GWD Minden stellt Weichen: Lizenz beantragt, aber Fragezeichen im Etat Marcus Riechmann Minden. Sportlich muss das Team noch nachlegen und ein paar Punkte sammeln. Wirtschaftlich sind die Weichen für ein weiteres Jahr in der Handball-Bundesliga bei GWD Minden bereits gestellt. Geschäftsführer Markus Kalusche hat den Finanzplan für die kommenden Saison erstellt und wie alle 20 Erst- und 19 Zweitligisten die Lizenz beim Ligaverband HBL beantragt. Dem weiteren Ablauf blickt der Mann der Zahlen bei GWD entspannt entgegen. „Ich gehe davon aus, dass wir die Lizenz problemlos erhalten werden“, sagt Kalusche. Die Kriterien bereiten dem dem 46-Jährigen kein Kopfzerbrechen. Er ist mit anderen Baustellen beschäftig: Der Plan steht zwar, doch im Angesicht der Pandemie steht das Budget auf wackeligen Füßen. Fragen lauten: Kommen die Sponsoren heil durch die Krise? Wie und wann gelingt die Rückkehr in die Kampa-Halle? Wann und in welchem Umfang dürfen die Fans zurück auf die Tribünen? „Wir haben eine stabile und treue Sponsorenlandschaft“, sieht sich Kalusche im Umfeld der Förderer, in vielen Fällen zugleich Fans, auch in der Corona-Krise gut aufgestellt. Die Kampa-Halle bereitet dem Manager vor allem perspektivisch Probleme, weil Investitionen in das betagte Objekt den Weg zur wirtschaftlich herbeigesehnten Multi-Arena versperren könnten. Sein größtes aktuelles Thema: Die Rückkehr der Zuschauer in einer Nach-Coronazeit ist eine nur schwer zu kalkulierende Größe im Budget. „Die Einnahmen aus dem Ticketing belaufen sich in einer normalen Saison auf circa 500.000 Euro“, beziffert Kalusche und sagt: „Das ist für uns ein Posten, der kaum kompensierbar ist, wenn er wegfällt.“ Ein Weg, um dort entstehende Ausfälle auszugleichen, sind die staatlichen Finanzhilfen. Sie wurden jüngst bis zum 31. Dezember 2021 verlängert, auch um den Klubs der Profiligen bei der Lizenzierung eine Sicherheit zu vermitteln. Bis zu 90 Prozent der coronabedingten Verluste aus dem Ticketing sollen ausgeglichen werden, auch andere aus der Pandemie resultierende Ausfälle können geltend gemacht werden. Wie im Vorjahr liegen insgesamt 200 Millionen Euro bereit, dazu kommt der im Jahr 2020 nicht abgerufene Betrag von rund 120 Millionen Euro. Pro Klub ist der Betrag auf 1,8 Millionen Euro gedeckelt, 2020 war das noch auf 800.000 Euro limitiert. Das hört sich üppig an, doch längst nicht alle Vereine kommen in den Genuss der Nothilfen. „Wir haben im letzten Jahr kein Geld erhalten“, berichtet Kalusche, denn die Voraussetzung der „Not“ habe man bei GWD nicht erfüllt. „Wir hatten auf die Krise rechtzeitig reagiert und die Probleme gelöst, bevor die genauen Bedingungen für die Anspruchstellung beim Bund bekannt waren“, berichtet Kalusche. Mit Mitteln wie Kurzarbeit und Gehaltsverzicht sowie der Unterstützung von Sponsoren habe man das erste Corona-Jahr ohne Staatsgeld gemeistert. Doch so werde es nicht bleiben, blickt der Geschäftsführer voraus: „Die Finanzhilfen werden jetzt auch für uns ein Thema.“ Laut Plan liegt das neue Budget etwas höher als im Vorjahr und damit jenseits der Marke von vier Millionen Euro, lässt der Manager wissen. Doch von einem Volumen wie in der Saison 2018/2019, wo man bei rund viereinhalb Millionen Euro angekommen war, sei man weit entfernt. Doch dort müsse man wieder hin. „Das wichtigste ist: Wir brauchen wettbewerbsfähige sportliche Qualität. Das hat höchste Priorität“, sagt Kalusche. Er weiß, wie schwierig die Suche seines Geschäftsführer-Kollegen Frank von Behren ist, der für Mittelmann Juri Knorr und Rückraum-Linkshänder Christoffer Rambo Top-Verstärkungen verpflichten will und muss. Denn auch andere Klubs sind auf der Pirsch. Und da in Minden „weiche“ Standortfaktoren wie Spiel- und Trainingsstätte eher negativ wirken, spielt neben dem Renommee des Trainers Frank Carstens eben auch das Gehalt eine wichtige Rolle. In der Finanzplanung hat Kalusche Unterstützung aus dem Kreis der GWD-Gesellschafter erhalten. In der jüngsten Sitzung herrschte Einigkeit, bei Pandemie verursachten Ausfällen stabilisierend einzugreifen. „Das werte ich als gutes Zeichen“, sagt Kalusche, „diese Rückendeckung tut GWD in dieser Zeit besonders gut.“ Wenn die GWD-Handballer am Sonntag um 13.30 Uhr im Bundesliga-Heimspiel auf den Spitzenreiter SG Flensburg-Handewitt treffen, wird der Schaden beseitigt sein. Vor einer Woche hingegen stand die Austragung des Spiels gegen die Rhein-Neckar Löwen auf der Kippe. Bei einem „Steiger“, der zum Anbringen der großen grünen Wandverkleidung in der Kreissporthalle Lübbecke benutzt wird, war beim Zusammenbau eine Arretierung nicht richtig eingerastet. Daraufhin hatte das schwere Leiterteil ein Loch in den Hallenboden gestoßen. „Das Spiel war in Gefahr“, berichtet GWD-Geschäftsführer Markus Kalusche von einem Anruf, der ihn am Samstag ereilte, „aber zum Glück hat doch noch alles geklappt.“

