Der nächste Kraftakt: GWD Minden muss wieder mal umziehen Marcus Riechmann Minden. April, Mai oder Juni – irgendwann macht die Kampa-Halle vielleicht wieder auf. Wann der Handball-Bundesligist GWD Minden in seine alte Heimstatt zurückkehren und wieder Spiele an der Hahler Straße austragen wird, ist offen. Erst wenn der Sanierungs-Zeitplan konkret werde, könne man sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen, lässt GWD-Finanzgeschäftsführer Markus Kalusche wissen. Er ist angesichts der unkalkulierbaren Entwicklungen rund um die Kampa-Halle vorsichtig geworden und plant zunächst die Rückkehr aus dem Notquartier in Lübbecke erst zum Start der neuen Saison im September. Doch die Mannschaft wird bereits vorher wieder in die Kampa-Halle wechseln und damit wieder so etwas wie ein Trainingszentrum beziehen. „Auch dort sind die Bedingungen nicht optimal und weit von dem entfernt, was andere Bundesligisten bieten", sagt Frank von Behren. Auch in der Kampa-Halle fehle es an manchen Selbstverständlichkeiten moderner Trainingszentren. Zudem man muss sich Hallenzeiten und Umkleidekabine mit den Schulen und anderen Vereinen teilen und zum morgendlichen Training in andere Sporthallen ausweichen. Doch die Rückkehr in die Kampa-Halle sei besser, als das Nomadenleben, das die GWD-Profis seit einem Jahr mit Trainingseinheiten in verschiedenen Hallen und Einrichtungen führen. „Das war viel Behelf", sagt von Behren, der seinen aktuellen Spielern und denen, die er noch nach Minden lotsen möchte, gern eine professionellere Infra-Struktur bieten würde: „Die Umstände hier in Minden sind nicht erstligatauglich." Mehrmals musste sich das Team in diesem Jahr allein für das wichtige Krafttraining neue Räume suchen und die 2015 angeschafften Trainingsgeräte durch die Stadt schleppen oder zwischenlagern. Zunächst fand das Team eine Bleibe bei den Gewichthebern der Kraftmühle bei Crossfit in Leteln. Die Corona-Schließung machten den Umzug an die Kutenhauser Straße zu Premium Sport nötig. Das Studio bietet auch Gesundheits-Sport an und blieb daher auch in den Lockdown-Phasen geöffnet. Doch für das Gewichttraining der Handballprofis sind die Räume dort nicht ausgelegt, das Team konnte nur eingeschränkt trainieren. Und so ist man erneut umgezogen und hat den nächsten Kraftakt gestemmt. GWD hat sich zum Trainingsauftakt nach der Winterpause einen Kraftraum im markanten weißen Hochhaus an der Ringstraße eingerichtet. Dort mietete sich GWD in nicht mehr genutzten Büroräume ein, die Spieler halfen beim Umzug und schleppten Stahl und Eisen in ihre neue „Mucki-Bude". Für Trainer Frank Carstens besitzt das funktionelle Krafttraining einen hohen Stellenwert. Eine seiner ersten Amtshandlungen war im Jahr 2015 die Investition in entsprechende Geräte wie Langhantelstationen. „Das hat sich absolut ausgezahlt", sagt Carstens, besonders für die Entwicklung jungen Spieler sei das handballspezifische Krafttraining wichtig. Auch der neue Kraftraum wird nur eine Not-Lösung für den Übergang sein. „Wir sind glücklich, dass wir diese Möglichkeit haben", sagt von Behren, der auch den vorherigen Gastgebern dankt: „Das war eine wichtige Hilfe für uns." Er nennt die Vorteile an der Ringstraße: GWD nutzt den Raum allein und trifft nicht auf andere Sportler – speziell in der Corona-Zeit ein wichtiger Faktor. Man müsse nicht ständig umräumen, könne das Equipment aufgebaut lassen und die Nutzungszeit frei einteilen. „Aber es gibt auch Grenzen", sagt von Behren und spricht damit nicht nur die fehlenden Duschen an: Die Fläche sei begrenzt, der Boden nicht für die schweren Sportgeräte ausgelegt, die Raumhöhe nicht ausreichend: „Wenn Malte Semisch ein Gewicht ganz hochhebt, reißt er ein Loch in die Decke", veranschaulicht von Behren am Beispiel des 2,08 Meter großen Torhüters. Und so wird GWD mit der Wiedereröffnung der Kampa-Halle erneut umziehen und den Kraftraum dort nutzen. „Das ist einfach besser, und wir haben die Laufbahn und die Halle direkt nebenan", sagt von Behren. Wie lange GWD den alten Kraftraum dann nutzen kann? Das weiß man bei der Kampa-Halle nie so genau. Der nächste Umzug kommt bestimmt. Kommentar zu GWD, Gewurschtel und Infrastruktur: Mindener Verhältnisse Marcus Riechmann Es gibt Fans und Sponsoren, denen GWD Minden am Herzen liegt. Es gibt Menschen, die sich für Bundesliga-Handball in Minden einsetzen. Zum Glück. Denn ohne sie wäre es um den Spitzensport in der Stadt schlecht bestellt. Längst nicht allen im Mindener Land ist bewusst, dass ein Erstligist vor der Haustür keine Selbstverständlichkeit ist. Doch es scheint, als habe man sich über die vergangenen Jahrzehnte daran gewöhnt, dass GWD in der Bundesliga spielt. Das war ja schon immer so. Das darf man den Bürgern nicht verübeln und muss vielmehr der GWD-Marketing-Abteilung ein Ansporn sein. Doch von der Lokalpolitik kann man ein bisschen mehr erwarten. Denen, die sich um das Wohl der Stadt sicherlich redlich bemühen, darf bewusst sein, welche Wirkung ein Bundesligist entfaltet: Als gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Faktor, als Imageträger, als sportlicher Motor für eine ganze Region, als eine die Menschen verbindende Kraft. Anderswo wird dem Profisport der Rote Teppich ausgerollt, in Minden wird er gerne mal in Frage gestellt und mit Rechtfertigungsdebatten konfrontiert. Die Stadt und die Region werden beizeiten eine Entscheidung treffen und sich klar positionieren müssen: Will man den Bundesliga-Standort erhalten und fördern? Wenn ja, dann ist es an der Zeit, das auch deutlich zu machen, an den Voraussetzungen zu arbeiten und gemeinsam mit dem Klub und den Sponsoren die notwendigen Trainings- und Spielbedingungen zu schaffen. Wenn nein, dann ist nichts weiter nötig. Dann genügt es, das halbgare Hü-und-Hott-Gewurschtel rund um Kampa-, Multihalle und Leistungssportzentrum der vergangenen Jahre beizubehalten. Dann erledigt sich das Tema Spitzensport in Minden mit der Zeit von allein.

