Die neue Normalität: So sieht die Rückkehr der Zuschauer bei GWD Minden und dem TuS N-Lübbecke aus Marcus Riechmann Lübbecke. Seit Beginn des Jahres teilen sich die Handballer von GWD Minden und TuS N-Lübbecke die Heimstatt. Beide Klubs tragen die Heimspiele in der 3.000 Plätze bietenden Kreissporthalle in Lübbecke aus. Nun weiten die Mühlenkreisrivalen ihre Kooperation aus: Gemeinsam haben sie ein Konzept auf dem Weg gebracht, damit in der Corona-Situation bis zu 762 Zuschauer bei den Heimspielen der ersten und zweiten Liga auf die Tribünen zurückkehren können. Dr. Peter Witte, Leiter des Instituts für Krankenhaushygiene der Mühlenkreiskliniken, hat die beiden Bundesligisten eng bei der Planung betreut. Und so war es dem Mediziner vorbehalten, gestern im Johannes Wesling-Klinikum gemeinsam mit den Klub-Vertretern die seit rund zwei Monaten entwickelten Hygiene- und Schutzmaßnahmen vorzustellen. Witte erläutert die Grundpfeiler der Zuschauerrückkehr, die mit den jüngst beschlossenen Lockerungen der Corona-Schutzverordnung möglich wurde: „Wir möchten durch geeignete Maßnahmen das Infektionsrisiko für die Besucher auf ein Minimum reduzieren und können im Ernstfall die Nachvollziehbarkeit von Infektionsketten gewährleisten.“ Er sprach von einer „guten Nachricht für den Mühlenkreis“, doch der erfahrene Hygieniker betonte auch die Fragilität der Corona-Lage: „Die Dynamik der Pandemie bringt es mit sich, dass hinter jeder Veranstaltung immer bis zuletzt noch ein großes Fragezeichen steht.“ Wie sensibel die Lage ist und wie unvorhersehbar die Entwicklungen sein können, muss aktuell der TuS N-Lübbecke erfahren: Das erste Zweitliga-Heimspiel, das der TuS am Freitag, 2. Oktober, gegen den HSV Hamburg bestreiten sollte, fällt aus. Grund sind mehrere Corona-Erkrankungen im Team der Hamburger. Somit wird das Konzept erstmals am Donnerstag, 7. Oktober, den Ernstfall erleben. Dann empfängt GWD Minden die HSG Wetzlar zum Heimdebüt. „Wir sind glücklich, dass wir den Fans wieder Handball anbieten können. Ohne Fans ist es nicht der Handball den wir kennen“, äußerte Markus Kalusche. Doch es wird keine Rückkehr zum Normalbetrieb werden. Die Zuschauer werden zahlreiche Einschränkungen hin- und Verantwortung übernehmen müssen. Nur wenn das Konzept vor Ort aufgehe und die Maßnahmen funktionieren, könne man auf eine Zukunft mit vielleicht sogar mehr Fans hoffen. „Wir tragen eine Verantwortung für unsere Fans“, sagt Torsten Appel einerseits, doch zugleich trügen auch die Fans in jeder Halle eine Verantwortung für die gesamte Liga, macht der Geschäftsführer des TuS N-Lübbecke deutlich und appelliert an besonnenes Verhalten. Übersetzt: Wenn sich in den Hallen Corona-Fälle häufen sollten, gefährdet das die Zulassung von Fans in der gesamten Liga. Grundidee des Konzepts ist die Teilung der Lübbecker Arena in zwei vollständig isolierte Zonen. 408 Plätze werden auf der Südtribüne vor allem Vips und Sponsoren zur Verfügung stehen, 354 Sitze bietet die Nordseite. Beide Seiten erhalten eigene Parkplätze und eigene Zugänge, bilden quasi zwei Hallen in einer. Tickets werden ausschließlich personalisiert vergeben und am Eingang mit einem Abgleich des Personalausweises kontrolliert. Drei Plätze stehen in einer dritten Zone mit eigenem Zugang für Rollstuhlfahrer bereit. „Die Nachverfolgbarkeit muss gegeben sein, eine Weitergabe von Eintrittskarten an Freunde oder Bekannte ist nicht möglich“, machte Witte deutlich. Am Eingang findet eine