GWD Minden stellt Weichen: Lizenz beantragt, aber Fragezeichen im Etat

Minden. Sportlich muss das Team noch nachlegen und ein paar Punkte sammeln. Wirtschaftlich sind die Weichen für ein weiteres Jahr in der Handball-Bundesliga bei GWD Minden bereits gestellt. Geschäftsführer Markus Kalusche hat den Finanzplan für die kommenden Saison erstellt und wie alle 20 Erst- und 19 Zweitligisten die Lizenz beim Ligaverband HBL beantragt.

Die Zahlen im Blick: Markus Kalusche an seinem Schreibtisch in der GWD-Geschäftsstelle in der schmucken alten Kaiservilla. MT-Archivfoto: Riechmann - © m
Die Zahlen im Blick: Markus Kalusche an seinem Schreibtisch in der GWD-Geschäftsstelle in der schmucken alten Kaiservilla. MT-Archivfoto: Riechmann - © m

Dem weiteren Ablauf blickt der Mann der Zahlen bei GWD entspannt entgegen. „Ich gehe davon aus, dass wir die Lizenz problemlos erhalten werden“, sagt Kalusche. Die Kriterien bereiten dem dem 46-Jährigen kein Kopfzerbrechen. Er ist mit anderen Baustellen beschäftig: Der Plan steht zwar, doch im Angesicht der Pandemie steht das Budget auf wackeligen Füßen. Fragen lauten: Kommen die Sponsoren heil durch die Krise? Wie und wann gelingt die Rückkehr in die Kampa-Halle? Wann und in welchem Umfang dürfen die Fans zurück auf die Tribünen?

„Wir haben eine stabile und treue Sponsorenlandschaft“, sieht sich Kalusche im Umfeld der Förderer, in vielen Fällen zugleich Fans, auch in der Corona-Krise gut aufgestellt. Die Kampa-Halle bereitet dem Manager vor allem perspektivisch Probleme, weil Investitionen in das betagte Objekt den Weg zur wirtschaftlich herbeigesehnten Multi-Arena versperren könnten. Sein größtes aktuelles Thema: Die Rückkehr der Zuschauer in einer Nach-Coronazeit ist eine nur schwer zu kalkulierende Größe im Budget. „Die Einnahmen aus dem Ticketing belaufen sich in einer normalen Saison auf circa 500.000 Euro“, beziffert Kalusche und sagt: „Das ist für uns ein Posten, der kaum kompensierbar ist, wenn er wegfällt.“

