Ein Derby voller Angst - GWD Mindens ernüchternder Auftritt gegen Lübbecke Sebastian Külbel Minden. Während die Spieler des TuS N-Lübbecke glücklich durch die Kampa-Halle hüpften, schlichen GWD Mindens Handballprofis mit starren Gesichtern in die Kabine. Reden wollte in diesem Moment keiner, der Blick in die Gesichter sagte nach der 18:23 (7:13)-Niederlage im Kreisderby der Handball-Bundesliga aber genug. Es war eine Mischung aus Enttäuschung, Ratlosigkeit und der großen Frage, wie sie in dieser bislang so missratenen Saison überhaupt ein Spiel gewinnen sollen. Dieses Thema umtreibt auch Sport-Geschäftsführer Frank von Behren, der ernüchtert feststellte: „In dieser Form, mit dieser Leistung von heute werden wir nicht punkten, damit kann man in der Bundesliga nicht bestehen.“ Es sind weniger die handballerischen Defizite als die mentale Verfassung der Mannschaft, die ihn in Alarmstimmung versetzen: „Ich kann nicht verstehen, wie man mit dieser Angst ins Spiel gehen kann. Das haben wir auch schon gegen Flensburg und Berlin gesehen. Die entscheidende Frage ist: Können wir nicht oder wollen wir nicht?“ Die Suche nach einer Antwort wird die GWD-Verantwortlichen in den nächsten Tagen intensiv beschäftigen. Denn auch die Leistung gegen den vermeintlich auf Augenhöhe agierenden Aufsteiger aus der Nachbarschaft war weit von der Bundesligatauglichkeit entfernt. Das zeigte sich vor allem in der ersten Halbzeit. Bis zum 5:7 nach 21 Minuten hatte GWD mit Müh und Not den Anschluss gehalten, ein 5:0-Lauf gegen die indisponierte Mindener Deckung brachte den Gegner danach auf die Siegerstraße. „Wir stehen eigentlich ganz gut, gewinnen aber nicht die entscheidenden Zweikämpfe“, sagte GWD-Trainer Frank Carstens: „Der TuS hat sich einfach besser durchgesetzt, hinten wie vorne.“ Auch für ihn war diese Erkenntnis eine Frage der Einstellung: „Wir waren nicht richtig wach und bereit, uns in jeden Ball zu schmeißen.“ Carstens nahm das auch als Anlass zu Selbstkritik: „Es ist mir nicht gelungen, das Team so einzustellen, wie es nötig gewesen wäre.“ Geschäftsführer von Behren stimmte dieser Aussage zu, richtete den Fokus aber vor allem auf die Spieler: „Die Mannschaft hat es nicht geschafft, sich auf dieses Spiel einzustellen. Dabei haben es die Fans uns so leicht gemacht, wir hätten auf dieser Welle getragen werden können.“ Denn die GWD-Anhänger unter den 2.481 Besuchern waren bereit, ihr Team in dieser schwierigen Phase zu unterstützen. Auch nach der schlechten ersten Halbzeit gab es keine Pfiffe, am Ende honorierten die Zuschauer den Kampf der Gastgeber mit Applaus. Denn die Mindener stemmten sich im zweiten Abschnitt durchaus gegen die Niederlage, kamen bis auf drei Tore heran und schnupperten einige Minuten lang an der Wende. Für die aber waren die Probleme des Teams auch diesmal wieder zu groß. Da ist zum Beispiel das fast nicht vorhandene Tempospiel, für das in der Abwehr die Ballgewinne fehlten. Malte Semisch nagelte bei seinem Comeback nach kurzer Verletzungspause zwar phasenweise sein Tor zu, doch selbst wenn es mal schnell nach vorne ging wie in der 48. Minute mit Mats Korte, zögerten er und seine Mitspieler so lange, bis aus dem Konter wieder ein normaler Angriff wurde. In diesem haperte es bei GWD nicht nur an der Chancenverwertung sondern mitunter auch an einer Idee, wie überhaupt ein Tor erzielt werden könnte. An Regisseur Niclas Pieczkowski lag das nicht. Der 31-Jährige übernahm nicht nur Verantwortung für die Spielsteuerung, sondern auch mit fünf Toren im Abschluss. Von den Halbpositionen im Rückraum kamen dagegen nur noch drei weitere Treffer – zu wenig für ein konkurrenzfähiges Bundesliga-Team. Auch der TuS traf kaum einmal aus der Distanz, dafür ging die Taktik mit Spielzügen über die Außenpositionen auf: Tom Skroblien wurde mit zehn Toren aus der linken Lübbecker Angriffsecke zum Mann des Tages, der dazu noch alle seine vier Siebenmeter verwandelte (siehe Seite 20). Ein solcher Matchwinner fehlte im Spiel der Mindener, das merklich unter dem Ausfall von Amine Darmoul litt. „Die Mannschaft konnte seinen Ausfall überhaupt nicht kompensieren“, meinte von Behren über den torgefährlichsten Angreifer im GWD-Kader. Wegen einer Stauchung im Sprunggelenk wird er voraussichtlich noch zwei Spiele verpassen. Auch Nikola Jukic war nach zwei Treffern in der Anfangsphase anzumerken, dass er wegen einer Fersenprellung beim Pokalspiel in Ludwigshafen am Dienstag bis zum Derby nicht hatte trainieren können. Es sind nur zwei von vielen kleinen Themen, die den Saisonstart für die Grün-Weißen zu einer großen Katastrophe werden lassen. „Das ist ein bitterer Moment für uns heute, 0:12 Punkte sind hart“, sagte Frank Carstens nach dem entmutigenden Auftritt. Sein schwerster Moment als GWD-Trainer? „Nein, wir sind ja auch schon mal abgestiegen“, sagt der Coach und verweist darauf, dass die Saison noch jung ist. Wenn sein Team so weiterspielt, könnte sie noch quälend lang werden.

