„Keine Lust mehr, zu verlieren“: GWD-Abwehrchef Maximilian Janke äußert sich zu den zentralen Problemen Sebastian Külbel Minden. Nach der klaren Niederlage beim Kellerduell in Stuttgart steht GWD Minden am bisherigen Tiefpunkt einer völlig verkorksten Saison. Der Tabellenletzte der Handball-Bundesliga hat nicht nur eine Horror-Bilanz mit 2:26 Punkten, sondern ist nach einem kurzen Zwischenhoch auch wieder zunehmend chancenloser. Vor allem die Defensive steht in der Kritik: „Gegen uns kann man jedes Tor machen, das man will“, sagte Trainer Frank Carstens nach dem 31:35 in Stuttgart. Im MT-Interview nimmt Abwehrchef Maximilian Janke Stellung zu den zentralen Problemen. Ist GWD im Moment nichtbundesligatauglich? Wenn man sich die Ergebnisse anguckt, muss man dass leider so sagen. Wir hatten nur in wenigen Spielen die Chance, etwas zu holen. Viele Spiele waren schnell entschieden, und das mit einfachen Mitteln. Wir haben dann vielleicht zwischendurch gute Phasen, kommen aber nicht mehr heran. Mit 20 guten Minuten gewinnt man kein Handballspiel. Da müssen wir uns so ein Urteil gefallen lassen, auch wenn man es nicht wahrhaben will. Frank Carstens hat vor allem dieAbwehr als Problem ausgemacht. Warum ist das so? Das ist schwer zu erklären. In Stuttgart sind wir in der ersten Halbzeit grausam zurückgelaufen, wir hatten auch insgesamt keine Sicherheit im Deckungsverbund. Es war einfach, gegen uns Tore zu erzielen. In der letzten Saison war das noch ganz anders, und eigentlich kann das alles nicht weg sein. Aber irgendwie ist es im Moment so. Woran hakt es denn? Der Trainer kritisiert zum Beispiel das Zweikampfverhalten. Das sehe ich gar nicht als Hauptproblem. Natürlich sind wir in den Zweikämpfen nicht gut. Aber wir lassen uns auch zu oft auseinanderziehen und zwischen den einzelnen Spielern ist dann viel zu viel Platz. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt, konzentriert sich nur auf seinen Gegenspieler – und vergisst den Nebenmann. Wir sind einfach nicht kompakt, jeder steht für sich allein. Wenn wir mal eine vernünftige Anfangsphase hätten, wäre es wahrscheinlich besser. Aber so gehen wir immer zu früh raus, und der Gegner hat es leicht. Ist es denn ein Kopfproblem oder eine Frage des Zusammenspiels? Vom Kopfproblem zu reden, finde ich immer schwierig. Natürlich müssten wir frei im Kopf sein, um besser im Verbund zu stehen. Aber eigentlich sind es tausend Faktoren. Das Zweikampfverhalten kommt ja nicht nur aus dem Kopf. Manchmal kommunizieren wir nicht genug, manchmal gehen wir schlecht vorbereitet in den Zweikampf. Und bei zwölf Tempo-Toren gegen uns muss man gar nicht mehr über Zweikämpfe reden. Es gibt einfach zu viele Szenen, in denen wir nur irgendwie da standen. Aber eben nicht so, wie es sein soll. Was bedeutet die Niederlage gegen Stuttgart? Für Frank Carstens war sie „ein Schlag in die Fresse“. Wir haben schon so viele Niederlagen kassiert, und jede davon ist ein Schlag in die Fresse. Je öfter das passiert, desto mehr drängt sich der Gedanke der ersten Frage auf. Aber wir resignieren nicht. Ich bin ein Typ, der in so einer Situation wahnsinnig viel tun möchte, um da wieder rauszukommen. Und ich habe auch in der Mannschaft den Eindruck, dass keiner die Flinte ins Korn schmeißt. Alle haben Bock, am Kabel zu ziehen. Wir arbeiten im Training an den Dingen, aber wir bringen es nicht auf die Platte. Ich bin ratlos, woran das liegt. Beschäftigt man sich schon mit dem schlimmsten Fall? Das ist natürlich im Kopf, und in den Ruhephasen denkt man darüber nach. Mein Hauptfokus ist im Moment aber nicht die Tabelle. Ich habe einfach keine Lust mehr, Spiele zu verlieren. Auch wenn man fünfmal in Folge verliert, fühlt es sich jedes Mal scheiße an. Ich will wieder gewinnen, Punkt. Ich hatte schon gehofft, der Sieg in Melsungen würde uns Auftrieb geben. Hat er aber offensichtlich nicht. So bitter die Gesamtsituation ist, so positiv sieht es bei Ihnen persönlich nach ihrer Schulter-Operation aus. Da hat wirklich lange Zeit nichts funktioniert, aber mittlerweile ist es wieder so, wie es sein soll. Es war ein weiter Weg, und dass ich wie in Stuttgart mal eine Halbzeit auch im Angriff spiele, habe ich eineinhalb Jahre nicht erlebt. Ich könnte mich wirklich freuen – aber das passt nicht zu unserer Situation, weil es so furchtbar ist. Ihr Vertrag in Minden läuft bis 2023. Würden Sie mit GWD auch in die 2. Liga gehen? Ja. Der Vertrag gilt auch für die 2. Liga. Aber das will ich natürlich nicht, niemand will das. Wir müssen einfach zusehen, dass wir das gemeinsam abwenden.

