behren, der das Team für den Umschwung nach Weihnachten lobt: „Da hat man gesehen, was in der Mannschaft steckt. Die erste Halbzeit gegen Kiel war offensiv überragend.“ Der Geschäftsführer Sport bedauert: „Ich hätte diese Mannschaft gerne noch ein Jahr in dieser Zusammenstellung gesehen. Da war noch eine Menge Potenzial vorhanden.“

Rückblick: Corona beendet die Blütezeit von GWD Minden

Die Entdeckung der Saison: Juri Knorr mischte die Liga auf, hier beim Heimsieg gegen den TBV Lemgo. Fotos: Noah Wedel © Noah Wedel

Minden. Nach der Saison 2018/19 war Dalibor Doder, der langjährige Mittelmann und Kapitän des Handball-Bundesligisten GWD Minden, von Bord des grün-weißen Dampfers gegangen. Die Last, die der mittlerweile 40-jährige Schwede als Torjäger und Spielgestalter getragen hatte, sollte auf mehrere Schultern verteilt werden, so der Plan. Ein neuer Spielmacher wurde zunächst nicht verpflichtet.

Als die Mindener Transferperiode bereits für abgeschlossen erklärt worden war, stand plötzlich doch ein neuer Regisseur auf der Matte: Juri Knorr kam aus der Reserve des FC Barcelona nach Minden. Der Sohn des langjährigen Nationalspielers Thomas Knorr war in der katalanischen Kaderschmiede„La Masia“ ausgebildet worden, im Mai gerade erst 19 Jahre alt geworden und galt als größtes deutsche Talent seiner Altersklasse.

Wucht am Kreis: Lucas Meister, hier beim Heimsieg gegen Berlin. - © Noah Wedel
Wucht am Kreis: Lucas Meister, hier beim Heimsieg gegen Berlin. - © Noah Wedel

Die Umstände, dass GWD-Trainer Frank Carstens sich in der Vergangenheit den Ruf erworben hatte, junge deutsche Talente zu fördern und dass Carstens zudem mit Thomas Knorr befreundet ist, bewogen den Sunnyboy dazu, seine ersten Bundesligaschritte in Minden gehen zu wollen.

Doch zunächst hatte er Anpassungsschwierigkeiten – so wie das gesamte Team. Der Auftakt für GWD mit einer peinlichen Pokalpleite gegen Hamm und Bundesliga-Niederlagen in Hannover und gegen Leipzig verlief eher schleppend. Am 3. Spieltag aber landeten die Mindener einen sensationellen 29:25-Sieg bei den Füchsen Berlin einen Paukenschlag. Es folgten ein Remis in Stuttgart, ein glatter Sieg gegen die Ludwigshafener Eulen und eine vermeidbare Niederlage in Göppingen. Am 29. September gab es im OWL-Derby gegen den TBV Lemgo einen 33:31-Sieg, der so etwas wie den emotionalen Höhepunkt dieser ersten Saisonphase darstellte. Juri Knorr unterlief in der entscheidenden Phase ein haarsträubender Technischer Fehler, doch er machte unverdrossen weiter. Ein sensationeller No-Look-Pass auf Kreisläufer Magnus Gullerud, den dieser zum 31:30 verwandelte, und ein Hüftwurf ins TBV-Netz zum 32:31 waren prägende Aktionen des Youngsters.

Immer stärker: Malte Semisch war Vater der letzten Heimsiege. - © Noah Wedel
Immer stärker: Malte Semisch war Vater der letzten Heimsiege. - © Noah Wedel

Es folgten Niederlagen beim Bergischen HC und gegen Flensburg. Bei Schlusslicht Nordhorn-Lingen kam Minden zu einem schmeichelhaften 26:25-Sieg . Der entscheidende Mann war erneut Knorr.

Am 11. Spieltag holte GWD ein glückliches 30:30 gegen Balingen und stand mit 10:12 Punkten und Platz zehn sehr gut da. Doch Juri Knorr zog sich in diesem Spiel eine schwere Handverletzung zu und fiel Monate lang aus. Ohne seinen„Game-Changer“, wie Carstens ihn nannte, begann für GWD Saisonphase zwei, und die hatte es im negativen Sinne in sich. Trotz ordentlicher Leistungen gab es Niederlagen in Magdeburg, gegen Melsungen, in Wetzlar, gegen die Rhein-Neckar Löwen und beim THW Kiel. Mit dem Rücken zur Wand trafen die Mindener am 15. Dezember zuhause auf den direkten Konkurrenten HC Erlangen: Das 26:29 markierte den Tiefpunkt der Saison, aber auch das Ende von Saisonphase zwei, in der GWD mit 0:12 Punkten schnurstracks in den Tabellenkeller gerutscht war.

Lübbecke, Deutschland 09.02.2020: 1. Handball-Bundesliga - 2019/2020 - GWD Minden vs. Frisch auf Göppingen Malte Semisch (Minden) Fotos: Noah Wedel Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Lübbecke, Deutschland 09.02.2020: 1. Handball-Bundesliga - 2019/2020 - GWD Minden vs. Frisch auf Göppingen Malte Semisch (Minden) Fotos: Noah Wedel Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel

Kurz vor Weihnachten fing sich das Team wieder. In die Chef-Rolle war mehr und mehr Marian Michalczik hineingewachsen. Der Kapitän ging voran, erzielte wichtige Tore, glänzte als Anspieler und stand in der Deckung seinen Mann. Ein Sieg gegen Angstgegner Bergischer HC und nach einer Niederlage in Flensburg ein Remis gegen den Tabellenzweiten TSV Hannover Burgdorf beendeten Saisonphase drei für GWD Minden. Das Spiel gegen Hannover war das letzte in der Mindener Kampa-Halle und das Finale von Saisonphase drei, in der sich das Team konsolidierte. „Die Mannschaft hat nach der Erlangen-Niederlage genau die richtige Antwort gegeben“, lobte Coach Carstens.

Es folgte die EM-Pause und der Umzug nach Lübbecke. Dort geschah das Unerwartete: Die GWD-Fans zogen mit mit und verwandelten die grün-weiß gewandete Kreissporthalle in einen Hexenkessel. In den Heimspielen gegen Göppingen und Berlin gewannen die Mindener und hielten sich gegen Klassenprimus THW Kiel lange Zeit mehr als achtbar. Auswärts verlor man in Lemgo und Leipzig. Bei Balingen-Weilstetten gab es am 27. Spieltag ein hart erkämpftes 26:26-Remis. Das war's. Das Corona-Virus stoppte den guten Lauf von GWD Minden und beendete die Saison vorzeitig.

„Das abrupte Ende war bitter. Ich hatte mich auf den letzten Saisonteil gefreut, da habe ich der Mannschaft noch einiges zugetraut“, sagt Frank von Behren, der das Team für den Umschwung nach Weihnachten lobt: „Da hat man gesehen, was in der Mannschaft steckt. Die erste Halbzeit gegen Kiel war offensiv überragend.“ Der Geschäftsführer Sport bedauert: „Ich hätte diese Mannschaft gerne noch ein Jahr in dieser Zusammenstellung gesehen. Da war noch eine Menge Potenzial vorhanden.“

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