Frust und Fanfutter: GWD Minden muss innerhalb von wenigen Tagen zwei herbe Rückschläge verdauen Marcus Riechmann Minden. Das war keine gute Woche für GWD Minden. Erst erhielt der Handball-Bundesligist am Montag im Kreishaus die Rote Karte von der Politik, dann holte sich das Team am Mittwochabend beim Heimdebüt gegen die HSG Wetzlar dreifach Rot ab und kassierte eine 24:29-Pleite. Welche Niederlage den Klub härter trifft? Dazu hat Markus Kalusche eine klare Meinung: „Die Entscheidung der Politik ist viel schlimmer. Eine Rote Karte wirkt nur temporär, die Entscheidung für die große Sanierung der Kampa-Halle verbaut die Zukunft.“ Der Geschäftsführer von GWD ist beim Thema Kampa-/Multi-Halle in etwa so schnell auf dem Baum wie es GWD-Coach Frank Carstens am Mittwochabend nach der Niederlage war. Er spricht von einer rückwärtsgewandten Denkweise der Politiker, von Ignoranz gegenüber den Betriebskosten und einer völlig falsch angesetzten Zeitschiene: GWD benötigt die Rückkehr so schnell wie möglich, aber lediglich als Übergang für den Umzug in die Multihalle. Nun sei genau das Gegenteil beschlossen worden. Es werde Jahre dauern, bis die Kampa-Halle wieder frei ist, die Entwicklung der Multi-Arena stehe in der Sternen. „Wenn dann die Kampa-Halle in 15 Jahren durch ist, haben wir gar nichts mehr“, malt der Geschäftsführer ein düsteres Bild. In der aktuellen Corona-Lage seien zwar die Vermarktungsmöglichkeiten für alle Klubs eingeschränkt und die Spielstätte nur begrenzt relevant. Aber nach der Pandemie könnten die anderen Klubs Gas geben, GWD hingegen bleibe auf viele Jahre jedes Wachstum verwehrt. „Null“, beziffert Kalusche die Perspektive des Traditionsklubs. Besser wird seine Laune beim Rückblick auf das erste Heimspiel und die Umsetzung der Hygiene-Maßnahmen. „Das ist sehr gut gelaufen“, bewertete Kalusche die Premiere, „bis auf das Spiel-Ergebnis können wir mit dem Abend sehr zufrieden sein.“ Zwar kamen statt der erlaubten 762 lediglich 530 Fans in die Kreissporthalle. „Da hätten wir gern mehr gehabt, aber das ist sicher der Situation und der Unsicherheit geschuldet“, schätzt Kalusche. Es habe nirgendwo Gedränge gegeben, die Zuschauer hätten sich weitgehend diszipliniert an die Regeln gehalten und die Einlasskontrolle hätte zügig funktioniert. „Dank an alle, die mitgeholfen haben, den Handball wieder zum Leben zu erwecken“, meinte Kalusche und schloss in den Dank auch den TuS N-Lübbecke ein. Mit dem Zweitliga-Nachbarn hat GWD nicht nur bei der Erstellung des Konzepts unter Leitung von Dr. Peter Witte von den Mühlenkreiskliniken zusammengearbeitet. Auch am Mittwoch wirkte man Hand in Hand. Mitarbeiter des TuS hospitierten und packten mit an. „Für uns ein guter Test, man nimmt einiges mit“, berichtete Lübbeckes Geschäftsführer Torsten Appel, der mit dem TuS das erste Heimspiel am kommenden Freitag gegen den ThSV Eisenach bestreitet. Beide Klubs gestalteten das Einbahnstraßensystem in der Halle, designten Klatschpappen mit den Hygiene-Tipps und brachten auch die alkoholfreien und kalorienreichen „Fanfutter“-Imbisstüten für Vips und Sponsoren auf den Markt. „Dass wir hier gemeinsam an einem Strang ziehen, kommt gut an“, erzählte Kalusche und sprach auch sonst von vielen positiven Rückmeldungen. Allerdings sind auch ihm Dinge aufgefallen, „bei denen wir nochmal nachbessern müssen.“ Das betraf vor allem die Platzierung der Fans auf der Tribüne. Nicht überall wurde das vorgesehene „Schachbrettmuster“ eingehalten, stellte Kalusche fest. Vor allem dort, wo nicht Sitzschalen sondern Bänke stehen, wären manche Zuschauer zu Gruppen zusammengerückt. Hier werde man bessere Varianten ersinnen, um freizuhaltende Plätze zu sperren. Den unabhängig von der Grüppchenbildung beim Blick auf die Tribüne entstandenen Eindruck einer gewissen Enge teilte auch Kalusche. Vor und hinter den Plätzen gab es jeweils Abstand, doch nicht diagonal. Vom Knie bis zum Sitznachbarn war es nicht weit. Doch da bewege man sich absolut im Rahmen der Vorgaben. Ein Lob verteilte er an die Fans nicht nur wegen der Corona-Disziplin: „Obwohl nicht mal 600 Leute da waren, war die Stimmung richtig gut. Fast besser, als mit 3.000 in der Kampa-Halle.“ Zumindest dieser Eindruck bleibt auch bei den Spielern, die an der Pleite schwer zu knabbern hatten. Hochmotiviert, vielleicht übermotiviert, waren sie das Spiel angegangen und am Ende umso deprimierter aus der Halle zu schleichen. Dis Sonntag müssen sie den Frust aus den Knochen schütteln. Denn dann steht bei der SG Flensburg-Handewitt bereits die nächste Aufgabe an. Der Autor ist erreichbar unter (05 71) 882-159 oder Marcus.Riechmann@MT.de

