Alle ab nach Hause: Knorrs Corona-Infektion trifft GWD mit Wucht Marcus Riechmann Minden. Die Nachricht kam in den frühen Morgenstunden und sie traf GWD Minden mit Wucht: Juri Knorr, Spielmacher des heimischen Handball-Bundesligisten, hat sich mit dem Corona-Virus infiziert. Die Folgen sind umfangreich: Das für den Abend in Lübbecke angesetzte Heimspiel gegen den Bergischen HC wurde kurzfristig abgesagt, der gesamten Mannschaft inklusive Trainer Frank Carstens wurde vom Gesundheitsamt eine 14-tägige häusliche Quarantäne verordnet. Damit fallen auch die beiden weiteren Erstliga-Begegnungen der Mindener aus. GWD wird weder am Sonntag beim HSC Coburg antreten noch das Heimspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen am Samstag, 24. November, austragen. Zudem erscheint es nahezu unmöglich, dass die Mindener unmittelbar nach Ablauf der Isolation ohne jedes Training das für Donnerstag, 26. November, terminierte Spiel bei den Eulen Ludwigshafen bestreiten können. „Das ist ein Schock für Juri und das ist ein Schock für uns", kommentierte GWD-Sportgeschäftsführer Frank von Behren am Donnerstag die Covid-19-Infektion seines frischgebackenen Nationalspielers. Knorr, der sich in die Obhut seiner Familie in Bad Schwartau begeben hat, leide an deutlichen Symptomen wie Fieber und Halsschmerzen. Der 20-jährige erlebe einen schweren Verlauf, heißt es von GWD weiter. Knorr hatte in der vergangenen Woche an einem Lehrgang der deutschen Handball-Nationalmannschaft teilgenommen und mit dem DHB-Team die EM-Qualifikationsspiele gegen die nach etlichen Corona-Fällen dezimierte Mannschaft von Bosnien-Herzegowina und in Estland siegreich bestritten. Im Anschluss an die Länderspielwoche wurden Infektionen bei mehreren Nationalspielern bekannt: Auf Torwart Johannes Bitter folgte die Erkrankung von Marian Michalczik und nun von DHB-Debütant Knorr. Einen weiteren Fall bestätigte am Abend die MT Melsungen, die gleich sechs Spieler zur Nationalmannschaft entsandt hatte: Auch Finn Lemke ist an Corona erkrankt. Das Team hatte sich bereits nachmittags in häusliche Isolation begeben. Damit erweist sich die Nationalmannschaft immer mehr als Corona-Hotspot, die Länderspiel-Woche wird zu einem schweren Schlag für die Bundesliga. Angesichts des Infektionsgeschehens im DHB-Team hatte man bei GWD Minden besondere Vorsicht walten lassen. Zwei Tage hatte man Knorr nach der Rückkehr vom Länderspiel in Estland in häusliche Quarantäne gestellt und ihn laufend Corona-Tests unterzogen. „Wir haben dem Gesundheitsamt alle Unterlagen zur Verfügung gestellt, wir standen in einem engen Austausch und haben uns an alle Vorgaben gehalten", berichtete von Behren. Als dann am Mittwoch auch ein weiterer Schnelltest ein negatives Ergebnis zeigte, habe man sich mit Rückendeckung der Experten dazu entschieden, Knorr am Abschluss-Taktiktraining und der Video-Analyse für das wichtige Heimspiel gegen den Bergischen HC teilnehmen zu lassen. Da waren andere Nationalspieler längst wieder in den Trainingsbetrieb ihrer Teams zurückgekehrt, oder nahmen am Abend wieder an Bundesliga-Spielen teil – so wie bei den Rhein-Neckar Löwen Uwe Gensheimer, in der Nationalmannschaft Zimmergenosse von Bitter. „Wir haben uns sicher gefühlt, so sicher wie man in diesen Wochen sein kann", berichtete von Behren. Trotzdem waren weitere Tests für Juri Knorr angesetzt, um mit Blick auf das Spiel auch die allerletzten Zweifel auszuräumen. Wie berechtigt die Zweifel waren, zeigte sich dann Donnerstagmorgen mit der Nachricht über den positiven Befund. Für von Behren begannen hektische Stunden: Der Manager informierte den Ligaverband HBL und den Bergischen HC, der die Busreise nicht antreten musste. Auch mit Familie Knorr führte von Behren ein langes Gespräch. „Wir sind alle besorgt. Wir wünschen Juri gute Besserung. Das macht deutlich, das Gesundheit das Wichtigste ist", berichtete der emotional beanspruchte GWD-Sportchef. Auch wenn der Kontakt der Mannschaft zu Knorr am Mittwoch gering war, die Video-Analyse im Rund der Sporthalle mit Abstand und Mund-Nase-Schutz durchgeführt wurde: in der Folge wurden alle Spieler in Quarantäne geschickt. Die gesamte Mannschaft wurde gestern noch einmal getestet, um einen sogenannten Nullwert herzustellen. Nach einer Woche soll ein weiterer Test folgen, um am Ende der üblichen Inkubationszeit einen ersten Überblick über eine mögliche Infektionslage zu erhalten. Test seien im Rahmen des Schutzkonzeptes wichtige Überprüfungen, sagte gestern Dr. Peter Witte. Doch der Chefarzt für Hygiene an den Mühlenkreiskliniken, der GWD in der Corona-Lage berät, sagte auch