Richtzenhains Doppelrolle: Die Spielanteile des Kreisläufers in der Bundesliga wachsen Astrid Plaßhenrich Minden. Das Wochenende ging an die Substanz. Obwohl Justus Richtzenhain die Doppelbelastung gewohnt ist. Der Kreisläufer von GWD Minden pendelt regelmäßig zwischen den Profis und der Drittliga-Reserve. Doch seine Spielanteile in der Bundesligamannschaft haben sich seit der Verletzung von Joshua Thiele erhöht. Richtzenhain ist nun das Back-up von Lucas Meister und kommt immer dann zum Zug, wenn der Schweizer Nationalspieler eine Erholungsphase braucht. Der knapp 60-stündige Handball-Marathon startete für Richtzenhain am Freitag um 13 Uhr: Zunächst der obligatorische Coronatest, dann das Training mit den Profis und direkt danach ging es von der Halle zum Drittliga-Spiel nach Menden. GWD II holte sich bei den Wölfen eine empfindliche 19:27-Niederlage ab. Justus Richtzenhain wurde über weite Strecken der Partie geschont. „Ich habe nur die erste Viertelstunde gespielt. In der Zeit ging für uns kaum etwas in Richtung gegnerisches Tor. Das Spiel war von Anfang an verkorkst“, sagt der 22-Jährige. Um 0.30 Uhr waren die Mindener zurück in der Heimat, ab 10 Uhr am Samstagmorgen stand für den Mediendesign-Studenten erneut das Training mit den Profis an, um dann vier Stunden später wieder im Bus zu sitzen – dieses Mal mit der Bundesligamannschaft in Richtung Flensburg. Die Taktung ist für Richtzenhain nicht ungewöhnlich. „Klar, es ist zum Teil auch anstrengend. Aber ich will das genau so“, erklärt der Mindener, der seit seiner Kindheit bei GWD spielt. Diese Saison ist allerdings anders, dass er bisher bei jedem Bundesligaspiel auf dem Feld stand. Zum Auftakt in Hannover betrug seine Einsatzzeit nur eine sehr kurze Sequenz, als Thiele sich den Syndesmosebandanriss im rechten Sprunggelenk zugezogen hatte und Meister noch kurz pausieren musste. Richtzenhain weiß um seine Rolle: „Ich muss funktionieren, wenn ich Lucas entlasten soll und versuche den Job, bei jedem Einsatz zu 100 Prozent zu erfüllen. Dafür bin ich da.“ Der Mindener gibt aber auch zu, dass es nicht immer einfach sei, spät eingewechselt zu werden und dann die oft kurze Zeit effektiv zu nutzen. Doch mit jeder Minute in der Bundesliga wachsen auch Sicherheit und Routine. Die meisten Spielanteile erhielt der 1,92 Meter große und 101 Kilo schwere Kreisläufer bislang bei der 24:29-Heimpleite gegen die HSG Wetzlar am zweiten Spieltag. Meister hatte in der 38. Minute die Rote Karte gesehen. Richtzenhain war bis zur Schlusssirene gefordert. „Da war ich zunächst doch etwas nervös. Aber das hat sich recht schnell gelegt“, erzählt er, „inzwischen weiß ich, was in der Bundesliga funktioniert und was nicht.“ Das sei ein schneller Lernprozess gewesen. Die Unterschiede zur 3. Liga seien allerdings auch riesig. Schnelligkeit, Spielstärke, Tempo oder Körperlichkeit liegen auf einem viel höheren Level. „Ich muss bei den Profis immer einen Schritt mehr machen als in der Zweiten“, verdeutlicht Richtzenhain, „jeder noch so kleine Fehler wird sofort bestraft.“ Bereits als A-Jugendlicher gab der Rechtshänder vor dreieinhalb Jahren sein Bundesligadebüt. Es war ein denkwürdiges Spiel: GWD ging gegen die SG Flensburg-Handewitt in der Kampa-Halle mit 17:41 unter. Statistiker ermittelten damals: Nie zuvor hatte in der Bundesliga eine Mannschaft höher ein Heimspiel verloren. Immerhin: Richtzenhain verbuchte gleich bei seinem ersten Einsatz sein erstes Bundesligator. An diesem Sonntag ging es wieder gegen Flensburg. Diesmal auswärts. Wieder gelang dem Kreisläufer ein Tor. Aber dieses Mal zogen sich die Grün-Weißen mit 24:29 deutlich besser aus der Affäre als im März 2017, als etliche Stammspieler fehlten. „Jetzt wäre auch mehr drin gewesen“, sagt Richtzenhain, „uns fehlt noch die Konstanz. Flensburg hat auch nicht fehlerfrei gespielt, ist aber qualitativ und individuell stärker besetzt. Das hat den Unterschied ausgemacht.“ Trotz der vermehrten Spielanteile stellt Richtzenhain keine Ansprüche: „Lucas ist einer unserer Leistungsträger. Natürlich setze ich mir individuelle Ziele, aber sobald es Richtung Spiel geht, zählt einzig der Erfolg der Mannschaft. Dann stehen meine Ziele hinten an.“ Sonntagabend um 23.30 Uhr war Richtzenhains Handball-Marathon übrigens zu Ende. „Wir sind von Flensburg aus sehr gut durchgekommen“, sagt der 22-Jährige mit dem Wissen, dass weitere intensive Wochenenden bestimmt bald folgen werden. Die Autorin ist erreichbarunter (0571) 882 173 oderAstrid.Plasshenrich@MT.de

Richtzenhains Doppelrolle: Die Spielanteile des Kreisläufers in der Bundesliga wachsen

Mindens Kreisläufer Justus Richtzenhain hebt mit Geschwindigkeit ab. Gleichzeitig scheint Flensburgs schwedischer Spielmacher Jim Gottfridsson in Deckung zu gehen. © Foto: Jan Kirschner

Minden. Das Wochenende ging an die Substanz. Obwohl Justus Richtzenhain die Doppelbelastung gewohnt ist. Der Kreisläufer von GWD Minden pendelt regelmäßig zwischen den Profis und der Drittliga-Reserve. Doch seine Spielanteile in der Bundesligamannschaft haben sich seit der Verletzung von Joshua Thiele erhöht. Richtzenhain ist nun das Back-up von Lucas Meister und kommt immer dann zum Zug, wenn der Schweizer Nationalspieler eine Erholungsphase braucht.

