Die GWD-Profis sind fit wie nie - dennoch hat die Vorbereitung Tücken Sebastian Külbel Minden. Endlich wieder Handball. Zwei Mannschaften, Sieben gegen Sieben. Nicht wenige Spieler im Kader von GWD Minden dürften das seit dem vorzeitigen Saisonende im März nicht mehr erlebt haben. Entsprechend dankbar stürzen sich die Bundesliga-Profis ins Trainingsspiel ohne Vorgaben oder Beschränkungen. „Alles erlaubt, Vollgas“, sagt Trainer Frank Carstens, und seine Jungs legen los. Allerdings täuscht der gestrige Eindruck aus der Kreissporthalle II über die aktuellen Schwerpunkte hinweg. Die erste Trainingsphase läuft seit dem 20. Juli, bis Ende nächster Woche geht es vor allem um eines: Alle Spieler im Kader auf den gleichen körperlichen Stand bringen, um nach einer Pause am 17. August in die zweite Phase der Vorbereitung einsteigen zu können. „Wir liegen ganz gut im Plan, aber wir merken auch, welche Themen für uns wichtig sind“, sagt Carstens. Dessen wichtigster Austauschpartner ist zurzeit Athletiktrainer Philipp Roessler, der die Körper der Profis in diesem Jahr ganz besonders im Auge hat. Denn die Corona-Zwangspause hat alle Vereine vor besondere Herausforderungen gestellt – mit bemerkenswerten Ergebnissen. „In den Grundfähigkeiten Maximalkraft, Schnellkraft und Ausdauer sind die Spieler deutlich besser als sonst. Einige haben sogar zu viel Muskelmasse“, sagt Roessler über die etwa zwei Monate Heimtraining, als die Profis nur Kraft und Kondition bolzen konnten. Was fehlt, ist das Sportspezifische. „Und das ist der Knackpunkt. Denn selbst in den sechs Wochen, die wir ab Mai noch in die Halle konnten, durften wir kein normales Handballtraining, sondern nur Training mit dem Ball ohne Körperkontakt machen“, schildert Roessler. Vor allem die kurzen Abbruchbewegungen im Kontakttraining fielen dadurch weg, und dieses Defizit werden die Mindener noch länger aufarbeiten – wie alle Teams. Roessler: „Wir sind noch lange nicht auf dem normalen Trainingsniveau.“ Vielmehr setzen er und Carstens auf ein langsames, progressives Aufbauprogramm, um irgendwann wieder in das gewohnte Training zurückzukehren. Immerhin hat GWD einen kleinen Vorteil gegenüber vielen Konkurrenten, denn nur drei andere Vereine hatten nach Aussage von Roessler ebenfalls die Möglichkeit, nach dem Saisonabbruch weiter in der Halle zu trainieren. „Dadurch hoffen wir, verletzungsfreier zu bleiben“, sagt der Fitness-Spezialist. Auch die ausländischen Spieler, die die Pause in ihren Heimatländern verbrachten, sind auf Stand. „Wir benutzen eine Online-Software, mit der ich deren Krafttraining kontrollieren kann, als würden sie neben mir stehen“, erklärt Roessler. Zudem hätten alle bei ihren Heimatvereinen trainieren können, Coach Carstens habe dafür extra Videos mit Übungen drehen lassen. Sondertraining stehe dagegen für die drei Zugänge an, die diese Möglichkeit nicht hatten. „Aber das kriegen wir hin“, sagt Roessler. Auch er profitiert dabei von der Leistungsbereitschaft der heutigen Handballer-Generation. „Den Spielern ist heute einfach viel klarer, was die Grundidee von Profisport darstellt“, sagt der Athletiktrainer, der in sein zwölftes Jahr bei GWD geht: „Die Jungs sind wissbegieriger und viel offener geworden.“ So wird er mit ihnen diesmal auch schneller an den individuellen Schwachstellen arbeiten können als gewohnt: „Wir machen diesmal nur zwei Wochen Maximalkraft, sonst sind es sechs. Die Spieler sind so fit wie nie.“ Dennoch sind die Körper der Profis momentan eine unsichere Variable – auch bei GWD. „Man merkt nach dieser langen Pause, dass es nicht so geht wie sonst“, sagt Chefcoach Carstens: „Wir fahren auf Sicht: Wie belastbar sind die Spieler, wie viel können sie im Training einbringen?“ Die Vorsicht ist deshalb groß, Torwart Malte Semisch absolviert etwa wegen einer Fußprellung kein normales Mannschaftstraining, andere Spieler erhalten bei kleinen Anzeichen eine Pause. „Wir müssen einfach vorsichtig sein“, findet Carstens. Die spielerischen Einheiten im Training genoss er aber trotzdem – genau wie seine Spieler.

