Die Krieger sind müde - GWD spürt bei der Klatsche gegen Magdeburg die Folgen des Bundesliga-Marathons Sebastian Külbel Minden. Am Ende einer ernüchternden Halbzeit gaben GWD Mindens Bundesliga-Handballer ein trostloses Bild ab. Einige hatten ein müdes Lächeln für ihren ehemaligen Mitspieler Magnus Gullerud im gegnerischen Trikot übrig, im Mannschaftskreis waren die Blicke dann wieder leer. Die 25:35 (15:16)-Niederlage gegen den SC Magdeburg hatte den Gastgebern erst so viel Hoffnung gemacht – und sie dann brutal auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. „Die Jungs sind total bedröppelt, sie müssen sich jetzt erstmal schütteln“, schilderte Trainer Frank Carstens die Eindrücke aus der Kabine. Wie eine Naturgewalt waren die favorisierten Gäste von der 38. Minute an über sein bedauernswertes Team hinweg gefegt und warfen in einer fulminanten Schlussphase den Kantersieg heraus. „Magdeburg hat alles ausgenutzt, was wir falsch gemacht haben“, erkannte Carstens. Und das war in der entscheidenden Phase eine fatale Kombination: „Wir haben uns vorne und hinten gleichzeitig eine Auszeit genommen, das war zu viel“, stellte Mindens Trainer enttäuscht fest. Ärgerlich war das vor allem deshalb, weil sich eine Mannschaft am Samstagabend zunächst als durchaus konkurrenzfähig präsentierte. Magdeburg war in Sachen Angriffseffizienz zwar wie erwartet überlegen, doch GWD warf sich mit viel Leidenschaft in die Zweikämpfe und hielt das Spiel vor allem dank einer starken Deckung offen. Vorne ragten erneut einige vergebene Großchancen negativ hervor, doch insgesamt zeigten sich die Gastgeber auch im Abschluss verbessert. „Bis zum 19:21 haben wir das gezeigt, was wir in den vorigen Wochen und Monaten in jedem Spiel gezeigt haben“, nahm Carstens den Auftritt seines Teams zufrieden zur Kenntnis – bis dahin. Als der Gegenwind dann aber für einige Minuten stärker blies, warf er die Mindener um wie ein Orkan. Sieben Minuten lang gelang ihnen nach einigen schlechten Angriffsaktionen kein Tor, der SCM bestrafte diese Nachlässigkeiten mit seinem gefürchteten Tempospiel gnadenlos und zog zum 19:24 davon. Das reichte schon. Denn die GWD-Profis brachten diesmal nicht die Kraft auf, um den Rückstand wettzumachen und das Spiel wieder in eine dieser spannenden Schlussphasen zu lenken, mit denen sie im Marathon-Mai so viele gute Erfahrungen und insgesamt sieben Punkte gesammelt hatten. „Wir versuchen, uns vor dem Spiel in eine Mentalität zu versetzen, die uns zu Kriegern macht. Aber wenn der Kampf dann so klar ist, haben wir alle vielleicht auch nicht mehr daran geglaubt“, räumte Carstens ein. Denn auch er musste feststellen, dass am Samstag nach dem ersten größeren Rückschlag der Widerstand gebrochen war. Sieben Spiele in dreieinhalb Wochen hatten ihre Spuren hinterlassen, seine Krieger waren müde: „Das war eine harte Phase für uns und das spielt vor allem in den Köpfen eine Rolle“, erklärte Carstens weniger körperliche, sondern mentale Defizite. In der Abwehr fehlte GWD in den letzten 20 Minuten die nötige Aggressivität in den Zweikämpfen, Magdeburg kam zu vielen einfachen Toren. Auch im Angriff ging bei den Hausherren am Ende nichts mehr, SCM-Torwart Tobias Thulin kam mit Top-Werten (14 Paraden/47 Prozent gehaltene Bälle) in die Statistik. Ein großer Knackpunkt war das trotzdem nicht, wie Mindens Top-Torschütze Kevin Gulliksen fand: „Wir haben sehr viele schlechte Abschlussmöglichkeiten genommen, er hatte auch einfache Paraden.“ Angesichts dieses Einbruchs ging unterm Strich auch der Kantersieg der Gäste in Ordnung. Das erste Bundesligator von Nachwuchsspieler Paul Holzhacker, der per Siebenmeter zum Endstand traf, war da nur ein schwacher Trost für die Mindener. Die müssen sich jetzt schnell sammeln. Schon heute beginnt die Vorbereitung auf das nächste Spiel am Mittwoch beim SC DHfK Leipzig, erst danach will Coach Carstens eine Zwischenbilanz ziehen. Klar ist schon jetzt, dass der Einbruch gegen Magdeburg ein Makel im bislang so gelungenen Mai ist. Stimmen zum Spiel Frank Carstens (Trainer GWD Minden): "Das Ergebnis ist für uns maximal enttäuschend. Bis zum 19:21 haben wir Kontakt, zwei Tore Rückstand machen uns nicht kaputt. Danach haben wir uns aber nicht gut präsentiert. Wir haben zu früh und leichtfertig abgeschlossen, das Zweikampfverhalten hat in der zweiten Halbzeit extrem nachgelassen. Das war am Ende entscheidender als die Fehlwürfe. Wir gehen emotional und körperlich in jedem Spiel an unsere Grenzen, heute haben wir am Ende aber vor allem im Kopf nachgelassen. Ich will das nicht gutheißen, aber ich habe dafür auch Verständnis." Bennet Wiegert (Trainer SC Magdeburg): "Wir hatten ein hartes Programm, umso glücklicher bin ich, gewonnen zu haben. GWD war zu Hause vier Spiele ungeschlagen und in aufsteigender Form, wir wussten dagegen nicht, was wir im Köcher haben. Wir drücken Woche für Woche die Repeat-Taste und holen alles raus. Ich fand uns in der erste Halbzeit schon gut, wir hätten höher führen können. In der zweiten Halbzeit hatten wir eine fantastische Torwartleistung, die Vieles einfacher macht. Ich bin insgesamt sehr happy, zwei Punkte in Minden sind nicht alltäglich für uns." Kevin Gulliksen (GWD Minden): "Wir hatten schlechte Abschlüsse, Thulin hatte viele Paraden und dann kommen sofort die Konter. Wenn Magdeburg ins Tempospiel kommt, sind sie eine Top-Mannschaft. Da waren sie heute viel besser. Aber wir kämpfen am Mittwoch in Leipzig weiter." Tobias Thulin (SC Magdeburg): "In der ersten Halbzeit hatten wir ein paar Probleme in der Abwehr, da hat Minden es sehr gut gemacht. Das wurde in der zweiten Halbzeit besser und ich kriege auch gute Hilfe bei meinen Paraden."

