Die Nerven liegen blank: Im Abstiegskrimi verliert GWD erst den Kopf und dann einen Punkt Marcus Riechmann Lübbecke. Im Abstiegskampf zeigen die Handball-Profis von GWD Minden Nerven. Mit dem ersten Sieg des Jahres 2021 wurde es wieder nichts. 27:27 (16:16) trennten sie sich gestern Abend in einem echten Kellerkrimi von der HSG Nordhorn-Lingen. Damit treten die Mindener Männer im Kampf um den Klassenerhalt in der Bundesliga auf der Stelle, während die Verfolger Druck machen: Der HSC Coburg, in einer Woche nächster Gegner für GWD, gewann sein Heimspiel gegen HC Erlangen 27:26 und schob sich in der Tabelle näher an die Mindener heran, die dank des Punktgewinns immerhin den knappen Zwei-Punkte-Vorsprung auf Nordhorn und die Abstiegsplätze wahrten. Der Druck des Gewinnen-Müssens lastete schwer auf den Männern in Grün – und sie waren ihm nicht immer gewachsen. Zwei Szenen dokumentieren exemplarisch den psychisch labilen Zustand des Teams. Als sich Sekunden vor der Halbzeitpause bei einem Freiwurf der Gäste Mindens Christian Zeitz an den Nordhorner Schutzblock pirschte, sicher, den nötigen Drei-Meter-Abstand zum Ball haltenden HSG-Spieler einzuhalten, kassierte er dennoch wegen eines Abstandvergehens eine Zeitstrafe. Darüber geriet der sonst eher in sich ruhende Routinier derart in Rage, dass er sich zu verbalen Entgleisungen hinreißen ließ. Erst erhielt er eine zweite Strafzeit obendrauf – seine dritte insgesamt. Damit sah er im doppelten Sinn Rot: Erst die Rote Karte wegen der dritten Zwei-Minuten-Strafe und nach weiteren Äußerungen über „Pfeifen, die ihm einen reinwürgen wollen“ noch die Blaue Karte. Damit fiel Zeitz als wichtiger Abwehrbaustein nicht nur für die zweite Halbzeit aus. Er wird für mindestens ein Spiel gesperrt und seinem Team Donnerstag in Coburg nicht beistehen können. „Ich habe Christian noch nie so außer Rand und Band gesehen“, meinte sein Trainer Frank Carstens. Mindens Sportgeschäftsführer Frank von Behren empfand die Abstandstrafe als unfair, doch er verurteilte Zeitz’ Aussetzer: „Bei allem Verständnis für die Emotionalität in so einem Moment, darf das nicht passieren.“ Zweites Beispiel für die Nervenschwäche sind die kümmerlichen letzten beiden Angriffsversuche der Gastgeber. Statt das siegbringende Tor zu erzielen, produzierten sie – verlassen von jedem Mumm – wie schon beim letzten Angriff in Magdeburg Rohrkrepierer. Sie schafften es nicht, auch nur eine einzige Wurfchance zu generieren. Es passte ins Bild, dass Doruk Pehlivan den letzten Versuch verstolperte und den Ball aus den Händen verlor. Zum Glück war es nicht der letzte Mindener Ballkontakt. Denn als Nordhorn bei 14 Sekunden Restzeit den finalen Spielzug über seine besten Stürmer Philipp Vorlicek und Robert Weber abwickelte, griff Mats Korte ein. Der Mindener bekam nach Vorliceks Zuspiel noch die Hand an den Ball und verhinderte, dass Weber GWD auch noch den zweiten Punkt aus der Lübbecker Kreissporthalle entführte. „Wenn ein Spiel derart knapp verläuft, ist ein Unentschieden am Ende wohl gerecht“, meinte GWD-Coach Carsten verdrießlich. Sein Gegenüber Daniel Kubes war da klarer aufgestellt: „Ich bin glücklich über das Unentschieden“, sagt der Tscheche: „Wir hatten zwei Monate kein Bundesliga-Spiel, das war ein Kaltstart für uns. Das hat meine Mannschaft sehr gut gemacht.“ Solches Lob fanden die Mindener Macher für ihr Team nicht. „Uns fehlt einfach der Killerinstinkt und die Härte im Abstiegskampf“, haderte Frank von Behren und kritisierte: „Man muss wissen, dass so ein Spiel weh tut, darauf muss man sich einlassen.“ GWD Minden - HSG Nordhorn-Lingen 27:27 (16:16). Tore für GWD Minden: Gulliksen (8), Korte (6/3), Rambo (5), Knorr (3), Pehlivan (2), Richtzenhain (2), Thiele (1). Tore für HSG Nordhorn: Weber (9/5), Vorlicek (5), Kalafut (4), Terwolbeck (4), de Boer (2), Pöhle (1), Stegefelt (1), Mickal (1).