Fiebermessung statt, dann begeben sich die Zuschauer direkt auf ihre Plätze. Die Tribüne werde wie ein Schachbrett in kleine Zonen eingeteilt, jeweils zwei Personen dürfen zusammensitzen. Mund-Nasen-Schutz ist Pflicht. Lediglich am Platz dürfen die Masken abgenommen werden. Witte betont den Vorteil der erst im Jahr 2018 vollständig erneuerte Belüftungsanlage: Viermal pro Stunde könne die Anlage die Luft in der Halle komplett austauschen. In der Halle stehen rund 70 Desinfektionsspender zur Verfügung. Laufend werden die öffentlichen Bereiche gereinigt und desinfiziert. Das betrifft besonders die Toiletten. Dort gilt eine Einbahnstraßenregelung, Sicherheitspersonal soll auch in der Stoßzeit der Halbzeitpause für die Einhaltung aller Richtlinien sorgen. Ein Catering mit Getränkeständen oder Würstchenbuden wird es weder in noch vor der Halle geben. „Wir wollen Gruppenansammlungen an allen Stellen vermeiden“, erklärt Anke Brinkmann, die bei GWD das Ticketing organisiert. Statt Pils an der Theke erhalten die Fans jeweils zwei alkoholfreie Getränke beim Einlass, die sie am Platz trinken dürfen – aber mit Blick auf die unter Umstände prekäre Lage auf den Toiletten natürlich nicht trinken müssen. Gemeinsam mit Nina Wehmeyer aus der TuS-Geschäftsstelle hat sich Brinkmann der diffizilen Aufgabe des Ticketverkaufs angenommen. Sicher ist: Es wird keine Dauerkarten geben und auch keine Tickets an den üblichen Vorverkaufsstellen. Die Kartenzahl pro Person ist beschränkt, erst fünf Werktage vor Spielbeginn sind die rund 350 frei verkäuflichen Tickets erhältlich. Sie sind ausschließlich online unter Nennung der notwendigen Kontaktdaten zu erwerben, die Links werden auf den Internetseiten der Klubs gesetzt. Bis dahin bittet Brinkmann um Geduld: „Wir werden rechtzeitig auf alle Partner und bisherige Dauerkarteninhaber zukommen und bitten um Verständnis, dass wir im Moment noch keine individuellen Anfragen beantworten können.“ Die Rückkehr der Zuschauer – in einem Probebetrieb zunächst bis Ende Oktober möglich –, ist an eine enge Voraussetzung geknüpft: „Das Pandemielevel darf die Zahl vor 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen nicht überschreiten“, sagt Witte. In Minden-Lübbecke mit gut 300.000 Einwohnen liegt die Grenze also bei rund 105 neuen Corona-Fällen pro Woche. Sorgen vor dem letzten Testspiel bei GWD Heute steht für den Handball-Bundesligisten GWD Minden ein letztes Testspiel auf dem Programm, ehe es in der Handball-Bundesliga ernst wird. Das Team von Trainer Frank Carstens trifft in der Sporthalle Minden-Süd auf den Zweitligisten TV Emsdetten. Damit kommt es zum Wiedersehen mit Gäste-Trainer Aaron Ziercke, der lange für GWD spielte und auch als Coach der Drittliga-Mannschaft und Co-Trainer der Profis tätig war. Zum Testspiel heute um 19 Uhr sind in der Corona-Lage keine Zuschauer zugelassen. Zwei Probleme überschatten den Saisonstart der Mindener, der am Donnerstag, 1. Oktober, bei der TSV Hannover-Burgdorf angesetzt ist. Zum einen haben die Hannoveraner ein Problem mit der Sporthalle: Besitzer Günter Papenburg – einst auch Geschäftspartner von GWD – fordert ausstehende Zahlungen ein und droht, die ZAG-Arena (einst Tui-Arena) für das Spiel gegen GWD nicht zu öffnen. Zum anderen bedroht ein Corona-Verdacht den Anpfiff. Denn Hannover hat am vergangenen Freitag ein Testspiel gegen den Zweitligisten HSV Hamburg ausgetragen – gegen jenen HSV, bei dem nun fünf Spieler mit Covid-19 infiziert sind. (rich)

