GWD Minden bezwingt SC Leipzig: Amtlich abgeliefert Marcus Riechmann Minden (mt). Sie mussten liefern und sie haben geliefert. Und zwar amtlich. Nach jahresübergreifend drei Pleiten in Folge kämpften sich die Handballer von GWD Minden gestern mit einem 28:23 (10:7)-Heimsieg gegen den SC DHfK Leipzig zurück in die Erfolgsspur. Die Teamaussprache der vergangenen Woche hatte offenbar gewirkt: Vor der Prachtkulisse von 3378 Zuschauern zeigten die GWD-Profis, dass sie gewillt sind, den Kampf um den Klassenerhalt anzunehmen. Sie schoben sich in der Tabelle auf Rang zwölf vor, vier Punkte vor dem ersten Abstiegsplatz.Während seine Teamkollegen schweißnass das Bad in der Menge genossen, stand Joakim Larsson grinsend am Rand. „Wir haben gezeigt, wem der Laden hier gehört“, feixte der GWD-Kreisläufer, der wegen einer Ellenbogenverletzung ebenso wie Linksaußen Charlie Sjöstrand (Fußverletzung) zum Zuschauen gezwungen war, und wies nach dem siebten Saisonsieg auf die zurückerkämpfte Heimstärke hin. „Wir mussten doch verhindern, dass Steini und Vorti ihre alte Burg stürmen“, stimmte Moritz Schäpsmeier mit Blick auf die mit Leipzig in die Kampa-Halle zurückgekehrten Ex-Mindener Christoph Steinert und Jens Vortmann in den Spaß ein. Der GWD-Kapitän beschrieb danach mit ernsterer Miene, welche Last ihm und seinen Mitspielern von den Schultern gefallen war: „Da war schon richtig Druck drauf. Der Sieg ist befreiend.“Bevor die gute Laune einzog, hatten die Mindener eine Menge Arbeit zu verrichten. Bis in die Schlussminuten hinein erwies sich Leipzig als hartnäckiger Widersacher. Mit einem Doppelschlag sorgten die beiden Norweger Christoffer Rambo und Magnus Gullerud im Zusammenspiel für die Entscheidung. Zunächst vollendete der Rückraumspieler Rambo einen unkonventionellen Doppelpass - Gullerud konnte sich am Kreis nicht durchsetzen und spielte den Ball zurück - zum 26:23. Einen Ballgewinn später drehten die beiden das Zusammenspiel um, und Kreisläufer Gullerud warf zum 27:23 ein. Da, rund eineinhalb Minuten vor dem Abpfiff, standen die Zuschauer längst und feierten den Sieg im ersten Heimspiel des Jahres.Nicht nur die Fans waren zufrieden, sondern auch Frank von Behren. Der Sportliche Leiter, der die Mannschaft nach dem kraftlosen 24:34 in Göppingen noch an den Pranger gestellt hatte, sagte: „Das ist die Einstellung, die wir brauchen. So stark wie heute habe ich die Deckung in dieser Saison noch nicht gesehen.“ Mit 23 Gegentreffern hielt Minden den Gegner genau in dem Rahmen, den das Team für den Erfolg benötigt.Dieses Lob richtete sich vor allem an die Abwehrleistung der ersten Halbzeit. Magnus Jernemyr und Miladin Kozlina leisteten im Innenblock Schwerstarbeit. Der von Niclas Pieczkowski geführte Leipziger Angriff biss sich im gebundenen Spiel die Zähne an der GWD-Abwehr aus, die in Kim Sonne einen hervorragenden Rückhalt besaß. „Das war anders als in Göppingen, da haben wir viele Rückraumtore kassiert. Heute mussten wir nicht so weit raus, das kam uns entgegen“, erläuterte Gullerud nach seinem ersten Auftritt vor heimischem Publikum als frischgebackener Vize-Weltmeister.Beide Teams lieferten sich den erwarteten zähen Kampf. Ganze fünf Tore waren bis zum 3:2 in der 14. Spielminute gefallen, das Rambo per Siebenmeter erzielte - den ersten GWD-Strafwurf von Aleksandar Svitlica hatte Vortmann gehalten.Stück für Stück nahm die Partie auch im Angriff Fahrt auf. Bei GWD lag das vor allem daran, dass neben Rambo, der die ersten drei Treffer selbst erzielte und das Anspiel zum 4:4 durch Svitlica gab, auch andere aktiv wurden. Vor allem Svitlica selbst. Der Rechtsaußen zeigte eine starke Offensivleistung und vollstreckte selbst aus spitzem Winkel. Symbolisch für die Entschlossenheit, die er und das gesamte Team zeigten, war sein Treffer zum 10:7-Halbzeitstand. Die Deckung hatte den Ball erobert, Gullerud spielte ihn im Liegen irgendwie nach vorn. Svitlica schnappte sich den Ball und drosch ihn derart kompromisslos auf das Tor, dass Vortmann ihn zwar berühren, aber den Treffer nicht verhindern konnte.Weil sich auch der GWD-Rückraum immer mehr einschaltete, schob sich Minden in der zweiten Spielhälfte weiter nach vorn. Zwei sich vom Hallenboden lösende Werbebanner unterbrachen den GWD-Tordrang nur kurz. Beim 17:11 durch Dalibor Doder hatte GWD in der 39. Minute eine richtungweisende Sechs-Tore-Führung herausgeworfen.Entschieden war das Spiel aber noch lange nicht. Leipzigs Coach, der neue Nationaltrainer Christian Prokop, setzte seine Spieler nun konsequent auf die Achillesferse des GWD-Spiels an: Den doppelten Wechsel zwischen Abwehr und Angriff. Jedes schwer erkämpfte GWD-Tor egalisierten die Sachsen mit schneller Mitte. „Wir wollten Druck machen und den Wechsel verhindern“, berichtete Steinert. Gegen diese ebenso schmerzhaften wie wirksamen Nadelstiche fand GWD kein Mittel. „Unser Rückzugsverhalten ist wegen der Wechsel problematisch“, gestand GWD-Coach Carstens offen ein und und verwies auf die Zusammenstellung des Kaders. Gleichzeitig lobte er: „Wir haben geschafft, das über unser Angriffsspiel auszugleichen.“Als das aber mal nicht klappte und Minden einige Chancen liegen ließ, war Leipzig beim 23:21 durch Kreisläufer Benjamin Meschke (54.) wieder dran. Bis zum 25:23 mussten die Gastgeber um ihren Lohn zittern, ehe die beiden Norweger den Sieg sicherten. Den Schlusspunk setzte Dalibor Doder mit einem weiteren krachenden Wurf zum 28:23-Endstand.STATISTIKGWD Minden - DHfK Leipzig 28:23 (10:7) Tore für GWD Minden: Doder 6, Rambo 6/1, Svitlica 6, Michalczik 4, Schäpsmeier 3, Gullerud 2, Korte 1.Tore für DHfK Leipzig: Sommer 6, Steinert 5/2, Rojewski 4, Binder 2, Krzikalla 2, Janke 1, Meschke 1, Roscheck 1, Vortmann 1.Schiedsrichter: Hans-Peter Brodbeck (Heppenheim)/Simon Reich (Fellbach).Zuschauer: 3378.Strafminuten: 6 / 2.

