Noch ein Mal die Ketten lösen: GWD Mindens blendende Lage hat ihre Tücken Sebastian Külbel Minden. Mit Fallhöhe kennt sich GWD Minden in dieser Saison aus. Noch bevor der Marathon-Mai so richtig in Fahrt kam, lag der heimische Handball-Bundesligist acht Punkte vor dem ersten Abstiegsplatz, manch einer gratulierte schon zum Klassenerhalt. Doch die Mindener blieben vorsichtig – eine weise Haltung. „Wir sind als Letzte da unten reingerutscht, da ist es ganz schwer, den Schalter wieder umzulegen", beschreibt Trainer Frank Carstens die mentale Herausforderung der letzten Wochen, die sein Team am Sonntag bravourös bewältigte. Der 24:23-Heimsieg gegen Frisch Auf Göppingen ist der Beweis, dass GWD wieder voll im Kampfmodus angekommen ist – nach vier Niederlagen in Folge und mit den herandrängenden Eulen aus Ludwigshafen im Nacken. Das direkte Duell beider Teams am Donnerstag in Lübbecke wird zum Finale im Abstiegskampf, und die Mindener haben sich eine hervorragende Ausgangslage erarbeitet: „Wir haben alles in der Hand und sind psychologisch im Vorteil", sagt Sport-Geschäftsführer Frank von Behren. Auch eine ähnlich lautstarke Unterstützung der Fans wie gegen Göppingen soll zum wichtigen Faktor werden. Die Situation hat dennoch ihre Tücken. GWD reicht übermorgen ein Unentschieden, was bei den Remis-Königen der Liga nicht unrealistisch, aber eben auch gefährlich ist. „So wollen wir das auch nicht, wir müssen gegen die Eulen gewinnen", betonte Juri Knorr. Dann hätten der scheidende Spielmacher und sein Team eine entspannte Abschlussfahrt nach Wetzlar, wo die HSG-Spieler am Sonntag Trainer Kai Wandschneider nach neun Jahren einen erfolgreichen Abschied bereiten wollen. Ludwigshafen empfängt parallel die strauchelnden Göppinger. Die Mindener bemühten sich daher nach der aufreibenden Partie am Sonntag, der Erleichterung keinen Platz zu lassen. „Die Jungs haben diese Prüfung bestanden, aber das war nur ein Zwischenstopp", betonte von Behren gestern. Die Spieler nutzten den Tag, um den große kämpferische Leistung und die „emotionale Erschöpfung", die nicht nur Torwart Malte Semisch anzusehen war, abzuschütteln. „Und dann hoffe ich, dass wir am Donnerstag eine ähnliche Energieleistung auf die Platte bringen", sagte Coach Carstens. Diese ging gegen Göppingen nicht nur von den beiden Norwegern Christoffer Rambo und Kevin Gulliksen aus, die in der Schlüsselphase nach 40 Minuten das Spiel drehten und die Kreissporthalle zum Beben brachten. Auch die Youngster spielten sich am Donnerstag in den Vordergrund. Justus Richtzenhain kam ebenso von der Bank ins Spiel wie Miro Schluroff, beide setzten wichtige Impulse. „Sie haben ihr Herz in die Hand genommen und waren vielleicht sogar etwas unbekümmerter als manch ein gestandener Spieler", meinte Carstens. Darüber schwebte Juri Knorr, der sein Team als bester Torschütze mit acht Treffern trug und nervenstark drei Siebenmeter verwandelte – ansonsten eine große Schwachstelle von GWD. Der Nationalspieler machte trotz höherer persönlicher Ansprüche seinen Frieden mit dem knappen Sieg: „Es ist vielleicht kein schöner Handball, aber emotionaler geht es nicht. Es war wieder ein totales Kampfspiel, und wir haben gewonnen. Der Rest ist egal." Weil der Druck jetzt noch mehr beim nächsten Gegner liegt, schürten die Protagonisten bereits das Feuer fürs Finale: „Am Donnerstag wird es noch heftiger werden", sagte Christoffer Rambo, und sein Trainer kündigte an: „Wir müssen die Spannung wieder so aufbauen, dass wir die Ketten nur noch lösen müssen."