Die neue Normalität: So sieht die Rückkehr der Zuschauer bei GWD Minden und dem TuS N-Lübbecke aus

Lübbecke. Seit Beginn des Jahres teilen sich die Handballer von GWD Minden und TuS N-Lübbecke die Heimstatt. Beide Klubs tragen die Heimspiele in der 3.000 Plätze bietenden Kreissporthalle in Lübbecke aus. Nun weiten die Mühlenkreisrivalen ihre Kooperation aus: Gemeinsam haben sie ein Konzept auf dem Weg gebracht, damit in der Corona-Situation bis zu 762 Zuschauer bei den Heimspielen der ersten und zweiten Liga auf die Tribünen zurückkehren können.

Die zuletzt beim Turnier um den Spielo-Cup leeren Stuhlreihen in der Lübbecker Kreissporthalle dürfen sich künftig wieder füllen. 762 Fans können den Spielen wieder Atmosphäre verleihen. MT- - © Fotos: Riechmann
Die zuletzt beim Turnier um den Spielo-Cup leeren Stuhlreihen in der Lübbecker Kreissporthalle dürfen sich künftig wieder füllen. 762 Fans können den Spielen wieder Atmosphäre verleihen. MT- - © Fotos: Riechmann

Dr. Peter Witte, Leiter des Instituts für Krankenhaushygiene der Mühlenkreiskliniken, hat die beiden Bundesligisten eng bei der Planung betreut. Und so war es dem Mediziner vorbehalten, gestern im Johannes Wesling-Klinikum gemeinsam mit den Klub-Vertretern die seit rund zwei Monaten entwickelten Hygiene- und Schutzmaßnahmen vorzustellen. Witte erläutert die Grundpfeiler der Zuschauerrückkehr, die mit den jüngst beschlossenen Lockerungen der Corona-Schutzverordnung möglich wurde: „Wir möchten durch geeignete Maßnahmen das Infektionsrisiko für die Besucher auf ein Minimum reduzieren und können im Ernstfall die Nachvollziehbarkeit von Infektionsketten gewährleisten.“ Er sprach von einer „guten Nachricht für den Mühlenkreis“, doch der erfahrene Hygieniker betonte auch die Fragilität der Corona-Lage: „Die Dynamik der Pandemie bringt es mit sich, dass hinter jeder Veranstaltung immer bis zuletzt noch ein großes Fragezeichen steht.“

Experte Dr. Peter Witte erläuterte gestern das 20 Seiten zählende Hygienekonzept für die Handballspiele in der Kreissporthalle.
Experte Dr. Peter Witte erläuterte gestern das 20 Seiten zählende Hygienekonzept für die Handballspiele in der Kreissporthalle.

Wie sensibel die Lage ist und wie unvorhersehbar die Entwicklungen sein können, muss aktuell der TuS N-Lübbecke erfahren: Das erste Zweitliga-Heimspiel, das der TuS am Freitag, 2. Oktober, gegen den HSV Hamburg bestreiten sollte, fällt aus. Grund sind mehrere Corona-Erkrankungen im Team der Hamburger. Somit wird das Konzept erstmals am Donnerstag, 7. Oktober, den Ernstfall erleben. Dann empfängt GWD Minden die HSG Wetzlar zum Heimdebüt.

„Wir sind glücklich, dass wir den Fans wieder Handball anbieten können. Ohne Fans ist es nicht der Handball den wir kennen“, äußerte Markus Kalusche. Doch es wird keine Rückkehr zum Normalbetrieb werden. Die Zuschauer werden zahlreiche Einschränkungen hin- und Verantwortung übernehmen müssen. Nur wenn das Konzept vor Ort aufgehe und die Maßnahmen funktionieren, könne man auf eine Zukunft mit vielleicht sogar mehr Fans hoffen. „Wir tragen eine Verantwortung für unsere Fans“, sagt Torsten Appel einerseits, doch zugleich trügen auch die Fans in jeder Halle eine Verantwortung für die gesamte Liga, macht der Geschäftsführer des TuS N-Lübbecke deutlich und appelliert an besonnenes Verhalten. Übersetzt: Wenn sich in den Hallen Corona-Fälle häufen sollten, gefährdet das die Zulassung von Fans in der gesamten Liga.

Grundidee des Konzepts ist die Teilung der Lübbecker Arena in zwei vollständig isolierte Zonen. 408 Plätze werden auf der Südtribüne vor allem Vips und Sponsoren zur Verfügung stehen, 354 Sitze bietet die Nordseite. Beide Seiten erhalten eigene Parkplätze und eigene Zugänge, bilden quasi zwei Hallen in einer. Tickets werden ausschließlich personalisiert vergeben und am Eingang mit einem Abgleich des Personalausweises kontrolliert. Drei Plätze stehen in einer dritten Zone mit eigenem Zugang für Rollstuhlfahrer bereit.

