Die Luft ist raus: Nach dem vorzeitigen Klassenerhalt verliert GWD in Wetzlar Astrid Plaßhenrich Wetzlar. Die Atmosphäre war locker, lässig. Der ganz große Druck war am Donnerstag nach dem 24:24 gegen die Eulen Ludwigshafen abgefallen. Mit dem Klassenerhalt im Rücken und einer Riesenparty in den Beinen war für Handball-Bundesligist GWD Minden im letzten Spiel einer verrückten Saison bei der HSG Wetzlar so vieles einfacher. Doch zum letzten großen Wurf reichte es trotz einer erneut kämpferisch starken Leistung nicht. Die Mindener hatten mit 25:28 (13:16) das Nachsehen. „Die letzten Minuten waren ein Spiegel der gesamten Saison. Wir können beim Stand von 26:25 mal wieder unsere Chance nicht nutzen und verlieren dadurch“, fasst GWD-Trainer Frank Carstens 38 Spieltage knapp zusammen. Im Gegensatz zu den meisten Auswärtsfahrten – Lemgo und Hannover bilden da die Ausnahmen – verzichteten die Mindener dieses Mal auf die frühe Anreise am Samstag. Erst am Sonntagmorgen startete die Reise von etwa 300 Kilometern nach Mittelhessen. „Das war ein Wunsch der Spieler“, erklärt Frank Carstens, „wir mussten uns Gedanken machen, wie wir die bestmögliche Frische und Laune für ein Spiel schaffen, in dem es nicht mehr um so viel geht. Deshalb habe ich dem Wunsch entsprochen.“ Die vergangenen Wochen seien schließlich hart gewesen. „Wir dürfen nicht unterschätzen, was passiert, wenn der mentale Druck von den Spielern abfällt. Es ist alles andere als einfach, dann wieder hochzufahren“, sagt der GWD-Trainer. Als der grün-weiße Mannschaftsbus um 11.30 Uhr vor dem Hotel Michel oberhalb der historischen Altstadt hielt, stieg auch Doruk Pehlivan mit aus. Der Rückraumspieler trat die letzte Saisonreise mit an, obwohl er nicht spielen konnte – und dieser Zustand wird sich auch nicht so schnell ändern. Bei dem türkischen Nationalspieler ist im operierten Knie ein Knorpelschaden diagnostiziert worden. Ein weiterer Eingriff ist unvermeidlich. Wie lange Pehlivan dann ausfällt, steht allerdings noch nicht fest. Die Mindener betraten um 14.44 Uhr die Halle. Ihre Blicke waren fokussiert, die Stimmung aber gelöst. Hier ein Lächeln, dort ein Späßchen. Es sollte noch einmal ein Handballfest werden. Linksaußen Joscha Ritterbach spielte in seinem letzten Spiel für GWD von Anfang an und erzielte die erste Mindener Führung zum 2:1. Dagegen saß Kevin Gulliksen vor seinem Absprung nach Göppingen zunächst auf der Bank. Stattdessen startete nach seiner Fußverletzung erstmals wieder Max Staar auf der rechten Seite. Auch Carsten Lichtlein erhielt nach langer Zeit mal wieder den Vorzug vor Malte Semisch im Tor. Und Christoffer Rambo musste bei seinem endgültigen Abschiedsspiel kaum Defensivaufgaben übernehmen und durfte sich im Angriff austoben. Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt: Vor 731 Zuschauern in der Rittal-Arena erwischten die Mindener einen ausgezeichneten Start. GWD führte mit 4:2 (5.) und 7:4 (12.). Doch mit zunehmender Spieldauer schienen die Beine der GWD-Profis immer schwerer und der Kopf leerer zu werden. Die Gäste leisteten sich einfache Fehler, Wetzlar holte sukzessive auf und überholte dann humorlos – auf 16:12 zog die HSG davon. „Ich hätte mir zwischendurch mehr Konsequenz im Zweikampfverhalten gewünscht. Das haben wir in den vergangenen Wochen so gut gemacht. Da hatte ich am wenigsten Bedenken“, sagt Carstens. Aber wie so oft in dieser Saison gaben sich die Mindener nicht auf. Die Einstellung stimmte auch auf den letzten Metern einer langen und kräftezehrenden Spielzeit. „Vor der Moral der Mannschaft kann ich nur immer wieder den Hut ziehen“, betont Carstens zum wiederholtem Male: „Unser Wille hat uns durch die Saison getragen.“ So blieb die Partie lange offen. Christoffer Rambo schaffte den Ausgleich zum 18:18. (38.). Die HSG legte zwar immer wieder vor, aber GWD ließ sich nicht abschütteln. Die Führung sollte den Mindenern aber nicht mehr gelingen. Beim Stand von 25:26 gaben die Mindener die Chance zum Punktgewinn endgültig aus der Hand. Miro Schluroff scheiterte frei an HSG-Torwart Tibor Ivanisevic. Eigentlich hätte die Saison mit einem Unentschieden enden müssen. Es wäre die neunte Punkteteilung gewesen. Und das wäre nach verrückten 38 Spieltagen vom Gefühl her standesgemäß gewesen.

