Kein Wind unter den Flügeln: Trainer Frank Carstens benennt im Nebensatz ein zentrales GWD-Problem Marcus Riechmann Minden. Im November platzte die Corona-Bombe: Juri Knorr hatte sich bei den Länderspielen der deutschen Nationalmannschaft mit dem Virus infiziert. Weil der Mittelmann im Anschluss nach zunächst negativen Testungen eine Trainingseinheit mit dem Team von GWD Minden absolviert hatte fiel der Hammer: Die gesamte Mannschaft des Handball-Bundesligisten wurde unter Quarantäne gestellt, Spiele wurden abgesagt. Nun sammelt GWD die verlorenen Spiele Stück für Stück ein. Heute holen die Mindener um 19 Uhr die Partie beim HSC Coburg nach, am Sonntag folgt in Lübbecke die Begegnung gegen die Rhein-Neckar Löwen. Zwei Chancen für die Mindener, endlich den ersten Sieg des neuen Jahres einzufahren. Von der bisherigen Februar-Ausbeute von 1:7 Punkten aus den ersten vier Spielen sei man genervt, gibt Frank Carstens zu. Der GWD-Trainer bescheinigt seinem Team zwar eine „super Arbeitsmoral“ und beschreibt: „Der Einsatz passt, das Training ist gut.“ Doch dem Team fehle die mentale Frische. „Siege machen die Arbeit leichter“, wünscht sich Carstens, dass sein Team endlich wieder warmen Wind unter die Flügel bekommt. Personell sieht es nicht optimal bei GWD aus. Hinter dem Einsatz von Flügelstürmer Kevin Gulliksen steht ein Fragezeichen, da der Norweger im Training umgeknickt ist. Auf Rechtsaußen wird die Verantwortung auf Max Staar liegen. Außerdem wird Christian Zeitz fehlen. Der Linkshänder sitzt seine Sperre nach der Blauen Karte aus dem letzten Heimspiel gegen Nordhorn-Lingen ab. „Die Situation ist, wie sie ist“, nimmt Coach Carstens die beiden Ausfälle mit gelassenem Pragmatismus an. Er vertraut auf sein Team: „Wir haben gezeigt, dass wir auch mit schwierigen personellen Umständen umgehen können.“ Mit Blick auf Zeitz sagt der Coach: In der Abwehr müsse man Alternativen finden, damit Torjäger Christoffer Rambo auch ohne Zeitz die nötigen Pausen erhalten kann. Für den Angriff gilt: „Das macht vorne keinen großen Unterschied.“ Damit benennt der Trainer ganz nebenbei ein Manko seiner Mannschaft: Die Positionen sind nicht ausreichend gut zweitbesetzt. Wenn die Start-Aufstellung nicht zündet oder Pausen braucht, fehlt es im Angriff an der Hilfe von der Bank. Dieses Problem wird im rechten Rückraum besonders deutlich. Der nach dem Ausfall von Christoph Reißky Anfang Oktober nachverpflichtete Zeitz ist noch nicht im gewünschten Maß in seine Rolle hereingewachsen. In seinem mittlerweile fünften GWD-Monat sucht der 40-Jährige immer noch nach Form und Bindung im Angriffsspiel. Das bedeutet für Rambo: Er muss als Alleinunterhalter im rechten Rückraum durchspielen. Diese Rolle lastet umso schwerer auf dem Norweger, da auch Juri Knorr und Doruk Pehlivan derzeit ihr Leistungsvermögen nicht ausschöpfen. Nicht ohne Grund wünscht sich Carstens mehr Unterstützung der Spieler aus dem zweiten Glied. „Wir müssen die Tiefe des Kaders nutzen“, sagt er vor dem Coburg-Gastspiel und deutet damit an, dass er den Männern aus dem zweiten Glied heute Abend mehr Verantwortung übertragen wird. Einen Trainingsschwerpunkt hat der Coach auf die Deckungsarbeit gelegt. Vor allem die Abwehr gegen den Kreis und damit vor allem gegen Coburgs Stepan Zeman will man besser gestalten, als das beim 27:27 gegen die HSG Nordhorn-Lingen zuletzt der Fall war. Disziplin und Hingabe fordert Carstens von seinen Spielern in der Defensive, denn er weiß über den HSC: „Coburg ist sehr gut organisiert. Die sind ballsicher, spielstark und machen wenige Fehler.“ Hört sich fast an, als sei der heutige Gastgeber Spitzenreiter und nicht Liga-Schlusslicht. Coburg hat nach zwei Siegen in 2021 bereits den Aufwind, den GWD noch sucht. Vor allem der 27:26-Heimsieg im Frankenderby gegen den HC Erlangen hat der Mannschaft von Coach Alois Mraz Selbstvertrauen gegeben. Den entscheidenden Treffer erzielte der routinierte Schwede Tobias Varvne. Der 34-jährige Rückraumlinke liegt mit 72 Toren in bisher 18 Spielen auf Platz 19 der Bundesliga-Torjäger und ist damit zugleich zweitbester Coburger Vollstrecker hinter Rechtsaußen Florian Billek, der es mit bislang 94 Treffern unter die Top-Ten der Liga geschafft hat. Beide Leistungsträger werden den Franken treu bleiben: Billek, seit 2014 für Coburg am Ball, bleibt bis 2023, Varvne hat erst gestern einen neuen Vertrag ebenfalls bis zum Sommer 2023 beim HSC unterzeichnet.