Die Krieger sind müde - GWD spürt bei der Klatsche gegen Magdeburg die Folgen des Bundesliga-Marathons

Total bedröppelt: GWD Mindens Handball-Profis klatschten sich nach der Pleite gegen Magdeburg enttäuscht ab, Trainer Frank Carstens ist schon auf dem Weg in die Kabine. Foto: Noah Wedel © Noah Wedel

Minden. Am Ende einer ernüchternden Halbzeit gaben GWD Mindens Bundesliga-Handballer ein trostloses Bild ab. Einige hatten ein müdes Lächeln für ihren ehemaligen Mitspieler Magnus Gullerud im gegnerischen Trikot übrig, im Mannschaftskreis waren die Blicke dann wieder leer. Die 25:35 (15:16)-Niederlage gegen den SC Magdeburg hatte den Gastgebern erst so viel Hoffnung gemacht – und sie dann brutal auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

„Die Jungs sind total bedröppelt, sie müssen sich jetzt erstmal schütteln“, schilderte Trainer Frank Carstens die Eindrücke aus der Kabine. Wie eine Naturgewalt waren die favorisierten Gäste von der 38. Minute an über sein bedauernswertes Team hinweg gefegt und warfen in einer fulminanten Schlussphase den Kantersieg heraus. „Magdeburg hat alles ausgenutzt, was wir falsch gemacht haben“, erkannte Carstens.

Und das war in der entscheidenden Phase eine fatale Kombination: „Wir haben uns vorne und hinten gleichzeitig eine Auszeit genommen, das war zu viel“, stellte Mindens Trainer enttäuscht fest. Ärgerlich war das vor allem deshalb, weil sich eine Mannschaft am Samstagabend zunächst als durchaus konkurrenzfähig präsentierte. Magdeburg war in Sachen Angriffseffizienz zwar wie erwartet überlegen, doch GWD warf sich mit viel Leidenschaft in die Zweikämpfe und hielt das Spiel vor allem dank einer starken Deckung offen. Vorne ragten erneut einige vergebene Großchancen negativ hervor, doch insgesamt zeigten sich die Gastgeber auch im Abschluss verbessert. „Bis zum 19:21 haben wir das gezeigt, was wir in den vorigen Wochen und Monaten in jedem Spiel gezeigt haben“, nahm Carstens den Auftritt seines Teams zufrieden zur Kenntnis – bis dahin.