„Keine Lust mehr, zu verlieren“: GWD-Abwehrchef Maximilian Janke äußert sich zu den zentralen Problemen

Die Schulter hält: GWD Mindens Abwehrchef Maximilian Janke spielt auch immer mehr im Angriff. „Das könnte mich freuen, wenn die Situation nicht so furchtbar wäre“, sagt er. Foto: PIX-Sportfotos/Sandy Dinkelacker

Minden. Nach der klaren Niederlage beim Kellerduell in Stuttgart steht GWD Minden am bisherigen Tiefpunkt einer völlig verkorksten Saison. Der Tabellenletzte der Handball-Bundesliga hat nicht nur eine Horror-Bilanz mit 2:26 Punkten, sondern ist nach einem kurzen Zwischenhoch auch wieder zunehmend chancenloser. Vor allem die Defensive steht in der Kritik: „Gegen uns kann man jedes Tor machen, das man will“, sagte Trainer Frank Carstens nach dem 31:35 in Stuttgart. Im MT-Interview nimmt Abwehrchef Maximilian Janke Stellung zu den zentralen Problemen.

Ist GWD im Moment nichtbundesligatauglich?

Wenn man sich die Ergebnisse anguckt, muss man dass leider so sagen. Wir hatten nur in wenigen Spielen die Chance, etwas zu holen. Viele Spiele waren schnell entschieden, und das mit einfachen Mitteln. Wir haben dann vielleicht zwischendurch gute Phasen, kommen aber nicht mehr heran. Mit 20 guten Minuten gewinnt man kein Handballspiel. Da müssen wir uns so ein Urteil gefallen lassen, auch wenn man es nicht wahrhaben will.

Frank Carstens hat vor allem dieAbwehr als Problem ausgemacht. Warum ist das so?

Das ist schwer zu erklären. In Stuttgart sind wir in der ersten Halbzeit grausam zurückgelaufen, wir hatten auch insgesamt keine Sicherheit im Deckungsverbund. Es war einfach, gegen uns Tore zu erzielen. In der letzten Saison war das noch ganz anders, und eigentlich kann das alles nicht weg sein. Aber irgendwie ist es im Moment so.

Woran hakt es denn? Der Trainer kritisiert zum Beispiel das Zweikampfverhalten.

Das sehe ich gar nicht als Hauptproblem. Natürlich sind wir in den Zweikämpfen nicht gut. Aber wir lassen uns auch zu oft auseinanderziehen und zwischen den einzelnen Spielern ist dann viel zu viel Platz. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt, konzentriert sich nur auf seinen Gegenspieler – und vergisst den Nebenmann. Wir sind einfach nicht kompakt, jeder steht für sich allein. Wenn wir mal eine vernünftige Anfangsphase hätten, wäre es wahrscheinlich besser. Aber so gehen wir immer zu früh raus, und der Gegner hat es leicht.

Ist es denn ein Kopfproblem oder eine Frage des Zusammenspiels?

Vom Kopfproblem zu reden, finde ich immer schwierig. Natürlich müssten wir frei im Kopf sein, um besser im Verbund zu stehen. Aber eigentlich sind es tausend Faktoren. Das Zweikampfverhalten kommt ja nicht nur aus dem Kopf. Manchmal kommunizieren wir nicht genug, manchmal gehen wir schlecht vorbereitet in den Zweikampf. Und bei zwölf Tempo-Toren gegen uns muss man gar nicht mehr über Zweikämpfe reden. Es gibt einfach zu viele Szenen, in denen wir nur irgendwie da standen. Aber eben nicht so, wie es sein soll.

Was bedeutet die Niederlage gegen Stuttgart? Für Frank Carstens war sie „ein Schlag in die Fresse“.

Wir haben schon so viele Niederlagen kassiert, und jede davon ist ein Schlag in die Fresse. Je öfter das passiert, desto mehr drängt sich der Gedanke der ersten Frage auf. Aber wir resignieren nicht. Ich bin ein Typ, der in so einer Situation wahnsinnig viel tun möchte, um da wieder rauszukommen. Und ich habe auch in der Mannschaft den Eindruck, dass keiner die Flinte ins Korn schmeißt. Alle haben Bock, am Kabel zu ziehen. Wir arbeiten im Training an den Dingen, aber wir bringen es nicht auf die Platte. Ich bin ratlos, woran das liegt.

Beschäftigt man sich schon mit dem schlimmsten Fall?

Das ist natürlich im Kopf, und in den Ruhephasen denkt man darüber nach. Mein Hauptfokus ist im Moment aber nicht die Tabelle. Ich habe einfach keine Lust mehr, Spiele zu verlieren. Auch wenn man fünfmal in Folge verliert, fühlt es sich jedes Mal scheiße an. Ich will wieder gewinnen, Punkt. Ich hatte schon gehofft, der Sieg in Melsungen würde uns Auftrieb geben. Hat er aber offensichtlich nicht.

So bitter die Gesamtsituation ist, so positiv sieht es bei Ihnen persönlich nach ihrer Schulter-Operation aus.

Da hat wirklich lange Zeit nichts funktioniert, aber mittlerweile ist es wieder so, wie es sein soll. Es war ein weiter Weg, und dass ich wie in Stuttgart mal eine Halbzeit auch im Angriff spiele, habe ich eineinhalb Jahre nicht erlebt. Ich könnte mich wirklich freuen – aber das passt nicht zu unserer Situation, weil es so furchtbar ist.

Ihr Vertrag in Minden läuft bis 2023. Würden Sie mit GWD auch in die 2. Liga gehen?

Ja. Der Vertrag gilt auch für die 2. Liga. Aber das will ich natürlich nicht, niemand will das. Wir müssen einfach zusehen, dass wir das gemeinsam abwenden.

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