MT-Interview: Wie GWD-Profi Juri Knorr seine Corona-Infektion erlebt Astrid Plaßhenrich Minden/Timmendorf. Corona hat Juri Knorr umgehauen. Einen 20-Jährigen, Profi-Sportler, durchtrainiert, topfit und gesund. „Das Virus sollte auf keinen Fall unterschätzt werden – auch nicht von jungen Menschen“, warnt der Spielmacher des Handball-Bundesligisten GWD Minden. Nach seiner Länderspielreise erfuhr der Nationalspieler von der Infektion. Im MT-Interview erzählt er von Fieberträumen, teilt seine ersten Gedanken nach der Diagnose mit und entschuldigt sich bei seinen GWD-Kollegen. Zur WM hat sich seine Haltung geändert. Herr Knorr, wie geht es Ihnen? Gut. Inzwischen geht es mir wieder gut. Es hat mich ein paar Tage richtig erwischt. Aber mittlerweile bin ich symptomfrei. Wann traten die ersten Beschwerden auf, und welche waren das? Ich bin am Mittwoch mit leichtem Halskratzen aufgewacht. Weil die Tests während des DHB-Lehrgangs und der Test am Dienstag im Johannes Wesling Klinikum negativ ausgefallen waren, dachte ich, es wären normale Erkältungssymptome. Es waren alle Auflagen erfüllt, so dass ich in Absprache mit dem Gesundheitsamt, den Virologen und GWD das Abschlusstraining vor dem BHC-Spiel mitgemacht habe. Im Nachhinein war das ein großer Fehler. Es war nur ein Handballspiel, und das Risiko hätten wir nie in Kauf nehmen dürfen. Haben sich die Symptome im Laufe des Mittwochs verschlechtert? Ja, nach dem Training hatte ich zusätzlich ein Stechen in der Brust. Zu dem Zeitpunkt wussten wir auch schon, dass Marian (Michalczik, Anm. d. Red.) das Virus hat. Richtung Abend ging es mir immer schlechter, so dass ich mich noch am Mittwoch dazu entschlossen habe, zu meinen Eltern zu fahren. Das hat zum Glück noch geklappt. Wir waren uns aber darüber bewusst, dass es immer wahrscheinlicher wurde, dass ich auch Corona habe. Daraufhin bin ich direkt nach Timmendorf gefahren. Dort hat mein Großvater eine Ferienwohnung, und ich musste niemandem begegnen. Das war die richtige Entscheidung, so sind meine Eltern, die in Bad Schwartau leben, während der Quarantäne-Zeit in Reichweite und können mich versorgen. Wie ging es weiter? In der Nacht ging es mir dann schon schlecht. Es fühlte sich an wie ein heftiger, grippaler Infekt. Neben dem Stechen in der Brust und dem Fieber hatte ich starke Hals- und Kopfschmerzen sowie Husten. Das schlimmste war, dass ich kaum schlafen konnte, immer wieder Fieberträume hatte. Zum Glück haben sich die Symptome bei mir nicht so lange hingezogen und sind nach drei, vier Tagen abgeklungen. Wurden Sie inzwischen wieder getestet? Ja, Dienstag. Das Ergebnis war wieder positiv. Allerdings habe ich noch nicht das Protokoll vorliegen und weiß deshalb nicht, wie infektiös ich noch bin. Meine Quarantäne geht zunächst bis kommenden Dienstag. Bis dahin hoffe ich negativ zu sein und nach Minden zurückkehren zu können. Aber das muss ich noch mit dem Gesundheitsamt abklären. Dann werde ich im Herzzentrum in Bad Oeynhausen komplett durchgecheckt, ob mein Körper keine bleibenden Schäden davongetragen hat. Aber darüber mache ich mir zurzeit keine Gedanken. Hat