Ebbe auf dem Mut-Konto: GWD Minden kommt auch im zweiten Saisonspiel nicht für einen Sieg in Frage Marcus Riechmann Balingen. Der Null-Punkte-Start ist perfekt. Und auch auf dem Mutmacher-Konto ist nach der neuerlichen Niederlage wenig Guthaben. Nach zwei Spieltagen ist offensichtlich: Die Mannschaft von GWD Minden ist in der Handball-Bundesliga noch nicht konkurrenzfähig. Bei der HBW Balingen-Weilstetten kassierten die Mindener am Samstagabend eine 21:27 (11:15)-Niederlage und bleiben damit Schlusslicht der Tabelle. Für Frank Carstens ist der aktuelle Leistungsstand seines umfänglich umgekrempelten Teams keine Überraschung. „Es war klar, dass es am Anfang schwer werden würde“, sagt der 49-jährige Trainer. Sein Sportgeschäftsführer Frank von Behren hatte bereits vor dem Anpfiff deutlich gemacht: „Egal wie es ausgeht, wir werden weiter arbeiten.“ Arbeit am neuen Team mit seinen vielen Zugängen ist auch notwendig. Denn Balingen, in der vergangenen Saison wie GWD nur knapp dem Abstieg entronnen, genügte eine konzentrierte und disziplinierte Leistung, um einen souveränen Sieg zu schaffen. Die HBW war das homogenere und fehlerärmer agierende Team. Zudem hatten die Gastgeber die beiden besten Spieler des Tages in ihren Reihen. Matchwinner eins war Linkshänder Vladan Lipovina, der im rechten Rückraum von der Mindener Abwehr kaum zu stoppen war. Matchwinner zwei war – wie so oft in Spielen gegen GWD Minden – der Torwart: Mario Ruminsky wehrte knapp 20 Würfe ab. Etliche schlecht vorbereitete und ausgeführte Würfe waren darunter, aber auch einige Top-Chancen nahm Ruminsky den Gästestürmern ab. Ganz nebenbei entzauberte der 24-Jährige auch den neuen Mindener Vollstrecker: Tomas Urban, der am Mittwoch gegen die SG Flensburg-Handewitt noch beide Strafwürfe versenkt hatte, traf gegen Ruminsky keinen seiner beiden Versuche ins Netz. „Wir müssen an vielen Stellen besser werden. Balingen hat das besser gemacht, war routinierter und hatte ein paar Mal etwas Glück. Das hat dann gereicht, um verdient zu gewinnen“, sagte GWD-Trainer Carstens nach dem Abpfiff. Es ist die Summe der Fehler, die Minden zu schaffen machen. „Wir spielen die Sachen schon ganz gut, aber dann treffen wir die falschen Passentscheidungen, wählen die falschen Würfe. Uns fehlen die Automatismen, uns fehlt die Effizienz“, sagt der erfahrene Mastercoach, der festgestellt hat: „Die Unsicherheit ist noch groß.“ Das wirkt sich auch auf das Tempospiel aus. Das Umschaltspiel nach Ballgewinnen war in den vergangenen Jahren zu einer GWD-Stärke geworden. Derzeit findet es kaum statt. „Da fehlen uns die Power und die Sicherheit und eben auch Spieler wie Rambo oder Knorr“, sagt Carstens. Und obendrein fehlen auch die notwendigen Ballgewinne der Abwehr. Nur in den Anfangsminuten lagen die Gäste in Führung. Erst setzte Amine Darmoul seinen Kreisläufer Lukas Meister zum 1:0 in Szene, dann traf der Tunesier selbst zum 2:1. Als danach erst Nikola Jukic vorbei zielte und dann Meister am Kreis mit einem Heber lediglich die Latte traf, schoben sich die Hausherren vorbei. Das 3:2 erzielte in der 6. Minute Vladan Lipovina. Danach hatte der Montenegriner mit seinem Team vor knapp 1.400 Zuschauern das Spiel im Griff. GWD spielte zwar munter mit und besaß mit Torwart Malte Semisch ebenfalls einen starken Rückhalt. Auch die Flügelzange machte einen guten Job: Sowohl Mats Korte als auch Max Staar verwerteten ihre Torchancen auf Außen verlässlich. Doch insgesamt erreichten die Gäste nicht das Niveau, um ernsthaft für den Sieg in Frage zu kommen. Immer wieder gelangen nett anzusehende Aktionen und Treffer. Doch das GWD-Spiel war zu fehlerhaft. Im Rückraum fehlt es an Stabilität und Harmonie. Und Niclas Pieczkowski und Amine Darmoul fehlt es an verlässlicher Unterstützung der Nebenleute. Einmal noch machten die Gäste auf sich aufmerksam. Als Staar einen der wenigen Konter zum 15:18 vollendete und gleich darauf Jukic nach einem erweiterten Gegenstoß zum 16:18 traf, kam ein wenig Schwung in den Laden. „Da kommen wir zurück, da sind wir am Drücker“, wertete Carstens die Gegenwehr als positives Zeichen: „Wir haben einen Schritt nach vorn gemacht.“ Doch HBW-Coach Jens Bürkle nahm eine Auszeit und den Gästen den Wind aus den Segeln. Angeführt vom bärenstarken Lipovina stellte Balingen das Ergebnis auch mit etwas Glück auf 21:16 (47.). Als Keeper Ruminsky kurz darauf Jukic einen weiteren freien Wurf abnahm und im Gegenzug HBW-Außen Moritz Strosack aus dem Gedränge am Kreis das 23:17 (51.) erzielte, war die Partie früh entschieden. Souverän spielte Balingen die Schlussminuten herunter. Ein steiniger Weg liegt vor den Mindenern und er führt die kommenden Wochen steil bergauf. Am Samstag um 20.30 Uhr steht beim HC Erlangen, der jüngst in Flensburg ein 27:27 ertrotzte, das nächste Spiel an. Danach folgen die Heimpartie gegen die Füchse Berlin und die Fahrt zum Deutschen Meister nach Kiel. Im schlechtesten Fall startet GWD mit 0:10 Punkten in die Wochen der Wahrheit mit dem Derby gegen den TuS N-Lübbecke, dem Spiel beim zweiten Aufsteiger HSV Hamburg und dem OWL-Duell gegen den TBV Lemgo-Lippe.

