Mit einer Energieleistung zum Sieg: GWD gewinnt gegen Leipzig Astrid Plaßhenrich Lübbecke. Ein turbulentes Jahr mit Coronapausen, Verletzungspech und dem Nomadenleben ohne festen Trainingsort nahm sportlich noch ein gutes Ende: Handball-Bundesligist GWD Minden verabschiedete sich mit einem verdienten 23:20 (13:10)-Sieg gegen den SC DHfK Leipzig in die vorzeitige WM-Pause. Das für Samstag angesetzte Spiel gegen FA Göppingen wird verlegt, weil die Schwaben sich Montag in Quarantäne begeben mussten. „Auch wenn es grundsätzlich keine gute Nachricht ist: Aber die Spielverlegung kam für uns zum richtigen Zeitpunkt. So hatten wir das Göppingen-Spiel nicht mehr im Hinterkopf und konnten alles in die Waagschale werfen“, sagte GWD-Trainer Frank Carstens. Vielleicht kann die Mindener Leistung symbolisch an Christoffer Rambo festgemacht werden. Der Norweger spielte für seine Verhältnisse eher unauffällig. Normalerweise trifft der 31-Jährige mit seinem linken Hammer regelmäßig ins Schwarze. Dieses Mal stand nach 60 kräftezehrenden Minuten nur ein Tor auf seinem Konto. Der 1,98 Meter lange Rückraumspieler verzichtete bewusst auf Abschlüsse aus der zweiten Reihe. Stattdessen handelte er extrem mannschaftsdienlich. Rambo ackerte in der Abwehr, glänzte mit seinen Steals. Im Angriff überzeugte er als kluger Passgeber – und er klammerte einen persönlichen Erfolg aus: Der wurfgewaltige Norweger hätte mit einem egoistischeren Spielstil gestern sicherlich die 1000-Tore-Marke durchbrechen können. Das interessierte ihn aber so gar nicht. „Christoffer hat nie die Nerven verloren und sich in den Dienst der Mannschaft gestellt“, lobte denn auch Mindens Sportgeschäftsführer Frank von Behren den dienstältesten GWD-Spieler. Rambo war aber nur ein Baustein von vielen, der zum Sieg gegen die Sachsen führte. „Wir können nur im Kollektiv bestehen“, hatte Frank Carstens vor der Partie gesagt – und sein Team bestand im Kollektiv. Dabei war die Abwehr der Garant für den Erfolg. Der Innenblock „1b“ mit Doruk Pehlivan und Joshua Thiele packte energisch zu. Dass die erste Formation mit den Langzeitverletzten Lucas Meister und Miljan Pusica fehlte, fiel zu keinem Zeitpunkt ins Gewicht. Bis zum 3:3 (8.) entwickelte sich eine ausgeglichen Anfangsphase, dann ließ GWD in den folgenden sieben Minuten kein Gegentor mehr zu und setzte sich auf 7:3 ab (15.). Einen großen Anteil daran hatte auch Mindens Torwart Malte Semisch, der ein überragendes Spiel zeigte und mit seinen 14 Paraden dem Leipziger Angriff den Zahn zog. Zudem vereitelte sein Kompagnon Carsten Lichtlein, der trotz seiner am vergangenen Samstag in Erlangen zugezogenen Handgelenksverletzung spielen konnte, drei Siebenmeter. Das GWD-Gerüst wankte nur einmal bedenklich, stürzte aber nicht ein: Als zwei Minuten vor der Pause Kreisläufer Justus Richtzenhain eine Zwei-Minuten-Strafe absitzen musste, schmolz der Sechs-Tore-Vorsprung (13:7) auf 13:10. Es zeugt von einem Entwicklungsschritt der Mindener, dass das Spiel nicht kippte. Anstatt dass Leipzig Anfang der zweiten Halbzeit weiter verkürzte, baute GWD nach drei Toren von Mats Korte seine Führung wieder auf 16:10 aus (34.). Der Linksaußen hatte gestern eine Quote von 100 Prozent und war mit acht Treffern bester Mindener Schütze. Der 23-Jährige ist eines von drei Eigengewächsen, die dem Spiel einen Stoß in die richtige Richtung gaben. Richtzenhain agierte vor dem Leipziger Tor kalt wie eine Hundeschnauze und erzielte fünf Treffer. Zudem zog Simon Strakeljahn als Spielmacher die Fäden. Das Trio aus der GWD-Talentschmiede zeigte sich für 15 der insgesamt 23 Tore verantwortlich. Doch dann der Schockmoment: Nach einer Abwehraktion blieb Joshua Thiele verletzt liegen. Der Kreisläufer war umgeknickt, das linke Sprunggelenk schwoll sofort an. Somit war der Innenblock ab Minute 40 – mal wieder – gesprengt. Aber auch dadurch ließen sich die Mindener nicht beirren. GWD gab seine Führung zu keinem Zeitpunkt aus der Hand. „Das waren schon ein paar lustige Formationen, die zum Ende des Spiels in der Innenverteidigung standen“, sagte Frank Carstens in einem leicht ironischen Ton. Zeitweise musste beispielsweise Richtzenhain zusammen mit Juri Knorr den Innenblock bilden, um den in Abwehr und Angriff kämpfenden Doruk Pehlivan zu entlasten. Doch trotz der couragierten Leistung sah Carstens spielerisch noch viel Luft nach oben. „Aber das wäre heute das Suchen nach dem Haar in der Suppe“, meinte der GWD-Trainer. Übrigens: Rambo steht jetzt bei 998 Bundesligatoren. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis er die magische Grenze knacken wird.

