Keine Lizenz ohne VIP-Raum: GWD fordert Handeln der Politik Astrid Plaßhenrich Minden. Der Plan stand fest: GWD Minden hat die berechtigte Hoffnung, zur kommenden Saison in die Kampa-Halle zurückzukehren. Denn für weniger als 200.000 Euro wird die 50 Jahre alte Heimspielstätte des Handball-Bundesligisten für den Interimsbetrieb flott gemacht und in wenigen Wochen öffnen. Doch es hakt an einer Stelle: Ein VIP-Raum fehlt. Der ist allerdings erforderlich, um die Lizenz von der Handball-Bundesliga (HBL) zu erhalten. Deshalb geht Markus Kalusche in die Offensive. Der kaufmännische Geschäftsführer von GWD Minden hat einen Antrag gestellt, in dem die Stadt Minden die Kosten für ein temporär aufgestelltes VIP-Zelt übernehmen soll. Die taxiert Kalusche zwischen 200.000 und 225.000 Euro. Neben Mindens Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) erhielten den Antrag, der dem MT vorliegt, auch Landrätin Anna Katharina Bölling (CDU) sowie alle Fraktionsvorsitzenden des Kreistags und des Stadtrats. Darin erklärt Markus Kalusche, dass eine Rückkehr in die Kampa-Halle ausgeschlossen sei, wenn es keinen VIP-Raum gibt. Die vor der Schließung dafür genutzte Fläche bleibt wegen der auch nach der Teilsanierung weiterhin bestehenden Brandschutzmängel geschlossen. Kalusches Idee ist nun, als Ersatz auf dem Parkplatz Ecke Hahler Straße/Bayernring dauerhaft ein Zelt aufzustellen. Doch die Kosten dafür will GWD nicht tragen. „Das können wir auch nicht mehr stemmen", sagt der Manager: „In unserem Budget klafft bereits jetzt eine Lücke im hohen sechsstelligen Bereich. Wir strecken uns bis zur Decke, um Spitzenhandball in Minden zu bieten. Aber wenn wir die Unterstützung seitens der Politik nicht erhalten, könnte uns aus finanziellen Gründen die Lizenz verweigert werden." Für Kalusche ist es unabdingbar, nach 20 Monaten in Lübbecke zur neuen Saison, die im September beginnen soll, in die Kampa-Halle zurückzukehren. „Wir verlieren ansonsten sehr viele Sponsoren", ist sich der GWD-Geschäftsführer sicher. Von deren Einnahmen finanziert sich der Bundesligist zu 82 Prozent, wie es in dem Antrag heißt. Bürgermeister Michael Jäcke sieht nun die Kreisverwaltung in der Pflicht: „Wir sind davon ausgegangen, dass wenn die Kampa-Halle interimsweise in Betrieb genommen wird, diese nicht nur für den Schul- und Breitensport genutzt werden, sondern auch GWD Minden dorthin zurückkehren kann." Die Voraussetzungen dafür müsse der Kreis schaffen. Peter Kock war nach eigenen Worten entsetzt, als er den Antrag am Mittwoch las. Der SPD-Fraktionsvorsitzende sieht – wie auch Kalusche – GWD als emotionalen Anker und vitalen Baustein der Region. „Natürlich ist es diskutabel, ob es einen separaten Raum für einen exklusiven Zuschaueranteil geben muss und wer dafür zahlen soll", erklärt Kock. Aber es gehe um das finanzielle Überleben eines Traditionsvereins, das ohne die Rückkehr nach Minden unsicher sei: „Und egal, ob GWD Wert auf einen VIP-Raum legt: Fest steht, dass die HBL einen als Auflage verlangt." Das bestätigt auch Rolf Nottmeier. „Um eine Bundesligalizenz zu erhalten, müssen die Vereine sportliche, rechtliche, finanzielle und infrastrukturelle Kriterien erfüllen. Und