Frust und Fanfutter: GWD Minden muss innerhalb von wenigen Tagen zwei herbe Rückschläge verdauen

Frust mal vier: Die GWD-Profis Christian Zeitz (von links), Mats Korte, Max Staar und Malte Semisch im Angesicht der Niederlage. Foto: Noah Wedel © Noah Wedel

Minden. Das war keine gute Woche für GWD Minden. Erst erhielt der Handball-Bundesligist am Montag im Kreishaus die Rote Karte von der Politik, dann holte sich das Team am Mittwochabend beim Heimdebüt gegen die HSG Wetzlar dreifach Rot ab und kassierte eine 24:29-Pleite. Welche Niederlage den Klub härter trifft? Dazu hat Markus Kalusche eine klare Meinung: „Die Entscheidung der Politik ist viel schlimmer. Eine Rote Karte wirkt nur temporär, die Entscheidung für die große Sanierung der Kampa-Halle verbaut die Zukunft.“

Der Geschäftsführer von GWD ist beim Thema Kampa-/Multi-Halle in etwa so schnell auf dem Baum wie es GWD-Coach Frank Carstens am Mittwochabend nach der Niederlage war. Er spricht von einer rückwärtsgewandten Denkweise der Politiker, von Ignoranz gegenüber den Betriebskosten und einer völlig falsch angesetzten Zeitschiene: GWD benötigt die Rückkehr so schnell wie möglich, aber lediglich als Übergang für den Umzug in die Multihalle. Nun sei genau das Gegenteil beschlossen worden. Es werde Jahre dauern, bis die Kampa-Halle wieder frei ist, die Entwicklung der Multi-Arena stehe in der Sternen. „Wenn dann die Kampa-Halle in 15 Jahren durch ist, haben wir gar nichts mehr“, malt der Geschäftsführer ein düsteres Bild.

Tage wie Treffer in die Magengrube: Hier holt Wetzlars Abwehrboss Anton Lindskoog den Mindener Rückraumspieler Christoffer Rambo vom Himmel, am Ende siegte Wetzlar in einem denkwürdigen Spiel 29:24. Fotos: Noah Wedel - © Noah Wedel
Tage wie Treffer in die Magengrube: Hier holt Wetzlars Abwehrboss Anton Lindskoog den Mindener Rückraumspieler Christoffer Rambo vom Himmel, am Ende siegte Wetzlar in einem denkwürdigen Spiel 29:24. Fotos: Noah Wedel - © Noah Wedel

In der aktuellen Corona-Lage seien zwar die Vermarktungsmöglichkeiten für alle Klubs eingeschränkt und die Spielstätte nur begrenzt relevant. Aber nach der Pandemie könnten die anderen Klubs Gas geben, GWD hingegen bleibe auf viele Jahre jedes Wachstum verwehrt. „Null“, beziffert Kalusche die Perspektive des Traditionsklubs.

