GWD will in Melsungen den positiven Trend fortsetzen Astrid Plaßhenrich Minden. Eins ist gewiss: Die Ergebnisse in der Handball-Bundesliga sind in dieser Saison ungewiss. Dass der THW Kiel bei der HSG Wetzlar unterging (22:31) und die Rhein-Neckar Löwen am Donnerstagabend eine empfindliche Niederlage zu Hause gegen den SC DHfK Leipzig (23:28) einstecken mussten – damit war nicht zu rechnen. Auch die hochgehandelte MT Melsungen patzte am vergangenen Sonntag beim HC Erlangen überaus deutlich mit 21:31. Klar, dass sich auch GWD Minden am Samstagabend (20.30 Uhr) beim Geisterspiel in Melsungen etwas ausrechnet. „Dafür müssen wir aber unseren positiven Trend fortsetzen“, sagt GWD-Trainer Frank Carstens. Der Trend, damit meint Carstens die Leistungssteigerung, die er in den ersten drei Spielen von Hannover über Wetzlar hin zu Flensburg bei seinem Team gesehen hat: „Wir haben viele gute Ansätze gezeigt, vor allem taktischer Art. Aber in den kniffligen Momenten haben wir zu oft unsere Spieldisziplin verloren.“ Genau daran hat der GWD-Coach mit seiner Mannschaft in den vergangenen Tagen intensiv gearbeitet: „Wir kommen in jeder Trainingseinheit einen Schritt weiter.“ Die Nordhessen stellen die Mindener aber vor ganz andere Herausforderungen. Während Wetzlar und Flensburg sehr defensiv standen, erwartet GWD bei der Melsunger Turngemeinde eine offensiv agierende 6:0-Deckung. „Das ist typisch für Gudmundur Gudmundsson. So hat er auch schon die Rhein-Neckar Löwen und die isländische Nationalmannschaft spielen lassen“, sagt Carstens über seinen Trainerkollegen. Um zum Erfolg zu kommen, gilt es für die Mindener, die dadurch entstehenden Räume zu nutzen. „Wir müssen in den Rücken der Abwehr kommen. Darauf haben wir uns vorbereitet“, erklärt der GWD-Coach einen Teil seines Matchplans. Dass die Melsunger von den Experten bereits vor der Saison so hoch gehandelt wurden, hängt auch mit deren Einkaufspolitik zusammen. Mit Silvio Heinevetter von den Füchsen Berlin, Timo Kastening von der TSV Hannover-Burgdorf und Arnar Freyer Arnarsson vom dänischen Erstligisten GOG Handball haben die Nordhessen noch einmal an Qualität gewonnen. Überhaupt ist der Kader mit zahlreichen Nationalspielern und erfahrenen Bundesligaspielern gespickt. „Für mich ist Melsungen von der Zusammenstellung her eine der besten Teams der Liga“, meint Carstens. Vor allem die Aktionen der Rückraumachse mit Julius Kühn, Kai Häfner und Mittelmann Domagoj Pavlovic ist sehr schwer zu verteidigen. „Pavlovic ist momentan Melsungens wichtigster Spieler. Er taucht auf allen Rückraumpositionen auf und steuert das Spiel sehr gut“, sagt Frank Carstens. Große Namen und gute Einzelspieler machen aber noch lange nicht eine gute Mannschaft. Das zeigte sich vor allem bei der Niederlage in Erlangen. Die Melsunger leisteten sich zwölf technische Fehler und 19 Fehlwürfe, davon zwölf freie im Eins-gegen-eins. 31 Angriffe also ohne Tor – eine haarsträubende Bilanz, die der HC konsequent bestrafte. „Es hat an allen Ecken und Enden gefehlt, es war keine Bereitschaft da, nicht 100 Prozent Überzeugung“, sagte Julius Kühn im Sky-Interview. Erlangen hat in dem Spiel extrem offensiv verteidigt. „Das werden wir sicherlich nicht machen. Aber wir sind auch eine Mannschaft, die aktiv und ballorientiert verteidigt. Rambo holt beispielsweise sehr viele Bälle aus dem Halbfeld“, sagt Carstens. Trotzdem hat der HC gezeigt, wie die MT zu knacken ist. Das „super Zweikampfverhalten“ im Eins-gegen-eins sei ein Grund gewesen. Dazu hat Erlangen immer wieder neue Spieler gegen die Melsunger Rückraumspieler gestellt. Und: Der HC hat als Kollektiv die individuelle Klasse der MT niedergekämpft. Eine Tugend, die auch die Mindener in der in der Kasseler Rothenbach-Halle an den Tag legen muss. Die beiden Mannschaften haben übrigens vor fünf Wochen erst gegeneinander gespielt. GWD verlor das Testspiel Mitte September in Melsungen mit 23:28. Das ist längst vergessen. „Damals haben wir viel zu zögerlich agiert. Aber ab dem Spiel hatten wir eine bessere Ordnung“, blickt Carstens zurück. Minden ist in seiner Entwicklung ein gutes Stück weiter gekommen, wird am Samstag aber garantiert auf aggressive Melsunger treffen, die den schwachen Eindruck von der Erlangen-Niederlage mit allen Mitteln revidieren wollen. „Wir haben das Spiel eingehend aufgearbeitet und in den Trainingseinheiten den Schwerpunkt auf die Verbesserung unseres Angriffsspiels gelegt“, wird Gundmundsson auf der MT-Homepage zitiert. Ob es ein Vorteil sei, dass die Melsunger aufgrund der gestiegenen Coronazahlen vor leeren Rängen ohne Zuschauer spielen müssen, glaubt Carstens nicht. Sein Gegenüber Gudmundsson sieht das anders: „Die Fans helfen uns 60 Minuten lang, die Emotionen hoch zu halten. Ohne heimische Unterstützung ist eine Mannschaft jedoch auf sich allein gestellt. Unsere Spieler waren im ersten Moment enttäuscht, als sie von der Entscheidung erfahren haben. Aber wir werden das als weitere Herausforderung annehmen.“ Bis auf Christoph Reißky (Schulterverletzung) und Joshua Thiele (Syndesmosebandanriss) sind alle GWD-Spieler fit. Melsungen wird in Bestbesetzung antreten.

