GWD fängt einen Fuchs: Minden verpflichtet Miro Schluroff aus Berlin Marcus Riechmann Minden. Es ist kein großer Name geworden. Stattdessen präsentiert GWD Minden einen Mann mit Perspektive. Miro Schluroff wechselt mit sofortiger Wirkung von den Füchsen Berlin zum heimischen Handball-Bundesligisten. Der 1,97 Meter große Junioren-Nationalspieler unterschrieb in Minden einen Vertrag bis Juni 2022. Bereits am Samstag. 6. Februar, soll der neue Rückraumspieler im Heimspiel gegen die HBW Balingen-Weilstetten sein Debüt im grünen GWD-Trikot geben. Mit der Verpflichtung des 20-Jährigen reagiert Mindens Sport-Geschäftsführer Frank von Behren auf die langwierigen Verletzungen von Lucas Meister (Sehnenabriss im Wurfarm) und Miljan Pusica (Kreuzbandriss). Schluroff soll bei GWD die Lücke schließen, die der Ausfall Pusicas, der für den Rest der Saison fehlen wird, im Angriff gerissen hat. Hier soll der gebürtige Bremer im linken Rückraum Doruk Pehlivan entlasten. Der Türke Pehlivan, der in seiner ersten Bundesliga-Saison bereits zu einer wichtigen Stütze im Mindener Team herangewachsen ist, wird dringend im Abwehr-Innenblock gebraucht. Dort übernimmt er gemeinsam mit Joshua Thiel und Justus Richtzenhain die Aufgabe, die bislang vornehmlich Pusica und Meister zugewiesen worden war. „Wir beobachten Miro schon länger. Er ist ein Spieler mit viel Potenzial", sagt von Behren und sieht beim schlaksigen Zwei-Meter-Mann Ähnlichkeiten mit dem jungen Pascal Hens: „Miro besticht durch seine Torgefahr und ist vom Spielertyp eine gute Ergänzung zu Doruk und somit eine weitere Alternative im linken Rückraum", erläutert Frank von Behren, der sich mit seinem Trainer Frank Carstens bereits im Frühjahr ein Bild von Schluroff und dessen Feuerkraft aus der zweiten Reihe machen konnte, als der Bremer ein erstes Mal zum Probetraining in Minden war, GWD sich aber letztlich für die Verpflichtung Pehlivans entschied. Man habe sich jetzt bewusst für die Stärkung der Offensive entschieden, lässt von Behren wissen, denn in der Deckung hätte das Trio Pehlivan, Thiele und Richtzenhain gezeigt, dass es den Job erledigen kann. „Die kriegen das hin", sagt von Behren. Eine Nachverpflichtung mit reinem Abwehrschwerpunkt, wie sie beispielsweise mit dem erfahrenen Evars Klesniks möglich gewesen wäre, ist bei GWD lediglich eine Not-Option gewesen. Schluroff begann seine Handball-Laufbahn in den Jugendmannschaften des HC Bremen und lief bereits in der Saison 2018/2019 für den Wilhelmshavener HV auf. Von dort ging es zur Saison 2019/2020 nach Berlin. Bei den Füchsen gab der Rechtshänder im Heimspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt im März sein Bundesliga-Debüt. Bei Berlin gehörte Schluroff anders als Talente wie der einstige GWD-Jugendspieler Maxim Orloff oder Nils Lichtlein, Neffe von GWD-Torwart Carsten Lichtlein, nicht zum engeren Profi-Kader sondern war dem Drittliga-Team der „Jungfüchse" zugeordnet. Weil die 3. Liga eine Corona-Zwangspause einlegt, erhielt er ein Doppelspielrecht für den WHV. Dort warf der Rückraumlinke trotz der ausbildungsbedingten geringen Trainingsbeteiligung in sieben Partien 17 Treffer. Erst kurz vor dem Jahreswechsel absolvierte Schluroff mit dem WHV im Mühlenkreis das Zweitligaspiel gegen den TuS N-Lübbecke – als Gast in der Lübbecker Kreissporthalle, die nun seine neue Heimat werden wird. Fünf Tore erzielte Schluroff bei der 27:33-Niederlage des Tabellen-15. beim Aufstiegsanwärter. Das nächste Spiel in der Lübbecker Kreissporthalle wird Schluroff eine Etage höher in der Bundesliga bestreiten. Er wählt als zweiter Profi nach Christoph Reißky den Weg von Berlin nach Ostwestfalen. Während Linkshänder Reißky zunächst nur von den Füchsen ausgeliehen war und erst danach einen Vertrag im Minden erhielt, wird Schluroff sofort ein echter Mindener. Den Kontakt in die Hauptstadt hält Schluroff nur noch digital: Seine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann wird er online fortsetzen. Die Suche nach Stabilität Kommentar von Marcus Riechmann Miro Schluroff – ein junger Mann aus der zweiten Reihe der Berliner Füchse. Das ist nicht ganz die Kategorie Nachverpflichtung, die sich so mancher Fan bei GWD erhofft hatte. Die Anhängerschaft hatte den Blick zwar ebenfalls in die Hauptstadt gerichtet, aber dort eher auf den einstigen Nationalspieler Simon Ernst, der bei den Füchsen nach seinem dritten Kreuzbandriss um die alte Form kämpft. GWD hatte zu Ernst Kontakt, und vermutlich steht er mit Blick auf die Nachfolge von Juri Knorr immer noch auf der Liste von Sportgeschäftsführer Frank von Behren. Dort stand zwischenzeitlich auch Ole Forsell Schefvert von der HSG Wetzlar, der aber jüngst seinen Vertrag bei den Hessen verlängerte. Es ist kein Geheimnis: Spieler, die bei Klubs auf GWD-Niveau oder darüber Verträge schließen oder verlängern können, sind für Minden kaum zu gewinnen. „Da müssten wir schon beim Gehalt deutlich drauflegen", sagt von Behren. Die Zeiten, in denen Männer wie Stephane Stoecklin oder Talant Dujshebaev auf dem Lohnzettel standen, sind lange vorbei. Aber auch weniger prominente Profis im Zenit ihrer Leistungsfähigkeit finden immer seltener den Weg an die Weser. Es ist simpel: Männer wie Marian Michalczik gehen von Minden nach Berlin, und diejenigen, die wie Schluroff noch auf dem Status als Perspektivspieler stehen, gehen den umgekehrten Weg. Ein jeder solcher Verpflichtung wohnt ein Risiko inne: Das Talent kann zünden, oder auch nicht. GWD ist für überdurchschnittlich begabte Handballer eine Durchgangsstation. Sie kommen, weil GWD sich dank Talententwickler Frank Carstens einen Ruf als Sprungbrett erworben hat – und gehen irgendwann. Das kann im besten Fall auch für Schluroff gelten. Ziel muss es sein, um sie herum dort mit langfristigen Verträgen Stabilität zu schaffen, wo es möglich ist. Sonst sieht sich Coach Carstens fortwährend dem Druck ausgesetzt, ein neues Team erfinden zu müssen. Perspektivische Entwicklung entsteht im steten Wechsel nicht.