Die Luft ist raus: Nach dem vorzeitigen Klassenerhalt
verliert GWD in Wetzlar

Fest im Griff: Mindens Kreisläufer Lucas Meister wird von Wetzlars Ivan Srsen nicht zimperlich umarmt. Foto: Roeczey/imago © imago images/Beautiful Sports

Wetzlar. Die Atmosphäre war locker, lässig. Der ganz große Druck war am Donnerstag nach dem 24:24 gegen die Eulen Ludwigshafen abgefallen. Mit dem Klassenerhalt im Rücken und einer Riesenparty in den Beinen war für Handball-Bundesligist GWD Minden im letzten Spiel einer verrückten Saison bei der HSG Wetzlar so vieles einfacher. Doch zum letzten großen Wurf reichte es trotz einer erneut kämpferisch starken Leistung nicht. Die Mindener hatten mit 25:28 (13:16) das Nachsehen. „Die letzten Minuten waren ein Spiegel der gesamten Saison. Wir können beim Stand von 26:25 mal wieder unsere Chance nicht nutzen und verlieren dadurch“, fasst GWD-Trainer Frank Carstens 38 Spieltage knapp zusammen.

Im Gegensatz zu den meisten Auswärtsfahrten – Lemgo und Hannover bilden da die Ausnahmen – verzichteten die Mindener dieses Mal auf die frühe Anreise am Samstag. Erst am Sonntagmorgen startete die Reise von etwa 300 Kilometern nach Mittelhessen. „Das war ein Wunsch der Spieler“, erklärt Frank Carstens, „wir mussten uns Gedanken machen, wie wir die bestmögliche Frische und Laune für ein Spiel schaffen, in dem es nicht mehr um so viel geht. Deshalb habe ich dem Wunsch entsprochen.“ Die vergangenen Wochen seien schließlich hart gewesen. „Wir dürfen nicht unterschätzen, was passiert, wenn der mentale Druck von den Spielern abfällt. Es ist alles andere als einfach, dann wieder hochzufahren“, sagt der GWD-Trainer.

Als der grün-weiße Mannschaftsbus um 11.30 Uhr vor dem Hotel Michel oberhalb der historischen Altstadt hielt, stieg auch Doruk Pehlivan mit aus. Der Rückraumspieler trat die letzte Saisonreise mit an, obwohl er nicht spielen konnte – und dieser Zustand wird sich auch nicht so schnell ändern. Bei dem türkischen Nationalspieler ist im operierten Knie ein Knorpelschaden diagnostiziert worden. Ein weiterer Eingriff ist unvermeidlich. Wie lange Pehlivan dann ausfällt, steht allerdings noch nicht fest.

Die Mindener betraten um 14.44 Uhr die Halle. Ihre Blicke waren fokussiert, die Stimmung aber gelöst. Hier ein Lächeln, dort ein Späßchen. Es sollte noch einmal ein Handballfest werden. Linksaußen Joscha Ritterbach spielte in seinem letzten Spiel für GWD von Anfang an und erzielte die erste Mindener Führung zum 2:1. Dagegen saß Kevin Gulliksen vor seinem Absprung nach Göppingen zunächst auf der Bank. Stattdessen startete nach seiner Fußverletzung erstmals wieder Max Staar auf der rechten Seite. Auch Carsten Lichtlein erhielt nach langer Zeit mal wieder den Vorzug vor Malte Semisch im Tor. Und Christoffer Rambo musste bei seinem endgültigen Abschiedsspiel kaum Defensivaufgaben übernehmen und durfte sich im Angriff austoben.

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt: Vor 731 Zuschauern in der Rittal-Arena erwischten die Mindener einen ausgezeichneten Start. GWD führte mit 4:2 (5.) und 7:4 (12.). Doch mit zunehmender Spieldauer schienen die Beine der GWD-Profis immer schwerer und der Kopf leerer zu werden. Die Gäste leisteten sich einfache Fehler, Wetzlar holte sukzessive auf und überholte dann humorlos – auf 16:12 zog die HSG davon. „Ich hätte mir zwischendurch mehr Konsequenz im Zweikampfverhalten gewünscht. Das haben wir in den vergangenen Wochen so gut gemacht. Da hatte ich am wenigsten Bedenken“, sagt Carstens.

Aber wie so oft in dieser Saison gaben sich die Mindener nicht auf. Die Einstellung stimmte auch auf den letzten Metern einer langen und kräftezehrenden Spielzeit. „Vor der Moral der Mannschaft kann ich nur immer wieder den Hut ziehen“, betont Carstens zum wiederholtem Male: „Unser Wille hat uns durch die Saison getragen.“

So blieb die Partie lange offen. Christoffer Rambo schaffte den Ausgleich zum 18:18. (38.). Die HSG legte zwar immer wieder vor, aber GWD ließ sich nicht abschütteln. Die Führung sollte den Mindenern aber nicht mehr gelingen. Beim Stand von 25:26 gaben die Mindener die Chance zum Punktgewinn endgültig aus der Hand. Miro Schluroff scheiterte frei an HSG-Torwart Tibor Ivanisevic. Eigentlich hätte die Saison mit einem Unentschieden enden müssen. Es wäre die neunte Punkteteilung gewesen. Und das wäre nach verrückten 38 Spieltagen vom Gefühl her standesgemäß gewesen.

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