Echte Mindener und ein halber: Nicht nur GWD-Männer mischen bei der Handball-WM mit Marcus Riechmann Minden. Corona? Offenbar kein Problem. Die WM führt in den nächsten Wochen die Handball-Welt in Nordafrika zusammen. Über die Sinnhaftigkeit der Titelkämpfe in Ägypten, mit erstmals 32 Teams ausgerechnet zur Zeit der Pandemie so groß wie nie zuvor, wird lebhaft debattiert. Auch Frank Carstens und Frank von Behren blicken dem Kräftemessen der weltbesten Teams zwiegespalten entgegen. Die beiden Männer von GWD Minden sehen mit Sorge, dass das Corona-Virus die GWD-Spieler und auch den Spielbetrieb der Bundesliga gefährden kann. Doch sie sehen auch die Chance, die die WM als Bühne dem Handball in Deutschland bietet. „Ich freue mich drauf“, hebt Sportgeschäftsführer von Behren den Daumen. GWD-Coach Carstens geht mit gewohntem Pragmatismus an das Thema: „Keiner weiß zu diesem Zeitpunkt, wie es kommen wird, keiner hat die goldene Erkenntnis. Wir werden erst hinterher sehen, wie es gelaufen ist.“ Das Rad lässt sich ohnehin nicht mehr aufhalten: Am Mittwoch geht es in Kairo mit dem Auftaktspiel los, am Freitag starten die deutschen Handballer mit der Partie gegen Uruguay ins Turnier. „Klar, man darf sich schon fragen, ob so ein Turnier in dieser Zeit sein muss, aber man muss auch sehen, dass die WM dem Handball eine riesige Chance bietet. Wir werden sehr gute Einschaltquoten im Januar haben, da findet ja sonst nicht viel statt. Wenn die deutsche Mannschaft weit kommt, werden wir Rekordquoten haben“, meint von Behren und betont einen weiteren Umstand: „Jeder muss sein Produkt retten. Wir kämpfen alle ums Überleben. Ohne Spiele wird kein Geld verdient.“ Neben dem wirtschaftlichen Aspekt sieht Frank Carstens auch die sehr persönliche Auseinandersetzung der Spieler mit einer einmaligen Situation. „Jeder Spieler hat eine Verantwortung gegenüber der Familie oder dem Arbeitgeber. Ich kann Spieler wie Patrick Wiencek verstehen, die sagen: Ich bleibe zu Hause. Und ich kann jeden Spieler verstehen, der sagt: Ich will dahin. Beide Seiten haben ihre Meinung, und beide haben Recht“, sagt der GWD-Coach. In Juri Knorr (Deutschland), Aliaksandr Padshyvalau (Weißrussland) und Kevin Gulliksen (Norwegen) werden drei GWD-Profis an der WM teilnehmen. Ein Verzicht war für sie kein Thema. „Wir haben die Spieler darauf hingewiesen, dass die WM ein erhöhtes Risiko darstellt und die Teilnahme auf eigene Verantwortung geschieht. Aber jeder hat gesagt: Ich bin dabei“, berichtet Frank von Behren, selbst 167-maliger Nationalspieler: „Und das kann ich auch verstehen.“ Er fügt zum Thema Sicherheit an: „Wenn die Spieler aus Ägypten zurückkehren, werden sie eine ausreichende Quarantäne einhalten. Wir wollen verhindern, dass uns noch mal eine Nummer wie bei Juri Knorr passiert“, sagt von Behren. Neben den GWD-Spielern gibt es in Ägypten zahlreiche weitere Mindener Einfärbungen. Eine von ihnen: Marian Michalczik von den Füchsen Berlin. „Ich finde es geil, dass wir zwei von drei Mittelmännern im deutschen Team stellen“, meint von Behren feixend und rechnet Michalczik grinsend wie Knorr noch zu GWD: „Marian ist noch mehr Mindener als Berliner.“ Als echter Mindener ist Dennis Finke dabei, der Physiotherapeut zählt fest zum Stamm beim DHB. Auch die sportliche Leitung des Teams USA besitzt einen Mindener Hintergrund. Der Coach, der Schwede Robert Hedin, schaffte mit GWD 1995 den Aufstieg in die Bundesliga und spielte und coachte später beim TuS N-Lübbecke. Teammanager Andreas Hertelt spielte bei GWD und anderen Klubs, er war auch als Trainer beispielsweise beim TSV Hahlen tätig. Eine WM ist immer auch Bühne für Spieler – und für Klubs, die Spieler suchen. GWD sucht sogar doppelt: Einerseits kurzfristigen Ersatz in Rückraum und Abwehr für den verletzten Miljan Pusica und langfristig für Mittelmann Juri Knorr, der im Sommer zu den Rhein-Neckar Löwen wechselt. Von Behren sagt: „Es ist immer interessant, zu sehen, wie sich Spieler entwickeln. Aber die meisten sind schon vor der WM bekannt, außer bei den Exoten. Aber ich glaube eher nicht, dass wir einen Spieler der Kapverdischen Inseln verpflichten wollen.“ Auch Frank Carstens misst der WM als Bühne keine hervorgehobene Rolle bei: „Eine WM sagt nicht viel aus, aber es ist nicht von Nachteil, wenn ein Spieler, den man im Blick oder schon unter Vertrag hat, auch bei einer WM ganz gut mitspielt.“ Von Behren traut der deutschen Mannschaft das Halbfinale zu. „Das ist realistisch, aber auch das maximal Machbare“, sagt er. Ein lockeres Einspielen der jungen Truppe mit Blick auf die Olympischen Spiele im Sommer erwartet Frank Carstens nicht: „Eine deutsche Mannschaft hat immer Druck. Und Alfred Gislason wird auch nicht Bundestrainer, um ein bisschen bei einer WM mitzuspielen. Der will immer was erreichen und das wird er seinen Spielern auch vermitteln. Und wer sind die Favoriten: „Spanien steht immer auf dem Zettel“, bemüht Carstens ein Stereotyp: „Das sieht vielleicht nicht immer schön aus, aber die haben ein stabiles System und eine stabile Abwehr.“ „Norwegen ist dran“ sagt von Behren. „Oder Frankreich“, meint Carstens und erläutert grinsend: „Die sind immer dran.“

