Die Suche nach der geilen Zeit: GWD reist mit Ballast nach Magdeburg Marcus Riechmann Minden. Eigentlich muss man sich bei GWD Minden mit dem nächsten Gegner befassen. Denn bereits am morgigen Sonntag steht um 16 Uhr das anspruchsvolle Gastspiel beim SC Magdeburg an. Doch es fällt den Spielern des heimischen Handball-Bundesligisten schwer, den Blick nach vorn auf das Duell mit dem Tabellenfünften zu richten. Denn man ist bei GWD derzeit schwer mit sich selbst beschäftigt. 20:27 gegen HBW Balingen-Weilstetten, 29:36 gegen den Bergischen HC. Zweimal chancenlos in heimischer Halle. Die jüngsten Niederlagen haben die Mindener Profis einer Illusion beraubt. Die Vorstellung, man könne nach der langen Winterpause einfach so an den starken Monat Dezember anknüpfen, ist schmerzhafter Ernüchterung gewichen. Keine Punkte, Absturz in der Tabelle und vor allem: keine Leistung. Am Donnerstagabend feierten die Gäste des Bergischen HC zur Weiberfastnacht in der Kabine mit lautstarker Karnevalsmusik. „Ach wat war dat nich fröher ne superjeile Zick“ dröhnte der Gassenhauer von Brings durch die Kabinengänge und verhöhnte die niedergeschlagen Gastgeber gleich doppelt: Die gute Zeit hatten die Gäste, die eigenen guten Tage liegen lange zurück. Die Probleme sind offenkundig: Da ist eine eklatante Abschlussschwäche, die GWD-Stürmer lassen vor allem die ganz freien Chancen reihenweise liegen und bescheren gegnerischen Torleuten wie Christopher Rudeck (BHC) oder Mike Jensen (HBW) traumhafte Quoten. Dazu addiert sich ein Mangel an Cleverness: Mit der schnellen Mitte raubte der BHC am Donnerstag den Mindener den Nerv. In der Kombination von fünf ausgelassenen Chancen und ebensovielen Tempo-Gegentreffern nach mühsam erzielten eigenen Torerfolgen ergab sich eine Frust und Lähmung hervorrufende Mischung. Statt dem BHC in der zweiten Halbzeit auf den Pelz zu rücken, geriet man weiter in Rückstand. Die Folge ist die gleiche wie am Sonntag gegen Balingen: Bereits nach 45 Spielminuten ließen die Mindener die Flügel hängen. Daneben offenbarten sich etliche weitere Schwachstellen, wie die miserable Torwartleistung in der ersten Halbzeit, die unverkennbaren Schwächen im Abwehrzentrum, spielerische Mängel im Angriff und vor allem Defizite im mannschaftlichen Miteinander. Eine Menge Arbeit für Trainer Frank Carstens, die bis zum Spiel bei seinem Ex-Klub in der Magdeburger Getec-Arena kaum zu bewältigen ist. „Beide Niederlagen haben weh getan“, sagt er und analysiert die Schwachpunkte. Zur Wurfschwäche stellt er fest. „Wir hatten elf Fehlwürfe, das ist für ein Spiel noch okay. Aber sie kamen zur falschen Zeit.“ Zu den Problemen mit der schnellen Mitte sagt er: „Wir haben schlechtes Timing bei den Wechseln gezeigt, das hat der BHC clever genutzt.“ Seine Torwarte Malte Semisch und Carsten Lichtlein nimmt er in Schutz: „In der erste Halbzeit hatten wir nur eine Parade, danach war es in Ordnung. Wir haben kein Torwart-Problem. Es geht auch immer um das Zusammenspiel von Abwehr und Torhüter.“ Und das war zuletzt nicht gut. Der Innenblock gibt dem Team derzeit nicht den nötigen Halt, egal ob dort Joshua Thiele, Doruk Pehlivan oder der frisch verpflichtete, aber noch nach Bindung suchende Max Janke ihren Dienst verrichten. „Joshua und Doruk waren lange verletzt, die beiden haben ihren Rhythmus noch nicht gefunden“, erläutert Carstens, warum die Abwehr, die im Dezember gegen Erlangen und Leipzig zusammen gerade mal 41 Gegentreffer zuließ vom Bergischen HC mit 36 Treffern geradezu auseinander genommen wurde. An Pehlivan macht sich auch das Problem in der Offensive fest: Der junge türkische Nationalspieler, der gerade mal 14 Spiele in der Bundesliga absolviert hat, läuft seiner Form hinterher. „Wir haben im Dezember davon gelebt, dass einige Spieler auf höchsten Level gespielt haben, auch Doruk. Daran will er anknüpfen, aber er verkrampft dabei“, schildert Carstens. Das ergänzt Frank von Behren, der auf die Verpflichtung der neuen Spieler Max Janke und Miro Schluroff hinweist: „Im Dezember gab es keine Alternative, da mussten alle Gas geben. Jetzt gibt es Alternativen“, mutmaßt der Sport-Geschäftsführer psychologische Auswirkungen. Ganz offensichtliche Folgen hat Pehlivans Formschwäche im Angriff. Dort ist der linke Rückraum eine nahezu tote Position. Die Last des Torewerfens und der entsprechenden Pässe liegt allein bei Routinier Christoffer Rambo und Jung-Nationalspieler Juri Knorr, der nur wenig mehr Erstligaerfahrung mitbringt als Pehlivan. „Wenn das Spiel so sehr auf zwei Spieler zugeschnitten ist, ist für die gegnerische Abwehr leicht“, stellte von Behren fest. Erst recht, wenn die beiden GWD-Torjäger – so wie am Donnerstag – nicht miteinander, sondern nacheinander gut drauf sind.