Ein Derby voller Angst - GWD Mindens ernüchternder Auftritt gegen Lübbecke

Enttäuscht und ratlos: Mit starren Gesichtern reagieren GWD Mindens Handballprofis auf die Derbyniederlage gegen den TuS N-Lübbecke. © Copyright 2021 Angela Metge – All rights reserved

Minden. Während die Spieler des TuS N-Lübbecke glücklich durch die Kampa-Halle hüpften, schlichen GWD Mindens Handballprofis mit starren Gesichtern in die Kabine. Reden wollte in diesem Moment keiner, der Blick in die Gesichter sagte nach der 18:23 (7:13)-Niederlage im Kreisderby der Handball-Bundesliga aber genug. Es war eine Mischung aus Enttäuschung, Ratlosigkeit und der großen Frage, wie sie in dieser bislang so missratenen Saison überhaupt ein Spiel gewinnen sollen.

Dieses Thema umtreibt auch Sport-Geschäftsführer Frank von Behren, der ernüchtert feststellte: „In dieser Form, mit dieser Leistung von heute werden wir nicht punkten, damit kann man in der Bundesliga nicht bestehen.“ Es sind weniger die handballerischen Defizite als die mentale Verfassung der Mannschaft, die ihn in Alarmstimmung versetzen: „Ich kann nicht verstehen, wie man mit dieser Angst ins Spiel gehen kann. Das haben wir auch schon gegen Flensburg und Berlin gesehen. Die entscheidende Frage ist: Können wir nicht oder wollen wir nicht?“

Die Suche nach einer Antwort wird die GWD-Verantwortlichen in den nächsten Tagen intensiv beschäftigen. Denn auch die Leistung gegen den vermeintlich auf Augenhöhe agierenden Aufsteiger aus der Nachbarschaft war weit von der Bundesligatauglichkeit entfernt. Das zeigte sich vor allem in der ersten Halbzeit. Bis zum 5:7 nach 21 Minuten hatte GWD mit Müh und Not den Anschluss gehalten, ein 5:0-Lauf gegen die indisponierte Mindener Deckung brachte den Gegner danach auf die Siegerstraße. „Wir stehen eigentlich ganz gut, gewinnen aber nicht die entscheidenden Zweikämpfe“, sagte GWD-Trainer Frank Carstens: „Der TuS hat sich einfach besser durchgesetzt, hinten wie vorne.“

