Rot-Schock legt GWD lahm: Heimpremiere und das Debüt von Christian Zeitz enden in großer Enttäuschung Marcus Riechmann Lübbecke. Nach dem Abpfiff standen die Handballer von GWD eng im Kreis zusammen und leisteten einander Beistand in schwerer Stunde. Unter denkwürdigen Umständen hatten sie das erste Heimspiel der neuen Bundesliga-Saison verloren. Drei Rote Karten innerhalb von zehn Minuten setzten die Männer in Grün gestern Abend in einen Schockzustand und mündeten in eine 24:29 (15:13)-Niederlage gegen die HSG Wetzlar. Es schien, als hätte ein höllischer Regisseur das Drehbuch für den Abend geschrieben, schlicht alle in der Coronapause entfallene Dramatik und Tragik der vergangenen Monate zusammengerafft und in ein einziges Spiel gepackt. Nacheinander schieden in Mannschaftskapitän Miljan Pusica (30. Minute) und Kreisläufer Lucas Meister (38.) erst die zentralen Abwehrspieler aus, danach musste auch noch in Christoffer Rambo (41.) der wichtigste Torjäger das Spielfeld verlassen. Ihrer drei zentralen Säulen beraubt, vermochte das Team die Gäste nicht mehr aufzuhalten. Das traf die Mindener tief in der Seele. Ihr leidenschaftliches Ringen um den perfekten Heimstart war krachend gescheitert. Der Genuss des ersten Spiels vor den eigenen Fans nach siebenmonatiger Abstinenz war ihnen verdorben worden. Konsterniert nahmen die GWD-Spieler ebenso wie ihr Coach Frank Carstens die Niederlage zur Kenntnis. Sie selbst hatten aber auch ihren Anteil am tragischen Spielverlauf, denn die GWD-Männer ließen geradezu fahrlässig beste Chance nahezu im Dutzend aus. Immer wieder fanden Kevin Gulliksen und Kollegen vor allem bei Tempogegenstößen ihren Meister im cleveren Gästetorhüter Till Klimke. „Wir hatten Glück und Klimke“, meinte Gästetrainer Kai Wandschneider später über das Mindener Fehlwurf-Festival nachdem er eingeräumt hatte, dass GWD lange Zeit „die bessere Mannschaft war.“ Seinem Team sei lange nicht viel gegen die aggressive und antizipative GWD-Defensive eingefallen: „Frank hat da eine tolle Abwehr hingestellt“, lobte Wandschneider die Taktik des Mindener Trainers. Auch Carstens selbst war zufrieden mit dem Auftritt seines Teams, das mit deutlich größerer Überzeugung als die Hessen an die Arbeit ging und die Fans mit tollen Aktionen phasenweise mitriss. 530 Zuschauer und damit deutlich weniger als die nach dem Hygienekonzept erlaubten 762 waren gekommen, doch sie sorgten bisweilen für prächtige Stimmung. Carstens lobte die Balance im Angriffsspiel und nahm angesichts der leidenschaftlichen Abwehrarbeit auch das krass gegen GWD sprechende Zeitstrafenverhältnis von 16:4 Minuten hin. „Da waren wir manchmal etwas ungestüm“, meinte er. Doch ihn wurmte: „Wir haben viel zu viel liegen lassen, das kostet uns eine höhere Führung. Daran müssen wir dringend arbeiten.“ Doch die üble Wurfquote hätten die Mindener gestern Abend wohl mit ihrer sportlichen Überlegenheit kompensieren können. Die Ausfälle der drei Stammspieler aber nicht. Pusica traf es mit dem Pfiff zur Halbzeitpause. Bei einem Direktfreiwurf der Gäste schickte Carstens den Deckungsspezialisten in die Abwehrmauer. Ein Wechsel ist jedoch ist wie am Spielende auch schon bei der letzten Aktion zur Halbzeit nicht mehr erlaubt. Nach einem Hinweis des dritten Offiziellen wurde Pusica disqualifiziert. „Das nehme ich auf meine Kappe, ich habe ich nicht gewusst, dass das auch schon zur Halbzeit so ist“, übernahm der Coach die Verantwortung für das Aus des bereits mit zwei Zeitstrafen vorbelasteten Serben. Die weiteren Roten Karten folgten aus Foulspielen: Lucas Meister soll den Gäste-Linksaußen Emil Mellegard falsch berührt haben, Christoffer Rambo stieg zu körperbetont gegen den sich mit Macht in die Deckung werfenden Wetzlarer Philip Henningsson ein. Da hatte Minden, bereits nervlich gezeichnet von den ersten beiden Rot-Rückschlägen, schon den Rhythmus verloren und die Führung zum 17:18 abgegeben. Beide Male griffen die Schiedsrichter Robert Schulze und Tobias Tönnies nach kurzer Beratung an die Gesäßtasche und urteilten maximal streng. Nach der langen Corona-Pause vielleicht eine Folge mangelnder Matchpraxis und noch fehlendem Feingefühl. Die beiden Männer mit der Pfeife standen jedenfalls im Zentrum der lautstarken Fan-Kritik. Später war sarkastisch von einem Fehler im Hygiene-Konzept die Rede: Es seien zwei Mann zuviel in der Halle gewesen. Christian Zeitz hatte sich sein Debüt für GWD sicher anders vorgestellt. Er kam angesichts des Rambo-Ausfalls zu mehr Spielzeit als zur Eingewöhnung vorgesehen war. Zum 19:22 erzielte er in der 50. Minute auch sein erstes GWD-Tor. Doch ihm fehlte noch die Praxis und die Bindung zum Team. Recht nüchtern bewertete der 39-Jährige die Roten Karten: „Die waren alle drei berechtigt.“ Doch sie waren zugleich ein Novum in der bereits zwei Jahrzehnte währenden Erstliga-Karriere des 2007er Weltmeisters: Drei Rote Karten gegen seine Mannschaft in einem Spiel hatte er auch noch nicht erlebt. GWD Minden - HSG Wetzlar 24:29 (15:13). Tore für GWD Minden: Gulliksen (5), Meister (4), Pehlivan (4), Knorr (3), Richtzenhain (2), Padshyvalau (2), Rambo (2), Korte (1/1), Zeitz (1). Tore für HSG Wetzlar: Lindskog (4), Forsell-Schefvert (4), Holst (4/3), Cavor (4), Mellegard (3), Mirkulovski (3), Rubin (3), Srsen (2), Björnsen (1), Klimpke (1). Zuschauer: 530.