deutlich: „Ein Test ist immer eine Momentaufnahme." Zwischen den Testungen lägen blinde Bereiche. Die aktuellen Vorgaben der HBL sehen für die Bundesligisten zwei Testungen pro Woche vor. Zwei Tage vor jeden Spiel hat der letzte Abstrich zu erfolgen, am Tag vor dem Spiel geben negative Ergebnisse die Partie frei. Durch dieses Raster wäre Knorr gefallen. Er hätte spielen dürfen. Die zeitliche Folge der Infektionen der Nationalspieler gibt dem Corona-Experten zu denken. „Irgendwo hat ein Eintrag in die Gruppe stattgefunden", vermutet Witte. Das Virus könnte dann innerhalb der Gruppe weitergeben worden sein. Der Hygiene-Fachmann will weitere Infektionsfälle im Kreise der Nationalspieler nicht ausschließen. Die Inkubationszeit von durchschnittlich fünf bis sieben Tagen können im Einzelfall kürzer oder eben auch länger sein. Das Auswärtsspiel in Estlands Hauptstadt Tallinn habe nicht zu den jetzt ermittelten Erkrankungen geführt, sagt Witte: „So schnell geht es nicht." Die Situation trifft die HBL hart. „Wir sind sprachlos. Das ist ein Schlag ins Kontor für uns und für die Liga", sagte GWD-Geschäftsführer Markus Kalusche und forderte mit Blick auf die im Januar anstehende Weltmeisterschaft in Ägypten: „Darüber müssen wir eine kritische und offene Diskussion führen. Wir müssen uns entscheiden: Wollen wir eine WM oder wollen wir die Saison zu Ende spielen." So äußert sich auch sein Kollege Viktor Szilagyi. Der Geschäftsführer des THW Kiel sagte gestern: „Langsam kommt der Zeitpunkt, das Fass WM wieder aufzumachen." Kommentar: Spiel mit dem Feuer Marcus Riechmann Die Corona-Fälle der deutschen Handball-Nationalmannschaft werfen eine zentrale Frage auf: Entweder nützen auch bester Schutz und beste Abschottung nichts, oder es Schutz und Abschottung haben nicht bestmöglich stattgefunden. Von Montag bis Sonntag befand sich das DHB-Team in einer Blase, regelmäßig wurden alle Spieler getestet. Umfassende Schutzmaßnahmen waren verordnet worden. Und trotzdem kehren die Spieler mit Covid-19-Infektionen zurück und tragen das Virus hinein in ihre Klubs und damit auch mitten hinein in die Liga. Die Erkrankungen vollzogen sich im unglücklichsten Moment zwischen der Abreise in Estland und der Rückkehr zu den Vereinen. Die Risiken der Länderspielwoche haben sich realisiert und schlagen voll durch in den Betrieb der Bundesliga: Spiele fallen aus. Es werden nicht die letzten sein. Bitter, Michalczik, Knorr, Lemke – wer sind die nächsten Corona-Fälle aus dem Kreis der Nationalspieler? Wie und wann hat die Infektion stattgefunden? Beim Spiel selbst oder abseits des Sports? Welche Rückschlüsse lassen sich ziehen, welche Maßnahmen künftig ergreifen? Diese Fragen brennen. Ob sich Antworten finden lassen? Man darf festhalten: Das Schutzsystem der Handball-Bundesliga mag gut sein. Perfekt ist es nicht. Alle Versuche der Abschottung enden dort, wo sich die Spieler privat durch das Leben bewegen. Testungen vermitteln lediglich eine relative und im Einzelfall gar eine trügerische Sicherheit. Das Beispiel Juri Knorr zeigt: Ein negativer Test zwei Tage vor dem Spiel beweist eben nicht, dass man am Spieltag nicht infiziert oder nicht ansteckend ist. Knorr wäre durch das Raster der HBL-Testungen gerutscht und hätte nach seinem negativen Dienstagtest am Donnerstag spielen dürfen. Das haben nur die Zusatz-Testungen von GWD verhindert. Wir lernen: Internationale Begegnungen, die Mischung von Spielern aus verschiedenen Teams – all das birgt große Gefahren. Das war vorher bekannt. Nun ist es belegt. Der Schlamassel lässt sich nicht rückgängig machen, aber vielleicht wird man ja auch Schaden klug. Die Verantwortlichen müssen nun Konsequenzen ziehen: Wenn die europäischen Verbände den Spielbetrieb in den nationalen Ligen retten wollen, müssen internationale Wettbewerbe ruhen. Auch wenn das viel TV-Geld kostet. Etwas Weitsicht hätte auch der Liga gut getan. Doch die hat ihren eigenen Interessen folgend auf Normalbetrieb geschaltet, am Spielplan festgehalten, alle Nationalspieler in der Liga wieder mitmischen lassen und einen Schneeball-Effekt riskiert. Ein Spiel mit dem Feuer. Stattdessen wäre eine Absage des Spieltags mit allen Partien am Mittwoch und Donnerstag die einzig richtige Entscheidung gewesen. Warum lediglich das Spiel zwischen Flensburg und Melsungen am Mittwoch abgesagt wurde, ist schleierhaft. Eine Woche Ruhe, Inkubationszeit abwarten und dann wieder loslegen. Nicht mit absoluter, aber immerhin mit relativer Sicherheit. Das nennt sich Verantwortung übernehmen. Verantwortung für Bundesliga und Verantwortung für die Menschen, die dort Handball spielen.

