Laschet greift zum Telefon: GWD Minden und TuS N-Lübbecke dürfen die Türen für bis zu 1.000 Zuschauer öffnen Marcus Riechmann Lübbecke. Zuschauer hatten sie beim Spielo-Cup keine, dafür aber einen gewichtigen Zuhörer. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident stattete den Bundesligisten GWD Minden und TuS N-Lübbecke am Samstagmorgen einen Besuch ab und nahm sich der Fan-Problematik des Handballs in der Corona-Situation an. Nach dem rund einstündigen Austausch in Barres Brauwelt in Lübbecke referierte Laschet, dessen Sohn selbst Handball spielt, vor der Presse entspannt über seinen Erkenntnisgewinn. Er habe erfahren, wie groß die Abhängigkeit der Handballer von Zuschauer und Sponsoren sei. Zudem habe er erkannt, dass in den Corona-Schutzverordnungen („Die werden nie perfekt sein“) unstimmige Details noch geklärt werden müssen, um Chancengleichheit und Wettbewerbsfähigkeit herzustellen. „Mit Vorsicht Dinge zulassen“, wiederholte der nach der Kanzler-Kandidatur schielende Aachener sein Corona-Mantra. Die starre Regel von maximal 300 Zuschauern bei NRW-Sportveranstaltungen war in der frischen Corona-Schutzverordnung bereits gefallen. Doch auch im neuen Regelwerk blieben Auslegungsfragen offen. Diese Fragen nahm der 59-jährige CDU-Mann aus dem Gespräch mit, griff zum Telefon und führte sie im Nachgang auf dem kurzen Dienstweg einer Klärung durch die Staatskanzlei zu. Am Samstagnachmittag bereits - so schnell geht's, wenn man mit dem Chef spricht - kam dann die gute Nachricht für den gesamten Sport in NRW: Zwar gelten im Profisport in bundesweiten Spielklassen in der Probephase bis Ende Oktober die von den Ländern beschlossenen Maximalgrenzen von 20 Prozent der Stadien- und Hallenkapazität. Doch diese starre Grenze – so ermittelten die Experten in der Staatskanzlei in der Gesetzesauslegung – gelte erst ab einer Zuschauerzahl von mehr als 1.000. Bis dahin liege die Entscheidungshoheit bei den Gesundheitsbehörden vor Ort, deren Kompetenzen in der neuen Verordnung erhöht wurden. Das bedeutet für GWD und den TuS: Sie dürfen das bereits von den lokalen Behörden genehmigte Hygiene-Konzept für die Lübbecker Kreissporthalle anwenden und damit 762 Zuschauer bei den Heimspielen zulassen. Den vier Klub-Vertretern war Laschets Besuch wie Glück in den Schoß gefallen. Sie profitierten von glücklichen Umständen. Laschet selbst hatte die Initiative zum Abstecher in den äußersten Zipfel des Landes, den sonst selten im Düsseldorfer Fokus liegenden Mühlenkreis ergriffen. Die Gelegenheit hier einen Wechsel im Landratsamt anzuschieben und ein traditionelles SPD-Gebiet zum CDU-Kreis zu machen, wollte der Landeschef nutzen. Obgleich seine Begründung für die Unterstützung von Anna Bölling vor der Stichwahl eine andere war: Wir haben in NRW unter den 53 Oberbürgermeistern und Landräten lediglich zwei Frauen. Daran wollen wir arbeiten“, begründete Laschet seinen Anruf bei Bölling, die danach in eine willkommene Terminnot geriet. Das Thema des Besuchs durfte sich die 40-jährige Mindenerin selbst aussuchen. Und die Wahl fiel auf den Handball: „Das ist hier die Herzkammer des Handballs“. Davon profitierten die heimischen Profi-Klubs, deren Vertreter Markus Kalusche (GWD-Geschäftsführer) und Frank von Behren (Geschäftsführer Sport GWD) sowie für den TuS N-Lübbecke Torsten Appel (Geschäftsführer) und Rolf Hermann (Sportlicher Leiter) noch beim Besuch selbst kaum wussten, wie ihnen geschah. Wochenlang hatte sich der NRW-Sport in der Zuschauerfrage um Kontakt zur Landesregierung bemüht und schließlich zumindest eine Video-Konferenz als „Sportgipfel“ am Freitag vor einer Woche erreicht. Und nun richteten sich die Augen der Profi-Ligen in Handball, Basketball, Eishockey und Volleyball nach Lübbecke, wo wichtige Weichen gestellt und Fragen geklärt wurden.

Laschet greift zum Telefon: GWD Minden und TuS N-Lübbecke dürfen die Türen für bis zu 1.000 Zuschauer öffnen

Ministerpräsident Armin Laschet (rechts) unterstützt den Landratswahlkampf seiner Parteikollegin Anna Bölling (CDU). Davon profitierten die heimischen Profi Handballklubs GWD Minden und TuS N-Lübbecke mit ihren Sportchefs Rolf Hermann (TuS/2.v.links) und Frank von Behren (GWD/rechts) sowie den Finanz-Chefs Markus Kalusche (GWD/Mitte links) und Torsten Appel (TuS/Mitte rechts). © Foto: Riechmann

Lübbecke. Zuschauer hatten sie beim Spielo-Cup keine, dafür aber einen gewichtigen Zuhörer. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident stattete den Bundesligisten GWD Minden und TuS N-Lübbecke am Samstagmorgen einen Besuch ab und nahm sich der Fan-Problematik des Handballs in der Corona-Situation an.