Rot-Schock legt GWD lahm: Heimpremiere und das Debüt von Christian Zeitz enden in großer Enttäuschung

Nach 40 Minuten war für Mindens Christoffer Rambo Schluss. Aus der Seitentür betrachtet er, wie seinem Team das Spiel entglitt. Fotos: Noah Wedel © Noah Wedel

Lübbecke. Nach dem Abpfiff standen die Handballer von GWD eng im Kreis zusammen und leisteten einander Beistand in schwerer Stunde. Unter denkwürdigen Umständen hatten sie das erste Heimspiel der neuen Bundesliga-Saison verloren. Drei Rote Karten innerhalb von zehn Minuten setzten die Männer in Grün gestern Abend in einen Schockzustand und mündeten in eine 24:29 (15:13)-Niederlage gegen die HSG Wetzlar.

Es schien, als hätte ein höllischer Regisseur das Drehbuch für den Abend geschrieben, schlicht alle in der Coronapause entfallene Dramatik und Tragik der vergangenen Monate zusammengerafft und in ein einziges Spiel gepackt. Nacheinander schieden in Mannschaftskapitän Miljan Pusica (30. Minute) und Kreisläufer Lucas Meister (38.) erst die zentralen Abwehrspieler aus, danach musste auch noch in Christoffer Rambo (41.) der wichtigste Torjäger das Spielfeld verlassen. Ihrer drei zentralen Säulen beraubt, vermochte das Team die Gäste nicht mehr aufzuhalten.

Viel Einsatzzeit erhielt Justus Richtzenhain. Zwei Tore gelangen dem Kreisläufer, doch Freude wollte auch bei ihm am Ende nicht aufkommen. - © Noah Wedel
Viel Einsatzzeit erhielt Justus Richtzenhain. Zwei Tore gelangen dem Kreisläufer, doch Freude wollte auch bei ihm am Ende nicht aufkommen. - © Noah Wedel

Das traf die Mindener tief in der Seele. Ihr leidenschaftliches Ringen um den perfekten Heimstart war krachend gescheitert. Der Genuss des ersten Spiels vor den eigenen Fans nach siebenmonatiger Abstinenz war ihnen verdorben worden. Konsterniert nahmen die GWD-Spieler ebenso wie ihr Coach Frank Carstens die Niederlage zur Kenntnis.