Alle ab nach Hause: Knorrs Corona-Infektion trifft GWD mit Wucht

Der Ball macht Pause: GWD-Spieler Juri Knorr hat sich mit dem Corona-Virus infiziert. Foto: Noah Wedel © Noah Wedel

Minden. Die Nachricht kam in den frühen Morgenstunden und sie traf GWD Minden mit Wucht: Juri Knorr, Spielmacher des heimischen Handball-Bundesligisten, hat sich mit dem Corona-Virus infiziert. Die Folgen sind umfangreich: Das für den Abend in Lübbecke angesetzte Heimspiel gegen den Bergischen HC wurde kurzfristig abgesagt, der gesamten Mannschaft inklusive Trainer Frank Carstens wurde vom Gesundheitsamt eine 14-tägige häusliche Quarantäne verordnet. Damit fallen auch die beiden weiteren Erstliga-Begegnungen der Mindener aus. GWD wird weder am Sonntag beim HSC Coburg antreten noch das Heimspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen am Samstag, 24. November, austragen. Zudem erscheint es nahezu unmöglich, dass die Mindener unmittelbar nach Ablauf der Isolation ohne jedes Training das für Donnerstag, 26. November, terminierte Spiel bei den Eulen Ludwigshafen bestreiten können.

„Das ist ein Schock für Juri und das ist ein Schock für uns", kommentierte GWD-Sportgeschäftsführer Frank von Behren am Donnerstag die Covid-19-Infektion seines frischgebackenen Nationalspielers. Knorr, der sich in die Obhut seiner Familie in Bad Schwartau begeben hat, leide an deutlichen Symptomen wie Fieber und Halsschmerzen. Der 20-jährige erlebe einen schweren Verlauf, heißt es von GWD weiter.

Knorr hatte in der vergangenen Woche an einem Lehrgang der deutschen Handball-Nationalmannschaft teilgenommen und mit dem DHB-Team die EM-Qualifikationsspiele gegen die nach etlichen Corona-Fällen dezimierte Mannschaft von Bosnien-Herzegowina und in Estland siegreich bestritten. Im Anschluss an die Länderspielwoche wurden Infektionen bei mehreren Nationalspielern bekannt: Auf Torwart Johannes Bitter folgte die Erkrankung von Marian Michalczik und nun von DHB-Debütant Knorr. Einen weiteren Fall bestätigte am Abend die MT Melsungen, die gleich sechs Spieler zur Nationalmannschaft entsandt hatte: Auch Finn Lemke ist an Corona erkrankt. Das Team hatte sich bereits nachmittags in häusliche Isolation begeben. Damit erweist sich die Nationalmannschaft immer mehr als Corona-Hotspot, die Länderspiel-Woche wird zu einem schweren Schlag für die Bundesliga.