Der knapp 60-stündige Handball-Marathon startete für Richtzenhain am Freitag um 13 Uhr: Zunächst der obligatorische Coronatest, dann das Training mit den Profis und direkt danach ging es von der Halle zum Drittliga-Spiel nach Menden. GWD II holte sich bei den Wölfen eine empfindliche 19:27-Niederlage ab. Justus Richtzenhain wurde über weite Strecken der Partie geschont. „Ich habe nur die erste Viertelstunde gespielt. In der Zeit ging für uns kaum etwas in Richtung gegnerisches Tor. Das Spiel war von Anfang an verkorkst“, sagt der 22-Jährige. Um 0.30 Uhr waren die Mindener zurück in der Heimat, ab 10 Uhr am Samstagmorgen stand für den Mediendesign-Studenten erneut das Training mit den Profis an, um dann vier Stunden später wieder im Bus zu sitzen – dieses Mal mit der Bundesligamannschaft in Richtung Flensburg.

Die Taktung ist für Richtzenhain nicht ungewöhnlich. „Klar, es ist zum Teil auch anstrengend. Aber ich will das genau so“, erklärt der Mindener, der seit seiner Kindheit bei GWD spielt. Diese Saison ist allerdings anders, dass er bisher bei jedem Bundesligaspiel auf dem Feld stand. Zum Auftakt in Hannover betrug seine Einsatzzeit nur eine sehr kurze Sequenz, als Thiele sich den Syndesmosebandanriss im rechten Sprunggelenk zugezogen hatte und Meister noch kurz pausieren musste. Richtzenhain weiß um seine Rolle: „Ich muss funktionieren, wenn ich Lucas entlasten soll und versuche den Job, bei jedem Einsatz zu 100 Prozent zu erfüllen. Dafür bin ich da.“ Der Mindener gibt aber auch zu, dass es nicht immer einfach sei, spät eingewechselt zu werden und dann die oft kurze Zeit effektiv zu nutzen.

Doch mit jeder Minute in der Bundesliga wachsen auch Sicherheit und Routine. Die meisten Spielanteile erhielt der 1,92 Meter große und 101 Kilo schwere Kreisläufer bislang bei der 24:29-Heimpleite gegen die HSG Wetzlar am zweiten Spieltag. Meister hatte in der 38. Minute die Rote Karte gesehen. Richtzenhain war bis zur Schlusssirene gefordert. „Da war ich zunächst doch etwas nervös. Aber das hat sich recht schnell gelegt“, erzählt er, „inzwischen weiß ich, was in der Bundesliga funktioniert und was nicht.“ Das sei ein schneller Lernprozess gewesen. Die Unterschiede zur 3. Liga seien allerdings auch riesig. Schnelligkeit, Spielstärke, Tempo oder Körperlichkeit liegen auf einem viel höheren Level. „Ich muss bei den Profis immer einen Schritt mehr machen als in der Zweiten“, verdeutlicht Richtzenhain, „jeder noch so kleine Fehler wird sofort bestraft.“

Bereits als A-Jugendlicher gab der Rechtshänder vor dreieinhalb Jahren sein Bundesligadebüt. Es war ein denkwürdiges Spiel: GWD ging gegen die SG Flensburg-Handewitt in der Kampa-Halle mit 17:41 unter. Statistiker ermittelten damals: Nie zuvor hatte in der Bundesliga eine Mannschaft höher ein Heimspiel verloren. Immerhin: Richtzenhain verbuchte gleich bei seinem ersten Einsatz sein erstes Bundesligator.

An diesem Sonntag ging es wieder gegen Flensburg. Diesmal auswärts. Wieder gelang dem Kreisläufer ein Tor. Aber dieses Mal zogen sich die Grün-Weißen mit 24:29 deutlich besser aus der Affäre als im März 2017, als etliche Stammspieler fehlten. „Jetzt wäre auch mehr drin gewesen“, sagt Richtzenhain, „uns fehlt noch die Konstanz. Flensburg hat auch nicht fehlerfrei gespielt, ist aber qualitativ und individuell stärker besetzt. Das hat den Unterschied ausgemacht.“

Trotz der vermehrten Spielanteile stellt Richtzenhain keine Ansprüche: „Lucas ist einer unserer Leistungsträger. Natürlich setze ich mir individuelle Ziele, aber sobald es Richtung Spiel geht, zählt einzig der Erfolg der Mannschaft. Dann stehen meine Ziele hinten an.“ Sonntagabend um 23.30 Uhr war Richtzenhains Handball-Marathon übrigens zu Ende. „Wir sind von Flensburg aus sehr gut durchgekommen“, sagt der 22-Jährige mit dem Wissen, dass weitere intensive Wochenenden bestimmt bald folgen werden.

Die Autorin ist erreichbarunter (0571) 882 173 oderAstrid.Plasshenrich@MT.de

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in GWD Minden