Die Misere der Paradenzähler: Die Leistung von Malte Semisch lässt sich kaum in Zahlen fassen Marcus Riechmann Minden. Spielplantausch im Turbo-Modus: Statt am Ostersonntag gegen die TSV Hannover-Burgdorf geht es für GWD Minden bereits am morgigen Donnerstag gegen Tusem Essen. Um 19 Uhr treten die Grün-Weißen zum Kellerduell der Handball-Bundesliga in der Sporthalle „Am Hallo“ an. Auch wenn damit das vierte Auswärtsspiel in Folge für sein Team ansteht, ist GWD-Trainer Frank Carstens froh über die kurzfristige Spielansetzung: „Wir müssen keine Pause einlegen und bleiben im Rhythmus“, sagt der Coach. Er weiß um die regelmäßigen Schwierigkeiten seiner Handballer, nach einer Auszeit wieder in die Gänge zu kommen. Wie Sportgeschäftsführer Frank von Behren ist er angetan davon, wie unkompliziert die Lösung umgesetzt wurde, nachdem das Osterspiel gegen Hannover wegen der Corona-Quarantäne der Niedersachsen abgesagt werden musste. Gemeinsam mit Teammanager Günter Gieseking habe er den Plan ersonnen, berichtet von Behren. Weil wie Hannover auch der TBV Lemgo in Quarantäne sitzt und damit das Donnerstagspiel der Essener ausfiel, sei man auf die Idee gekommen, dass Spiel gegen Tusem vom 35. Spieltag vorzuziehen. Essen, die HBL und auch der TV-Sender Sky waren schnell an Bord und setzten die Idee zügig um. In Göppingen und Mannheim ging GWD trotz guter Leistung leer aus. Den Frust der Süddeutschland-Tournee will das Team im Ruhrpott in Energie umsetzen und im „Vier-Punkte-Spiel“ (Carstens) zwei Zähler einsacken. Aber auch Essen hat Wut im Bauch: Nach einer 7:1-Führung verlor der Aufsteiger das Abstiegsduell bei der HSG Nordhorn-Lingen am Sonntag noch 19:22 und verpasste damit „Big Points“ im Ringen um den Klassenerhalt. Frank Carstens beschreibt die an der Tabelle orientierte klare Ausgangslage: „Wir wollen Essen auf Abstand halten, Essen will den Anschluss schaffen.“ Die Grundlage für den Erfolg benennt der Trainer bildhaft: „Das wird ein Spiel, in dem es zu 1000 Prozent auf Mentalität ankommt.“ Zweites Fundament des Mindener Spiels soll die starke Defensive um Malte Semisch sein. So, wie sich die Abwehr stabilisiert hat, hat sich auch die Formkurve des Torhüters entwickelt. Der 2,08 Meter große Keeper profitiert von der Zusammenarbeit mit Gespann-Partner und Personal-Coach Carsten Lichtlein. Der 28-Jährige spielt seit Wochen auf höchstem Niveau und entnervt die gegnerischen Schützen wie jüngst Uwe Gensheimer reihenweise. „Er bringt stabil seine Leistung“, sagt sein Trainer, und Frank von Behren lobt: „Malte ist für uns unglaublich wertvoll.“ In den Statistiken schlägt sich das allerdings nicht immer exakt nieder. In der Datenbank des Ligaverbands HBL pendelt der Mann aus Loccum im Jahr 2021 zwischen 20 und 42 Prozent gehalten Würfe. In der von GWD selbst geführten Statistik sieht es ähnlich aus. Beim 26:26 im Heimspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen wird Semisch bei der HBL mit guten 35 Prozent, in der GWD-Liste mit 28 Prozent geführt. Gefühlt war er besser: Seine Aufgabe im Abwehrverbund hatte Semisch gegen die Löwen mit einer Prachtleistung zu annähernd 100 Prozent erfüllt. Torwartparaden sind eine Problemzone: Die Listen sind nur so gut, wie die Paradenzähler, die sie führen. Und die Listen legen ganz eigene – im Fall der HBL nicht klar kommunizierte – Kriterien für die Bewertung „Gehaltener Ball“ zugrunde. So zählt GWD als gehalten nur dann eine Parade, wenn sie zum Ballbesitz von GWD führt. Der abgewehrte Tempogegenstoß, bei dem der Ball ins Seitenaus fliegt und damit beim Gegner bleibt, wird nicht gezählt. Der abgewehrte Ball beim Siebenmeter, den der Teamkollege reaktionsschnell fängt, ist eine Parade. Die Wertung der individuellen Leistung des Torwartes, nämlich einen Ball aufhalten, der ungeachtet aller anderen Umstände sonst im Tor landet, wird somit von äußeren Faktoren abhängig gemacht: Bei wem landet der abgewehrte Ball? Gibt es im Nachgang einen Freiwurfpfiff? Bei GWD sucht man nach einem kleinen Ausgleich für diese externen Effekte und rechnet auch Würfe neben das Tor zugunsten des Keepers mit. Keine Frage: Exakt ist anders. „Die reale Leistung eines Torwartes lässt sich nicht in einer Statistik abbilden“ sagt Carstens, der die Datensätze daher mit dem gebotenen Abstand betrachtet. Statistiken geben gewisse Anhaltspunkte, mehr nicht. Er meint: „Je älter ein Torhüter ist, desto weniger interessieren ihn Statistiken.“ Viel entscheidender als eine gute Quote sei es, die wichtigen Würfe abzuwehren. Zum Beispiel die letzten. Gerne auch morgen in Essen. Malte Semisch in Zahlen 16:05 Stunden Einsatzdauer, 185 Paraden, 29,5 Prozent Quote gehaltene Würfe. Bei der HBL liegt Semisch mit diesen Werten in der Gruppe der Vielspieler nahezu gleichauf mit Kollegen wie Johannes Bitter (30 Prozent), Joel Birlehm (31,3), Benjamin Buric (32,9) oder Berlins Dejan Milosavljev, der bei 30,7 Prozent Quote mit 213 abgewehrten Würfen die absolut höchste Zahl erreicht hat, aber mit 17:33 Stunden auch die längste Spielzeit aller Bundesliga-Keeper aufweist. Seine Saison-Bestwerte erreichte Semisch im Auswärtsspiel bei der MT Melsungen mit 15 Paraden und der sagenhaften Quote von 55 Prozent bei 55 Minuten Spielzeit sowie im Heimspiel gegen den TBV Lemgo mit 57 Prozent bei allerdings nur zwölf Einsatzminuten in der wichtigen Schlussphase.

