Kläglich gescheitert: Der geplante Beutezug in Essen wird für die Handballer von GWD Minden zum Rohrkrepierer Marcus Riechmann Essen. Mit breiter Brust waren sie ausgezogen, um im Ruhrpott Beute zu machen. Mit eingezogenem Schwanz wie geprügelte Hunde schlichen sie mit leeren Händen heim. Die Handballer von GWD Minden zeigten gestern Abend eine klägliche Leistung und kassierten im Kellerduell der Bundesliga bei TuSEM Essen mit 20:29 (9:15) nicht zum ersten Mal eine ebenso deftige wie schmerzhafte Abfuhr. „Wir haben zu Recht, aber noch zu niedrig verloren“, gestand Trainer Frank Carstens offen ein und warf seinen Spielern unprofessionelles Verhalten vor. „Dilettantisch“ nannte Sport-Geschäftsführer Frank von Behren den Auftritt des Teams und grollte: „In so ein wichtiges Spiel darf man nicht mit einer solchen Einstellung gehen. Essen war uns in allen Belangen überlegen. Wir hatten keine Chance.“ Einen Tag nach der Heimpleite des TuS N-Lübbecke gegen Bayer Dormagen, einem argen Rückschlag im Aufstiegsrennen der 2. Liga, taten es Mindener eine Etage höher dem Mühlenkreis-Rivalen gleich. Sie erlebten nicht zum ersten Mal in dieser Saison im Duell mit einem Kellerkonkurrenten eine Bruchlandung. Sie ließen in Essen die große Chance liegen, mit einem Sieg den Aufstieg aus den Niederungen der Tabelle und den Anschluss ans Mittelfeld zu schaffen. Ohne den kränklichen Linksaußen Joscha Ritterbach war GWD zum vierten Auswärtsspiel in Folge gefahren. Es dauerte nur wenige Minuten, dann hatte Essen den Männern in Grün-Weiß ein Gefühl davon vermittelt, wie kurz vor Ostern der Hase laufen würde. Mit beinharter, aggressiver und ballorientierter Abwehr kaufte der Aufsteiger dem GWD-Angriff den Scheid ab und setzte damit exakt das Mittel ein, das GWD in den vergangenen Wochen als Erfolgsrezept verwendet hatte. „Das war unglaublich“, lobte Essen Torwart Sebastian Bliss seine Deckung, die er mit einer herausragenden Leistung unterstützte: 17 Paraden und damit eine Erfolgsquote von 47 Prozent gelangen dem Keeper, der die GWD-Schützen reihenweise verzweifeln ließ. Und was der 30-Jährige nicht an die Finger bekam, knallte ans Torgebälk. Denn das Glück, das sie im Hinspiel beim hauchdünnen 30:29-Heimsieg noch besaßen, hatte die GWD-Profis in der Sporthalle „Am Hallo“ gestern verlassen. Pech in Form etlicher Latten- und Pfostentreffer gesellte sich zum augenscheinlichen Unvermögen. „Die Wurfquote war wie alles heute katastrophal“, stellte Carstens nüchtern fest. Es dauerte zehn Minuten und brauchte beim 0:4-Rückstand eine frühe Auszeit von Carstens, ehe GWD durch Kevin Gulliksen der erste Treffer gelang. „Wir bewegen uns nicht“, monierte Carstens das nicht existente Spiel ohne Ball. Doch echte Wirkung zeigten die Worte des Trainers nicht. Ganz so, als hätte sich das in den vergangenen Woche gereifte Selbstbewusstsein in Überheblichkeit gewandelt, machten die Mindener Profis weiter. „Ich weiß nicht, ob das so war. Ich kann den Spielern nicht in die Köpfe gucken“, meinte dazu Coach Carstens. Fakt war: Seine Profis spielten die Angriffe nicht auf den Punkt, machten einfache Fehler und warfen ohne Überzeugung. Die Nicht-Leistungen von Torjäger Christoffer Rambo oder des dreimal in Folge im „Team des Tages“ der Liga stehenden Doruk Pehlivan standen sinnbildlich für das gesamte Team. Die beiden Fernschützen erzielten gemeinsam einen einzigen mickrigen Treffer. „Minden hatte keine Chance aus dem Rückraum“, beschrieb TuSEM-Torwart Bliss aus der Perspektive der Abwehr. Frank von Behren betrachtete es von der anderen Seite: „Wenn unsere Leistungsträger total ausfallen, ist das nicht zu kompensieren.“ Malte Semisch ließ sich davon nicht anstecken. Der Schlussmann zeigte wie sein Gegenüber Bliss eine brillante Partie. Er bügelte zahlreiche Fehler der ganz und gar nicht sattelfesten Abwehr aus und sorgte dafür, dass Minden zur Halbzeit nicht noch deutlicher als 9:15 im Rückstand lag. Neben Semisch zeigte ein zweiter Mindener gute Form: Florian Kranzmann aus der A-Jugend gab ein prächtiges Debüt, für das er sich fraglos nettere Umstände gewünscht hätte. Kranzmann, der als Ersatz für Ritterbach erst eine halbe Stunde vor der Abfahrt um 13.30 Uhr in den Kader berufen wurde und in Bielefeld zum Team in den Bus stieg, löste Ende der ersten Halbzeit den glücklosen Mats Korte ab und führte sich mit den Toren zum 8:13 und 9:14 prächtig ein. Auch in der zweiten Halbzeit spielte er unerschrocken auf und erzielte zwei weitere Treffer, ehe auch der 18-Jährige eine Viertelstunde vor Schluss in Bliss seinen Meister fand. Da war die Partie beim Rückstand von 13:22 aber schon längst gelaufen. Im Raum stand nur die Frage, wie hoch GWD verlieren würde. Beim 27:16 durch Maldonado, der elegant die auf 5:1 umgestellte Abwehr der Mindener auseinander nahm, erhöhten die wie berauscht spielenden Essen auf eine Elf-Tore-Führung. Doch dabei beließen sie es. Es war für Minden auch so schon schlimm genug. Das sagt der Trainer Frank Carstens (GWD Minden): „So eine hohe Niederlage kann in der Bundesliga natürlich passieren, das ist klar. Aber in so einem Spiel, das für beide Teams eine große Bedeutung hatte, darf so etwas nicht passieren. Wir haben nicht viel richtig gemacht, was man als professioneller Sportler bei solchen Spielen machen sollte. Wir waren nicht wettbewerbsfähig. Auch in der Deckung hatten wir große Schwächen, da haben wir die Dinge nicht umsetzen können. Nur zwei Spieler nehme ich ausdrücklich aus der Kritik aus. Malte Semisch hat schlimmeres verhindert. Und Florian Kranzmann hat seine Sache sehr gut gemacht. TuSEM Essen - TSV GWD Minden 29:20 (15:9). Tore für Essen: Klingler (6/1), Müller (5/2), Morante Maldonado (4), Beyer (3), Firnhaber (3), Zechel (3), Becher (2), Ignatow (1), Durmaz (1), Rozman (1). Tore für Minden: Knorr (5/2), Kranzmann (4), Gulliksen (2), Richtzenhain (2), Staar (2), Rambo (1), Thiele (1), Janke (1), Schluroff (1), Padshyvalau (1).