Auch für ihn war diese Erkenntnis eine Frage der Einstellung: „Wir waren nicht richtig wach und bereit, uns in jeden Ball zu schmeißen.“ Carstens nahm das auch als Anlass zu Selbstkritik: „Es ist mir nicht gelungen, das Team so einzustellen, wie es nötig gewesen wäre.“ Geschäftsführer von Behren stimmte dieser Aussage zu, richtete den Fokus aber vor allem auf die Spieler: „Die Mannschaft hat es nicht geschafft, sich auf dieses Spiel einzustellen. Dabei haben es die Fans uns so leicht gemacht, wir hätten auf dieser Welle getragen werden können.“

Denn die GWD-Anhänger unter den 2.481 Besuchern waren bereit, ihr Team in dieser schwierigen Phase zu unterstützen. Auch nach der schlechten ersten Halbzeit gab es keine Pfiffe, am Ende honorierten die Zuschauer den Kampf der Gastgeber mit Applaus. Denn die Mindener stemmten sich im zweiten Abschnitt durchaus gegen die Niederlage, kamen bis auf drei Tore heran und schnupperten einige Minuten lang an der Wende. Für die aber waren die Probleme des Teams auch diesmal wieder zu groß.

Da ist zum Beispiel das fast nicht vorhandene Tempospiel, für das in der Abwehr die Ballgewinne fehlten. Malte Semisch nagelte bei seinem Comeback nach kurzer Verletzungspause zwar phasenweise sein Tor zu, doch selbst wenn es mal schnell nach vorne ging wie in der 48. Minute mit Mats Korte, zögerten er und seine Mitspieler so lange, bis aus dem Konter wieder ein normaler Angriff wurde. In diesem haperte es bei GWD nicht nur an der Chancenverwertung sondern mitunter auch an einer Idee, wie überhaupt ein Tor erzielt werden könnte.

An Regisseur Niclas Pieczkowski lag das nicht. Der 31-Jährige übernahm nicht nur Verantwortung für die Spielsteuerung, sondern auch mit fünf Toren im Abschluss. Von den Halbpositionen im Rückraum kamen dagegen nur noch drei weitere Treffer – zu wenig für ein konkurrenzfähiges Bundesliga-Team. Auch der TuS traf kaum einmal aus der Distanz, dafür ging die Taktik mit Spielzügen über die Außenpositionen auf: Tom Skroblien wurde mit zehn Toren aus der linken Lübbecker Angriffsecke zum Mann des Tages, der dazu noch alle seine vier Siebenmeter verwandelte (siehe Seite 20).

Ein solcher Matchwinner fehlte im Spiel der Mindener, das merklich unter dem Ausfall von Amine Darmoul litt. „Die Mannschaft konnte seinen Ausfall überhaupt nicht kompensieren“, meinte von Behren über den torgefährlichsten Angreifer im GWD-Kader. Wegen einer Stauchung im Sprunggelenk wird er voraussichtlich noch zwei Spiele verpassen. Auch Nikola Jukic war nach zwei Treffern in der Anfangsphase anzumerken, dass er wegen einer Fersenprellung beim Pokalspiel in Ludwigshafen am Dienstag bis zum Derby nicht hatte trainieren können.

Es sind nur zwei von vielen kleinen Themen, die den Saisonstart für die Grün-Weißen zu einer großen Katastrophe werden lassen. „Das ist ein bitterer Moment für uns heute, 0:12 Punkte sind hart“, sagte Frank Carstens nach dem entmutigenden Auftritt. Sein schwerster Moment als GWD-Trainer? „Nein, wir sind ja auch schon mal abgestiegen“, sagt der Coach und verweist darauf, dass die Saison noch jung ist. Wenn sein Team so weiterspielt, könnte sie noch quälend lang werden.

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