Noch ein Mal die Ketten lösen: GWD Mindens blendende Lage hat ihre Tücken

Eine Bereicherung im Spiel gegen Frisch auf Göppingen: Mindens Miro Schluroff, hier mit einem Wurf gegen Gästetorhüter Urh Kastelic. Foto: Noah Wedel © Noah Wedel

Minden. Mit Fallhöhe kennt sich GWD Minden in dieser Saison aus. Noch bevor der Marathon-Mai so richtig in Fahrt kam, lag der heimische Handball-Bundesligist acht Punkte vor dem ersten Abstiegsplatz, manch einer gratulierte schon zum Klassenerhalt. Doch die Mindener blieben vorsichtig – eine weise Haltung. „Wir sind als Letzte da unten reingerutscht, da ist es ganz schwer, den Schalter wieder umzulegen", beschreibt Trainer Frank Carstens die mentale Herausforderung der letzten Wochen, die sein Team am Sonntag bravourös bewältigte.

Der 24:23-Heimsieg gegen Frisch Auf Göppingen ist der Beweis, dass GWD wieder voll im Kampfmodus angekommen ist – nach vier Niederlagen in Folge und mit den herandrängenden Eulen aus Ludwigshafen im Nacken. Das direkte Duell beider Teams am Donnerstag in Lübbecke wird zum Finale im Abstiegskampf, und die Mindener haben sich eine hervorragende Ausgangslage erarbeitet: „Wir haben alles in der Hand und sind psychologisch im Vorteil", sagt Sport-Geschäftsführer Frank von Behren. Auch eine ähnlich lautstarke Unterstützung der Fans wie gegen Göppingen soll zum wichtigen Faktor werden.

Die Situation hat dennoch ihre Tücken. GWD reicht übermorgen ein Unentschieden, was bei den Remis-Königen der Liga nicht unrealistisch, aber eben auch gefährlich ist. „So wollen wir das auch nicht, wir müssen gegen die Eulen gewinnen", betonte Juri Knorr. Dann hätten der scheidende Spielmacher und sein Team eine entspannte Abschlussfahrt nach Wetzlar, wo die HSG-Spieler am Sonntag Trainer Kai Wandschneider nach neun Jahren einen erfolgreichen Abschied bereiten wollen. Ludwigshafen empfängt parallel die strauchelnden Göppinger.

Die Mindener bemühten sich daher nach der aufreibenden Partie am Sonntag, der Erleichterung keinen Platz zu lassen. „Die Jungs haben diese Prüfung bestanden, aber das war nur ein Zwischenstopp", betonte von Behren gestern. Die Spieler nutzten den Tag, um den große kämpferische Leistung und die „emotionale Erschöpfung", die nicht nur Torwart Malte Semisch anzusehen war, abzuschütteln. „Und dann hoffe ich, dass wir am Donnerstag eine ähnliche Energieleistung auf die Platte bringen", sagte Coach Carstens.

Diese ging gegen Göppingen nicht nur von den beiden Norwegern Christoffer Rambo und Kevin Gulliksen aus, die in der Schlüsselphase nach 40 Minuten das Spiel drehten und die Kreissporthalle zum Beben brachten. Auch die Youngster spielten sich am Donnerstag in den Vordergrund. Justus Richtzenhain kam ebenso von der Bank ins Spiel wie Miro Schluroff, beide setzten wichtige Impulse. „Sie haben ihr Herz in die Hand genommen und waren vielleicht sogar etwas unbekümmerter als manch ein gestandener Spieler", meinte Carstens. Darüber schwebte Juri Knorr, der sein Team als bester Torschütze mit acht Treffern trug und nervenstark drei Siebenmeter verwandelte – ansonsten eine große Schwachstelle von GWD.

Der Nationalspieler machte trotz höherer persönlicher Ansprüche seinen Frieden mit dem knappen Sieg: „Es ist vielleicht kein schöner Handball, aber emotionaler geht es nicht. Es war wieder ein totales Kampfspiel, und wir haben gewonnen. Der Rest ist egal." Weil der Druck jetzt noch mehr beim nächsten Gegner liegt, schürten die Protagonisten bereits das Feuer fürs Finale: „Am Donnerstag wird es noch heftiger werden", sagte Christoffer Rambo, und sein Trainer kündigte an: „Wir müssen die Spannung wieder so aufbauen, dass wir die Ketten nur noch lösen müssen."

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