es Sie überrascht, dass Corona Sie in dem Maße erwischt? Absolut. Solange es einen selbst nicht erwischt, beobachtet man es nur aus der Ferne. Als ich die Diagnose dann erhalten habe, hatte ich ein ungewisses Gefühl. Ich wusste einfach nicht, was auf mich zukommt. Man hört immer, dass es junge, gesunde Menschen nicht so treffen soll, aber niemand ist davor gefeit. Es zeigt einfach, dass wir das Thema sehr ernst nehmen müssen. Haben Sie ein schlechtes Gewissen, dass Ihre Teamkollegen und Trainer in Quarantäne mussten? Klar. Alle sitzen ja völlig unverschuldet in Quarantäne. Ich habe mich direkt entschuldigt. Das ist schließlich auch meine Schuld. Können Sie nachvollziehen, wo Sie sich angesteckt haben? Nein. Es ist aber anscheinend sehr unwahrscheinlich, dass ich mich bei Jogi (Nationaltorwart Johannes Bitter, Anm. d. Red.) angesteckt habe. Die Laborwerte sagen aus, dass er nur sehr leicht infektiös war, als wir Kontakt hatten. Haben Sie sich während des DHB-Lehrgangs und der Länderspielreise ausreichend geschützt gefühlt? Ja, wir haben uns sehr gut aufgehoben gefühlt. Aber es bleibt immer ein Restrisiko während der Spiele. Es ist kein Geheimnis, dass einige Bosnier infiziert waren. Deshalb müssen die Konzepte, unter denen Profisport betrieben wird, immer wieder hinterfragt werden. Wenn mein Test negativ ausgefallen und ich symptomfrei gewesen wäre, hätte ich gegen den BHC gespielt, das Virus aber trotzdem gehabt. Absolute Sicherheit gibt es zurzeit nicht. Das Risiko hat aber jeder, beispielsweise im Supermarkt oder wenn mich jemand unglücklich anhustet. Können Sie bereits wieder kleinere Sporteinheiten machen? Ich fühle mich inzwischen so, dass ich Übungen machen könnte, will aber nichts überstürzen. Neben dem Essen haben mir meine Eltern aber auch eine Yogamatte vor die Tür gestellt, so dass ich ein wenig für die Beweglichkeit mache, mich aber nicht belaste. Wie vertreiben Sie sich sonst den Tag? Ich telefoniere viel über Facetime mit meiner Freundin, der Familie und mit Freunden. Dann mache ich ein wenig für mein Studium oder schaue Filme. Aber ich kann mich auch erst wieder auf Dinge konzentrieren, seitdem ich symptomfrei bin. Und das ist erst seit wenigen Tagen. Wie ist Ihre Meinung unter den aktuellen Umständen zur bevorstehenden Weltmeisterschaft im Januar in Ägypten? Ich sehe das zweigeteilt, und vor anderthalb Wochen hätte ich auf die Frage auch noch anders geantwortet. Doch nachdem es mich erwischt hat, hat sich meine Perspektive verändert. Zum einen ist es ein großer Traum von mir, bei einer WM zu spielen, und ich würde mich glücklich schätzen, dabei zu sein. Andererseits weiß ich nicht, ob so ein Turnier jetzt gespielt werden muss. Das Hygienekonzept muss einfach sehr, sehr gut sein. Ich bin jetzt aber auch kein erfahrener Spieler und spiele nicht zusätzlich Champions League oder einen anderen europäischen Wettbewerb. Aber mit dem Wissen, dass die Saison sowieso schon sehr eng getaktet ist, im Sommer die Olympischen Spiele anstehen und im Winter wieder ein Großturnier gespielt wird, macht es vielleicht mehr Sinn, es ausfallen zu lassen.