In der zweiten Halbzeit fehlten Juri Knorr (am Ball) und den GWD-Angreifern gegen die Gäste-Abwehr die personellen Möglichkeiten. - © Noah Wedel
In der zweiten Halbzeit fehlten Juri Knorr (am Ball) und den GWD-Angreifern gegen die Gäste-Abwehr die personellen Möglichkeiten. - © Noah Wedel

Sie selbst hatten aber auch ihren Anteil am tragischen Spielverlauf, denn die GWD-Männer ließen geradezu fahrlässig beste Chance nahezu im Dutzend aus. Immer wieder fanden Kevin Gulliksen und Kollegen vor allem bei Tempogegenstößen ihren Meister im cleveren Gästetorhüter Till Klimke. „Wir hatten Glück und Klimke“, meinte Gästetrainer Kai Wandschneider später über das Mindener Fehlwurf-Festival nachdem er eingeräumt hatte, dass GWD lange Zeit „die bessere Mannschaft war.“ Seinem Team sei lange nicht viel gegen die aggressive und antizipative GWD-Defensive eingefallen: „Frank hat da eine tolle Abwehr hingestellt“, lobte Wandschneider die Taktik des Mindener Trainers.

Auch Carstens selbst war zufrieden mit dem Auftritt seines Teams, das mit deutlich größerer Überzeugung als die Hessen an die Arbeit ging und die Fans mit tollen Aktionen phasenweise mitriss. 530 Zuschauer und damit deutlich weniger als die nach dem Hygienekonzept erlaubten 762 waren gekommen, doch sie sorgten bisweilen für prächtige Stimmung.

Carstens lobte die Balance im Angriffsspiel und nahm angesichts der leidenschaftlichen Abwehrarbeit auch das krass gegen GWD sprechende Zeitstrafenverhältnis von 16:4 Minuten hin. „Da waren wir manchmal etwas ungestüm“, meinte er. Doch ihn wurmte: „Wir haben viel zu viel liegen lassen, das kostet uns eine höhere Führung. Daran müssen wir dringend arbeiten.“

Doch die üble Wurfquote hätten die Mindener gestern Abend wohl mit ihrer sportlichen Überlegenheit kompensieren können. Die Ausfälle der drei Stammspieler aber nicht. Pusica traf es mit dem Pfiff zur Halbzeitpause. Bei einem Direktfreiwurf der Gäste schickte Carstens den Deckungsspezialisten in die Abwehrmauer. Ein Wechsel ist jedoch ist wie am Spielende auch schon bei der letzten Aktion zur Halbzeit nicht mehr erlaubt. Nach einem Hinweis des dritten Offiziellen wurde Pusica disqualifiziert. „Das nehme ich auf meine Kappe, ich habe ich nicht gewusst, dass das auch schon zur Halbzeit so ist“, übernahm der Coach die Verantwortung für das Aus des bereits mit zwei Zeitstrafen vorbelasteten Serben. Die weiteren Roten Karten folgten aus Foulspielen: Lucas Meister soll den Gäste-Linksaußen Emil Mellegard falsch berührt haben, Christoffer Rambo stieg zu körperbetont gegen den sich mit Macht in die Deckung werfenden Wetzlarer Philip Henningsson ein. Da hatte Minden, bereits nervlich gezeichnet von den ersten beiden Rot-Rückschlägen, schon den Rhythmus verloren und die Führung zum 17:18 abgegeben.

Beide Male griffen die Schiedsrichter Robert Schulze und Tobias Tönnies nach kurzer Beratung an die Gesäßtasche und urteilten maximal streng. Nach der langen Corona-Pause vielleicht eine Folge mangelnder Matchpraxis und noch fehlendem Feingefühl. Die beiden Männer mit der Pfeife standen jedenfalls im Zentrum der lautstarken Fan-Kritik. Später war sarkastisch von einem Fehler im Hygiene-Konzept die Rede: Es seien zwei Mann zuviel in der Halle gewesen.

Christian Zeitz hatte sich sein Debüt für GWD sicher anders vorgestellt. Er kam angesichts des Rambo-Ausfalls zu mehr Spielzeit als zur Eingewöhnung vorgesehen war. Zum 19:22 erzielte er in der 50. Minute auch sein erstes GWD-Tor. Doch ihm fehlte noch die Praxis und die Bindung zum Team. Recht nüchtern bewertete der 39-Jährige die Roten Karten: „Die waren alle drei berechtigt.“ Doch sie waren zugleich ein Novum in der bereits zwei Jahrzehnte währenden Erstliga-Karriere des 2007er Weltmeisters: Drei Rote Karten gegen seine Mannschaft in einem Spiel hatte er auch noch nicht erlebt.

GWD Minden - HSG Wetzlar 24:29 (15:13).

Tore für GWD Minden: Gulliksen (5), Meister (4), Pehlivan (4), Knorr (3), Richtzenhain (2), Padshyvalau (2), Rambo (2), Korte (1/1), Zeitz (1).

Tore für HSG Wetzlar: Lindskog (4), Forsell-Schefvert (4), Holst (4/3), Cavor (4), Mellegard (3), Mirkulovski (3), Rubin (3), Srsen (2), Björnsen (1), Klimpke (1).

Zuschauer: 530.

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