GWD Minden bezwingt SC Leipzig: Amtlich abgeliefert

Arm in Arm: Die GWD-Profis traten gestern als Mannschaft im besten Sinne auf und freuten sich gemeinsam über den Heimsieg. Fotos: Krischi Meier

Minden (mt). Sie mussten liefern und sie haben geliefert. Und zwar amtlich. Nach jahresübergreifend drei Pleiten in Folge kämpften sich die Handballer von GWD Minden gestern mit einem 28:23 (10:7)-Heimsieg gegen den SC DHfK Leipzig zurück in die Erfolgsspur. Die Teamaussprache der vergangenen Woche hatte offenbar gewirkt: Vor der Prachtkulisse von 3378 Zuschauern zeigten die GWD-Profis, dass sie gewillt sind, den Kampf um den Klassenerhalt anzunehmen. Sie schoben sich in der Tabelle auf Rang zwölf vor, vier Punkte vor dem ersten Abstiegsplatz.

Während seine Teamkollegen schweißnass das Bad in der Menge genossen, stand Joakim Larsson grinsend am Rand. „Wir haben gezeigt, wem der Laden hier gehört“, feixte der GWD-Kreisläufer, der wegen einer Ellenbogenverletzung ebenso wie Linksaußen Charlie Sjöstrand (Fußverletzung) zum Zuschauen gezwungen war, und wies nach dem siebten Saisonsieg auf die zurückerkämpfte Heimstärke hin. „Wir mussten doch verhindern, dass Steini und Vorti ihre alte Burg stürmen“, stimmte Moritz Schäpsmeier mit Blick auf die mit Leipzig in die Kampa-Halle zurückgekehrten Ex-Mindener Christoph Steinert und Jens Vortmann in den Spaß ein. Der GWD-Kapitän beschrieb danach mit ernsterer Miene, welche Last ihm und seinen Mitspielern von den Schultern gefallen war: „Da war schon richtig Druck drauf. Der Sieg ist befreiend.“

Volle Pulle: Aleksandar Svitlica erzielte gestern sechs wichtige Treffer. Nur bei den Strafwürfen patzte er. - © Foto: Krischi Meier
Volle Pulle: Aleksandar Svitlica erzielte gestern sechs wichtige Treffer. Nur bei den Strafwürfen patzte er. - © Foto: Krischi Meier

Bevor die gute Laune einzog, hatten die Mindener eine Menge Arbeit zu verrichten. Bis in die Schlussminuten hinein erwies sich Leipzig als hartnäckiger Widersacher. Mit einem Doppelschlag sorgten die beiden Norweger Christoffer Rambo und Magnus Gullerud im Zusammenspiel für die Entscheidung. Zunächst vollendete der Rückraumspieler Rambo einen unkonventionellen Doppelpass - Gullerud konnte sich am Kreis nicht durchsetzen und spielte den Ball zurück - zum 26:23. Einen Ballgewinn später drehten die beiden das Zusammenspiel um, und Kreisläufer Gullerud warf zum 27:23 ein. Da, rund eineinhalb Minuten vor dem Abpfiff, standen die Zuschauer längst und feierten den Sieg im ersten Heimspiel des Jahres.