Ein Weg, um dort entstehende Ausfälle auszugleichen, sind die staatlichen Finanzhilfen. Sie wurden jüngst bis zum 31. Dezember 2021 verlängert, auch um den Klubs der Profiligen bei der Lizenzierung eine Sicherheit zu vermitteln. Bis zu 90 Prozent der coronabedingten Verluste aus dem Ticketing sollen ausgeglichen werden, auch andere aus der Pandemie resultierende Ausfälle können geltend gemacht werden. Wie im Vorjahr liegen insgesamt 200 Millionen Euro bereit, dazu kommt der im Jahr 2020 nicht abgerufene Betrag von rund 120 Millionen Euro. Pro Klub ist der Betrag auf 1,8 Millionen Euro gedeckelt, 2020 war das noch auf 800.000 Euro limitiert.

Das hört sich üppig an, doch längst nicht alle Vereine kommen in den Genuss der Nothilfen. „Wir haben im letzten Jahr kein Geld erhalten“, berichtet Kalusche, denn die Voraussetzung der „Not“ habe man bei GWD nicht erfüllt. „Wir hatten auf die Krise rechtzeitig reagiert und die Probleme gelöst, bevor die genauen Bedingungen für die Anspruchstellung beim Bund bekannt waren“, berichtet Kalusche. Mit Mitteln wie Kurzarbeit und Gehaltsverzicht sowie der Unterstützung von Sponsoren habe man das erste Corona-Jahr ohne Staatsgeld gemeistert. Doch so werde es nicht bleiben, blickt der Geschäftsführer voraus: „Die Finanzhilfen werden jetzt auch für uns ein Thema.“

Laut Plan liegt das neue Budget etwas höher als im Vorjahr und damit jenseits der Marke von vier Millionen Euro, lässt der Manager wissen. Doch von einem Volumen wie in der Saison 2018/2019, wo man bei rund viereinhalb Millionen Euro angekommen war, sei man weit entfernt. Doch dort müsse man wieder hin. „Das wichtigste ist: Wir brauchen wettbewerbsfähige sportliche Qualität. Das hat höchste Priorität“, sagt Kalusche. Er weiß, wie schwierig die Suche seines Geschäftsführer-Kollegen Frank von Behren ist, der für Mittelmann Juri Knorr und Rückraum-Linkshänder Christoffer Rambo Top-Verstärkungen verpflichten will und muss. Denn auch andere Klubs sind auf der Pirsch. Und da in Minden „weiche“ Standortfaktoren wie Spiel- und Trainingsstätte eher negativ wirken, spielt neben dem Renommee des Trainers Frank Carstens eben auch das Gehalt eine wichtige Rolle.

In der Finanzplanung hat Kalusche Unterstützung aus dem Kreis der GWD-Gesellschafter erhalten. In der jüngsten Sitzung herrschte Einigkeit, bei Pandemie verursachten Ausfällen stabilisierend einzugreifen. „Das werte ich als gutes Zeichen“, sagt Kalusche, „diese Rückendeckung tut GWD in dieser Zeit besonders gut.“

Wenn die GWD-Handballer am Sonntag um 13.30 Uhr im Bundesliga-Heimspiel auf den Spitzenreiter SG Flensburg-Handewitt treffen, wird der Schaden beseitigt sein. Vor einer Woche hingegen stand die Austragung des Spiels gegen die Rhein-Neckar Löwen auf der Kippe. Bei einem „Steiger“, der zum Anbringen der großen grünen Wandverkleidung in der Kreissporthalle Lübbecke benutzt wird, war beim Zusammenbau eine Arretierung nicht richtig eingerastet. Daraufhin hatte das schwere Leiterteil ein Loch in den Hallenboden gestoßen. „Das Spiel war in Gefahr“, berichtet GWD-Geschäftsführer Markus Kalusche von einem Anruf, der ihn am Samstag ereilte, „aber zum Glück hat doch noch alles geklappt.“

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