MT-Interview: Wie GWD-Profi Juri Knorr seine Corona-Infektion erlebt

Minden/Timmendorf. Corona hat Juri Knorr umgehauen. Einen 20-Jährigen, Profi-Sportler, durchtrainiert, topfit und gesund. „Das Virus sollte auf keinen Fall unterschätzt werden – auch nicht von jungen Menschen“, warnt der Spielmacher des Handball-Bundesligisten GWD Minden. Nach seiner Länderspielreise erfuhr der Nationalspieler von der Infektion. Im MT-Interview erzählt er von Fieberträumen, teilt seine ersten Gedanken nach der Diagnose mit und entschuldigt sich bei seinen GWD-Kollegen. Zur WM hat sich seine Haltung geändert.

Im Sommer wagte Juri Knorr einen vorsichtigen Blick in die Zukunft. Corona war auch vor ein paar Monaten ein allgegenwärtiges Thema, eine mögliche Infektion aber weit weg. MT-Archivfoto: Astrid Plaßhenrich - © Astrid Plaßhenrich
Im Sommer wagte Juri Knorr einen vorsichtigen Blick in die Zukunft. Corona war auch vor ein paar Monaten ein allgegenwärtiges Thema, eine mögliche Infektion aber weit weg. MT-Archivfoto: Astrid Plaßhenrich - © Astrid Plaßhenrich

Herr Knorr, wie geht es Ihnen?

Gut. Inzwischen geht es mir wieder gut. Es hat mich ein paar Tage richtig erwischt. Aber mittlerweile bin ich symptomfrei.

Wann traten die ersten Beschwerden auf, und welche waren das?

Ich bin am Mittwoch mit leichtem Halskratzen aufgewacht. Weil die Tests während des DHB-Lehrgangs und der Test am Dienstag im Johannes Wesling Klinikum negativ ausgefallen waren, dachte ich, es wären normale Erkältungssymptome. Es waren alle Auflagen erfüllt, so dass ich in Absprache mit dem Gesundheitsamt, den Virologen und GWD das Abschlusstraining vor dem BHC-Spiel mitgemacht habe. Im Nachhinein war das ein großer Fehler. Es war nur ein Handballspiel, und das Risiko hätten wir nie in Kauf nehmen dürfen.

Haben sich die Symptome im Laufe des Mittwochs verschlechtert?

Ja, nach dem Training hatte ich zusätzlich ein Stechen in der Brust. Zu dem Zeitpunkt wussten wir auch schon, dass Marian (Michalczik, Anm. d. Red.) das Virus hat. Richtung Abend ging es mir immer schlechter, so dass ich mich noch am Mittwoch dazu entschlossen habe, zu meinen Eltern zu fahren. Das hat zum Glück noch geklappt. Wir waren uns aber darüber bewusst, dass es immer wahrscheinlicher wurde, dass ich auch Corona habe. Daraufhin bin ich direkt nach Timmendorf gefahren. Dort hat mein Großvater eine Ferienwohnung, und ich musste niemandem begegnen. Das war die richtige Entscheidung, so sind meine Eltern, die in Bad Schwartau leben, während der Quarantäne-Zeit in Reichweite und können mich versorgen.

Wie ging es weiter?

In der Nacht ging es mir dann schon schlecht. Es fühlte sich an wie ein heftiger, grippaler Infekt. Neben dem Stechen in der Brust und dem Fieber hatte ich starke Hals- und Kopfschmerzen sowie Husten. Das schlimmste war, dass ich kaum schlafen konnte, immer wieder Fieberträume hatte. Zum Glück haben sich die Symptome bei mir nicht so lange hingezogen und sind nach drei, vier Tagen abgeklungen.

Wurden Sie inzwischen wieder getestet?

Ja, Dienstag. Das Ergebnis war wieder positiv. Allerdings habe ich noch nicht das Protokoll vorliegen und weiß deshalb nicht, wie infektiös ich noch bin. Meine Quarantäne geht zunächst bis kommenden Dienstag. Bis dahin hoffe ich negativ zu sein und nach Minden zurückkehren zu können. Aber das muss ich noch mit dem Gesundheitsamt abklären. Dann werde ich im Herzzentrum in Bad Oeynhausen komplett durchgecheckt, ob mein Körper keine bleibenden Schäden davongetragen hat. Aber darüber mache ich mir zurzeit keine Gedanken.