zu letzteren gehört auch ein VIP-Raum", sagt der Vorsitzende der Lizenzierungskommission der HBL. Nottmeier erklärt, das GWD zwei Anträge eingereicht hat – einen mit der Heimspielstätte in Minden und einen mit der in Lübbecke. Am 20. April wird die HBL über die Lizenzvergabe entscheiden: „Aber auch danach können Maßnahmen nachgebessert werden." Nottmeier, der Richter am Mindener Arbeitsgericht ist, hat auch die Landrätin über die besondere Lage von GWD informiert: „Das war ein vertrauensvolles und konstruktives Gespräch." Die Politik sei um eine Lösung bemüht. Warum Markus Kalusche den Antrag zur Kostenübernahme erst jetzt, knapp zwei Wochen vor der Lizenzvergabe, gestellt hat, begründet er wie folgt: „Wir waren bis Mitte März in Abstimmungsgesprächen mit dem Kreis. Die Zeitschiene ist brutal eng." Nun habe es eine Einigung gegeben. Kreisbaudezernent Lutz Freiberg bestätigt, dass GWD den Parkplatz nach einer vertraglichen Regelung für ein VIP-Zelt nutzen könne: „Das ist kein Problem." Für den weiteren Verlauf ist die Stadt Minden zuständig. „Uns liegt bislang noch kein Antrag vor", sagt Lars Bursian. Der Bau-Beigeordnete ist vorsichtig optimistisch, dass eine Nutzung des Parkplatzes als Standort für ein VIP-Zelt möglich ist. Aber es seien Anforderungen zu erfüllen. Dazu zähle beispielsweise ein Lärmschutzgutachten. Kalusche hofft nun auf ein schnelles Handeln: „Die Politik muss endlich Farbe bekennen." Auch zur Multihalle. „Ohne die wird GWD in naher Zukunft in der Versenkung verschwinden." Der Geschäftsführer wird nicht müde, dass immer wieder zu wiederholen. Ohne geht es nicht Ein Kommentar von Astrid Plaßhenrich Es wäre wohl einmalig in der Geschichte des Profisports, wenn ein Lizenzantrag aufgrund eines fehlenden VIP-Raums scheitert. So weit ist es noch nicht. Aber die Vorstellung, dass GWD Minden nicht mehr in der Handball-Bundesliga spielen darf, weil ein Séparée fehlt, in dem ein exklusiver Zuschaueranteil Kartoffelsalat isst, mutet dann doch abstrus an. Dennoch ist klar: Ohne geht es nicht. Das hat die HBL in ihren Statuen festgelegt. Die Begründung: Die Handball-Bundesliga sei die stärkste Liga der Welt. Und das müsse sich nicht nur auf dem Spielfeld niederschlagen, sondern auch in der Infrastruktur. Spitzensport besteht heutzutage eben nicht mehr nur aus Schweiß, Muskeln und packenden Zweikämpfen, sondern ist auch ein schickes Event. Das kann man gut oder schlecht finden, aber die HBL stellt die Spielregeln auf – und daran müssen sich alle halten, die im Konzert der Großen mitmischen wollen. Dazu gehört auch GWD. Deshalb haben die Verantwortlichen bereits vorsorglich zwei Lizenzanträge gestellt: Einen mit der Heimspielstätte in Lübbecke, einen mit der in Minden. Beide werden nun von der Lizenzierungskommission geprüft. Fraglich bleibt, warum der Antrag für Minden erst ausgefüllt wurde, wo bereits klar war, dass ein erforderliches Kriterium fehlt. Dass die Kampa-Halle nun doch kurzfristig wieder zur Verfügung steht und der VIP-Raum komplett ausfällt, mag unerwartet gekommen sein. Pläne für die Erweiterung desselben liegen allerdings schon seit Jahren in der Schublade. Man hätte sie nur rechtzeitig öffnen müssen.

