GWD Minden besteht TÜV-Test nicht: Die Rückkehr in die alte Heimat wird zum bitteren Abend Marcus Riechmann Minden. Vor der Wiederzulassung zum Spielbetrieb stand für die Kampa-Halle die TÜV-Untersuchung und am Dienstag die Abnahme durch die Bau-Ordnungsbehörde. Für GWD Minden übernahm zum Saisonstart der Handball-Bundesliga gestern Abend die SG Flensburg-Handewitt den Funktions-Check. 31:18 (14:9) besiegte der Vize-Meister den Beinahe-Absteiger und deckte einen ganzen Sack voller Schwachstellen auf. So hatte sich keiner der 1380 Zuschauer und auch kein Mindener Spieler die Rückkehr in die Kampa-Halle vorgestellt. Den Gastgebern, die in der nach 18-monatiger Schließung frisch freigegebenen Halle an der Hahler Straße nicht ein einziges Mal trainiert hatten, war die neue Heimat ebenso fremd wie das Leistungsniveau der Liga. Für etliche GWD-Profis war der Erstkontakt mit der Bundesliga ein schmerzhafter. Männer wie Amine Darmoul, Nikola Jukic oder Jan Grebenc dürften nach ihren ersten 60 Spielminuten ein Gefühl dafür entwickelt haben, warum es „beste Liga der Welt heißt“ und warum die SG Flensburg-Handewitt zu einer ihren besten Mannschaften zählt. „Ich bin rundum zufrieden in allen Bereichen“, präsentierte sich Gästetrainer Maik Machulla in der Pressekonferenz – erstmals auf der Laufbahn der Halle – bester Laune und zählte am Stück alle Mannschaftsteile auf: „Wir haben alles so umgesetzt, wie wir uns das vorgenommen haben.“ So hatte das sein Gegenüber auch wahrgenommen. „Wenn Maik seine Jungs so lobt, haben wir nicht viel richtig gemacht“, sagte Mindens Trainer Frank Carstens und offenbarte seinen Frust: „Ich bin ernüchtert. Das sah phasenweise aus, wie das Spiel einer A-Jugend gegen einen Bundesligisten. Das war einfach nicht genug.“ Nikola Jukic warf zum 1:0 in der vierten Spielminute seinen ersten Bundesliga-Treffer und damit das erste Mindener Saisontor. Bis zum 5:5, das der neue Rechtsaußen Tomas Urban als sicherer Siebenmetervollstrecker in der zwölften Minute erzielte, durfte Minden im „Warm-Up“ mitspielen. Danach gaben die Norddeutschen den Ton an. „Wir haben eine ordentliche Lektion erhalten. Die müssen wir lernen und unsere Lehren ziehen“, nahm Carstens nach einem einseitigen Vergleich – quasi dem siebten Testspiel der Saisonvorbereitung – die Erkenntnis mit, dass er mit seiner Mannschaft an etlichen Baustellen arbeiten muss. Und zwar flott. Denn bereits am Samstag steht um 18.30 Uhr als TÜV-Nachuntersuchung die Auswärtspartie bei HBW Balingen/Weilstetten und damit ein Spiel bei einem unmittelbaren Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt an. Möglichst bis dahin wünscht sich Carstens: „Wir müssen in der Bundesliga ankommen.“ Das gilt für alle Bereiche. Im Angriff offenbarte seine Mannschaft phasenweise erschreckende Defizite, es fehlte an Abstimmung, am richtigen Abstand zur Deckung, an Konsequenz beim Wurf, an Emotionalität – oder schlicht an allem. In der Abwehr sah es kaum besser aus. Der Innenblock war gegen den Rechtshänder-Rückraum der Gäste überfordert. Immer wieder setzte SG-Spielmacher Jim Gottfridsson seine Mitspieler in Szene. „Wir machen die Mitte nicht zu. Da fehlen uns die Überzeugung und die Zweikampfhärte“, sah Carstens auch defensiv große Defizite gegen einen Gegner, der die Schlussminuten wie ein Trainingsspiel abwickelte. „Wir hatten großen Respekt, hier mussten wir immer alles investieren“, berichtete Maik Machulla von der Anspannung vor dem Spiel, um aber festzustellen: „Das mussten wir dieses Mal nicht.“ Und so freute sich der Flensburger Trainer, dass er den drei Dauerbrennern im von Verletzungen ausgedünnten Rückraum Pausen geben konnte: „Es war ganz schön, dass wir nicht bis zum Ende Gas geben mussten. Doch auch ohne Gas zu geben bauten die Gäste den Vorsprung in der Schlussphase stetig aus und machten in den 15 letzten Spielminuten aus einer Sechs-Tore-Führung (22:16) noch einen Kantersieg mit 13 Treffern Vorsprung. In dieser Phase hatte Frank Carstens aber auch den Glauben an einen Heimsieg längst verloren und gab nun den Spielern von der Reservebank Praxiszeit. So wie zuvor Max Staar durfte Miro Schluroff nach seiner Verletzung ein wenig Bundesliga-Luft schnuppern, und auch Linksaußen Florian Kranzmann durfte sich ausprobieren – und in mehreren erfolglosen Würfen gegen SG-Torwart Kevin Möller den Unterschied zwischen A-Jugend und Bundesliga erfahren.