Die GWD-Profis sind fit wie nie - dennoch hat die Vorbereitung Tücken

„Alles erlaubt, Vollgas“: Erstmals seit Mitte März standen sich die GWD-Profis im Training wieder zu einem echten Handballspiel gegenüber – mit sichtlich hohem Engagement. MT- © Foto: Sebastian Külbel

Minden. Endlich wieder Handball. Zwei Mannschaften, Sieben gegen Sieben. Nicht wenige Spieler im Kader von GWD Minden dürften das seit dem vorzeitigen Saisonende im März nicht mehr erlebt haben. Entsprechend dankbar stürzen sich die Bundesliga-Profis ins Trainingsspiel ohne Vorgaben oder Beschränkungen. „Alles erlaubt, Vollgas“, sagt Trainer Frank Carstens, und seine Jungs legen los.

Allerdings täuscht der gestrige Eindruck aus der Kreissporthalle II über die aktuellen Schwerpunkte hinweg. Die erste Trainingsphase läuft seit dem 20. Juli, bis Ende nächster Woche geht es vor allem um eines: Alle Spieler im Kader auf den gleichen körperlichen Stand bringen, um nach einer Pause am 17. August in die zweite Phase der Vorbereitung einsteigen zu können. „Wir liegen ganz gut im Plan, aber wir merken auch, welche Themen für uns wichtig sind“, sagt Carstens.

Dessen wichtigster Austauschpartner ist zurzeit Athletiktrainer Philipp Roessler, der die Körper der Profis in diesem Jahr ganz besonders im Auge hat. Denn die Corona-Zwangspause hat alle Vereine vor besondere Herausforderungen gestellt – mit bemerkenswerten Ergebnissen. „In den Grundfähigkeiten Maximalkraft, Schnellkraft und Ausdauer sind die Spieler deutlich besser als sonst. Einige haben sogar zu viel Muskelmasse“, sagt Roessler über die etwa zwei Monate Heimtraining, als die Profis nur Kraft und Kondition bolzen konnten.

Was fehlt, ist das Sportspezifische. „Und das ist der Knackpunkt. Denn selbst in den sechs Wochen, die wir ab Mai noch in die Halle konnten, durften wir kein normales Handballtraining, sondern nur Training mit dem Ball ohne Körperkontakt machen“, schildert Roessler. Vor allem die kurzen Abbruchbewegungen im Kontakttraining fielen dadurch weg, und dieses Defizit werden die Mindener noch länger aufarbeiten – wie alle Teams. Roessler: „Wir sind noch lange nicht auf dem normalen Trainingsniveau.“ Vielmehr setzen er und Carstens auf ein langsames, progressives Aufbauprogramm, um irgendwann wieder in das gewohnte Training zurückzukehren.

Immerhin hat GWD einen kleinen Vorteil gegenüber vielen Konkurrenten, denn nur drei andere Vereine hatten nach Aussage von Roessler ebenfalls die Möglichkeit, nach dem Saisonabbruch weiter in der Halle zu trainieren. „Dadurch hoffen wir, verletzungsfreier zu bleiben“, sagt der Fitness-Spezialist. Auch die ausländischen Spieler, die die Pause in ihren Heimatländern verbrachten, sind auf Stand. „Wir benutzen eine Online-Software, mit der ich deren Krafttraining kontrollieren kann, als würden sie neben mir stehen“, erklärt Roessler. Zudem hätten alle bei ihren Heimatvereinen trainieren können, Coach Carstens habe dafür extra Videos mit Übungen drehen lassen. Sondertraining stehe dagegen für die drei Zugänge an, die diese Möglichkeit nicht hatten. „Aber das kriegen wir hin“, sagt Roessler.

Auch er profitiert dabei von der Leistungsbereitschaft der heutigen Handballer-Generation. „Den Spielern ist heute einfach viel klarer, was die Grundidee von Profisport darstellt“, sagt der Athletiktrainer, der in sein zwölftes Jahr bei GWD geht: „Die Jungs sind wissbegieriger und viel offener geworden.“ So wird er mit ihnen diesmal auch schneller an den individuellen Schwachstellen arbeiten können als gewohnt: „Wir machen diesmal nur zwei Wochen Maximalkraft, sonst sind es sechs. Die Spieler sind so fit wie nie.“

Dennoch sind die Körper der Profis momentan eine unsichere Variable – auch bei GWD. „Man merkt nach dieser langen Pause, dass es nicht so geht wie sonst“, sagt Chefcoach Carstens: „Wir fahren auf Sicht: Wie belastbar sind die Spieler, wie viel können sie im Training einbringen?“ Die Vorsicht ist deshalb groß, Torwart Malte Semisch absolviert etwa wegen einer Fußprellung kein normales Mannschaftstraining, andere Spieler erhalten bei kleinen Anzeichen eine Pause. „Wir müssen einfach vorsichtig sein“, findet Carstens. Die spielerischen Einheiten im Training genoss er aber trotzdem – genau wie seine Spieler.

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