GWD fängt einen Fuchs: Minden verpflichtet Miro Schluroff aus Berlin

Hoch in der Luft: Miro Schluroff warf im Trikot des Wilhelmshavener HV (links) jüngt fünf Tore im Zweitligaspiel gegen den TuS N-Lübbecke mit Abwehrspieler Marko Bagaric. Foto: Jan Strohdiek / Eibner-Pressefoto © Eibner-Pressefoto/Jan Strohdiek

Minden. Es ist kein großer Name geworden. Stattdessen präsentiert GWD Minden einen Mann mit Perspektive. Miro Schluroff wechselt mit sofortiger Wirkung von den Füchsen Berlin zum heimischen Handball-Bundesligisten. Der 1,97 Meter große Junioren-Nationalspieler unterschrieb in Minden einen Vertrag bis Juni 2022. Bereits am Samstag. 6. Februar, soll der neue Rückraumspieler im Heimspiel gegen die HBW Balingen-Weilstetten sein Debüt im grünen GWD-Trikot geben.

Mit der Verpflichtung des 20-Jährigen reagiert Mindens Sport-Geschäftsführer Frank von Behren auf die langwierigen Verletzungen von Lucas Meister (Sehnenabriss im Wurfarm) und Miljan Pusica (Kreuzbandriss). Schluroff soll bei GWD die Lücke schließen, die der Ausfall Pusicas, der für den Rest der Saison fehlen wird, im Angriff gerissen hat. Hier soll der gebürtige Bremer im linken Rückraum Doruk Pehlivan entlasten. Der Türke Pehlivan, der in seiner ersten Bundesliga-Saison bereits zu einer wichtigen Stütze im Mindener Team herangewachsen ist, wird dringend im Abwehr-Innenblock gebraucht. Dort übernimmt er gemeinsam mit Joshua Thiel und Justus Richtzenhain die Aufgabe, die bislang vornehmlich Pusica und Meister zugewiesen worden war.

„Wir beobachten Miro schon länger. Er ist ein Spieler mit viel Potenzial", sagt von Behren und sieht beim schlaksigen Zwei-Meter-Mann Ähnlichkeiten mit dem jungen Pascal Hens: „Miro besticht durch seine Torgefahr und ist vom Spielertyp eine gute Ergänzung zu Doruk und somit eine weitere Alternative im linken Rückraum", erläutert Frank von Behren, der sich mit seinem Trainer Frank Carstens bereits im Frühjahr ein Bild von Schluroff und dessen Feuerkraft aus der zweiten Reihe machen konnte, als der Bremer ein erstes Mal zum Probetraining in Minden war, GWD sich aber letztlich für die Verpflichtung Pehlivans entschied.