Mit einer Energieleistung zum Sieg: GWD gewinnt gegen Leipzig

Die GWD-Spieler tanzen Sekunden nach Spielschluss im Kreis, während sich die Torhüter Carsten Lichtlein und Malte Semisch in den Armen liegen. Foto: Noah Wedel © Noah Wedel

Lübbecke. Ein turbulentes Jahr mit Coronapausen, Verletzungspech und dem Nomadenleben ohne festen Trainingsort nahm sportlich noch ein gutes Ende: Handball-Bundesligist GWD Minden verabschiedete sich mit einem verdienten 23:20 (13:10)-Sieg gegen den SC DHfK Leipzig in die vorzeitige WM-Pause. Das für Samstag angesetzte Spiel gegen FA Göppingen wird verlegt, weil die Schwaben sich Montag in Quarantäne begeben mussten. „Auch wenn es grundsätzlich keine gute Nachricht ist: Aber die Spielverlegung kam für uns zum richtigen Zeitpunkt. So hatten wir das Göppingen-Spiel nicht mehr im Hinterkopf und konnten alles in die Waagschale werfen“, sagte GWD-Trainer Frank Carstens.

Vielleicht kann die Mindener Leistung symbolisch an Christoffer Rambo festgemacht werden. Der Norweger spielte für seine Verhältnisse eher unauffällig. Normalerweise trifft der 31-Jährige mit seinem linken Hammer regelmäßig ins Schwarze. Dieses Mal stand nach 60 kräftezehrenden Minuten nur ein Tor auf seinem Konto. Der 1,98 Meter lange Rückraumspieler verzichtete bewusst auf Abschlüsse aus der zweiten Reihe. Stattdessen handelte er extrem mannschaftsdienlich. Rambo ackerte in der Abwehr, glänzte mit seinen Steals. Im Angriff überzeugte er als kluger Passgeber – und er klammerte einen persönlichen Erfolg aus: Der wurfgewaltige Norweger hätte mit einem egoistischeren Spielstil gestern sicherlich die 1000-Tore-Marke durchbrechen können. Das interessierte ihn aber so gar nicht. „Christoffer hat nie die Nerven verloren und sich in den Dienst der Mannschaft gestellt“, lobte denn auch Mindens Sportgeschäftsführer Frank von Behren den dienstältesten GWD-Spieler.

Rambo war aber nur ein Baustein von vielen, der zum Sieg gegen die Sachsen führte. „Wir können nur im Kollektiv bestehen“, hatte Frank Carstens vor der Partie gesagt – und sein Team bestand im Kollektiv. Dabei war die Abwehr der Garant für den Erfolg. Der Innenblock „1b“ mit Doruk Pehlivan und Joshua Thiele packte energisch zu. Dass die erste Formation mit den Langzeitverletzten Lucas Meister und Miljan Pusica fehlte, fiel zu keinem Zeitpunkt ins Gewicht. Bis zum 3:3 (8.) entwickelte sich eine ausgeglichen Anfangsphase, dann ließ GWD in den folgenden sieben Minuten kein Gegentor mehr zu und setzte sich auf 7:3 ab (15.). Einen großen Anteil daran hatte auch Mindens Torwart Malte Semisch, der ein überragendes Spiel zeigte und mit seinen 14 Paraden dem Leipziger Angriff den Zahn zog. Zudem vereitelte sein Kompagnon Carsten Lichtlein, der trotz seiner am vergangenen Samstag in Erlangen zugezogenen Handgelenksverletzung spielen konnte, drei Siebenmeter.

Das GWD-Gerüst wankte nur einmal bedenklich, stürzte aber nicht ein: Als zwei Minuten vor der Pause Kreisläufer Justus Richtzenhain eine Zwei-Minuten-Strafe absitzen musste, schmolz der Sechs-Tore-Vorsprung (13:7) auf 13:10. Es zeugt von einem Entwicklungsschritt der Mindener, dass das Spiel nicht kippte. Anstatt dass Leipzig Anfang der zweiten Halbzeit weiter verkürzte, baute GWD nach drei Toren von Mats Korte seine Führung wieder auf 16:10 aus (34.). Der Linksaußen hatte gestern eine Quote von 100 Prozent und war mit acht Treffern bester Mindener Schütze. Der 23-Jährige ist eines von drei Eigengewächsen, die dem Spiel einen Stoß in die richtige Richtung gaben. Richtzenhain agierte vor dem Leipziger Tor kalt wie eine Hundeschnauze und erzielte fünf Treffer. Zudem zog Simon Strakeljahn als Spielmacher die Fäden. Das Trio aus der GWD-Talentschmiede zeigte sich für 15 der insgesamt 23 Tore verantwortlich.

Doch dann der Schockmoment: Nach einer Abwehraktion blieb Joshua Thiele verletzt liegen. Der Kreisläufer war umgeknickt, das linke Sprunggelenk schwoll sofort an. Somit war der Innenblock ab Minute 40 – mal wieder – gesprengt. Aber auch dadurch ließen sich die Mindener nicht beirren. GWD gab seine Führung zu keinem Zeitpunkt aus der Hand. „Das waren schon ein paar lustige Formationen, die zum Ende des Spiels in der Innenverteidigung standen“, sagte Frank Carstens in einem leicht ironischen Ton. Zeitweise musste beispielsweise Richtzenhain zusammen mit Juri Knorr den Innenblock bilden, um den in Abwehr und Angriff kämpfenden Doruk Pehlivan zu entlasten. Doch trotz der couragierten Leistung sah Carstens spielerisch noch viel Luft nach oben. „Aber das wäre heute das Suchen nach dem Haar in der Suppe“, meinte der GWD-Trainer.

Übrigens: Rambo steht jetzt bei 998 Bundesligatoren. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis er die magische Grenze knacken wird.

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