Keine Lizenz ohne VIP-Raum: GWD fordert Handeln der Politik

In der Kampa-Halle soll ab September wieder Profihandball gespielt werden. Ob das allerdings gelingt, hängt von Kriterien der HBL und der Politik ab. Foto: Noah Wedel © Noah Wedel

Minden. Der Plan stand fest: GWD Minden hat die berechtigte Hoffnung, zur kommenden Saison in die Kampa-Halle zurückzukehren. Denn für weniger als 200.000 Euro wird die 50 Jahre alte Heimspielstätte des Handball-Bundesligisten für den Interimsbetrieb flott gemacht und in wenigen Wochen öffnen. Doch es hakt an einer Stelle: Ein VIP-Raum fehlt. Der ist allerdings erforderlich, um die Lizenz von der Handball-Bundesliga (HBL) zu erhalten. Deshalb geht Markus Kalusche in die Offensive. Der kaufmännische Geschäftsführer von GWD Minden hat einen Antrag gestellt, in dem die Stadt Minden die Kosten für ein temporär aufgestelltes VIP-Zelt übernehmen soll. Die taxiert Kalusche zwischen 200.000 und 225.000 Euro.

Neben Mindens Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) erhielten den Antrag, der dem MT vorliegt, auch Landrätin Anna Katharina Bölling (CDU) sowie alle Fraktionsvorsitzenden des Kreistags und des Stadtrats. Darin erklärt Markus Kalusche, dass eine Rückkehr in die Kampa-Halle ausgeschlossen sei, wenn es keinen VIP-Raum gibt. Die vor der Schließung dafür genutzte Fläche bleibt wegen der auch nach der Teilsanierung weiterhin bestehenden Brandschutzmängel geschlossen.

Kalusches Idee ist nun, als Ersatz auf dem Parkplatz Ecke Hahler Straße/Bayernring dauerhaft ein Zelt aufzustellen. Doch die Kosten dafür will GWD nicht tragen. „Das können wir auch nicht mehr stemmen", sagt der Manager: „In unserem Budget klafft bereits jetzt eine Lücke im hohen sechsstelligen Bereich. Wir strecken uns bis zur Decke, um Spitzenhandball in Minden zu bieten. Aber wenn wir die Unterstützung seitens der Politik nicht erhalten, könnte uns aus finanziellen Gründen die Lizenz verweigert werden."

Für Kalusche ist es unabdingbar, nach 20 Monaten in Lübbecke zur neuen Saison, die im September beginnen soll, in die Kampa-Halle zurückzukehren. „Wir verlieren ansonsten sehr viele Sponsoren", ist sich der GWD-Geschäftsführer sicher. Von deren Einnahmen finanziert sich der Bundesligist zu 82 Prozent, wie es in dem Antrag heißt.

Bürgermeister Michael Jäcke sieht nun die Kreisverwaltung in der Pflicht: „Wir sind davon ausgegangen, dass wenn die Kampa-Halle interimsweise in Betrieb genommen wird, diese nicht nur für den Schul- und Breitensport genutzt werden, sondern auch GWD Minden dorthin zurückkehren kann." Die Voraussetzungen dafür müsse der Kreis schaffen.

Peter Kock war nach eigenen Worten entsetzt, als er den Antrag am Mittwoch las. Der SPD-Fraktionsvorsitzende sieht – wie auch Kalusche – GWD als emotionalen Anker und vitalen Baustein der Region. „Natürlich ist es diskutabel, ob es einen separaten Raum für einen exklusiven Zuschaueranteil geben muss und wer dafür zahlen soll", erklärt Kock. Aber es gehe um das finanzielle Überleben eines Traditionsvereins, das ohne die Rückkehr nach Minden unsicher sei: „Und egal, ob GWD Wert auf einen VIP-Raum legt: Fest steht, dass die HBL einen als Auflage verlangt."

