Offensiv ein Offenbarungseid: GWD Minden scheitert in Leipzig an den Nerven und dem kläglichen Angriffsspiel Marcus Riechmann Leipzig. Überragende Abwehr, ein überragender Torwart. Und trotzdem verloren. Mit 21:24 (10:12) kassierten die Handballer von GWD Minden gestern eine bittere Niederlage beim SC DHfK Leipzig. Der Grund dafür war eindeutig: GWD zeigte eine desaströse Angriffsleistung. „Es ist einfach“, sagte Trainer Frank Carstens in seiner ersten Analyse, „wenn wir von 21 Toren elf über Konter machen, ist klar, dass der Positionsangriff überhaupt nicht funktioniert hat.“ Diese eklatante Schwäche wurde Minden zum Verhängnis und schlägt auf den Abstiegskampf durch. Weil Verfolger HBW Balingen-Weilstetten ein überraschender 32:30-Heimsieg gegen die Rhein-Neckar Löwen gelang, schoben sich die kampfstarken „Gallier von der Alb“ in der Tabelle auf einen Punkte an GWD heran. Am Samstag können auch die Eulen Ludwigshafen mit einem Sieg bei Tusem Essen weiter aufrücken. Der Druck im Ringen um den Klassenerhalt wächst. Nicht gut für die GWD-Spieler, die diesem Stress gestern mental nicht gewachsen schienen. „Man kann das in der Abwehr nicht besser spielen. Das zeigt: Der Wille war da, alle haben gekämpft. Aber ich hatte das Gefühl, das Team war mit der Situation überfordert“, meinte Sportgeschäftsführer Frank von Behren und sprach von einem deprimierenden Abend: „Ich bin enttäuscht, wie wir das Spiel weggeworfen haben.“ Doch er stellte klar: „An unserer Lage hat sich nichts verändert. Wir brauchen 28 Punkte, das haben wir vorher gesagt. Wir müssen den Blick auf uns richten.“ In der Arena Leipzig wurde Max Janke, im Februar vom SC zu GWD gewechselt, von seinem Ex-Klub verabschiedet. Es gab eine Foto-Collage und warmen Applaus der 1.000 Fans. Damit waren die Freundlichkeiten aufgebraucht. Es entwickelte sich in der Folge ein hitziges und auch hart geführtes Duell. „Ein Kampfspiel, wie immer gegen Leipzig“, meinte Coach Carstens über die Partie, der in Malte Semisch ein Mindener und in Joel Birlehm ein in Minden ausgebildeter Torwart mit zahlreichen Glanztaten den Stempel aufdrückten. Die Gastgeber kamen mit der Situation des ersten Auftritts vor den eigenen Fans nach monatelanger Corona-Leere auf den Tribünen offenbar gar nicht zurecht. Sie verballerten beste Chancen in Serie, verstolperten gar einen Konter auf das leere Mindener Tor. Und so führte GWD plötzlich 3:0. „Besser kann man gar nicht reinkommen“, befand von Behren. Doch der Mindener Angriff kam nicht rein. Juri Knorr, Doruk Pehlivan und Christoffer Rambo fanden keinen Rhythmus und keine Ruhe. Es reihte sich Fehler an Fehler, die GWD-Offensive präsentierte sich als Ausgabe von Pleiten, Pech und Pannen. Immer wieder suchten die Rückraumspieler mit einfallsloser Verzweiflung die Kreisläufer und wagten ebenso wilde wie erfolglose Zuspiele, die meist Beute der ebenfalls starken Leipziger Deckung wurden. „John, halt den Ball fest“, schalt Carstens in einer Auszeit beim 9:11-Rückstand Rambo und klagte über die Fehler im Dutzend: „Wir haben das Ergebnis gemacht.“ Beispielhaft für die tristen Angriffsmühen standen die beiden Strafwürfe von Kevin Gulliksen, die der Norweger kläglich gegen Birlehm vergab, oder die Ballverluste des wirkungslosen Juri Knorr, der sich gestern gleich zweimal wie ein Schüler das Spielgerät beim Prellen stibitzen ließ. Allein Semisch, der sich den Leipziger Stürmern bisweilen mit weit ausgebreiteter Spannweite wie ein Albatros entgegenwarf, war es zu verdanken, dass Minden lediglich mit einem Zwei-Tore-Rückstand in die Kabine ging. Sogar das Torewerfen übernahm der Loccumer mit einem Weitwurf zum 9:8 ins leere SC-Gehäuse, weil bei seinen Vorderleuten schier gar nichts zusammenlief. Minden, nun geführt von Mittelmann Simon Strakeljahn, stabilisierte sich im zweiten Abschnitt offensiv etwas. Doch bei den nun besser herausgespielten Wurfmöglichkeiten hieß der Sieger zu oft Birlehm. Leipzig seinerseits ging mit den Chancen nicht mehr so fahrlässig um. Vor allem fand der SC im Angriffsspiel so etwas wie einen Rhythmus. „Wir sind am Ende ein bisschen abgeklärter gewesen. Wir haben unsere Situationen besser gespielt“, meinte Luca Witzke, gemeinsam mit Philipp Weber Spielmacher der Leipziger. Und vor allem hatte sein Team in Linkshänder Martin Larsen einen Trumpf im Ärmel. Als GWD die Leipziger 20:15-Führung mit einem 3:0-Lauf zum 20:18 eingedampft hatte, brachte der Däne die Gastgeber mit drei Toren wieder zum 23:19 in die Spur. Als er dann auch noch in Unterzahl mit einem feinen Kempa-Zuspiel seinen Partner auf der linken Rückraumseite, Julius Meyer-Siebert, zum 24:20 bediente, war die Partie gelaufen. „Wir haben sehr gut verteidigt, Malte hat eine überragende Leistung gezeigt. Ich kann den Spielern keinen Vorwurf machen, sie haben alles gegeben“, bilanzierte Frank Carstens und stellte fest: „Aber wir waren im Angriff nicht gut genug.“ So simpel war es gestern.