Problematisches Näheverhältnis: Stellenweise rückten die Fans in der Kreissporthalle stärker zusammen, als es im Hygienekonzept vorgesehen war. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Problematisches Näheverhältnis: Stellenweise rückten die Fans in der Kreissporthalle stärker zusammen, als es im Hygienekonzept vorgesehen war. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel

Besser wird seine Laune beim Rückblick auf das erste Heimspiel und die Umsetzung der Hygiene-Maßnahmen. „Das ist sehr gut gelaufen“, bewertete Kalusche die Premiere, „bis auf das Spiel-Ergebnis können wir mit dem Abend sehr zufrieden sein.“ Zwar kamen statt der erlaubten 762 lediglich 530 Fans in die Kreissporthalle. „Da hätten wir gern mehr gehabt, aber das ist sicher der Situation und der Unsicherheit geschuldet“, schätzt Kalusche.

Es habe nirgendwo Gedränge gegeben, die Zuschauer hätten sich weitgehend diszipliniert an die Regeln gehalten und die Einlasskontrolle hätte zügig funktioniert. „Dank an alle, die mitgeholfen haben, den Handball wieder zum Leben zu erwecken“, meinte Kalusche und schloss in den Dank auch den TuS N-Lübbecke ein.

Mit dem Zweitliga-Nachbarn hat GWD nicht nur bei der Erstellung des Konzepts unter Leitung von Dr. Peter Witte von den Mühlenkreiskliniken zusammengearbeitet. Auch am Mittwoch wirkte man Hand in Hand. Mitarbeiter des TuS hospitierten und packten mit an. „Für uns ein guter Test, man nimmt einiges mit“, berichtete Lübbeckes Geschäftsführer Torsten Appel, der mit dem TuS das erste Heimspiel am kommenden Freitag gegen den ThSV Eisenach bestreitet. Beide Klubs gestalteten das Einbahnstraßensystem in der Halle, designten Klatschpappen mit den Hygiene-Tipps und brachten auch die alkoholfreien und kalorienreichen „Fanfutter“-Imbisstüten für Vips und Sponsoren auf den Markt. „Dass wir hier gemeinsam an einem Strang ziehen, kommt gut an“, erzählte Kalusche und sprach auch sonst von vielen positiven Rückmeldungen.

Allerdings sind auch ihm Dinge aufgefallen, „bei denen wir nochmal nachbessern müssen.“ Das betraf vor allem die Platzierung der Fans auf der Tribüne. Nicht überall wurde das vorgesehene „Schachbrettmuster“ eingehalten, stellte Kalusche fest. Vor allem dort, wo nicht Sitzschalen sondern Bänke stehen, wären manche Zuschauer zu Gruppen zusammengerückt. Hier werde man bessere Varianten ersinnen, um freizuhaltende Plätze zu sperren.

Den unabhängig von der Grüppchenbildung beim Blick auf die Tribüne entstandenen Eindruck einer gewissen Enge teilte auch Kalusche. Vor und hinter den Plätzen gab es jeweils Abstand, doch nicht diagonal. Vom Knie bis zum Sitznachbarn war es nicht weit. Doch da bewege man sich absolut im Rahmen der Vorgaben. Ein Lob verteilte er an die Fans nicht nur wegen der Corona-Disziplin: „Obwohl nicht mal 600 Leute da waren, war die Stimmung richtig gut. Fast besser, als mit 3.000 in der Kampa-Halle.“

Zumindest dieser Eindruck bleibt auch bei den Spielern, die an der Pleite schwer zu knabbern hatten. Hochmotiviert, vielleicht übermotiviert, waren sie das Spiel angegangen und am Ende umso deprimierter aus der Halle zu schleichen. Dis Sonntag müssen sie den Frust aus den Knochen schütteln. Denn dann steht bei der SG Flensburg-Handewitt bereits die nächste Aufgabe an.

Der Autor ist erreichbar unter (05 71) 882-159 oder Marcus.Riechmann@MT.de

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