Das bestätigt auch Rolf Nottmeier. „Um eine Bundesligalizenz zu erhalten, müssen die Vereine sportliche, rechtliche, finanzielle und infrastrukturelle Kriterien erfüllen. Und zu letzteren gehört auch ein VIP-Raum", sagt der Vorsitzende der Lizenzierungskommission der HBL. Nottmeier erklärt, das GWD zwei Anträge eingereicht hat – einen mit der Heimspielstätte in Minden und einen mit der in Lübbecke. Am 20. April wird die HBL über die Lizenzvergabe entscheiden: „Aber auch danach können Maßnahmen nachgebessert werden." Nottmeier, der Richter am Mindener Arbeitsgericht ist, hat auch die Landrätin über die besondere Lage von GWD informiert: „Das war ein vertrauensvolles und konstruktives Gespräch." Die Politik sei um eine Lösung bemüht.

Warum Markus Kalusche den Antrag zur Kostenübernahme erst jetzt, knapp zwei Wochen vor der Lizenzvergabe, gestellt hat, begründet er wie folgt: „Wir waren bis Mitte März in Abstimmungsgesprächen mit dem Kreis. Die Zeitschiene ist brutal eng." Nun habe es eine Einigung gegeben.

Kreisbaudezernent Lutz Freiberg bestätigt, dass GWD den Parkplatz nach einer vertraglichen Regelung für ein VIP-Zelt nutzen könne: „Das ist kein Problem." Für den weiteren Verlauf ist die Stadt Minden zuständig. „Uns liegt bislang noch kein Antrag vor", sagt Lars Bursian. Der Bau-Beigeordnete ist vorsichtig optimistisch, dass eine Nutzung des Parkplatzes als Standort für ein VIP-Zelt möglich ist. Aber es seien Anforderungen zu erfüllen. Dazu zähle beispielsweise ein Lärmschutzgutachten.

Kalusche hofft nun auf ein schnelles Handeln: „Die Politik muss endlich Farbe bekennen." Auch zur Multihalle. „Ohne die wird GWD in naher Zukunft in der Versenkung verschwinden." Der Geschäftsführer wird nicht müde, dass immer wieder zu wiederholen.

Ohne geht es nicht

Ein Kommentar von Astrid Plaßhenrich

Es wäre wohl einmalig in der Geschichte des Profisports, wenn ein Lizenzantrag aufgrund eines fehlenden VIP-Raums scheitert. So weit ist es noch nicht. Aber die Vorstellung, dass GWD Minden nicht mehr in der Handball-Bundesliga spielen darf, weil ein Séparée fehlt, in dem ein exklusiver Zuschaueranteil Kartoffelsalat isst, mutet dann doch abstrus an.

Dennoch ist klar: Ohne geht es nicht. Das hat die HBL in ihren Statuen festgelegt. Die Begründung: Die Handball-Bundesliga sei die stärkste Liga der Welt. Und das müsse sich nicht nur auf dem Spielfeld niederschlagen, sondern auch in der Infrastruktur. Spitzensport besteht heutzutage eben nicht mehr nur aus Schweiß, Muskeln und packenden Zweikämpfen, sondern ist auch ein schickes Event. Das kann man gut oder schlecht finden, aber die HBL stellt die Spielregeln auf – und daran müssen sich alle halten, die im Konzert der Großen mitmischen wollen.

Dazu gehört auch GWD. Deshalb haben die Verantwortlichen bereits vorsorglich zwei Lizenzanträge gestellt: Einen mit der Heimspielstätte in Lübbecke, einen mit der in Minden. Beide werden nun von der Lizenzierungskommission geprüft.

Fraglich bleibt, warum der Antrag für Minden erst ausgefüllt wurde, wo bereits klar war, dass ein erforderliches Kriterium fehlt. Dass die Kampa-Halle nun doch kurzfristig wieder zur Verfügung steht und der VIP-Raum komplett ausfällt, mag unerwartet gekommen sein. Pläne für die Erweiterung desselben liegen allerdings schon seit Jahren in der Schublade. Man hätte sie nur rechtzeitig öffnen müssen.

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