Echte Mindener und ein halber: Nicht nur GWD-Männer mischen bei der Handball-WM mit

In Köln holte sich Marian Michalczik mit der deutschen Nationalmannschaft im Spiel gegen Österreich den Feinschliff für die WM. Dort will der langjährige GWD-Spieler gemeinsam mit Juri Knorr als Spielmacher überzeugen. Foto: Sascha Klahn © saschaklahn.com

Minden. Corona? Offenbar kein Problem. Die WM führt in den nächsten Wochen die Handball-Welt in Nordafrika zusammen. Über die Sinnhaftigkeit der Titelkämpfe in Ägypten, mit erstmals 32 Teams ausgerechnet zur Zeit der Pandemie so groß wie nie zuvor, wird lebhaft debattiert.

Auch Frank Carstens und Frank von Behren blicken dem Kräftemessen der weltbesten Teams zwiegespalten entgegen. Die beiden Männer von GWD Minden sehen mit Sorge, dass das Corona-Virus die GWD-Spieler und auch den Spielbetrieb der Bundesliga gefährden kann. Doch sie sehen auch die Chance, die die WM als Bühne dem Handball in Deutschland bietet. „Ich freue mich drauf“, hebt Sportgeschäftsführer von Behren den Daumen. GWD-Coach Carstens geht mit gewohntem Pragmatismus an das Thema: „Keiner weiß zu diesem Zeitpunkt, wie es kommen wird, keiner hat die goldene Erkenntnis. Wir werden erst hinterher sehen, wie es gelaufen ist.“ Das Rad lässt sich ohnehin nicht mehr aufhalten: Am Mittwoch geht es in Kairo mit dem Auftaktspiel los, am Freitag starten die deutschen Handballer mit der Partie gegen Uruguay ins Turnier.

