„Ich glaube an uns“ - Im Kampf um den Klassenerhalt kennt GWD-Norweger Christoffer Rambo nur eine Richtung: Vorwärts! Marcus Riechmann Minden. Es kribbelt. Der Spannungsbogen ist längst im roten Bereich angekommen. Drei Wochen vor dem Saisonfinale zählt im Abstiegskampf der Handball-Bundesliga jedes Spiel. Vor allem drei Klubs kämpfen gegen den 17. Platz und das damit verknüpfte Ticket zur 2. Liga an: GWD Minden (25:43 Punkte), HBW Balingen-Weilstetten (24:42) und die Eulen Ludwigshafen (21:43), die aktuell den Fahrstuhlplatz besetzen. Aber auch der TVB Stuttgart ist mit 27 Pluspunkten noch nicht raus aus der Verlosung und kann bei einem ungünstigen Verlauf noch spektakulär in den Morast des Tabellenkellers hereinrutschen – schließlich liegen noch sechs Spiele vor Ludwigshafen, faktisch ruhen noch zwölf Punkte im Topf. Theoretisch bestehen auch noch Hoffnungen bei der HSG Nordhorn-Lingen, dem Abstieg zu entgehen, doch bei bereits sieben Zählern Rückstand auf den rettenden Platz 16. stehen die Chancen der Grafschafter schlecht. Bereits heute Abend richten sich die Blicke nach Essen: Werden die Eulen dort mit einem Sieg gegen den bereits als Absteiger feststehenden TuSEM den Druck erhöhen? Werden die nimmermüden Kämpfer aus Friesenheim auf zwei Punkte an GWD und einen Zähler auf Balingen heranrücken? Wie auch immer die Eulen spielen werden – sie werden es ohne Christoffer Rambo tun. Der Routinier im Team von GWD Minden wird sich das Spiel nicht live im Fernsehen anschauen. „Es kommt im Moment so viel Handball“, winkt der Norweger skandinavisch kühl ab. Überhaupt: Die Konkurrenz interessiert ihn nur wenig. „Uns muss egal sein, was hinten passiert. Wir haben noch vier Spiele, das ist unsere Aufgabe“, rückt der 31-Jährige den Fokus auf die eigene Arbeit und betont: „Wir können es selbst entscheiden.“ Seit November 2013 spielt der Linkshänder bei GWD und ist damit der mit Abstand dienstälteste Profi im Team. Rambo, der im Sommer nach Norwegen zurückkehren wird, hat in Minden bereits einiges erlebt. Auch den bitteren Abstieg 2015, als GWD das Rennen Anfang Juni gegen den TBV Lemgo verlor. „Das ist lange her“, hat der Torjäger die Zeit verarbeitet und abgehakt. Doch das Jahr im Unterhaus hat er nicht vergessen. „2. Liga – da will man nicht sein“, sagt er, „und GWD gehört da auch nicht hin.“ Dass aber die Möglichkeit des Klassenwechsels besteht, ist dem Linkshänder bewusst. Und darüber ärgert er sich. „Da sollten wir gar nicht stehen“, bildet der Tabellenplatz nach seinem Empfinden nicht die Leistungsfähigkeit des Teams ab. Manchmal ist es aber genau so. Wie jüngst in Sachsen. GWD spielte einfach nicht gut genug, die 21:24-Niederlage gegen den SC Leipzig entsprach durchaus den Kräfteverhältnissen. „Dabei waren die schlagbar“, meint Rambo frustriert. Doch im ersten Spiel des Jahres vor Fans ließ der von ihm geführte GWD-Angriff vieles vermissen. Rambo, dem die besondere Aufmerksamkeit der Leipziger Abwehr galt, war mit sich selbst gar nicht so unzufrieden, obgleich er zu seinen Kreisanspielen anmerkt: „Das war irgendwann zu viel, das hätte ich eher merken müssen.“ Doch vor allem fehlte es ihm an Unterstützung. Besonders Mittelmann Juri Knorr fand nicht ins Spiel. „Wenn Juri nicht funktioniert, wird es schwer für uns“, bedauert Trainer Frank Carstens, der folgerichtig über weite Strecken die Regie in die Hände von Simon Strakeljahn legte. An anderer Stelle wagte er den Wechsel nicht. Er ließ Doruk Pehlivan im linken Rückraum lange spielen, obwohl der Türke ebenfalls nicht den besten Tag erwischt hatte. Miro Schuroff, der sich jüngst im Spiel beim Bergischen HC den Daumennagel abgerissen hatte, schmorte auf der Bank. „Unser Problem war der laufendende Ball, den braucht Miro auch“, wies Carstens auf die Schaltzentrale auf der Mitte. Zudem habe er in einem körperlich geprägten Spiel auf die Physis Pehlivans gesetzt. In der zweiten Halbzeit dann wollte er keinen weiteren Angriff-Abwehr-Wechsel zu den ohnehin nötigen Positionsrochaden einbauen, erst recht keinen langen Tausch quer über das Feld. „Im Nachhinein hätte ich Miro bringen können“, betracht Carstens seine Entscheidung jedoch kritisch: „Es hätte mit ihm nicht schlechter laufen können.“ Drei Tage hat das Team, das in Teilen am Donnerstag das erste Impfangebot des Vereins wahrnahm, nun trainingsfrei. „Das wird ihnen gut tun“, meint Sportgeschäftsführer Frank von Behren nach dem zehrenden und eng getakteten Mai. Sonntag steigt GWD wieder ins Training ein, am 12. Juni folgt das Heimspiel gegen den frisch im DHB-Pokal vom TBV Lemgo vorgeführten THW Kiel. Acht Tage später bricht die Woche der Wahrheit mit den Spielen gegen FA Göppingen, den Eulen Ludwigshafen sowie dem Finale bei der HSG Wetzlar an. Dass es zentral auf einen Sieg im „Abstiegsgipfel“ gegen Ludwigshafen ankommen wird, ist allen bewusst. „Egal, wie es sonst läuft, das müssen wir gewinnen“, beschreibt von Behren den Endspiel-Charakter der Partie, die am Donnerstag, 24. Juni, in Lübbecke ausgespielt wird. „Unsere Fans dürfen dann wieder dabei sein, das wird uns helfen“, sagt von Behren. „Wir werden das wieder hinkriegen“, vermittelt Frank Carstens eine positive Grundstimmung. Das gelte auch hinsichtlich der Form seines Mittelmanns: „Juri kommt wieder zurück, er wird uns noch helfen“, sagt der Trainer über den Jung-Nationalspieler, dem zuletzt die Lockerheit abhanden gekommen war. Doch genau die sei notwendig, sagt Rambo: „Locker sein ist super wichtig, sonst ist es schwer“, meint der ebenso wie sein Flügelpartner Kevin Gulliksen mit stabiler Psyche gesegnete Norweger. „Ich glaube an uns, wir werden das schaffen“, sagt Rambo nahezu stoisch selbstbewusst, „wir haben die bessere Mannschaft und das müssen und werden wir zeigen.“