Man habe sich jetzt bewusst für die Stärkung der Offensive entschieden, lässt von Behren wissen, denn in der Deckung hätte das Trio Pehlivan, Thiele und Richtzenhain gezeigt, dass es den Job erledigen kann. „Die kriegen das hin", sagt von Behren. Eine Nachverpflichtung mit reinem Abwehrschwerpunkt, wie sie beispielsweise mit dem erfahrenen Evars Klesniks möglich gewesen wäre, ist bei GWD lediglich eine Not-Option gewesen.

Schluroff begann seine Handball-Laufbahn in den Jugendmannschaften des HC Bremen und lief bereits in der Saison 2018/2019 für den Wilhelmshavener HV auf. Von dort ging es zur Saison 2019/2020 nach Berlin. Bei den Füchsen gab der Rechtshänder im Heimspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt im März sein Bundesliga-Debüt. Bei Berlin gehörte Schluroff anders als Talente wie der einstige GWD-Jugendspieler Maxim Orloff oder Nils Lichtlein, Neffe von GWD-Torwart Carsten Lichtlein, nicht zum engeren Profi-Kader sondern war dem Drittliga-Team der „Jungfüchse" zugeordnet.

Weil die 3. Liga eine Corona-Zwangspause einlegt, erhielt er ein Doppelspielrecht für den WHV. Dort warf der Rückraumlinke trotz der ausbildungsbedingten geringen Trainingsbeteiligung in sieben Partien 17 Treffer.

Erst kurz vor dem Jahreswechsel absolvierte Schluroff mit dem WHV im Mühlenkreis das Zweitligaspiel gegen den TuS N-Lübbecke – als Gast in der Lübbecker Kreissporthalle, die nun seine neue Heimat werden wird. Fünf Tore erzielte Schluroff bei der 27:33-Niederlage des Tabellen-15. beim Aufstiegsanwärter.

Das nächste Spiel in der Lübbecker Kreissporthalle wird Schluroff eine Etage höher in der Bundesliga bestreiten. Er wählt als zweiter Profi nach Christoph Reißky den Weg von Berlin nach Ostwestfalen. Während Linkshänder Reißky zunächst nur von den Füchsen ausgeliehen war und erst danach einen Vertrag im Minden erhielt, wird Schluroff sofort ein echter Mindener. Den Kontakt in die Hauptstadt hält Schluroff nur noch digital: Seine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann wird er online fortsetzen.

Die Suche nach Stabilität

Kommentar von Marcus Riechmann

Miro Schluroff – ein junger Mann aus der zweiten Reihe der Berliner Füchse. Das ist nicht ganz die Kategorie Nachverpflichtung, die sich so mancher Fan bei GWD erhofft hatte. Die Anhängerschaft hatte den Blick zwar ebenfalls in die Hauptstadt gerichtet, aber dort eher auf den einstigen Nationalspieler Simon Ernst, der bei den Füchsen nach seinem dritten Kreuzbandriss um die alte Form kämpft.

GWD hatte zu Ernst Kontakt, und vermutlich steht er mit Blick auf die Nachfolge von Juri Knorr immer noch auf der Liste von Sportgeschäftsführer Frank von Behren. Dort stand zwischenzeitlich auch Ole Forsell Schefvert von der HSG Wetzlar, der aber jüngst seinen Vertrag bei den Hessen verlängerte. Es ist kein Geheimnis: Spieler, die bei Klubs auf GWD-Niveau oder darüber Verträge schließen oder verlängern können, sind für Minden kaum zu gewinnen. „Da müssten wir schon beim Gehalt deutlich drauflegen", sagt von Behren.

Die Zeiten, in denen Männer wie Stephane Stoecklin oder Talant Dujshebaev auf dem Lohnzettel standen, sind lange vorbei. Aber auch weniger prominente Profis im Zenit ihrer Leistungsfähigkeit finden immer seltener den Weg an die Weser. Es ist simpel: Männer wie Marian Michalczik gehen von Minden nach Berlin, und diejenigen, die wie Schluroff noch auf dem Status als Perspektivspieler stehen, gehen den umgekehrten Weg. Ein jeder solcher Verpflichtung wohnt ein Risiko inne: Das Talent kann zünden, oder auch nicht.

GWD ist für überdurchschnittlich begabte Handballer eine Durchgangsstation. Sie kommen, weil GWD sich dank Talententwickler Frank Carstens einen Ruf als Sprungbrett erworben hat – und gehen irgendwann. Das kann im besten Fall auch für Schluroff gelten. Ziel muss es sein, um sie herum dort mit langfristigen Verträgen Stabilität zu schaffen, wo es möglich ist. Sonst sieht sich Coach Carstens fortwährend dem Druck ausgesetzt, ein neues Team erfinden zu müssen. Perspektivische Entwicklung entsteht im steten Wechsel nicht.

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