Die Suche nach der geilen Zeit: GWD reist mit Ballast nach Magdeburg

Nach seiner dritten Zeitstrafe musste Joshua Thiele am Donnerstag nach 52 Spielminuten auf der Tribüne Platz nehmen. Dort scheint der junge Kreisläufer zu hadern: Mit sich, dem Spiel oder mit dem Ergebnis. Foto: Noah Wedel © Noah Wedel

Minden. Eigentlich muss man sich bei GWD Minden mit dem nächsten Gegner befassen. Denn bereits am morgigen Sonntag steht um 16 Uhr das anspruchsvolle Gastspiel beim SC Magdeburg an. Doch es fällt den Spielern des heimischen Handball-Bundesligisten schwer, den Blick nach vorn auf das Duell mit dem Tabellenfünften zu richten. Denn man ist bei GWD derzeit schwer mit sich selbst beschäftigt.

20:27 gegen HBW Balingen-Weilstetten, 29:36 gegen den Bergischen HC. Zweimal chancenlos in heimischer Halle. Die jüngsten Niederlagen haben die Mindener Profis einer Illusion beraubt. Die Vorstellung, man könne nach der langen Winterpause einfach so an den starken Monat Dezember anknüpfen, ist schmerzhafter Ernüchterung gewichen. Keine Punkte, Absturz in der Tabelle und vor allem: keine Leistung.

Am Donnerstagabend feierten die Gäste des Bergischen HC zur Weiberfastnacht in der Kabine mit lautstarker Karnevalsmusik. „Ach wat war dat nich fröher ne superjeile Zick“ dröhnte der Gassenhauer von Brings durch die Kabinengänge und verhöhnte die niedergeschlagen Gastgeber gleich doppelt: Die gute Zeit hatten die Gäste, die eigenen guten Tage liegen lange zurück.