Hat es Sie überrascht, dass Corona Sie in dem Maße erwischt?

Absolut. Solange es einen selbst nicht erwischt, beobachtet man es nur aus der Ferne. Als ich die Diagnose dann erhalten habe, hatte ich ein ungewisses Gefühl. Ich wusste einfach nicht, was auf mich zukommt. Man hört immer, dass es junge, gesunde Menschen nicht so treffen soll, aber niemand ist davor gefeit. Es zeigt einfach, dass wir das Thema sehr ernst nehmen müssen.

Haben Sie ein schlechtes Gewissen, dass Ihre Teamkollegen und Trainer in Quarantäne mussten?

Klar. Alle sitzen ja völlig unverschuldet in Quarantäne. Ich habe mich direkt entschuldigt. Das ist schließlich auch meine Schuld.

Können Sie nachvollziehen, wo Sie sich angesteckt haben?

Nein. Es ist aber anscheinend sehr unwahrscheinlich, dass ich mich bei Jogi (Nationaltorwart Johannes Bitter, Anm. d. Red.) angesteckt habe. Die Laborwerte sagen aus, dass er nur sehr leicht infektiös war, als wir Kontakt hatten.

Haben Sie sich während des DHB-Lehrgangs und der Länderspielreise ausreichend geschützt gefühlt?

Ja, wir haben uns sehr gut aufgehoben gefühlt. Aber es bleibt immer ein Restrisiko während der Spiele. Es ist kein Geheimnis, dass einige Bosnier infiziert waren. Deshalb müssen die Konzepte, unter denen Profisport betrieben wird, immer wieder hinterfragt werden. Wenn mein Test negativ ausgefallen und ich symptomfrei gewesen wäre, hätte ich gegen den BHC gespielt, das Virus aber trotzdem gehabt. Absolute Sicherheit gibt es zurzeit nicht. Das Risiko hat aber jeder, beispielsweise im Supermarkt oder wenn mich jemand unglücklich anhustet.

Können Sie bereits wieder kleinere Sporteinheiten machen?

Ich fühle mich inzwischen so, dass ich Übungen machen könnte, will aber nichts überstürzen. Neben dem Essen haben mir meine Eltern aber auch eine Yogamatte vor die Tür gestellt, so dass ich ein wenig für die Beweglichkeit mache, mich aber nicht belaste.

Wie vertreiben Sie sich sonst den Tag?

Ich telefoniere viel über Facetime mit meiner Freundin, der Familie und mit Freunden. Dann mache ich ein wenig für mein Studium oder schaue Filme. Aber ich kann mich auch erst wieder auf Dinge konzentrieren, seitdem ich symptomfrei bin. Und das ist erst seit wenigen Tagen.

Wie ist Ihre Meinung unter den aktuellen Umständen zur bevorstehenden Weltmeisterschaft im Januar in Ägypten?

Ich sehe das zweigeteilt, und vor anderthalb Wochen hätte ich auf die Frage auch noch anders geantwortet. Doch nachdem es mich erwischt hat, hat sich meine Perspektive verändert. Zum einen ist es ein großer Traum von mir, bei einer WM zu spielen, und ich würde mich glücklich schätzen, dabei zu sein. Andererseits weiß ich nicht, ob so ein Turnier jetzt gespielt werden muss. Das Hygienekonzept muss einfach sehr, sehr gut sein. Ich bin jetzt aber auch kein erfahrener Spieler und spiele nicht zusätzlich Champions League oder einen anderen europäischen Wettbewerb. Aber mit dem Wissen, dass die Saison sowieso schon sehr eng getaktet ist, im Sommer die Olympischen Spiele anstehen und im Winter wieder ein Großturnier gespielt wird, macht es vielleicht mehr Sinn, es ausfallen zu lassen.

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