Die Misere der Paradenzähler: Die Leistung von Malte Semisch lässt sich kaum in Zahlen fassen

Mindens Rückraumspieler Simon Strakeljahn (links) steht in der ersten Reihe: Er sieht zu wie GWD-Keeper Malte Semisch dem Coburger Torjäger Florian Billek entgegenspringt. Foto: Jan Strohdiek / Eibner © Eibner-Pressefoto / Jan Strohdiek

Minden. Spielplantausch im Turbo-Modus: Statt am Ostersonntag gegen die TSV Hannover-Burgdorf geht es für GWD Minden bereits am morgigen Donnerstag gegen Tusem Essen. Um 19 Uhr treten die Grün-Weißen zum Kellerduell der Handball-Bundesliga in der Sporthalle „Am Hallo“ an.

Auch wenn damit das vierte Auswärtsspiel in Folge für sein Team ansteht, ist GWD-Trainer Frank Carstens froh über die kurzfristige Spielansetzung: „Wir müssen keine Pause einlegen und bleiben im Rhythmus“, sagt der Coach. Er weiß um die regelmäßigen Schwierigkeiten seiner Handballer, nach einer Auszeit wieder in die Gänge zu kommen. Wie Sportgeschäftsführer Frank von Behren ist er angetan davon, wie unkompliziert die Lösung umgesetzt wurde, nachdem das Osterspiel gegen Hannover wegen der Corona-Quarantäne der Niedersachsen abgesagt werden musste. Gemeinsam mit Teammanager Günter Gieseking habe er den Plan ersonnen, berichtet von Behren. Weil wie Hannover auch der TBV Lemgo in Quarantäne sitzt und damit das Donnerstagspiel der Essener ausfiel, sei man auf die Idee gekommen, dass Spiel gegen Tusem vom 35. Spieltag vorzuziehen. Essen, die HBL und auch der TV-Sender Sky waren schnell an Bord und setzten die Idee zügig um.

In Göppingen und Mannheim ging GWD trotz guter Leistung leer aus. Den Frust der Süddeutschland-Tournee will das Team im Ruhrpott in Energie umsetzen und im „Vier-Punkte-Spiel“ (Carstens) zwei Zähler einsacken. Aber auch Essen hat Wut im Bauch: Nach einer 7:1-Führung verlor der Aufsteiger das Abstiegsduell bei der HSG Nordhorn-Lingen am Sonntag noch 19:22 und verpasste damit „Big Points“ im Ringen um den Klassenerhalt.