Der nächste Kraftakt: GWD Minden muss wieder mal umziehen

In der Letelner Crossfit-Box fanden die GWD-Profis beste Bedingungen vor. Dort stählten Joshua Thiele und seine Teamkollegen die Muskulatur vor dem Saisonstart, Dann zwang der Herbst-Lockdown sie zum Wechsel ins Premium-Sport-Centrum an die Kutenhauser. Bereits jetzt deutet sich der nächste Umzug des Teams an. MT-Foto: Sebastian Külbel © Sebastian Külbel

Minden. April, Mai oder Juni – irgendwann macht die Kampa-Halle vielleicht wieder auf. Wann der Handball-Bundesligist GWD Minden in seine alte Heimstatt zurückkehren und wieder Spiele an der Hahler Straße austragen wird, ist offen. Erst wenn der Sanierungs-Zeitplan konkret werde, könne man sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen, lässt GWD-Finanzgeschäftsführer Markus Kalusche wissen. Er ist angesichts der unkalkulierbaren Entwicklungen rund um die Kampa-Halle vorsichtig geworden und plant zunächst die Rückkehr aus dem Notquartier in Lübbecke erst zum Start der neuen Saison im September.

Doch die Mannschaft wird bereits vorher wieder in die Kampa-Halle wechseln und damit wieder so etwas wie ein Trainingszentrum beziehen. „Auch dort sind die Bedingungen nicht optimal und weit von dem entfernt, was andere Bundesligisten bieten", sagt Frank von Behren. Auch in der Kampa-Halle fehle es an manchen Selbstverständlichkeiten moderner Trainingszentren. Zudem man muss sich Hallenzeiten und Umkleidekabine mit den Schulen und anderen Vereinen teilen und zum morgendlichen Training in andere Sporthallen ausweichen.

Vor dem Stemmen der Gewichte stand das Schleppen: Beim Umzug packten die Spieler mit an. - © privat
Vor dem Stemmen der Gewichte stand das Schleppen: Beim Umzug packten die Spieler mit an. - © privat

Doch die Rückkehr in die Kampa-Halle sei besser, als das Nomadenleben, das die GWD-Profis seit einem Jahr mit Trainingseinheiten in verschiedenen Hallen und Einrichtungen führen. „Das war viel Behelf", sagt von Behren, der seinen aktuellen Spielern und denen, die er noch nach Minden lotsen möchte, gern eine professionellere Infra-Struktur bieten würde: „Die Umstände hier in Minden sind nicht erstligatauglich."