Kein Wind unter den Flügeln: Trainer Frank Carstens benennt im Nebensatz ein zentrales GWD-Problem

Trainer Frank Carstens am Rande des letzten Heimspiels im Gespräch mit seinem wichtigsten Angriffsspieler Christoffer Rambo, der in diesem Moment ratlos wirkt. Foto: Noah Wedel © Noah Wedel

Minden. Im November platzte die Corona-Bombe: Juri Knorr hatte sich bei den Länderspielen der deutschen Nationalmannschaft mit dem Virus infiziert. Weil der Mittelmann im Anschluss nach zunächst negativen Testungen eine Trainingseinheit mit dem Team von GWD Minden absolviert hatte fiel der Hammer: Die gesamte Mannschaft des Handball-Bundesligisten wurde unter Quarantäne gestellt, Spiele wurden abgesagt.

Nun sammelt GWD die verlorenen Spiele Stück für Stück ein. Heute holen die Mindener um 19 Uhr die Partie beim HSC Coburg nach, am Sonntag folgt in Lübbecke die Begegnung gegen die Rhein-Neckar Löwen. Zwei Chancen für die Mindener, endlich den ersten Sieg des neuen Jahres einzufahren. Von der bisherigen Februar-Ausbeute von 1:7 Punkten aus den ersten vier Spielen sei man genervt, gibt Frank Carstens zu. Der GWD-Trainer bescheinigt seinem Team zwar eine „super Arbeitsmoral“ und beschreibt: „Der Einsatz passt, das Training ist gut.“ Doch dem Team fehle die mentale Frische. „Siege machen die Arbeit leichter“, wünscht sich Carstens, dass sein Team endlich wieder warmen Wind unter die Flügel bekommt.

Personell sieht es nicht optimal bei GWD aus. Hinter dem Einsatz von Flügelstürmer Kevin Gulliksen steht ein Fragezeichen, da der Norweger im Training umgeknickt ist. Auf Rechtsaußen wird die Verantwortung auf Max Staar liegen. Außerdem wird Christian Zeitz fehlen. Der Linkshänder sitzt seine Sperre nach der Blauen Karte aus dem letzten Heimspiel gegen Nordhorn-Lingen ab. „Die Situation ist, wie sie ist“, nimmt Coach Carstens die beiden Ausfälle mit gelassenem Pragmatismus an. Er vertraut auf sein Team: „Wir haben gezeigt, dass wir auch mit schwierigen personellen Umständen umgehen können.“ Mit Blick auf Zeitz sagt der Coach: In der Abwehr müsse man Alternativen finden, damit Torjäger Christoffer Rambo auch ohne Zeitz die nötigen Pausen erhalten kann. Für den Angriff gilt: „Das macht vorne keinen großen Unterschied.“ Damit benennt der Trainer ganz nebenbei ein Manko seiner Mannschaft: Die Positionen sind nicht ausreichend gut zweitbesetzt. Wenn die Start-Aufstellung nicht zündet oder Pausen braucht, fehlt es im Angriff an der Hilfe von der Bank.

Dieses Problem wird im rechten Rückraum besonders deutlich. Der nach dem Ausfall von Christoph Reißky Anfang Oktober nachverpflichtete Zeitz ist noch nicht im gewünschten Maß in seine Rolle hereingewachsen. In seinem mittlerweile fünften GWD-Monat sucht der 40-Jährige immer noch nach Form und Bindung im Angriffsspiel. Das bedeutet für Rambo: Er muss als Alleinunterhalter im rechten Rückraum durchspielen. Diese Rolle lastet umso schwerer auf dem Norweger, da auch Juri Knorr und Doruk Pehlivan derzeit ihr Leistungsvermögen nicht ausschöpfen. Nicht ohne Grund wünscht sich Carstens mehr Unterstützung der Spieler aus dem zweiten Glied. „Wir müssen die Tiefe des Kaders nutzen“, sagt er vor dem Coburg-Gastspiel und deutet damit an, dass er den Männern aus dem zweiten Glied heute Abend mehr Verantwortung übertragen wird.

Einen Trainingsschwerpunkt hat der Coach auf die Deckungsarbeit gelegt. Vor allem die Abwehr gegen den Kreis und damit vor allem gegen Coburgs Stepan Zeman will man besser gestalten, als das beim 27:27 gegen die HSG Nordhorn-Lingen zuletzt der Fall war. Disziplin und Hingabe fordert Carstens von seinen Spielern in der Defensive, denn er weiß über den HSC: „Coburg ist sehr gut organisiert. Die sind ballsicher, spielstark und machen wenige Fehler.“ Hört sich fast an, als sei der heutige Gastgeber Spitzenreiter und nicht Liga-Schlusslicht.

Coburg hat nach zwei Siegen in 2021 bereits den Aufwind, den GWD noch sucht. Vor allem der 27:26-Heimsieg im Frankenderby gegen den HC Erlangen hat der Mannschaft von Coach Alois Mraz Selbstvertrauen gegeben. Den entscheidenden Treffer erzielte der routinierte Schwede Tobias Varvne. Der 34-jährige Rückraumlinke liegt mit 72 Toren in bisher 18 Spielen auf Platz 19 der Bundesliga-Torjäger und ist damit zugleich zweitbester Coburger Vollstrecker hinter Rechtsaußen Florian Billek, der es mit bislang 94 Treffern unter die Top-Ten der Liga geschafft hat. Beide Leistungsträger werden den Franken treu bleiben: Billek, seit 2014 für Coburg am Ball, bleibt bis 2023, Varvne hat erst gestern einen neuen Vertrag ebenfalls bis zum Sommer 2023 beim HSC unterzeichnet.

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