„Klar, man darf sich schon fragen, ob so ein Turnier in dieser Zeit sein muss, aber man muss auch sehen, dass die WM dem Handball eine riesige Chance bietet. Wir werden sehr gute Einschaltquoten im Januar haben, da findet ja sonst nicht viel statt. Wenn die deutsche Mannschaft weit kommt, werden wir Rekordquoten haben“, meint von Behren und betont einen weiteren Umstand: „Jeder muss sein Produkt retten. Wir kämpfen alle ums Überleben. Ohne Spiele wird kein Geld verdient.“

Neben dem wirtschaftlichen Aspekt sieht Frank Carstens auch die sehr persönliche Auseinandersetzung der Spieler mit einer einmaligen Situation. „Jeder Spieler hat eine Verantwortung gegenüber der Familie oder dem Arbeitgeber. Ich kann Spieler wie Patrick Wiencek verstehen, die sagen: Ich bleibe zu Hause. Und ich kann jeden Spieler verstehen, der sagt: Ich will dahin. Beide Seiten haben ihre Meinung, und beide haben Recht“, sagt der GWD-Coach.

In Juri Knorr (Deutschland), Aliaksandr Padshyvalau (Weißrussland) und Kevin Gulliksen (Norwegen) werden drei GWD-Profis an der WM teilnehmen. Ein Verzicht war für sie kein Thema. „Wir haben die Spieler darauf hingewiesen, dass die WM ein erhöhtes Risiko darstellt und die Teilnahme auf eigene Verantwortung geschieht. Aber jeder hat gesagt: Ich bin dabei“, berichtet Frank von Behren, selbst 167-maliger Nationalspieler: „Und das kann ich auch verstehen.“

Er fügt zum Thema Sicherheit an: „Wenn die Spieler aus Ägypten zurückkehren, werden sie eine ausreichende Quarantäne einhalten. Wir wollen verhindern, dass uns noch mal eine Nummer wie bei Juri Knorr passiert“, sagt von Behren.

Neben den GWD-Spielern gibt es in Ägypten zahlreiche weitere Mindener Einfärbungen. Eine von ihnen: Marian Michalczik von den Füchsen Berlin. „Ich finde es geil, dass wir zwei von drei Mittelmännern im deutschen Team stellen“, meint von Behren feixend und rechnet Michalczik grinsend wie Knorr noch zu GWD: „Marian ist noch mehr Mindener als Berliner.“ Als echter Mindener ist Dennis Finke dabei, der Physiotherapeut zählt fest zum Stamm beim DHB.

Auch die sportliche Leitung des Teams USA besitzt einen Mindener Hintergrund. Der Coach, der Schwede Robert Hedin, schaffte mit GWD 1995 den Aufstieg in die Bundesliga und spielte und coachte später beim TuS N-Lübbecke. Teammanager Andreas Hertelt spielte bei GWD und anderen Klubs, er war auch als Trainer beispielsweise beim TSV Hahlen tätig.

Eine WM ist immer auch Bühne für Spieler – und für Klubs, die Spieler suchen. GWD sucht sogar doppelt: Einerseits kurzfristigen Ersatz in Rückraum und Abwehr für den verletzten Miljan Pusica und langfristig für Mittelmann Juri Knorr, der im Sommer zu den Rhein-Neckar Löwen wechselt. Von Behren sagt: „Es ist immer interessant, zu sehen, wie sich Spieler entwickeln. Aber die meisten sind schon vor der WM bekannt, außer bei den Exoten. Aber ich glaube eher nicht, dass wir einen Spieler der Kapverdischen Inseln verpflichten wollen.“ Auch Frank Carstens misst der WM als Bühne keine hervorgehobene Rolle bei: „Eine WM sagt nicht viel aus, aber es ist nicht von Nachteil, wenn ein Spieler, den man im Blick oder schon unter Vertrag hat, auch bei einer WM ganz gut mitspielt.“

Von Behren traut der deutschen Mannschaft das Halbfinale zu. „Das ist realistisch, aber auch das maximal Machbare“, sagt er. Ein lockeres Einspielen der jungen Truppe mit Blick auf die Olympischen Spiele im Sommer erwartet Frank Carstens nicht: „Eine deutsche Mannschaft hat immer Druck. Und Alfred Gislason wird auch nicht Bundestrainer, um ein bisschen bei einer WM mitzuspielen. Der will immer was erreichen und das wird er seinen Spielern auch vermitteln.

Und wer sind die Favoriten: „Spanien steht immer auf dem Zettel“, bemüht Carstens ein Stereotyp: „Das sieht vielleicht nicht immer schön aus, aber die haben ein stabiles System und eine stabile Abwehr.“ „Norwegen ist dran“ sagt von Behren. „Oder Frankreich“, meint Carstens und erläutert grinsend: „Die sind immer dran.“

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