„Krisenmodus hilft uns nicht“: Drei GWD-Spieler erklären, wie es zurzeit in der Mannschaft aussieht Sebastian Külbel Minden. Die Leistung war enttäuschend, die Aussichten werden düsterer und die Kritik ist vernichtend. GWD Mindens Profis stehen nach der sechsten Saisonniederlage im Feuer und mussten vor allem von Sport-Geschäftsführer Frank von Behren harsche Worte vernehmen. Die Derby-Pleite gegen den TuS N-Lübbecke geht an die Nerven und hinterlässt auch in der Mannschaft Spuren. Drei Spieler schildern, wie es zurzeit im Team aussieht. „Wir sind alle gefrustet, es ist nicht viel Selbstvertrauen da und es herrscht ein bisschen Ratlosigkeit“, schildert Malte Semisch. Er sieht die bislang ernüchternden Auftritte vor allem als Kopfproblem: „Grundsätzlich sind wir konkurrenzfähig. Aber die Ausstrahlung in der Abwehr hat gefehlt, der TuS-Innenblock hat es uns vorgemacht. Wir müssen da einfach mehr Aggressivität zeigen.“ Einen Mangel an Motivation sieht er trotzdem nicht: „Es steht außer Frage, dass jeder will. Aber jeder ist ein bisschen gehemmt.“ Auch Kapitän Niclas Pieczkowski sieht keinen Mangel an Einstellung, sondern an Qualität: „Das reicht zurzeit einfach nicht, um zu gewinnen. Wir haben bisher wenig Konkurrenzfähigkeit gezeigt. Und es fehlt bei aller Anspannung spielerisch eine gewisse Lockerheit.“ Das führt der Routinier auch auf die Zusammensetzung des Kaders zurück: „Wir haben viele junge Spieler und auch einige, die die Bundesliga nicht gut kennen. Auch im Zusammenspiel fehlt uns die gemeinsame Erfahrung.“ Der Ausfall von Amine Darmoul hat zudem ein Loch gerissen, dass GWD so schnell nicht schließen konnte. „Wir waren gerade gut eingespielt, dann ist er uns weggebrochen“, sagt Pieczkowski über seinen torgefährlichen Mitspieler. In der verbliebenen Rückraumbesetzung taten sich die Mindener schwer, wie auch der Regisseur einräumt: „Wir müssen es schaffen, uns einzuspielen. Aber solche Prozesse brauchen Zeit – und die haben wir nicht.“ Gerade der Angriff muss aber beim Blick auf die Tabelle schnell funktionieren: Minden wirft zurzeit durchschnittlich nicht einmal 22 Tore pro Spiel, gegen Lübbecke waren es nur 18. Zahlen, die Mats Korte nachdenklich machen: „Wir schaffen es ja kaum, mal mehr als 20 Tore zu werfen, da fehlt im Angriff die Power.“ Das hat seiner Ansicht nach auch mit dem großen Personalwechsel im Sommer zu tun: „Wir haben einen ganz neuen Rückraum, und einige Spieler tun sich noch schwer in der Liga. Wir sind im Angriff teilweise überfordert.“ Um das zu ändern, gibt es für Korte nur ein Rezept: „Wir dürfen nicht zweifeln, sondern müssen weitermachen. Es geht nur übers Training, hart arbeiten, Gas geben. Wir müssen das Leistungsniveau bei allen nach oben bringen.“ Pieczkowski betont zudem die Bedeutung der Basics: „Wir müssen im Angriff druckvoll spielen und die Chancen effizienter nutzen. Und in der Abwehr ist es bislang zu einfach, an uns vorbeizukommen.“ Vor allem die Mitte habe GWD nicht so abgedichtet habe, wie es geplant gewesen sei. Für Semisch ist auch die mentale Komponente in den nächsten Tagen wichtig: „Ich hatte am Samstag das Gefühl, der eine oder andere hatte den Glauben an sich verloren. Das können wir uns aber nicht leisten, wir müssen uns da rausziehen.“ Helfen könnte seiner Ansicht nach eine Aussprache in der Mannschaft: „Wir müssen über diese Situation reden und vielleicht auch mal Kritik äußern.“ Denn so groß der Umbruch vor der Saison war, so sehr hat der schlechte Start den Keeper überrascht: „In der Vorbereitung lief alles solide, wir konnten mithalten.“ Das hält Semisch weiterhin für möglich – auch kurzfristig: „Wir brauchen nur ein, zwei Siege und sind wieder in dem Feld, in dem wir uns bewegen wollen.“ Allerdings müssen sich die Mindener schnell steigern, um endlich ernsthaft im Kampf um den Klassenerhalt mitzumischen: „Balingen und Lübbecke sehe ich auch eher unten, und wir haben gegen beide klar verloren“, mahnt Korte. Kollege Pieczkowski schaut derweil lieber nach vorne als zurück: „Wir müssen die Dinge aufarbeiten und weitermachen, der Krisenmodus hilft uns nicht.“

„Krisenmodus hilft uns nicht“: Drei GWD-Spieler erklären, wie es zurzeit in der Mannschaft aussieht

Kein Durchkommen: Mindens Miro Schluroff stemmt sich vergeblich gegen die Lübbecker Abwehrwand. Fotos (3): Angela Metge ©Angela Metge

Minden. Die Leistung war enttäuschend, die Aussichten werden düsterer und die Kritik ist vernichtend. GWD Mindens Profis stehen nach der sechsten Saisonniederlage im Feuer und mussten vor allem von Sport-Geschäftsführer Frank von Behren harsche Worte vernehmen. Die Derby-Pleite gegen den TuS N-Lübbecke geht an die Nerven und hinterlässt auch in der Mannschaft Spuren. Drei Spieler schildern, wie es zurzeit im Team aussieht.