Frank Carstens beschreibt die an der Tabelle orientierte klare Ausgangslage: „Wir wollen Essen auf Abstand halten, Essen will den Anschluss schaffen.“ Die Grundlage für den Erfolg benennt der Trainer bildhaft: „Das wird ein Spiel, in dem es zu 1000 Prozent auf Mentalität ankommt.“ Zweites Fundament des Mindener Spiels soll die starke Defensive um Malte Semisch sein.

So, wie sich die Abwehr stabilisiert hat, hat sich auch die Formkurve des Torhüters entwickelt. Der 2,08 Meter große Keeper profitiert von der Zusammenarbeit mit Gespann-Partner und Personal-Coach Carsten Lichtlein. Der 28-Jährige spielt seit Wochen auf höchstem Niveau und entnervt die gegnerischen Schützen wie jüngst Uwe Gensheimer reihenweise. „Er bringt stabil seine Leistung“, sagt sein Trainer, und Frank von Behren lobt: „Malte ist für uns unglaublich wertvoll.“

In den Statistiken schlägt sich das allerdings nicht immer exakt nieder. In der Datenbank des Ligaverbands HBL pendelt der Mann aus Loccum im Jahr 2021 zwischen 20 und 42 Prozent gehalten Würfe. In der von GWD selbst geführten Statistik sieht es ähnlich aus. Beim 26:26 im Heimspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen wird Semisch bei der HBL mit guten 35 Prozent, in der GWD-Liste mit 28 Prozent geführt. Gefühlt war er besser: Seine Aufgabe im Abwehrverbund hatte Semisch gegen die Löwen mit einer Prachtleistung zu annähernd 100 Prozent erfüllt.

Torwartparaden sind eine Problemzone: Die Listen sind nur so gut, wie die Paradenzähler, die sie führen. Und die Listen legen ganz eigene – im Fall der HBL nicht klar kommunizierte – Kriterien für die Bewertung „Gehaltener Ball“ zugrunde. So zählt GWD als gehalten nur dann eine Parade, wenn sie zum Ballbesitz von GWD führt. Der abgewehrte Tempogegenstoß, bei dem der Ball ins Seitenaus fliegt und damit beim Gegner bleibt, wird nicht gezählt. Der abgewehrte Ball beim Siebenmeter, den der Teamkollege reaktionsschnell fängt, ist eine Parade. Die Wertung der individuellen Leistung des Torwartes, nämlich einen Ball aufhalten, der ungeachtet aller anderen Umstände sonst im Tor landet, wird somit von äußeren Faktoren abhängig gemacht: Bei wem landet der abgewehrte Ball? Gibt es im Nachgang einen Freiwurfpfiff? Bei GWD sucht man nach einem kleinen Ausgleich für diese externen Effekte und rechnet auch Würfe neben das Tor zugunsten des Keepers mit.

Keine Frage: Exakt ist anders. „Die reale Leistung eines Torwartes lässt sich nicht in einer Statistik abbilden“ sagt Carstens, der die Datensätze daher mit dem gebotenen Abstand betrachtet. Statistiken geben gewisse Anhaltspunkte, mehr nicht. Er meint: „Je älter ein Torhüter ist, desto weniger interessieren ihn Statistiken.“ Viel entscheidender als eine gute Quote sei es, die wichtigen Würfe abzuwehren. Zum Beispiel die letzten. Gerne auch morgen in Essen.

Malte Semisch in Zahlen

16:05 Stunden Einsatzdauer, 185 Paraden, 29,5 Prozent Quote gehaltene Würfe. Bei der HBL liegt Semisch mit diesen Werten in der Gruppe der Vielspieler nahezu gleichauf mit Kollegen wie Johannes Bitter (30 Prozent), Joel Birlehm (31,3), Benjamin Buric (32,9) oder Berlins Dejan Milosavljev, der bei 30,7 Prozent Quote mit 213 abgewehrten Würfen die absolut höchste Zahl erreicht hat, aber mit 17:33 Stunden auch die längste Spielzeit aller Bundesliga-Keeper aufweist.

Seine Saison-Bestwerte erreichte Semisch im Auswärtsspiel bei der MT Melsungen mit 15 Paraden und der sagenhaften Quote von 55 Prozent bei 55 Minuten Spielzeit sowie im Heimspiel gegen den TBV Lemgo mit 57 Prozent bei allerdings nur zwölf Einsatzminuten in der wichtigen Schlussphase.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in GWD Minden