Die Nerven liegen blank: Im Abstiegskrimi verliert GWD erst den Kopf und dann einen Punkt

Sekunden vor der Halbzeitpause erhält Mindens Christian Zeitz erst die Rote und dann sogar noch die Blaue Karte. Während der Linkshänder das Spielfeld verlässt, sehen seine Teamkameraden auf der Bank derartig verschämt und apathisch aus, als hätte man ihnen soeben die Unterwäsche geklaut. Foto: Noah Wedel © Noah Wedel

Lübbecke. Im Abstiegskampf zeigen die Handball-Profis von GWD Minden Nerven. Mit dem ersten Sieg des Jahres 2021 wurde es wieder nichts. 27:27 (16:16) trennten sie sich gestern Abend in einem echten Kellerkrimi von der HSG Nordhorn-Lingen. Damit treten die Mindener Männer im Kampf um den Klassenerhalt in der Bundesliga auf der Stelle, während die Verfolger Druck machen: Der HSC Coburg, in einer Woche nächster Gegner für GWD, gewann sein Heimspiel gegen HC Erlangen 27:26 und schob sich in der Tabelle näher an die Mindener heran, die dank des Punktgewinns immerhin den knappen Zwei-Punkte-Vorsprung auf Nordhorn und die Abstiegsplätze wahrten.

Der Druck des Gewinnen-Müssens lastete schwer auf den Männern in Grün – und sie waren ihm nicht immer gewachsen. Zwei Szenen dokumentieren exemplarisch den psychisch labilen Zustand des Teams. Als sich Sekunden vor der Halbzeitpause bei einem Freiwurf der Gäste Mindens Christian Zeitz an den Nordhorner Schutzblock pirschte, sicher, den nötigen Drei-Meter-Abstand zum Ball haltenden HSG-Spieler einzuhalten, kassierte er dennoch wegen eines Abstandvergehens eine Zeitstrafe. Darüber geriet der sonst eher in sich ruhende Routinier derart in Rage, dass er sich zu verbalen Entgleisungen hinreißen ließ. Erst erhielt er eine zweite Strafzeit obendrauf – seine dritte insgesamt. Damit sah er im doppelten Sinn Rot: Erst die Rote Karte wegen der dritten Zwei-Minuten-Strafe und nach weiteren Äußerungen über „Pfeifen, die ihm einen reinwürgen wollen“ noch die Blaue Karte.

HSG-Torwart Björn Buhrmester gelangen gegen seinen Ex-Verein 13 Paraden. - © Noah Wedel
HSG-Torwart Björn Buhrmester gelangen gegen seinen Ex-Verein 13 Paraden. - © Noah Wedel

Damit fiel Zeitz als wichtiger Abwehrbaustein nicht nur für die zweite Halbzeit aus. Er wird für mindestens ein Spiel gesperrt und seinem Team Donnerstag in Coburg nicht beistehen können. „Ich habe Christian noch nie so außer Rand und Band gesehen“, meinte sein Trainer Frank Carstens. Mindens Sportgeschäftsführer Frank von Behren empfand die Abstandstrafe als unfair, doch er verurteilte Zeitz’ Aussetzer: „Bei allem Verständnis für die Emotionalität in so einem Moment, darf das nicht passieren.“

Zweites Beispiel für die Nervenschwäche sind die kümmerlichen letzten beiden Angriffsversuche der Gastgeber. Statt das siegbringende Tor zu erzielen, produzierten sie – verlassen von jedem Mumm – wie schon beim letzten Angriff in Magdeburg Rohrkrepierer. Sie schafften es nicht, auch nur eine einzige Wurfchance zu generieren. Es passte ins Bild, dass Doruk Pehlivan den letzten Versuch verstolperte und den Ball aus den Händen verlor. Zum Glück war es nicht der letzte Mindener Ballkontakt. Denn als Nordhorn bei 14 Sekunden Restzeit den finalen Spielzug über seine besten Stürmer Philipp Vorlicek und Robert Weber abwickelte, griff Mats Korte ein. Der Mindener bekam nach Vorliceks Zuspiel noch die Hand an den Ball und verhinderte, dass Weber GWD auch noch den zweiten Punkt aus der Lübbecker Kreissporthalle entführte.

„Wenn ein Spiel derart knapp verläuft, ist ein Unentschieden am Ende wohl gerecht“, meinte GWD-Coach Carsten verdrießlich. Sein Gegenüber Daniel Kubes war da klarer aufgestellt: „Ich bin glücklich über das Unentschieden“, sagt der Tscheche: „Wir hatten zwei Monate kein Bundesliga-Spiel, das war ein Kaltstart für uns. Das hat meine Mannschaft sehr gut gemacht.“

Solches Lob fanden die Mindener Macher für ihr Team nicht. „Uns fehlt einfach der Killerinstinkt und die Härte im Abstiegskampf“, haderte Frank von Behren und kritisierte: „Man muss wissen, dass so ein Spiel weh tut, darauf muss man sich einlassen.“

GWD Minden - HSG Nordhorn-Lingen 27:27 (16:16).

Tore für GWD Minden: Gulliksen (8), Korte (6/3), Rambo (5), Knorr (3), Pehlivan (2), Richtzenhain (2), Thiele (1).

Tore für HSG Nordhorn: Weber (9/5), Vorlicek (5), Kalafut (4), Terwolbeck (4), de Boer (2), Pöhle (1), Stegefelt (1), Mickal (1).

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