„Wir sind alle gefrustet, es ist nicht viel Selbstvertrauen da und es herrscht ein bisschen Ratlosigkeit“, schildert Malte Semisch. Er sieht die bislang ernüchternden Auftritte vor allem als Kopfproblem: „Grundsätzlich sind wir konkurrenzfähig. Aber die Ausstrahlung in der Abwehr hat gefehlt, der TuS-Innenblock hat es uns vorgemacht. Wir müssen da einfach mehr Aggressivität zeigen.“ Einen Mangel an Motivation sieht er trotzdem nicht: „Es steht außer Frage, dass jeder will. Aber jeder ist ein bisschen gehemmt.“

Die Deckung des TuS N-Lübbecke warf sich beim Derby leidenschaftlich in jeden GWD-Angriff. - ©Angela Metge
Die Deckung des TuS N-Lübbecke warf sich beim Derby leidenschaftlich in jeden GWD-Angriff. - ©Angela Metge

Auch Kapitän Niclas Pieczkowski sieht keinen Mangel an Einstellung, sondern an Qualität: „Das reicht zurzeit einfach nicht, um zu gewinnen. Wir haben bisher wenig Konkurrenzfähigkeit gezeigt. Und es fehlt bei aller Anspannung spielerisch eine gewisse Lockerheit.“ Das führt der Routinier auch auf die Zusammensetzung des Kaders zurück: „Wir haben viele junge Spieler und auch einige, die die Bundesliga nicht gut kennen. Auch im Zusammenspiel fehlt uns die gemeinsame Erfahrung.“

Aufgebracht: Malte Semisch geht Kreisläufer Tin Kontrec an. - © Copyright 2021 Angela Metge – All rights reserved
Aufgebracht: Malte Semisch geht Kreisläufer Tin Kontrec an. - © Copyright 2021 Angela Metge – All rights reserved

Der Ausfall von Amine Darmoul hat zudem ein Loch gerissen, dass GWD so schnell nicht schließen konnte. „Wir waren gerade gut eingespielt, dann ist er uns weggebrochen“, sagt Pieczkowski über seinen torgefährlichen Mitspieler. In der verbliebenen Rückraumbesetzung taten sich die Mindener schwer, wie auch der Regisseur einräumt: „Wir müssen es schaffen, uns einzuspielen. Aber solche Prozesse brauchen Zeit – und die haben wir nicht.“

Gerade der Angriff muss aber beim Blick auf die Tabelle schnell funktionieren: Minden wirft zurzeit durchschnittlich nicht einmal 22 Tore pro Spiel, gegen Lübbecke waren es nur 18. Zahlen, die Mats Korte nachdenklich machen: „Wir schaffen es ja kaum, mal mehr als 20 Tore zu werfen, da fehlt im Angriff die Power.“ Das hat seiner Ansicht nach auch mit dem großen Personalwechsel im Sommer zu tun: „Wir haben einen ganz neuen Rückraum, und einige Spieler tun sich noch schwer in der Liga. Wir sind im Angriff teilweise überfordert.“

Um das zu ändern, gibt es für Korte nur ein Rezept: „Wir dürfen nicht zweifeln, sondern müssen weitermachen. Es geht nur übers Training, hart arbeiten, Gas geben. Wir müssen das Leistungsniveau bei allen nach oben bringen.“ Pieczkowski betont zudem die Bedeutung der Basics: „Wir müssen im Angriff druckvoll spielen und die Chancen effizienter nutzen. Und in der Abwehr ist es bislang zu einfach, an uns vorbeizukommen.“ Vor allem die Mitte habe GWD nicht so abgedichtet habe, wie es geplant gewesen sei.

Für Semisch ist auch die mentale Komponente in den nächsten Tagen wichtig: „Ich hatte am Samstag das Gefühl, der eine oder andere hatte den Glauben an sich verloren. Das können wir uns aber nicht leisten, wir müssen uns da rausziehen.“ Helfen könnte seiner Ansicht nach eine Aussprache in der Mannschaft: „Wir müssen über diese Situation reden und vielleicht auch mal Kritik äußern.“

Denn so groß der Umbruch vor der Saison war, so sehr hat der schlechte Start den Keeper überrascht: „In der Vorbereitung lief alles solide, wir konnten mithalten.“ Das hält Semisch weiterhin für möglich – auch kurzfristig: „Wir brauchen nur ein, zwei Siege und sind wieder in dem Feld, in dem wir uns bewegen wollen.“

Allerdings müssen sich die Mindener schnell steigern, um endlich ernsthaft im Kampf um den Klassenerhalt mitzumischen: „Balingen und Lübbecke sehe ich auch eher unten, und wir haben gegen beide klar verloren“, mahnt Korte. Kollege Pieczkowski schaut derweil lieber nach vorne als zurück: „Wir müssen die Dinge aufarbeiten und weitermachen, der Krisenmodus hilft uns nicht.“

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