Offensiv ein Offenbarungseid: GWD Minden scheitert in Leipzig an den Nerven und dem kläglichen Angriffsspiel

Defensiv hatte Max Janke (links) an alter Wirkungsstätte alles im Griff. Hier stoppt der Mindener Abwehrchef gemeinsam mit Lucas Meister (rechts) den Leipziger Spielmacher Philipp Weber. Foto: imago images © imago images/opokupix

Leipzig. Überragende Abwehr, ein überragender Torwart. Und trotzdem verloren. Mit 21:24 (10:12) kassierten die Handballer von GWD Minden gestern eine bittere Niederlage beim SC DHfK Leipzig. Der Grund dafür war eindeutig: GWD zeigte eine desaströse Angriffsleistung. „Es ist einfach“, sagte Trainer Frank Carstens in seiner ersten Analyse, „wenn wir von 21 Toren elf über Konter machen, ist klar, dass der Positionsangriff überhaupt nicht funktioniert hat.“

Diese eklatante Schwäche wurde Minden zum Verhängnis und schlägt auf den Abstiegskampf durch. Weil Verfolger HBW Balingen-Weilstetten ein überraschender 32:30-Heimsieg gegen die Rhein-Neckar Löwen gelang, schoben sich die kampfstarken „Gallier von der Alb“ in der Tabelle auf einen Punkte an GWD heran. Am Samstag können auch die Eulen Ludwigshafen mit einem Sieg bei Tusem Essen weiter aufrücken. Der Druck im Ringen um den Klassenerhalt wächst. Nicht gut für die GWD-Spieler, die diesem Stress gestern mental nicht gewachsen schienen. „Man kann das in der Abwehr nicht besser spielen. Das zeigt: Der Wille war da, alle haben gekämpft. Aber ich hatte das Gefühl, das Team war mit der Situation überfordert“, meinte Sportgeschäftsführer Frank von Behren und sprach von einem deprimierenden Abend: „Ich bin enttäuscht, wie wir das Spiel weggeworfen haben.“ Doch er stellte klar: „An unserer Lage hat sich nichts verändert. Wir brauchen 28 Punkte, das haben wir vorher gesagt. Wir müssen den Blick auf uns richten.“

Wie immer gegen seien alten Klub in Topform: Joel Birlehm gehörte – wie auf Mindener Seite Malte Semisch – zu den besten Spielern des Abends. Foto: imago images - © imago images/opokupix
Wie immer gegen seien alten Klub in Topform: Joel Birlehm gehörte – wie auf Mindener Seite Malte Semisch – zu den besten Spielern des Abends. Foto: imago images - © imago images/opokupix