Ebbe auf dem Mut-Konto: GWD Minden kommt auch im zweiten Saisonspiel nicht für einen Sieg in Frage

Immer wieder gelangen GWD schöne Spielzüge und feine Tore. Hier setzt sich Kreisläufer Lucas Meister nach einem Anspiel von Jan Grebenc (links, Nummer 66) durch. Foto: Dennis Duddek/Eibner-Pressefoto © Eibner-Pressefoto Info: 0172/8374655

Balingen. Der Null-Punkte-Start ist perfekt. Und auch auf dem Mutmacher-Konto ist nach der neuerlichen Niederlage wenig Guthaben. Nach zwei Spieltagen ist offensichtlich: Die Mannschaft von GWD Minden ist in der Handball-Bundesliga noch nicht konkurrenzfähig.

Bei der HBW Balingen-Weilstetten kassierten die Mindener am Samstagabend eine 21:27 (11:15)-Niederlage und bleiben damit Schlusslicht der Tabelle. Für Frank Carstens ist der aktuelle Leistungsstand seines umfänglich umgekrempelten Teams keine Überraschung. „Es war klar, dass es am Anfang schwer werden würde“, sagt der 49-jährige Trainer. Sein Sportgeschäftsführer Frank von Behren hatte bereits vor dem Anpfiff deutlich gemacht: „Egal wie es ausgeht, wir werden weiter arbeiten.“

GWD-Coach Frank Carstens kennt den Weg. Und er weiß: Es wird kein leichter sein. Foto: Duddek/Eibner - © Eibner-Pressefoto Info: 0172/8374655
GWD-Coach Frank Carstens kennt den Weg. Und er weiß: Es wird kein leichter sein. Foto: Duddek/Eibner - © Eibner-Pressefoto Info: 0172/8374655

Arbeit am neuen Team mit seinen vielen Zugängen ist auch notwendig. Denn Balingen, in der vergangenen Saison wie GWD nur knapp dem Abstieg entronnen, genügte eine konzentrierte und disziplinierte Leistung, um einen souveränen Sieg zu schaffen. Die HBW war das homogenere und fehlerärmer agierende Team. Zudem hatten die Gastgeber die beiden besten Spieler des Tages in ihren Reihen. Matchwinner eins war Linkshänder Vladan Lipovina, der im rechten Rückraum von der Mindener Abwehr kaum zu stoppen war. Matchwinner zwei war – wie so oft in Spielen gegen GWD Minden – der Torwart: Mario Ruminsky wehrte knapp 20 Würfe ab.