GWD will in Melsungen den positiven Trend fortsetzen

GWD-Torwart Carsten Lichtlein bestreitet in Melsungen sein 640. Bundesligaspiel und trifft dort auf einige seiner ehemaligen Nationalmannschaftskollegen. Foto: Noah Wedel © Noah Wedel

Minden. Eins ist gewiss: Die Ergebnisse in der Handball-Bundesliga sind in dieser Saison ungewiss. Dass der THW Kiel bei der HSG Wetzlar unterging (22:31) und die Rhein-Neckar Löwen am Donnerstagabend eine empfindliche Niederlage zu Hause gegen den SC DHfK Leipzig (23:28) einstecken mussten – damit war nicht zu rechnen. Auch die hochgehandelte MT Melsungen patzte am vergangenen Sonntag beim HC Erlangen überaus deutlich mit 21:31. Klar, dass sich auch GWD Minden am Samstagabend (20.30 Uhr) beim Geisterspiel in Melsungen etwas ausrechnet. „Dafür müssen wir aber unseren positiven Trend fortsetzen“, sagt GWD-Trainer Frank Carstens.

Der Trend, damit meint Carstens die Leistungssteigerung, die er in den ersten drei Spielen von Hannover über Wetzlar hin zu Flensburg bei seinem Team gesehen hat: „Wir haben viele gute Ansätze gezeigt, vor allem taktischer Art. Aber in den kniffligen Momenten haben wir zu oft unsere Spieldisziplin verloren.“ Genau daran hat der GWD-Coach mit seiner Mannschaft in den vergangenen Tagen intensiv gearbeitet: „Wir kommen in jeder Trainingseinheit einen Schritt weiter.“

Die Nordhessen stellen die Mindener aber vor ganz andere Herausforderungen. Während Wetzlar und Flensburg sehr defensiv standen, erwartet GWD bei der Melsunger Turngemeinde eine offensiv agierende 6:0-Deckung. „Das ist typisch für Gudmundur Gudmundsson. So hat er auch schon die Rhein-Neckar Löwen und die isländische Nationalmannschaft spielen lassen“, sagt Carstens über seinen Trainerkollegen. Um zum Erfolg zu kommen, gilt es für die Mindener, die dadurch entstehenden Räume zu nutzen. „Wir müssen in den Rücken der Abwehr kommen. Darauf haben wir uns vorbereitet“, erklärt der GWD-Coach einen Teil seines Matchplans.

