Reize für mehr Torgefahr: Wegen der schlechten Wurfquote geht GWD in der neue Wege Sebastian Külbel Minden. „Alles Kopfsache“: Wenn ein Kreisläufer den freien Wurf aus drei Metern nicht im Tor unterbringt, haben Handballfans die Erklärung schnell zur Hand. Und in der Tat können solche Fehler mit dem Kopf zusammenhängen, ohne dass die Küchenpsychologen Recht hätten. Vielmehr geht es um das Gehirn als Steuerungsorgan des Körpers und wie es dabei unterstützt werden kann. Das ist das Thema von Lars Lienhard, der auf seinem Spezialgebiet Neuroathletik seit Jahren Weltklassesportler betreut und der in dieser Woche bei GWD Mindens Bundesliga-Handballern eine doppelte Premiere feierte. Der Sportwissenschaftler war erstmals bei den GWD-Profis zu Gast und trainierte dabei erstmals auch eine ganze Mannschaft. „Das ist ein Novum und für mich eine Herausforderung. Minden geht neue Wege, das ist richtig interessant“, sagt Lienhard begeistert über seinen zweitägigen Besuch bei GWD, der auch für die Spieler Neuland war. Etwa, wenn sie die Augen auf einen Stift richteten und dabei in die Hocke gingen. Oder, wenn sie einen Laserpointer um den Kopf geschnallt bekamen und damit auf einem Blatt an der Wand Diagonalen nachzeichneten. All diese Übungen haben ein übergeordnetes Ziel: GWD will im Abschluss besser werden. „Wir hatten in der vorigen Saison die schlechteste Wurfquote der ganzen Liga. Das ist für uns ein Arbeitsauftrag, da müssen wir an allen Hebeln ansetzen, wo wir können“, sagt Trainer Frank Carstens. Von dem Neuroathletiktraining mit dem führenden deutschen Experten erhofft er sich wichtige Impulse: „Und wenn es nur ein paar Prozent sind. Aber übersetzt in Toren wäre das eines mehr pro Spiel.“ Bei acht Unentschieden und vier Niederlagen mit nur einem Tor wie in der vergangenen Saison könnte das einen beträchtlichen Effekt haben. Doch wie können visuelle Reize oder Gleichgewichtsübungen zu mehr Treffsicherheit führen? „Das Gehirn ist der Chef, die Muskeln tun nur, was man ihnen sagt“, skizziert Lars Lienhard die Grundlage seiner Arbeit. Ziel ist es, die Bewegungssteuerung zu verbessern. „Wir arbeiten am Input und aktivieren bestimmte Bereiche des Gehirns über Sinnesreize. Das führt zu einer verbesserten Performance.“ In der Halle wird das zu einer Mischung aus Mannschafts- und Individualtraining. Während Carstens seine Profis in Kleingruppen immer wieder bestimmte Angriffszüge durchspielen lässt, nimmt Lienhard einzelne Spieler zur Seite, sucht nach Potenzialen und aktiviert diese mit verschiedenen Übungen. „Wir betrachten jeden einzelnen Spieler und was wir verbessern können“, erklärt Carstens. Viele Top-Athleten schwören seit Jahren auf diese Methode. Lars Lienhard gehörte etwa zum Trainerstab der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2014, betreut Fußballer in der Bundesliga und in der Premier League oder Handballer wie Dominik Klein oder Akteure vom SC DHfK Leipzig. 2016 war er mit den deutschen Leichtathleten bei Olympia in Rio. Sein wichtigster Athlet ist jedoch Tennisprofi Alexander Zverev: „Mit ihm habe ich bislang am intensivsten gearbeitet, sein Olympiasieg ist für mich der größte Erfolg“. Auch GWD Minden hofft auf sichtbare Effekte durch den neuen Trainingsansatz. Rechtsaußen Max Staar etwa kam nach einer Gleichgewichtsstimulation deutlich besser auf seine optimale Sprunghöhe. Bei den Kreisläufern geht es dagegen um die Koordination der Augen. So werden Drehbewegungen effizienter und es bleibt ein Bruchteil mehr Zeit für den Wurf an sich – auf höchstem Niveau ein entscheidender Vorsprung. Dass Lienhard vorerst nur für zwei Tage mit den GWD-Profis gearbeitet hat, soll den Effekt nicht schmälern. „Die Spieler bekommen als Hausaufgaben, Übungen, die sie immer anwenden können“, sagt der Fachmann, die Bewegungssteuerung ergänze den Trainingsalltag. So könnte der Torabschluss am Ende doch zur Kopfsache werden.