Als der Gegenwind dann aber für einige Minuten stärker blies, warf er die Mindener um wie ein Orkan. Sieben Minuten lang gelang ihnen nach einigen schlechten Angriffsaktionen kein Tor, der SCM bestrafte diese Nachlässigkeiten mit seinem gefürchteten Tempospiel gnadenlos und zog zum 19:24 davon. Das reichte schon.

Denn die GWD-Profis brachten diesmal nicht die Kraft auf, um den Rückstand wettzumachen und das Spiel wieder in eine dieser spannenden Schlussphasen zu lenken, mit denen sie im Marathon-Mai so viele gute Erfahrungen und insgesamt sieben Punkte gesammelt hatten. „Wir versuchen, uns vor dem Spiel in eine Mentalität zu versetzen, die uns zu Kriegern macht. Aber wenn der Kampf dann so klar ist, haben wir alle vielleicht auch nicht mehr daran geglaubt“, räumte Carstens ein.

Denn auch er musste feststellen, dass am Samstag nach dem ersten größeren Rückschlag der Widerstand gebrochen war. Sieben Spiele in dreieinhalb Wochen hatten ihre Spuren hinterlassen, seine Krieger waren müde: „Das war eine harte Phase für uns und das spielt vor allem in den Köpfen eine Rolle“, erklärte Carstens weniger körperliche, sondern mentale Defizite. In der Abwehr fehlte GWD in den letzten 20 Minuten die nötige Aggressivität in den Zweikämpfen, Magdeburg kam zu vielen einfachen Toren.

Auch im Angriff ging bei den Hausherren am Ende nichts mehr, SCM-Torwart Tobias Thulin kam mit Top-Werten (14 Paraden/47 Prozent gehaltene Bälle) in die Statistik. Ein großer Knackpunkt war das trotzdem nicht, wie Mindens Top-Torschütze Kevin Gulliksen fand: „Wir haben sehr viele schlechte Abschlussmöglichkeiten genommen, er hatte auch einfache Paraden.“ Angesichts dieses Einbruchs ging unterm Strich auch der Kantersieg der Gäste in Ordnung.

Das erste Bundesligator von Nachwuchsspieler Paul Holzhacker, der per Siebenmeter zum Endstand traf, war da nur ein schwacher Trost für die Mindener. Die müssen sich jetzt schnell sammeln. Schon heute beginnt die Vorbereitung auf das nächste Spiel am Mittwoch beim SC DHfK Leipzig, erst danach will Coach Carstens eine Zwischenbilanz ziehen. Klar ist schon jetzt, dass der Einbruch gegen Magdeburg ein Makel im bislang so gelungenen Mai ist.

Stimmen zum Spiel

Frank Carstens (Trainer GWD Minden): "Das Ergebnis ist für uns maximal enttäuschend. Bis zum 19:21 haben wir Kontakt, zwei Tore Rückstand machen uns nicht kaputt. Danach haben wir uns aber nicht gut präsentiert. Wir haben zu früh und leichtfertig abgeschlossen, das Zweikampfverhalten hat in der zweiten Halbzeit extrem nachgelassen. Das war am Ende entscheidender als die Fehlwürfe. Wir gehen emotional und körperlich in jedem Spiel an unsere Grenzen, heute haben wir am Ende aber vor allem im Kopf nachgelassen. Ich will das nicht gutheißen, aber ich habe dafür auch Verständnis."

Bennet Wiegert (Trainer SC Magdeburg): "Wir hatten ein hartes Programm, umso glücklicher bin ich, gewonnen zu haben. GWD war zu Hause vier Spiele ungeschlagen und in aufsteigender Form, wir wussten dagegen nicht, was wir im Köcher haben. Wir drücken Woche für Woche die Repeat-Taste und holen alles raus. Ich fand uns in der erste Halbzeit schon gut, wir hätten höher führen können. In der zweiten Halbzeit hatten wir eine fantastische Torwartleistung, die Vieles einfacher macht. Ich bin insgesamt sehr happy, zwei Punkte in Minden sind nicht alltäglich für uns."

Kevin Gulliksen (GWD Minden): "Wir hatten schlechte Abschlüsse, Thulin hatte viele Paraden und dann kommen sofort die Konter. Wenn Magdeburg ins Tempospiel kommt, sind sie eine Top-Mannschaft. Da waren sie heute viel besser. Aber wir kämpfen am Mittwoch in Leipzig weiter."

Tobias Thulin (SC Magdeburg): "In der ersten Halbzeit hatten wir ein paar Probleme in der Abwehr, da hat Minden es sehr gut gemacht. Das wurde in der zweiten Halbzeit besser und ich kriege auch gute Hilfe bei meinen Paraden."

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