Kläglich gescheitert: Der geplante Beutezug in Essen wird für die Handballer von GWD Minden zum Rohrkrepierer

Die Enttäuschung sitzt tief: Mindens Rechtsaußen Max Staar zieht sich nach der Pleite in Essen das Trikot ins Gesicht. Foto: Dennis Ewert/imago © imago images/RHR-Foto

Essen. Mit breiter Brust waren sie ausgezogen, um im Ruhrpott Beute zu machen. Mit eingezogenem Schwanz wie geprügelte Hunde schlichen sie mit leeren Händen heim. Die Handballer von GWD Minden zeigten gestern Abend eine klägliche Leistung und kassierten im Kellerduell der Bundesliga bei TuSEM Essen mit 20:29 (9:15) nicht zum ersten Mal eine ebenso deftige wie schmerzhafte Abfuhr.

„Wir haben zu Recht, aber noch zu niedrig verloren“, gestand Trainer Frank Carstens offen ein und warf seinen Spielern unprofessionelles Verhalten vor. „Dilettantisch“ nannte Sport-Geschäftsführer Frank von Behren den Auftritt des Teams und grollte: „In so ein wichtiges Spiel darf man nicht mit einer solchen Einstellung gehen. Essen war uns in allen Belangen überlegen. Wir hatten keine Chance.“

Breite Brust: Dem Essener Kreisläufer Tim Zechel steht kurz vor dem Abpfiff die Freude ins Gesicht geschrieben. Foto: Dennis Ewert/imago - © imago images/RHR-Foto
Breite Brust: Dem Essener Kreisläufer Tim Zechel steht kurz vor dem Abpfiff die Freude ins Gesicht geschrieben. Foto: Dennis Ewert/imago - © imago images/RHR-Foto

Einen Tag nach der Heimpleite des TuS N-Lübbecke gegen Bayer Dormagen, einem argen Rückschlag im Aufstiegsrennen der 2. Liga, taten es Mindener eine Etage höher dem Mühlenkreis-Rivalen gleich. Sie erlebten nicht zum ersten Mal in dieser Saison im Duell mit einem Kellerkonkurrenten eine Bruchlandung. Sie ließen in Essen die große Chance liegen, mit einem Sieg den Aufstieg aus den Niederungen der Tabelle und den Anschluss ans Mittelfeld zu schaffen.

Ohne den kränklichen Linksaußen Joscha Ritterbach war GWD zum vierten Auswärtsspiel in Folge gefahren. Es dauerte nur wenige Minuten, dann hatte Essen den Männern in Grün-Weiß ein Gefühl davon vermittelt, wie kurz vor Ostern der Hase laufen würde. Mit beinharter, aggressiver und ballorientierter Abwehr kaufte der Aufsteiger dem GWD-Angriff den Scheid ab und setzte damit exakt das Mittel ein, das GWD in den vergangenen Wochen als Erfolgsrezept verwendet hatte. „Das war unglaublich“, lobte Essen Torwart Sebastian Bliss seine Deckung, die er mit einer herausragenden Leistung unterstützte: 17 Paraden und damit eine Erfolgsquote von 47 Prozent gelangen dem Keeper, der die GWD-Schützen reihenweise verzweifeln ließ.