Etliche schlecht vorbereitete und ausgeführte Würfe waren darunter, aber auch einige Top-Chancen nahm Ruminsky den Gästestürmern ab. Ganz nebenbei entzauberte der 24-Jährige auch den neuen Mindener Vollstrecker: Tomas Urban, der am Mittwoch gegen die SG Flensburg-Handewitt noch beide Strafwürfe versenkt hatte, traf gegen Ruminsky keinen seiner beiden Versuche ins Netz.

„Wir müssen an vielen Stellen besser werden. Balingen hat das besser gemacht, war routinierter und hatte ein paar Mal etwas Glück. Das hat dann gereicht, um verdient zu gewinnen“, sagte GWD-Trainer Carstens nach dem Abpfiff. Es ist die Summe der Fehler, die Minden zu schaffen machen. „Wir spielen die Sachen schon ganz gut, aber dann treffen wir die falschen Passentscheidungen, wählen die falschen Würfe. Uns fehlen die Automatismen, uns fehlt die Effizienz“, sagt der erfahrene Mastercoach, der festgestellt hat: „Die Unsicherheit ist noch groß.“

Das wirkt sich auch auf das Tempospiel aus. Das Umschaltspiel nach Ballgewinnen war in den vergangenen Jahren zu einer GWD-Stärke geworden. Derzeit findet es kaum statt. „Da fehlen uns die Power und die Sicherheit und eben auch Spieler wie Rambo oder Knorr“, sagt Carstens. Und obendrein fehlen auch die notwendigen Ballgewinne der Abwehr.

Nur in den Anfangsminuten lagen die Gäste in Führung. Erst setzte Amine Darmoul seinen Kreisläufer Lukas Meister zum 1:0 in Szene, dann traf der Tunesier selbst zum 2:1. Als danach erst Nikola Jukic vorbei zielte und dann Meister am Kreis mit einem Heber lediglich die Latte traf, schoben sich die Hausherren vorbei. Das 3:2 erzielte in der 6. Minute Vladan Lipovina. Danach hatte der Montenegriner mit seinem Team vor knapp 1.400 Zuschauern das Spiel im Griff.

GWD spielte zwar munter mit und besaß mit Torwart Malte Semisch ebenfalls einen starken Rückhalt. Auch die Flügelzange machte einen guten Job: Sowohl Mats Korte als auch Max Staar verwerteten ihre Torchancen auf Außen verlässlich. Doch insgesamt erreichten die Gäste nicht das Niveau, um ernsthaft für den Sieg in Frage zu kommen.

Immer wieder gelangen nett anzusehende Aktionen und Treffer. Doch das GWD-Spiel war zu fehlerhaft. Im Rückraum fehlt es an Stabilität und Harmonie. Und Niclas Pieczkowski und Amine Darmoul fehlt es an verlässlicher Unterstützung der Nebenleute. Einmal noch machten die Gäste auf sich aufmerksam. Als Staar einen der wenigen Konter zum 15:18 vollendete und gleich darauf Jukic nach einem erweiterten Gegenstoß zum 16:18 traf, kam ein wenig Schwung in den Laden. „Da kommen wir zurück, da sind wir am Drücker“, wertete Carstens die Gegenwehr als positives Zeichen: „Wir haben einen Schritt nach vorn gemacht.“

Doch HBW-Coach Jens Bürkle nahm eine Auszeit und den Gästen den Wind aus den Segeln. Angeführt vom bärenstarken Lipovina stellte Balingen das Ergebnis auch mit etwas Glück auf 21:16 (47.). Als Keeper Ruminsky kurz darauf Jukic einen weiteren freien Wurf abnahm und im Gegenzug HBW-Außen Moritz Strosack aus dem Gedränge am Kreis das 23:17 (51.) erzielte, war die Partie früh entschieden. Souverän spielte Balingen die Schlussminuten herunter.

Ein steiniger Weg liegt vor den Mindenern und er führt die kommenden Wochen steil bergauf. Am Samstag um 20.30 Uhr steht beim HC Erlangen, der jüngst in Flensburg ein 27:27 ertrotzte, das nächste Spiel an. Danach folgen die Heimpartie gegen die Füchse Berlin und die Fahrt zum Deutschen Meister nach Kiel. Im schlechtesten Fall startet GWD mit 0:10 Punkten in die Wochen der Wahrheit mit dem Derby gegen den TuS N-Lübbecke, dem Spiel beim zweiten Aufsteiger HSV Hamburg und dem OWL-Duell gegen den TBV Lemgo-Lippe.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in GWD Minden