Neue Heimat: An den Langhantelstationen trainieren die GWD-Profis künftig. Fotos: privat - © privat
Neue Heimat: An den Langhantelstationen trainieren die GWD-Profis künftig. Fotos: privat - © privat

Mehrmals musste sich das Team in diesem Jahr allein für das wichtige Krafttraining neue Räume suchen und die 2015 angeschafften Trainingsgeräte durch die Stadt schleppen oder zwischenlagern. Zunächst fand das Team eine Bleibe bei den Gewichthebern der Kraftmühle bei Crossfit in Leteln. Die Corona-Schließung machten den Umzug an die Kutenhauser Straße zu Premium Sport nötig. Das Studio bietet auch Gesundheits-Sport an und blieb daher auch in den Lockdown-Phasen geöffnet. Doch für das Gewichttraining der Handballprofis sind die Räume dort nicht ausgelegt, das Team konnte nur eingeschränkt trainieren.

Und so ist man erneut umgezogen und hat den nächsten Kraftakt gestemmt. GWD hat sich zum Trainingsauftakt nach der Winterpause einen Kraftraum im markanten weißen Hochhaus an der Ringstraße eingerichtet. Dort mietete sich GWD in nicht mehr genutzten Büroräume ein, die Spieler halfen beim Umzug und schleppten Stahl und Eisen in ihre neue „Mucki-Bude".

Für Trainer Frank Carstens besitzt das funktionelle Krafttraining einen hohen Stellenwert. Eine seiner ersten Amtshandlungen war im Jahr 2015 die Investition in entsprechende Geräte wie Langhantelstationen. „Das hat sich absolut ausgezahlt", sagt Carstens, besonders für die Entwicklung jungen Spieler sei das handballspezifische Krafttraining wichtig.

Auch der neue Kraftraum wird nur eine Not-Lösung für den Übergang sein. „Wir sind glücklich, dass wir diese Möglichkeit haben", sagt von Behren, der auch den vorherigen Gastgebern dankt: „Das war eine wichtige Hilfe für uns." Er nennt die Vorteile an der Ringstraße: GWD nutzt den Raum allein und trifft nicht auf andere Sportler – speziell in der Corona-Zeit ein wichtiger Faktor. Man müsse nicht ständig umräumen, könne das Equipment aufgebaut lassen und die Nutzungszeit frei einteilen. „Aber es gibt auch Grenzen", sagt von Behren und spricht damit nicht nur die fehlenden Duschen an: Die Fläche sei begrenzt, der Boden nicht für die schweren Sportgeräte ausgelegt, die Raumhöhe nicht ausreichend: „Wenn Malte Semisch ein Gewicht ganz hochhebt, reißt er ein Loch in die Decke", veranschaulicht von Behren am Beispiel des 2,08 Meter großen Torhüters.

Und so wird GWD mit der Wiedereröffnung der Kampa-Halle erneut umziehen und den Kraftraum dort nutzen. „Das ist einfach besser, und wir haben die Laufbahn und die Halle direkt nebenan", sagt von Behren. Wie lange GWD den alten Kraftraum dann nutzen kann? Das weiß man bei der Kampa-Halle nie so genau. Der nächste Umzug kommt bestimmt.

Kommentar zu GWD, Gewurschtel und Infrastruktur: Mindener Verhältnisse

Marcus Riechmann

Es gibt Fans und Sponsoren, denen GWD Minden am Herzen liegt. Es gibt Menschen, die sich für Bundesliga-Handball in Minden einsetzen. Zum Glück. Denn ohne sie wäre es um den Spitzensport in der Stadt schlecht bestellt.

Längst nicht allen im Mindener Land ist bewusst, dass ein Erstligist vor der Haustür keine Selbstverständlichkeit ist. Doch es scheint, als habe man sich über die vergangenen Jahrzehnte daran gewöhnt, dass GWD in der Bundesliga spielt. Das war ja schon immer so.

Das darf man den Bürgern nicht verübeln und muss vielmehr der GWD-Marketing-Abteilung ein Ansporn sein. Doch von der Lokalpolitik kann man ein bisschen mehr erwarten. Denen, die sich um das Wohl der Stadt sicherlich redlich bemühen, darf bewusst sein, welche Wirkung ein Bundesligist entfaltet: Als gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Faktor, als Imageträger, als sportlicher Motor für eine ganze Region, als eine die Menschen verbindende Kraft.

Anderswo wird dem Profisport der Rote Teppich ausgerollt, in Minden wird er gerne mal in Frage gestellt und mit Rechtfertigungsdebatten konfrontiert. Die Stadt und die Region werden beizeiten eine Entscheidung treffen und sich klar positionieren müssen: Will man den Bundesliga-Standort erhalten und fördern? Wenn ja, dann ist es an der Zeit, das auch deutlich zu machen, an den Voraussetzungen zu arbeiten und gemeinsam mit dem Klub und den Sponsoren die notwendigen Trainings- und Spielbedingungen zu schaffen.

Wenn nein, dann ist nichts weiter nötig. Dann genügt es, das halbgare Hü-und-Hott-Gewurschtel rund um Kampa-, Multihalle und Leistungssportzentrum der vergangenen Jahre beizubehalten. Dann erledigt sich das Tema Spitzensport in Minden mit der Zeit von allein.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in GWD Minden