„Ich glaube an uns“ - Im Kampf um den Klassenerhalt kennt GWD-Norweger Christoffer Rambo nur eine Richtung: Vorwärts!

Minden. Es kribbelt. Der Spannungsbogen ist längst im roten Bereich angekommen. Drei Wochen vor dem Saisonfinale zählt im Abstiegskampf der Handball-Bundesliga jedes Spiel. Vor allem drei Klubs kämpfen gegen den 17. Platz und das damit verknüpfte Ticket zur 2. Liga an: GWD Minden (25:43 Punkte), HBW Balingen-Weilstetten (24:42) und die Eulen Ludwigshafen (21:43), die aktuell den Fahrstuhlplatz besetzen. Aber auch der TVB Stuttgart ist mit 27 Pluspunkten noch nicht raus aus der Verlosung und kann bei einem ungünstigen Verlauf noch spektakulär in den Morast des Tabellenkellers hereinrutschen – schließlich liegen noch sechs Spiele vor Ludwigshafen, faktisch ruhen noch zwölf Punkte im Topf. Theoretisch bestehen auch noch Hoffnungen bei der HSG Nordhorn-Lingen, dem Abstieg zu entgehen, doch bei bereits sieben Zählern Rückstand auf den rettenden Platz 16. stehen die Chancen der Grafschafter schlecht.

Volle Pulle: Christoffer Rambo ist „Straßenhandballer“ im besten Sinne. Für den GWD-Torjäger gibt es nur eine Richtung: Vorwärts. Das gilt auch im Kampf um den Klassenerhalt. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Volle Pulle: Christoffer Rambo ist „Straßenhandballer“ im besten Sinne. Für den GWD-Torjäger gibt es nur eine Richtung: Vorwärts. Das gilt auch im Kampf um den Klassenerhalt. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel

Bereits heute Abend richten sich die Blicke nach Essen: Werden die Eulen dort mit einem Sieg gegen den bereits als Absteiger feststehenden TuSEM den Druck erhöhen? Werden die nimmermüden Kämpfer aus Friesenheim auf zwei Punkte an GWD und einen Zähler auf Balingen heranrücken?