Die Probleme sind offenkundig: Da ist eine eklatante Abschlussschwäche, die GWD-Stürmer lassen vor allem die ganz freien Chancen reihenweise liegen und bescheren gegnerischen Torleuten wie Christopher Rudeck (BHC) oder Mike Jensen (HBW) traumhafte Quoten. Dazu addiert sich ein Mangel an Cleverness: Mit der schnellen Mitte raubte der BHC am Donnerstag den Mindener den Nerv. In der Kombination von fünf ausgelassenen Chancen und ebensovielen Tempo-Gegentreffern nach mühsam erzielten eigenen Torerfolgen ergab sich eine Frust und Lähmung hervorrufende Mischung. Statt dem BHC in der zweiten Halbzeit auf den Pelz zu rücken, geriet man weiter in Rückstand. Die Folge ist die gleiche wie am Sonntag gegen Balingen: Bereits nach 45 Spielminuten ließen die Mindener die Flügel hängen.

Daneben offenbarten sich etliche weitere Schwachstellen, wie die miserable Torwartleistung in der ersten Halbzeit, die unverkennbaren Schwächen im Abwehrzentrum, spielerische Mängel im Angriff und vor allem Defizite im mannschaftlichen Miteinander.

Eine Menge Arbeit für Trainer Frank Carstens, die bis zum Spiel bei seinem Ex-Klub in der Magdeburger Getec-Arena kaum zu bewältigen ist. „Beide Niederlagen haben weh getan“, sagt er und analysiert die Schwachpunkte. Zur Wurfschwäche stellt er fest. „Wir hatten elf Fehlwürfe, das ist für ein Spiel noch okay. Aber sie kamen zur falschen Zeit.“ Zu den Problemen mit der schnellen Mitte sagt er: „Wir haben schlechtes Timing bei den Wechseln gezeigt, das hat der BHC clever genutzt.“ Seine Torwarte Malte Semisch und Carsten Lichtlein nimmt er in Schutz: „In der erste Halbzeit hatten wir nur eine Parade, danach war es in Ordnung. Wir haben kein Torwart-Problem. Es geht auch immer um das Zusammenspiel von Abwehr und Torhüter.“ Und das war zuletzt nicht gut.

Der Innenblock gibt dem Team derzeit nicht den nötigen Halt, egal ob dort Joshua Thiele, Doruk Pehlivan oder der frisch verpflichtete, aber noch nach Bindung suchende Max Janke ihren Dienst verrichten. „Joshua und Doruk waren lange verletzt, die beiden haben ihren Rhythmus noch nicht gefunden“, erläutert Carstens, warum die Abwehr, die im Dezember gegen Erlangen und Leipzig zusammen gerade mal 41 Gegentreffer zuließ vom Bergischen HC mit 36 Treffern geradezu auseinander genommen wurde.

An Pehlivan macht sich auch das Problem in der Offensive fest: Der junge türkische Nationalspieler, der gerade mal 14 Spiele in der Bundesliga absolviert hat, läuft seiner Form hinterher. „Wir haben im Dezember davon gelebt, dass einige Spieler auf höchsten Level gespielt haben, auch Doruk. Daran will er anknüpfen, aber er verkrampft dabei“, schildert Carstens. Das ergänzt Frank von Behren, der auf die Verpflichtung der neuen Spieler Max Janke und Miro Schluroff hinweist: „Im Dezember gab es keine Alternative, da mussten alle Gas geben. Jetzt gibt es Alternativen“, mutmaßt der Sport-Geschäftsführer psychologische Auswirkungen.

Ganz offensichtliche Folgen hat Pehlivans Formschwäche im Angriff. Dort ist der linke Rückraum eine nahezu tote Position. Die Last des Torewerfens und der entsprechenden Pässe liegt allein bei Routinier Christoffer Rambo und Jung-Nationalspieler Juri Knorr, der nur wenig mehr Erstligaerfahrung mitbringt als Pehlivan. „Wenn das Spiel so sehr auf zwei Spieler zugeschnitten ist, ist für die gegnerische Abwehr leicht“, stellte von Behren fest. Erst recht, wenn die beiden GWD-Torjäger – so wie am Donnerstag – nicht miteinander, sondern nacheinander gut drauf sind.

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