Angesichts des Infektionsgeschehens im DHB-Team hatte man bei GWD Minden besondere Vorsicht walten lassen. Zwei Tage hatte man Knorr nach der Rückkehr vom Länderspiel in Estland in häusliche Quarantäne gestellt und ihn laufend Corona-Tests unterzogen. „Wir haben dem Gesundheitsamt alle Unterlagen zur Verfügung gestellt, wir standen in einem engen Austausch und haben uns an alle Vorgaben gehalten", berichtete von Behren. Als dann am Mittwoch auch ein weiterer Schnelltest ein negatives Ergebnis zeigte, habe man sich mit Rückendeckung der Experten dazu entschieden, Knorr am Abschluss-Taktiktraining und der Video-Analyse für das wichtige Heimspiel gegen den Bergischen HC teilnehmen zu lassen. Da waren andere Nationalspieler längst wieder in den Trainingsbetrieb ihrer Teams zurückgekehrt, oder nahmen am Abend wieder an Bundesliga-Spielen teil – so wie bei den Rhein-Neckar Löwen Uwe Gensheimer, in der Nationalmannschaft Zimmergenosse von Bitter.

„Wir haben uns sicher gefühlt, so sicher wie man in diesen Wochen sein kann", berichtete von Behren. Trotzdem waren weitere Tests für Juri Knorr angesetzt, um mit Blick auf das Spiel auch die allerletzten Zweifel auszuräumen. Wie berechtigt die Zweifel waren, zeigte sich dann Donnerstagmorgen mit der Nachricht über den positiven Befund.

Für von Behren begannen hektische Stunden: Der Manager informierte den Ligaverband HBL und den Bergischen HC, der die Busreise nicht antreten musste. Auch mit Familie Knorr führte von Behren ein langes Gespräch. „Wir sind alle besorgt. Wir wünschen Juri gute Besserung. Das macht deutlich, das Gesundheit das Wichtigste ist", berichtete der emotional beanspruchte GWD-Sportchef.

Auch wenn der Kontakt der Mannschaft zu Knorr am Mittwoch gering war, die Video-Analyse im Rund der Sporthalle mit Abstand und Mund-Nase-Schutz durchgeführt wurde: in der Folge wurden alle Spieler in Quarantäne geschickt. Die gesamte Mannschaft wurde gestern noch einmal getestet, um einen sogenannten Nullwert herzustellen. Nach einer Woche soll ein weiterer Test folgen, um am Ende der üblichen Inkubationszeit einen ersten Überblick über eine mögliche Infektionslage zu erhalten.

Test seien im Rahmen des Schutzkonzeptes wichtige Überprüfungen, sagte gestern Dr. Peter Witte. Doch der Chefarzt für Hygiene an den Mühlenkreiskliniken, der GWD in der Corona-Lage berät, sagte auch deutlich: „Ein Test ist immer eine Momentaufnahme." Zwischen den Testungen lägen blinde Bereiche.

Die aktuellen Vorgaben der HBL sehen für die Bundesligisten zwei Testungen pro Woche vor. Zwei Tage vor jeden Spiel hat der letzte Abstrich zu erfolgen, am Tag vor dem Spiel geben negative Ergebnisse die Partie frei. Durch dieses Raster wäre Knorr gefallen. Er hätte spielen dürfen.

Die zeitliche Folge der Infektionen der Nationalspieler gibt dem Corona-Experten zu denken. „Irgendwo hat ein Eintrag in die Gruppe stattgefunden", vermutet Witte. Das Virus könnte dann innerhalb der Gruppe weitergeben worden sein. Der Hygiene-Fachmann will weitere Infektionsfälle im Kreise der Nationalspieler nicht ausschließen. Die Inkubationszeit von durchschnittlich fünf bis sieben Tagen können im Einzelfall kürzer oder eben auch länger sein. Das Auswärtsspiel in Estlands Hauptstadt Tallinn habe nicht zu den jetzt ermittelten Erkrankungen geführt, sagt Witte: „So schnell geht es nicht."