Und was der 30-Jährige nicht an die Finger bekam, knallte ans Torgebälk. Denn das Glück, das sie im Hinspiel beim hauchdünnen 30:29-Heimsieg noch besaßen, hatte die GWD-Profis in der Sporthalle „Am Hallo“ gestern verlassen. Pech in Form etlicher Latten- und Pfostentreffer gesellte sich zum augenscheinlichen Unvermögen. „Die Wurfquote war wie alles heute katastrophal“, stellte Carstens nüchtern fest.

Es dauerte zehn Minuten und brauchte beim 0:4-Rückstand eine frühe Auszeit von Carstens, ehe GWD durch Kevin Gulliksen der erste Treffer gelang. „Wir bewegen uns nicht“, monierte Carstens das nicht existente Spiel ohne Ball. Doch echte Wirkung zeigten die Worte des Trainers nicht. Ganz so, als hätte sich das in den vergangenen Woche gereifte Selbstbewusstsein in Überheblichkeit gewandelt, machten die Mindener Profis weiter. „Ich weiß nicht, ob das so war. Ich kann den Spielern nicht in die Köpfe gucken“, meinte dazu Coach Carstens.

Fakt war: Seine Profis spielten die Angriffe nicht auf den Punkt, machten einfache Fehler und warfen ohne Überzeugung. Die Nicht-Leistungen von Torjäger Christoffer Rambo oder des dreimal in Folge im „Team des Tages“ der Liga stehenden Doruk Pehlivan standen sinnbildlich für das gesamte Team. Die beiden Fernschützen erzielten gemeinsam einen einzigen mickrigen Treffer. „Minden hatte keine Chance aus dem Rückraum“, beschrieb TuSEM-Torwart Bliss aus der Perspektive der Abwehr. Frank von Behren betrachtete es von der anderen Seite: „Wenn unsere Leistungsträger total ausfallen, ist das nicht zu kompensieren.“

Malte Semisch ließ sich davon nicht anstecken. Der Schlussmann zeigte wie sein Gegenüber Bliss eine brillante Partie. Er bügelte zahlreiche Fehler der ganz und gar nicht sattelfesten Abwehr aus und sorgte dafür, dass Minden zur Halbzeit nicht noch deutlicher als 9:15 im Rückstand lag. Neben Semisch zeigte ein zweiter Mindener gute Form: Florian Kranzmann aus der A-Jugend gab ein prächtiges Debüt, für das er sich fraglos nettere Umstände gewünscht hätte. Kranzmann, der als Ersatz für Ritterbach erst eine halbe Stunde vor der Abfahrt um 13.30 Uhr in den Kader berufen wurde und in Bielefeld zum Team in den Bus stieg, löste Ende der ersten Halbzeit den glücklosen Mats Korte ab und führte sich mit den Toren zum 8:13 und 9:14 prächtig ein. Auch in der zweiten Halbzeit spielte er unerschrocken auf und erzielte zwei weitere Treffer, ehe auch der 18-Jährige eine Viertelstunde vor Schluss in Bliss seinen Meister fand.

Da war die Partie beim Rückstand von 13:22 aber schon längst gelaufen. Im Raum stand nur die Frage, wie hoch GWD verlieren würde. Beim 27:16 durch Maldonado, der elegant die auf 5:1 umgestellte Abwehr der Mindener auseinander nahm, erhöhten die wie berauscht spielenden Essen auf eine Elf-Tore-Führung. Doch dabei beließen sie es. Es war für Minden auch so schon schlimm genug.

Das sagt der Trainer

Frank Carstens (GWD Minden): „So eine hohe Niederlage kann in der Bundesliga natürlich passieren, das ist klar. Aber in so einem Spiel, das für beide Teams eine große Bedeutung hatte, darf so etwas nicht passieren. Wir haben nicht viel richtig gemacht, was man als professioneller Sportler bei solchen Spielen machen sollte. Wir waren nicht wettbewerbsfähig. Auch in der Deckung hatten wir große Schwächen, da haben wir die Dinge nicht umsetzen können. Nur zwei Spieler nehme ich ausdrücklich aus der Kritik aus. Malte Semisch hat schlimmeres verhindert. Und Florian Kranzmann hat seine Sache sehr gut gemacht.

TuSEM Essen - TSV GWD Minden 29:20 (15:9).

Tore für Essen: Klingler (6/1), Müller (5/2), Morante Maldonado (4), Beyer (3), Firnhaber (3), Zechel (3), Becher (2), Ignatow (1), Durmaz (1), Rozman (1).

Tore für Minden: Knorr (5/2), Kranzmann (4), Gulliksen (2), Richtzenhain (2), Staar (2), Rambo (1), Thiele (1), Janke (1), Schluroff (1), Padshyvalau (1).

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