Wie auch immer die Eulen spielen werden – sie werden es ohne Christoffer Rambo tun. Der Routinier im Team von GWD Minden wird sich das Spiel nicht live im Fernsehen anschauen. „Es kommt im Moment so viel Handball“, winkt der Norweger skandinavisch kühl ab. Überhaupt: Die Konkurrenz interessiert ihn nur wenig. „Uns muss egal sein, was hinten passiert. Wir haben noch vier Spiele, das ist unsere Aufgabe“, rückt der 31-Jährige den Fokus auf die eigene Arbeit und betont: „Wir können es selbst entscheiden.“

Seit November 2013 spielt der Linkshänder bei GWD und ist damit der mit Abstand dienstälteste Profi im Team. Rambo, der im Sommer nach Norwegen zurückkehren wird, hat in Minden bereits einiges erlebt. Auch den bitteren Abstieg 2015, als GWD das Rennen Anfang Juni gegen den TBV Lemgo verlor. „Das ist lange her“, hat der Torjäger die Zeit verarbeitet und abgehakt. Doch das Jahr im Unterhaus hat er nicht vergessen. „2. Liga – da will man nicht sein“, sagt er, „und GWD gehört da auch nicht hin.“

Dass aber die Möglichkeit des Klassenwechsels besteht, ist dem Linkshänder bewusst. Und darüber ärgert er sich. „Da sollten wir gar nicht stehen“, bildet der Tabellenplatz nach seinem Empfinden nicht die Leistungsfähigkeit des Teams ab. Manchmal ist es aber genau so. Wie jüngst in Sachsen. GWD spielte einfach nicht gut genug, die 21:24-Niederlage gegen den SC Leipzig entsprach durchaus den Kräfteverhältnissen. „Dabei waren die schlagbar“, meint Rambo frustriert. Doch im ersten Spiel des Jahres vor Fans ließ der von ihm geführte GWD-Angriff vieles vermissen. Rambo, dem die besondere Aufmerksamkeit der Leipziger Abwehr galt, war mit sich selbst gar nicht so unzufrieden, obgleich er zu seinen Kreisanspielen anmerkt: „Das war irgendwann zu viel, das hätte ich eher merken müssen.“

Doch vor allem fehlte es ihm an Unterstützung. Besonders Mittelmann Juri Knorr fand nicht ins Spiel. „Wenn Juri nicht funktioniert, wird es schwer für uns“, bedauert Trainer Frank Carstens, der folgerichtig über weite Strecken die Regie in die Hände von Simon Strakeljahn legte. An anderer Stelle wagte er den Wechsel nicht. Er ließ Doruk Pehlivan im linken Rückraum lange spielen, obwohl der Türke ebenfalls nicht den besten Tag erwischt hatte. Miro Schuroff, der sich jüngst im Spiel beim Bergischen HC den Daumennagel abgerissen hatte, schmorte auf der Bank. „Unser Problem war der laufendende Ball, den braucht Miro auch“, wies Carstens auf die Schaltzentrale auf der Mitte. Zudem habe er in einem körperlich geprägten Spiel auf die Physis Pehlivans gesetzt. In der zweiten Halbzeit dann wollte er keinen weiteren Angriff-Abwehr-Wechsel zu den ohnehin nötigen Positionsrochaden einbauen, erst recht keinen langen Tausch quer über das Feld. „Im Nachhinein hätte ich Miro bringen können“, betracht Carstens seine Entscheidung jedoch kritisch: „Es hätte mit ihm nicht schlechter laufen können.“

Drei Tage hat das Team, das in Teilen am Donnerstag das erste Impfangebot des Vereins wahrnahm, nun trainingsfrei. „Das wird ihnen gut tun“, meint Sportgeschäftsführer Frank von Behren nach dem zehrenden und eng getakteten Mai. Sonntag steigt GWD wieder ins Training ein, am 12. Juni folgt das Heimspiel gegen den frisch im DHB-Pokal vom TBV Lemgo vorgeführten THW Kiel. Acht Tage später bricht die Woche der Wahrheit mit den Spielen gegen FA Göppingen, den Eulen Ludwigshafen sowie dem Finale bei der HSG Wetzlar an. Dass es zentral auf einen Sieg im „Abstiegsgipfel“ gegen Ludwigshafen ankommen wird, ist allen bewusst. „Egal, wie es sonst läuft, das müssen wir gewinnen“, beschreibt von Behren den Endspiel-Charakter der Partie, die am Donnerstag, 24. Juni, in Lübbecke ausgespielt wird. „Unsere Fans dürfen dann wieder dabei sein, das wird uns helfen“, sagt von Behren.

„Wir werden das wieder hinkriegen“, vermittelt Frank Carstens eine positive Grundstimmung. Das gelte auch hinsichtlich der Form seines Mittelmanns: „Juri kommt wieder zurück, er wird uns noch helfen“, sagt der Trainer über den Jung-Nationalspieler, dem zuletzt die Lockerheit abhanden gekommen war. Doch genau die sei notwendig, sagt Rambo: „Locker sein ist super wichtig, sonst ist es schwer“, meint der ebenso wie sein Flügelpartner Kevin Gulliksen mit stabiler Psyche gesegnete Norweger. „Ich glaube an uns, wir werden das schaffen“, sagt Rambo nahezu stoisch selbstbewusst, „wir haben die bessere Mannschaft und das müssen und werden wir zeigen.“

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