Die Situation trifft die HBL hart. „Wir sind sprachlos. Das ist ein Schlag ins Kontor für uns und für die Liga", sagte GWD-Geschäftsführer Markus Kalusche und forderte mit Blick auf die im Januar anstehende Weltmeisterschaft in Ägypten: „Darüber müssen wir eine kritische und offene Diskussion führen. Wir müssen uns entscheiden: Wollen wir eine WM oder wollen wir die Saison zu Ende spielen." So äußert sich auch sein Kollege Viktor Szilagyi. Der Geschäftsführer des THW Kiel sagte gestern: „Langsam kommt der Zeitpunkt, das Fass WM wieder aufzumachen."

Kommentar: Spiel mit dem Feuer

Marcus Riechmann

Die Corona-Fälle der deutschen Handball-Nationalmannschaft werfen eine zentrale Frage auf: Entweder nützen auch bester Schutz und beste Abschottung nichts, oder es Schutz und Abschottung haben nicht bestmöglich stattgefunden.

Von Montag bis Sonntag befand sich das DHB-Team in einer Blase, regelmäßig wurden alle Spieler getestet. Umfassende Schutzmaßnahmen waren verordnet worden. Und trotzdem kehren die Spieler mit Covid-19-Infektionen zurück und tragen das Virus hinein in ihre Klubs und damit auch mitten hinein in die Liga. Die Erkrankungen vollzogen sich im unglücklichsten Moment zwischen der Abreise in Estland und der Rückkehr zu den Vereinen. Die Risiken der Länderspielwoche haben sich realisiert und schlagen voll durch in den Betrieb der Bundesliga: Spiele fallen aus. Es werden nicht die letzten sein.

Bitter, Michalczik, Knorr, Lemke – wer sind die nächsten Corona-Fälle aus dem Kreis der Nationalspieler? Wie und wann hat die Infektion stattgefunden? Beim Spiel selbst oder abseits des Sports? Welche Rückschlüsse lassen sich ziehen, welche Maßnahmen künftig ergreifen? Diese Fragen brennen. Ob sich Antworten finden lassen?

Man darf festhalten: Das Schutzsystem der Handball-Bundesliga mag gut sein. Perfekt ist es nicht. Alle Versuche der Abschottung enden dort, wo sich die Spieler privat durch das Leben bewegen. Testungen vermitteln lediglich eine relative und im Einzelfall gar eine trügerische Sicherheit. Das Beispiel Juri Knorr zeigt: Ein negativer Test zwei Tage vor dem Spiel beweist eben nicht, dass man am Spieltag nicht infiziert oder nicht ansteckend ist. Knorr wäre durch das Raster der HBL-Testungen gerutscht und hätte nach seinem negativen Dienstagtest am Donnerstag spielen dürfen. Das haben nur die Zusatz-Testungen von GWD verhindert.

Wir lernen: Internationale Begegnungen, die Mischung von Spielern aus verschiedenen Teams – all das birgt große Gefahren. Das war vorher bekannt. Nun ist es belegt. Der Schlamassel lässt sich nicht rückgängig machen, aber vielleicht wird man ja auch Schaden klug. Die Verantwortlichen müssen nun Konsequenzen ziehen: Wenn die europäischen Verbände den Spielbetrieb in den nationalen Ligen retten wollen, müssen internationale Wettbewerbe ruhen. Auch wenn das viel TV-Geld kostet.

Etwas Weitsicht hätte auch der Liga gut getan. Doch die hat ihren eigenen Interessen folgend auf Normalbetrieb geschaltet, am Spielplan festgehalten, alle Nationalspieler in der Liga wieder mitmischen lassen und einen Schneeball-Effekt riskiert. Ein Spiel mit dem Feuer. Stattdessen wäre eine Absage des Spieltags mit allen Partien am Mittwoch und Donnerstag die einzig richtige Entscheidung gewesen. Warum lediglich das Spiel zwischen Flensburg und Melsungen am Mittwoch abgesagt wurde, ist schleierhaft. Eine Woche Ruhe, Inkubationszeit abwarten und dann wieder loslegen. Nicht mit absoluter, aber immerhin mit relativer Sicherheit. Das nennt sich Verantwortung übernehmen. Verantwortung für Bundesliga und Verantwortung für die Menschen, die dort Handball spielen.

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