In der Arena Leipzig wurde Max Janke, im Februar vom SC zu GWD gewechselt, von seinem Ex-Klub verabschiedet. Es gab eine Foto-Collage und warmen Applaus der 1.000 Fans. Damit waren die Freundlichkeiten aufgebraucht. Es entwickelte sich in der Folge ein hitziges und auch hart geführtes Duell. „Ein Kampfspiel, wie immer gegen Leipzig“, meinte Coach Carstens über die Partie, der in Malte Semisch ein Mindener und in Joel Birlehm ein in Minden ausgebildeter Torwart mit zahlreichen Glanztaten den Stempel aufdrückten.

Die Gastgeber kamen mit der Situation des ersten Auftritts vor den eigenen Fans nach monatelanger Corona-Leere auf den Tribünen offenbar gar nicht zurecht. Sie verballerten beste Chancen in Serie, verstolperten gar einen Konter auf das leere Mindener Tor. Und so führte GWD plötzlich 3:0. „Besser kann man gar nicht reinkommen“, befand von Behren.

Doch der Mindener Angriff kam nicht rein. Juri Knorr, Doruk Pehlivan und Christoffer Rambo fanden keinen Rhythmus und keine Ruhe. Es reihte sich Fehler an Fehler, die GWD-Offensive präsentierte sich als Ausgabe von Pleiten, Pech und Pannen. Immer wieder suchten die Rückraumspieler mit einfallsloser Verzweiflung die Kreisläufer und wagten ebenso wilde wie erfolglose Zuspiele, die meist Beute der ebenfalls starken Leipziger Deckung wurden. „John, halt den Ball fest“, schalt Carstens in einer Auszeit beim 9:11-Rückstand Rambo und klagte über die Fehler im Dutzend: „Wir haben das Ergebnis gemacht.“ Beispielhaft für die tristen Angriffsmühen standen die beiden Strafwürfe von Kevin Gulliksen, die der Norweger kläglich gegen Birlehm vergab, oder die Ballverluste des wirkungslosen Juri Knorr, der sich gestern gleich zweimal wie ein Schüler das Spielgerät beim Prellen stibitzen ließ.

Allein Semisch, der sich den Leipziger Stürmern bisweilen mit weit ausgebreiteter Spannweite wie ein Albatros entgegenwarf, war es zu verdanken, dass Minden lediglich mit einem Zwei-Tore-Rückstand in die Kabine ging. Sogar das Torewerfen übernahm der Loccumer mit einem Weitwurf zum 9:8 ins leere SC-Gehäuse, weil bei seinen Vorderleuten schier gar nichts zusammenlief.

Minden, nun geführt von Mittelmann Simon Strakeljahn, stabilisierte sich im zweiten Abschnitt offensiv etwas. Doch bei den nun besser herausgespielten Wurfmöglichkeiten hieß der Sieger zu oft Birlehm. Leipzig seinerseits ging mit den Chancen nicht mehr so fahrlässig um. Vor allem fand der SC im Angriffsspiel so etwas wie einen Rhythmus. „Wir sind am Ende ein bisschen abgeklärter gewesen. Wir haben unsere Situationen besser gespielt“, meinte Luca Witzke, gemeinsam mit Philipp Weber Spielmacher der Leipziger. Und vor allem hatte sein Team in Linkshänder Martin Larsen einen Trumpf im Ärmel. Als GWD die Leipziger 20:15-Führung mit einem 3:0-Lauf zum 20:18 eingedampft hatte, brachte der Däne die Gastgeber mit drei Toren wieder zum 23:19 in die Spur. Als er dann auch noch in Unterzahl mit einem feinen Kempa-Zuspiel seinen Partner auf der linken Rückraumseite, Julius Meyer-Siebert, zum 24:20 bediente, war die Partie gelaufen.

„Wir haben sehr gut verteidigt, Malte hat eine überragende Leistung gezeigt. Ich kann den Spielern keinen Vorwurf machen, sie haben alles gegeben“, bilanzierte Frank Carstens und stellte fest: „Aber wir waren im Angriff nicht gut genug.“ So simpel war es gestern.

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