GWD Minden besteht TÜV-Test nicht: Die Rückkehr in die alte Heimat wird zum bitteren Abend

Die GWD-Spieler um Lucas Meister und Niclas Pieczkowski (von links) bedanken sich nach dem Spiel bei den Fans für die Unterstützung. Foto: Noah Wedel © Noah Wedel

Minden. Vor der Wiederzulassung zum Spielbetrieb stand für die Kampa-Halle die TÜV-Untersuchung und am Dienstag die Abnahme durch die Bau-Ordnungsbehörde. Für GWD Minden übernahm zum Saisonstart der Handball-Bundesliga gestern Abend die SG Flensburg-Handewitt den Funktions-Check. 31:18 (14:9) besiegte der Vize-Meister den Beinahe-Absteiger und deckte einen ganzen Sack voller Schwachstellen auf.

So hatte sich keiner der 1380 Zuschauer und auch kein Mindener Spieler die Rückkehr in die Kampa-Halle vorgestellt. Den Gastgebern, die in der nach 18-monatiger Schließung frisch freigegebenen Halle an der Hahler Straße nicht ein einziges Mal trainiert hatten, war die neue Heimat ebenso fremd wie das Leistungsniveau der Liga. Für etliche GWD-Profis war der Erstkontakt mit der Bundesliga ein schmerzhafter. Männer wie Amine Darmoul, Nikola Jukic oder Jan Grebenc dürften nach ihren ersten 60 Spielminuten ein Gefühl dafür entwickelt haben, warum es „beste Liga der Welt heißt“ und warum die SG Flensburg-Handewitt zu einer ihren besten Mannschaften zählt.

„Ich bin rundum zufrieden in allen Bereichen“, präsentierte sich Gästetrainer Maik Machulla in der Pressekonferenz – erstmals auf der Laufbahn der Halle – bester Laune und zählte am Stück alle Mannschaftsteile auf: „Wir haben alles so umgesetzt, wie wir uns das vorgenommen haben.“ So hatte das sein Gegenüber auch wahrgenommen. „Wenn Maik seine Jungs so lobt, haben wir nicht viel richtig gemacht“, sagte Mindens Trainer Frank Carstens und offenbarte seinen Frust: „Ich bin ernüchtert. Das sah phasenweise aus, wie das Spiel einer A-Jugend gegen einen Bundesligisten. Das war einfach nicht genug.“

Nikola Jukic warf zum 1:0 in der vierten Spielminute seinen ersten Bundesliga-Treffer und damit das erste Mindener Saisontor. Bis zum 5:5, das der neue Rechtsaußen Tomas Urban als sicherer Siebenmetervollstrecker in der zwölften Minute erzielte, durfte Minden im „Warm-Up“ mitspielen. Danach gaben die Norddeutschen den Ton an. „Wir haben eine ordentliche Lektion erhalten. Die müssen wir lernen und unsere Lehren ziehen“, nahm Carstens nach einem einseitigen Vergleich – quasi dem siebten Testspiel der Saisonvorbereitung – die Erkenntnis mit, dass er mit seiner Mannschaft an etlichen Baustellen arbeiten muss. Und zwar flott. Denn bereits am Samstag steht um 18.30 Uhr als TÜV-Nachuntersuchung die Auswärtspartie bei HBW Balingen/Weilstetten und damit ein Spiel bei einem unmittelbaren Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt an. Möglichst bis dahin wünscht sich Carstens: „Wir müssen in der Bundesliga ankommen.“

Das gilt für alle Bereiche. Im Angriff offenbarte seine Mannschaft phasenweise erschreckende Defizite, es fehlte an Abstimmung, am richtigen Abstand zur Deckung, an Konsequenz beim Wurf, an Emotionalität – oder schlicht an allem. In der Abwehr sah es kaum besser aus. Der Innenblock war gegen den Rechtshänder-Rückraum der Gäste überfordert. Immer wieder setzte SG-Spielmacher Jim Gottfridsson seine Mitspieler in Szene. „Wir machen die Mitte nicht zu. Da fehlen uns die Überzeugung und die Zweikampfhärte“, sah Carstens auch defensiv große Defizite gegen einen Gegner, der die Schlussminuten wie ein Trainingsspiel abwickelte. „Wir hatten großen Respekt, hier mussten wir immer alles investieren“, berichtete Maik Machulla von der Anspannung vor dem Spiel, um aber festzustellen: „Das mussten wir dieses Mal nicht.“ Und so freute sich der Flensburger Trainer, dass er den drei Dauerbrennern im von Verletzungen ausgedünnten Rückraum Pausen geben konnte: „Es war ganz schön, dass wir nicht bis zum Ende Gas geben mussten.

Doch auch ohne Gas zu geben bauten die Gäste den Vorsprung in der Schlussphase stetig aus und machten in den 15 letzten Spielminuten aus einer Sechs-Tore-Führung (22:16) noch einen Kantersieg mit 13 Treffern Vorsprung. In dieser Phase hatte Frank Carstens aber auch den Glauben an einen Heimsieg längst verloren und gab nun den Spielern von der Reservebank Praxiszeit. So wie zuvor Max Staar durfte Miro Schluroff nach seiner Verletzung ein wenig Bundesliga-Luft schnuppern, und auch Linksaußen Florian Kranzmann durfte sich ausprobieren – und in mehreren erfolglosen Würfen gegen SG-Torwart Kevin Möller den Unterschied zwischen A-Jugend und Bundesliga erfahren.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in GWD Minden