Reize für mehr Torgefahr: Wegen der schlechten Wurfquote geht GWD in der neue Wege

Neuroathletiktrainer Lars Lienhard (links) arbeitet bei Kreisläufer Justus Richtzenhain mithilfe eines Laserpointers auf der Stirn an der Augenkoordination, Physiotherapeutin Britta Wagner assistiert. MT-Foto: Sebastian Külbel © Külbel

Minden. „Alles Kopfsache“: Wenn ein Kreisläufer den freien Wurf aus drei Metern nicht im Tor unterbringt, haben Handballfans die Erklärung schnell zur Hand. Und in der Tat können solche Fehler mit dem Kopf zusammenhängen, ohne dass die Küchenpsychologen Recht hätten. Vielmehr geht es um das Gehirn als Steuerungsorgan des Körpers und wie es dabei unterstützt werden kann. Das ist das Thema von Lars Lienhard, der auf seinem Spezialgebiet Neuroathletik seit Jahren Weltklassesportler betreut und der in dieser Woche bei GWD Mindens Bundesliga-Handballern eine doppelte Premiere feierte.

Der Sportwissenschaftler war erstmals bei den GWD-Profis zu Gast und trainierte dabei erstmals auch eine ganze Mannschaft. „Das ist ein Novum und für mich eine Herausforderung. Minden geht neue Wege, das ist richtig interessant“, sagt Lienhard begeistert über seinen zweitägigen Besuch bei GWD, der auch für die Spieler Neuland war. Etwa, wenn sie die Augen auf einen Stift richteten und dabei in die Hocke gingen. Oder, wenn sie einen Laserpointer um den Kopf geschnallt bekamen und damit auf einem Blatt an der Wand Diagonalen nachzeichneten.

Nachwuchsspieler Paul Holzhacker absolvierte eine Gleichgewichtsübung. MT-Foto: Sebastian Külbel - © Külbel
Nachwuchsspieler Paul Holzhacker absolvierte eine Gleichgewichtsübung. MT-Foto: Sebastian Külbel - © Külbel

All diese Übungen haben ein übergeordnetes Ziel: GWD will im Abschluss besser werden. „Wir hatten in der vorigen Saison die schlechteste Wurfquote der ganzen Liga. Das ist für uns ein Arbeitsauftrag, da müssen wir an allen Hebeln ansetzen, wo wir können“, sagt Trainer Frank Carstens. Von dem Neuroathletiktraining mit dem führenden deutschen Experten erhofft er sich wichtige Impulse: „Und wenn es nur ein paar Prozent sind. Aber übersetzt in Toren wäre das eines mehr pro Spiel.“ Bei acht Unentschieden und vier Niederlagen mit nur einem Tor wie in der vergangenen Saison könnte das einen beträchtlichen Effekt haben.

Auch Routinier Christian Zeitz bekam einige Hinweise von Experte Lars Lienhard. MT-Foto: Sebastian Külbel - © Külbel
Auch Routinier Christian Zeitz bekam einige Hinweise von Experte Lars Lienhard. MT-Foto: Sebastian Külbel - © Külbel

Doch wie können visuelle Reize oder Gleichgewichtsübungen zu mehr Treffsicherheit führen? „Das Gehirn ist der Chef, die Muskeln tun nur, was man ihnen sagt“, skizziert Lars Lienhard die Grundlage seiner Arbeit. Ziel ist es, die Bewegungssteuerung zu verbessern. „Wir arbeiten am Input und aktivieren bestimmte Bereiche des Gehirns über Sinnesreize. Das führt zu einer verbesserten Performance.“ In der Halle wird das zu einer Mischung aus Mannschafts- und Individualtraining. Während Carstens seine Profis in Kleingruppen immer wieder bestimmte Angriffszüge durchspielen lässt, nimmt Lienhard einzelne Spieler zur Seite, sucht nach Potenzialen und aktiviert diese mit verschiedenen Übungen. „Wir betrachten jeden einzelnen Spieler und was wir verbessern können“, erklärt Carstens.

Viele Top-Athleten schwören seit Jahren auf diese Methode. Lars Lienhard gehörte etwa zum Trainerstab der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2014, betreut Fußballer in der Bundesliga und in der Premier League oder Handballer wie Dominik Klein oder Akteure vom SC DHfK Leipzig. 2016 war er mit den deutschen Leichtathleten bei Olympia in Rio. Sein wichtigster Athlet ist jedoch Tennisprofi Alexander Zverev: „Mit ihm habe ich bislang am intensivsten gearbeitet, sein Olympiasieg ist für mich der größte Erfolg“.

Auch GWD Minden hofft auf sichtbare Effekte durch den neuen Trainingsansatz. Rechtsaußen Max Staar etwa kam nach einer Gleichgewichtsstimulation deutlich besser auf seine optimale Sprunghöhe. Bei den Kreisläufern geht es dagegen um die Koordination der Augen. So werden Drehbewegungen effizienter und es bleibt ein Bruchteil mehr Zeit für den Wurf an sich – auf höchstem Niveau ein entscheidender Vorsprung.

Dass Lienhard vorerst nur für zwei Tage mit den GWD-Profis gearbeitet hat, soll den Effekt nicht schmälern. „Die Spieler bekommen als Hausaufgaben, Übungen, die sie immer anwenden können“, sagt der Fachmann, die Bewegungssteuerung ergänze den Trainingsalltag. So könnte der Torabschluss am Ende doch zur Kopfsache werden.

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