Nach dem rund einstündigen Austausch in Barres Brauwelt in Lübbecke referierte Laschet, dessen Sohn selbst Handball spielt, vor der Presse entspannt über seinen Erkenntnisgewinn. Er habe erfahren, wie groß die Abhängigkeit der Handballer von Zuschauer und Sponsoren sei. Zudem habe er erkannt, dass in den Corona-Schutzverordnungen („Die werden nie perfekt sein“) unstimmige Details noch geklärt werden müssen, um Chancengleichheit und Wettbewerbsfähigkeit herzustellen. „Mit Vorsicht Dinge zulassen“, wiederholte der nach der Kanzler-Kandidatur schielende Aachener sein Corona-Mantra.

Am Ende des Fototermins tauchen zwischen Anna Bölling und Armin Laschat auch die beiden heimischen Landtagsabgeordneten auf: Kirstin Korte (links) und Bianca Winkelmann (rechts) hatten im Hintergrund mit festem Griff dafür gesorgt, dass die windempfindlichen Vereins-Aufsteller dem Ministerpräsidenten nicht ständig auf dem Kopf fielen. - © MT-Foto: Riechmann
Am Ende des Fototermins tauchen zwischen Anna Bölling und Armin Laschat auch die beiden heimischen Landtagsabgeordneten auf: Kirstin Korte (links) und Bianca Winkelmann (rechts) hatten im Hintergrund mit festem Griff dafür gesorgt, dass die windempfindlichen Vereins-Aufsteller dem Ministerpräsidenten nicht ständig auf dem Kopf fielen. - © MT-Foto: Riechmann

Die starre Regel von maximal 300 Zuschauern bei NRW-Sportveranstaltungen war in der frischen Corona-Schutzverordnung bereits gefallen. Doch auch im neuen Regelwerk blieben Auslegungsfragen offen. Diese Fragen nahm der 59-jährige CDU-Mann aus dem Gespräch mit, griff zum Telefon und führte sie im Nachgang auf dem kurzen Dienstweg einer Klärung durch die Staatskanzlei zu. Am Samstagnachmittag bereits - so schnell geht's, wenn man mit dem Chef spricht - kam dann die gute Nachricht für den gesamten Sport in NRW: Zwar gelten im Profisport in bundesweiten Spielklassen in der Probephase bis Ende Oktober die von den Ländern beschlossenen Maximalgrenzen von 20 Prozent der Stadien- und Hallenkapazität. Doch diese starre Grenze – so ermittelten die Experten in der Staatskanzlei in der Gesetzesauslegung – gelte erst ab einer Zuschauerzahl von mehr als 1.000. Bis dahin liege die Entscheidungshoheit bei den Gesundheitsbehörden vor Ort, deren Kompetenzen in der neuen Verordnung erhöht wurden. Das bedeutet für GWD und den TuS: Sie dürfen das bereits von den lokalen Behörden genehmigte Hygiene-Konzept für die Lübbecker Kreissporthalle anwenden und damit 762 Zuschauer bei den Heimspielen zulassen.

Den vier Klub-Vertretern war Laschets Besuch wie Glück in den Schoß gefallen. Sie profitierten von glücklichen Umständen. Laschet selbst hatte die Initiative zum Abstecher in den äußersten Zipfel des Landes, den sonst selten im Düsseldorfer Fokus liegenden Mühlenkreis ergriffen. Die Gelegenheit hier einen Wechsel im Landratsamt anzuschieben und ein traditionelles SPD-Gebiet zum CDU-Kreis zu machen, wollte der Landeschef nutzen. Obgleich seine Begründung für die Unterstützung von Anna Bölling vor der Stichwahl eine andere war: Wir haben in NRW unter den 53 Oberbürgermeistern und Landräten lediglich zwei Frauen. Daran wollen wir arbeiten“, begründete Laschet seinen Anruf bei Bölling, die danach in eine willkommene Terminnot geriet. Das Thema des Besuchs durfte sich die 40-jährige Mindenerin selbst aussuchen. Und die Wahl fiel auf den Handball: „Das ist hier die Herzkammer des Handballs“.

Davon profitierten die heimischen Profi-Klubs, deren Vertreter Markus Kalusche (GWD-Geschäftsführer) und Frank von Behren (Geschäftsführer Sport GWD) sowie für den TuS N-Lübbecke Torsten Appel (Geschäftsführer) und Rolf Hermann (Sportlicher Leiter) noch beim Besuch selbst kaum wussten, wie ihnen geschah. Wochenlang hatte sich der NRW-Sport in der Zuschauerfrage um Kontakt zur Landesregierung bemüht und schließlich zumindest eine Video-Konferenz als „Sportgipfel“ am Freitag vor einer Woche erreicht. Und nun richteten sich die Augen der Profi-Ligen in Handball, Basketball, Eishockey und Volleyball nach Lübbecke, wo wichtige Weichen gestellt und Fragen geklärt wurden.

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