„Die Nachverfolgbarkeit muss gegeben sein, eine Weitergabe von Eintrittskarten an Freunde oder Bekannte ist nicht möglich“, machte Witte deutlich. Am Eingang findet eine Fiebermessung statt, dann begeben sich die Zuschauer direkt auf ihre Plätze. Die Tribüne werde wie ein Schachbrett in kleine Zonen eingeteilt, jeweils zwei Personen dürfen zusammensitzen. Mund-Nasen-Schutz ist Pflicht. Lediglich am Platz dürfen die Masken abgenommen werden. Witte betont den Vorteil der erst im Jahr 2018 vollständig erneuerte Belüftungsanlage: Viermal pro Stunde könne die Anlage die Luft in der Halle komplett austauschen.

In der Halle stehen rund 70 Desinfektionsspender zur Verfügung. Laufend werden die öffentlichen Bereiche gereinigt und desinfiziert. Das betrifft besonders die Toiletten. Dort gilt eine Einbahnstraßenregelung, Sicherheitspersonal soll auch in der Stoßzeit der Halbzeitpause für die Einhaltung aller Richtlinien sorgen.

Ein Catering mit Getränkeständen oder Würstchenbuden wird es weder in noch vor der Halle geben. „Wir wollen Gruppenansammlungen an allen Stellen vermeiden“, erklärt Anke Brinkmann, die bei GWD das Ticketing organisiert. Statt Pils an der Theke erhalten die Fans jeweils zwei alkoholfreie Getränke beim Einlass, die sie am Platz trinken dürfen – aber mit Blick auf die unter Umstände prekäre Lage auf den Toiletten natürlich nicht trinken müssen.

Gemeinsam mit Nina Wehmeyer aus der TuS-Geschäftsstelle hat sich Brinkmann der diffizilen Aufgabe des Ticketverkaufs angenommen. Sicher ist: Es wird keine Dauerkarten geben und auch keine Tickets an den üblichen Vorverkaufsstellen. Die Kartenzahl pro Person ist beschränkt, erst fünf Werktage vor Spielbeginn sind die rund 350 frei verkäuflichen Tickets erhältlich. Sie sind ausschließlich online unter Nennung der notwendigen Kontaktdaten zu erwerben, die Links werden auf den Internetseiten der Klubs gesetzt. Bis dahin bittet Brinkmann um Geduld: „Wir werden rechtzeitig auf alle Partner und bisherige Dauerkarteninhaber zukommen und bitten um Verständnis, dass wir im Moment noch keine individuellen Anfragen beantworten können.“

Die Rückkehr der Zuschauer – in einem Probebetrieb zunächst bis Ende Oktober möglich –, ist an eine enge Voraussetzung geknüpft: „Das Pandemielevel darf die Zahl vor 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen nicht überschreiten“, sagt Witte. In Minden-Lübbecke mit gut 300.000 Einwohnen liegt die Grenze also bei rund 105 neuen Corona-Fällen pro Woche.

Sorgen vor dem letzten Testspiel bei GWD

Heute steht für den Handball-Bundesligisten GWD Minden ein letztes Testspiel auf dem Programm, ehe es in der Handball-Bundesliga ernst wird. Das Team von Trainer Frank Carstens trifft in der Sporthalle Minden-Süd auf den Zweitligisten TV Emsdetten. Damit kommt es zum Wiedersehen mit Gäste-Trainer Aaron Ziercke, der lange für GWD spielte und auch als Coach der Drittliga-Mannschaft und Co-Trainer der Profis tätig war. Zum Testspiel heute um 19 Uhr sind in der Corona-Lage keine Zuschauer zugelassen.

Zwei Probleme überschatten den Saisonstart der Mindener, der am Donnerstag, 1. Oktober, bei der TSV Hannover-Burgdorf angesetzt ist. Zum einen haben die Hannoveraner ein Problem mit der Sporthalle: Besitzer Günter Papenburg – einst auch Geschäftspartner von GWD – fordert ausstehende Zahlungen ein und droht, die ZAG-Arena (einst Tui-Arena) für das Spiel gegen GWD nicht zu öffnen. Zum anderen bedroht ein Corona-Verdacht den Anpfiff. Denn Hannover hat am vergangenen Freitag ein Testspiel gegen den Zweitligisten HSV Hamburg ausgetragen – gegen jenen HSV, bei dem nun fünf Spieler mit Covid-19 infiziert sind. (rich)

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