Dass die Melsunger von den Experten bereits vor der Saison so hoch gehandelt wurden, hängt auch mit deren Einkaufspolitik zusammen. Mit Silvio Heinevetter von den Füchsen Berlin, Timo Kastening von der TSV Hannover-Burgdorf und Arnar Freyer Arnarsson vom dänischen Erstligisten GOG Handball haben die Nordhessen noch einmal an Qualität gewonnen. Überhaupt ist der Kader mit zahlreichen Nationalspielern und erfahrenen Bundesligaspielern gespickt. „Für mich ist Melsungen von der Zusammenstellung her eine der besten Teams der Liga“, meint Carstens. Vor allem die Aktionen der Rückraumachse mit Julius Kühn, Kai Häfner und Mittelmann Domagoj Pavlovic ist sehr schwer zu verteidigen. „Pavlovic ist momentan Melsungens wichtigster Spieler. Er taucht auf allen Rückraumpositionen auf und steuert das Spiel sehr gut“, sagt Frank Carstens.

Große Namen und gute Einzelspieler machen aber noch lange nicht eine gute Mannschaft. Das zeigte sich vor allem bei der Niederlage in Erlangen. Die Melsunger leisteten sich zwölf technische Fehler und 19 Fehlwürfe, davon zwölf freie im Eins-gegen-eins. 31 Angriffe also ohne Tor – eine haarsträubende Bilanz, die der HC konsequent bestrafte. „Es hat an allen Ecken und Enden gefehlt, es war keine Bereitschaft da, nicht 100 Prozent Überzeugung“, sagte Julius Kühn im Sky-Interview. Erlangen hat in dem Spiel extrem offensiv verteidigt. „Das werden wir sicherlich nicht machen. Aber wir sind auch eine Mannschaft, die aktiv und ballorientiert verteidigt. Rambo holt beispielsweise sehr viele Bälle aus dem Halbfeld“, sagt Carstens.

Trotzdem hat der HC gezeigt, wie die MT zu knacken ist. Das „super Zweikampfverhalten“ im Eins-gegen-eins sei ein Grund gewesen. Dazu hat Erlangen immer wieder neue Spieler gegen die Melsunger Rückraumspieler gestellt. Und: Der HC hat als Kollektiv die individuelle Klasse der MT niedergekämpft. Eine Tugend, die auch die Mindener in der in der Kasseler Rothenbach-Halle an den Tag legen muss. Die beiden Mannschaften haben übrigens vor fünf Wochen erst gegeneinander gespielt. GWD verlor das Testspiel Mitte September in Melsungen mit 23:28. Das ist längst vergessen. „Damals haben wir viel zu zögerlich agiert. Aber ab dem Spiel hatten wir eine bessere Ordnung“, blickt Carstens zurück.

Minden ist in seiner Entwicklung ein gutes Stück weiter gekommen, wird am Samstag aber garantiert auf aggressive Melsunger treffen, die den schwachen Eindruck von der Erlangen-Niederlage mit allen Mitteln revidieren wollen. „Wir haben das Spiel eingehend aufgearbeitet und in den Trainingseinheiten den Schwerpunkt auf die Verbesserung unseres Angriffsspiels gelegt“, wird Gundmundsson auf der MT-Homepage zitiert.

Ob es ein Vorteil sei, dass die Melsunger aufgrund der gestiegenen Coronazahlen vor leeren Rängen ohne Zuschauer spielen müssen, glaubt Carstens nicht. Sein Gegenüber Gudmundsson sieht das anders: „Die Fans helfen uns 60 Minuten lang, die Emotionen hoch zu halten. Ohne heimische Unterstützung ist eine Mannschaft jedoch auf sich allein gestellt. Unsere Spieler waren im ersten Moment enttäuscht, als sie von der Entscheidung erfahren haben. Aber wir werden das als weitere Herausforderung annehmen.“

Bis auf Christoph Reißky (Schulterverletzung) und Joshua Thiele (Syndesmosebandanriss) sind alle GWD-Spieler fit. Melsungen wird in Bestbesetzung antreten.

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