Nicht nur die Fans waren zufrieden, sondern auch Frank von Behren. Der Sportliche Leiter, der die Mannschaft nach dem kraftlosen 24:34 in Göppingen noch an den Pranger gestellt hatte, sagte: „Das ist die Einstellung, die wir brauchen. So stark wie heute habe ich die Deckung in dieser Saison noch nicht gesehen.“ Mit 23 Gegentreffern hielt Minden den Gegner genau in dem Rahmen, den das Team für den Erfolg benötigt.

Dieses Lob richtete sich vor allem an die Abwehrleistung der ersten Halbzeit. Magnus Jernemyr und Miladin Kozlina leisteten im Innenblock Schwerstarbeit. Der von Niclas Pieczkowski geführte Leipziger Angriff biss sich im gebundenen Spiel die Zähne an der GWD-Abwehr aus, die in Kim Sonne einen hervorragenden Rückhalt besaß. „Das war anders als in Göppingen, da haben wir viele Rückraumtore kassiert. Heute mussten wir nicht so weit raus, das kam uns entgegen“, erläuterte Gullerud nach seinem ersten Auftritt vor heimischem Publikum als frischgebackener Vize-Weltmeister.

Beide Teams lieferten sich den erwarteten zähen Kampf. Ganze fünf Tore waren bis zum 3:2 in der 14. Spielminute gefallen, das Rambo per Siebenmeter erzielte - den ersten GWD-Strafwurf von Aleksandar Svitlica hatte Vortmann gehalten.

Stück für Stück nahm die Partie auch im Angriff Fahrt auf. Bei GWD lag das vor allem daran, dass neben Rambo, der die ersten drei Treffer selbst erzielte und das Anspiel zum 4:4 durch Svitlica gab, auch andere aktiv wurden. Vor allem Svitlica selbst. Der Rechtsaußen zeigte eine starke Offensivleistung und vollstreckte selbst aus spitzem Winkel. Symbolisch für die Entschlossenheit, die er und das gesamte Team zeigten, war sein Treffer zum 10:7-Halbzeitstand. Die Deckung hatte den Ball erobert, Gullerud spielte ihn im Liegen irgendwie nach vorn. Svitlica schnappte sich den Ball und drosch ihn derart kompromisslos auf das Tor, dass Vortmann ihn zwar berühren, aber den Treffer nicht verhindern konnte.

Weil sich auch der GWD-Rückraum immer mehr einschaltete, schob sich Minden in der zweiten Spielhälfte weiter nach vorn. Zwei sich vom Hallenboden lösende Werbebanner unterbrachen den GWD-Tordrang nur kurz. Beim 17:11 durch Dalibor Doder hatte GWD in der 39. Minute eine richtungweisende Sechs-Tore-Führung herausgeworfen.

Entschieden war das Spiel aber noch lange nicht. Leipzigs Coach, der neue Nationaltrainer Christian Prokop, setzte seine Spieler nun konsequent auf die Achillesferse des GWD-Spiels an: Den doppelten Wechsel zwischen Abwehr und Angriff. Jedes schwer erkämpfte GWD-Tor egalisierten die Sachsen mit schneller Mitte. „Wir wollten Druck machen und den Wechsel verhindern“, berichtete Steinert. Gegen diese ebenso schmerzhaften wie wirksamen Nadelstiche fand GWD kein Mittel. „Unser Rückzugsverhalten ist wegen der Wechsel problematisch“, gestand GWD-Coach Carstens offen ein und und verwies auf die Zusammenstellung des Kaders. Gleichzeitig lobte er: „Wir haben geschafft, das über unser Angriffsspiel auszugleichen.“

Als das aber mal nicht klappte und Minden einige Chancen liegen ließ, war Leipzig beim 23:21 durch Kreisläufer Benjamin Meschke (54.) wieder dran. Bis zum 25:23 mussten die Gastgeber um ihren Lohn zittern, ehe die beiden Norweger den Sieg sicherten. Den Schlusspunk setzte Dalibor Doder mit einem weiteren krachenden Wurf zum 28:23-Endstand.

STATISTIK

GWD Minden - DHfK Leipzig 28:23 (10:7)

Tore für GWD Minden: Doder 6, Rambo 6/1, Svitlica 6, Michalczik 4, Schäpsmeier 3, Gullerud 2, Korte 1.

Tore für DHfK Leipzig: Sommer 6, Steinert 5/2, Rojewski 4, Binder 2, Krzikalla 2, Janke 1, Meschke 1, Roscheck 1, Vortmann 1.

Schiedsrichter: Hans-Peter Brodbeck (Heppenheim)/Simon Reich (Fellbach).

Zuschauer: 3378.

Strafminuten: 6 / 2.

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