Der größte Wühler schnappt GWD Minden den Punkt weg Marcus Riechmann Minden. Die Mini-Serie von GWD Minden ist nach drei Siegen in Folge gerissen, die kleine Aufholjagd in der Handball-Bundesliga ist gestoppt. Mit der 23:24 (10:12)-Heimniederlage gegen die HSG Wetzlar verpasste es die Mannschaft um den überragenden Torjäger Amine Darmoul, den letzten Tabellenplatz erstmals nach Monaten zu verlassen. Stattdessen muss das Schlusslicht nun alle Konzentration und Hoffnung auf das letzte Spiel des Jahres legen, wenn am zweiten Weihnachtstag die unmittelbar vor GWD auf Rang 17 platzierte Mannschaft von HBW Balingen-Weilstetten zum Rückrundenauftakt in die Kampa-Halle kommt. „Minden hatte heute einen Punkt verdient“, meinte Gästecoach Benjamin Matschke zwar anerkennend, doch GWD ließ vor 1.182 Zuschauern einfach zu viele gute Chancen aus. „Den Punkt hätten wir gerne mitgenommen“, ärgerte sich GWD-Trainer Frank Carstens nach der als vermeidbar empfundenen Niederlage. Immerhin – aus Mindener Sicht – verpasste Kellerkonkurrent TVB Stuttgart eine Überraschung und verlor nach zwischenzeitlicher 25:22-Führung noch 31:35 beim THW Kiel. Ein allerdings schwacher Trost für die enttäuschten Grün-Weißen. Die zweite Halbzeit war es ein „Wühlerspiel“ sagt Frank Carstens über einen zerfahrenen und erbittert geführten Kampf. Und so passte es, dass der größte Wühler auf dem Spielfeld das entscheidende Tor erzielte. Nachdem er sich zuvor zig Mal in die Mindener Abwehr geworfen hatte, machte Wetzlars Mittelmann Magnus Fredriksen mit seinem ersten und zugleich einzigen Treffer zum 24:22 den Auswärtssieg der Hessen perfekt. Der Schwede wurde damit zum zweiten Mal in Folge zum Matchwinner, denn bereits am Sonntag hatte er für Wetzlar das Siegtor zum 29:27 gegen den THW Kiel geworfen. Damit kulminierte die Begegnung in einem nahezu tragischen Finale: Denn ehe der zuvor erfolglose Fredriksen traf, hatte in Amine Darmoul ausgerechnet der beste Schütze der Partie den letzten GWD-Angriff verstolpert und die Ausgleichschance vertan.Darmoul war am Abend Mindens Allzweckwaffe. Vor allem in der zweiten Halbzeit, als der GWD-Angriff stockte, narrte er die Gäste-Abwehr und traf fast nach Belieben. „Den haben wir nicht verteidigt bekommen“, sagte HSG-Trainer Matschke. „Amine hat eine fantastische zweite Halbzeit gespielt. Aber ein einzelner Spieler reicht nicht aus“, meinte Carstens mit einer Mischung aus Lob für seinem Torjäger und Frust darüber, dass die Unterstützung der Mitspieler fehlte. „Wenn es darauf ankam, haben wir Bälle liegen lassen. Wir haben zu viele, teilweise zu leichte Fehler gemacht“, haderte Carstens und meinte mit Blick auf Darmouls Unzulänglichkeit: „Das ist das beste Beispiel.“ Doch ein gutes Beispiel war der Fehler des Tunesiers eigentlich nur für die Schlussminuten. Der von der Wetzlarer Abwehr nicht zu bremsende Wirbelwind hatte GWD als Alleinunterhalter erst ins Rennen um Punkte geführt. Mit den Toren 18, 19, 20 und dann 22 sorgte der Spielmacher drei Minuten vor dem Abpfiff beim 22:22 für den ersten Ausgleich der zweiten Halbzeit. Längst standen da die Fans und trieben das Team mit „Dankersen“-Rufen an. Als dann auch noch Malte Semisch einen weiteren Wurf von HSG-Rechtsaußen Lars Weissgerber abwehrte, war der Weg frei zur ersten Mindener Führung. Doch gegen die nun maximal offensive Gäste-Abwehr verstolperte erst Miro Schluroff das Spielgerät, was Emil Mellegard zur erneuter Führung Wetzlars nutzte. Danach versprang Darmoul der Ball. Das 23:24 durch Tomas Urban kam zu spät. Wetzlar ließ die letzten Sekunden nach dem Anschlusstor lässig von der Uhr tickern. Anders als noch im Juni, als Matschke mit den Eulen Ludwigshafen gegen GWD mit dem Abstieg eine der bittersten Stunden seiner Laufbahn erlebte, hatte dieses Mal mehr Glück, denn GWD gelang nicht wie einst noch der Ausgleich.Zuvor waren es aber nicht so sehr die technischen Fehler gewesen, als vielmehr die unzähligen Fahrkarten nach besten Chancen, die Minden das Leben schwer machten. Die einstigen Spätstarter waren nämlich mal wieder prächtig in die Partie gekommen und hatten flugs eine 5:2-Führung vorgelegt. Gestützt auf eine Top-Deckung hielt Minden den Tabellenfünften im Griff. Immer wieder drängte GWD die Gäste ins Zeitspiel, der wurfstarke Lenny Rubin wurde von Max Staar komplett abgemeldet. „Minden war besser, die waren sofort da“, erkannte Matschke an. Eigentlich liefen die Dinge für GWD nach Plan, doch früh zeigte sich das Manko des Abends: Reihenweise verballerten Max Staar, Niclas Pieczkowski und Co. gute Wurfchancen. Minden besaß im Malte Semisch zwar selbst einen erneut guten Rückhalt, doch noch stärker war Wetzlars Anadin Suljakovic, der den Vorzug vor dem frisch in den EM-Kader berufenen Till Klimpke hielt und die Wahl Matschkes mit einer Glanzleistung rechtfertigte. Und so vergab GWD in Halbzeit eins eine mögliche klare Führung und geriet stattdessen von 8:6 zum 8:10 in Rückstand – einen Rückstand, dem die Mindener bis zum Schluss hinterherliefen.Früh beendet war die Partie für Wetzlars Kreisläufer Felix Danner, der in der intensiven aber keinesfalls unfairen Partie bereits nach 21 Spielminute die Rote Karte sah. Mit einem Unterarmtreffer in das Gesicht streckte er Jan Grebenc nieder und riss den am Boden liegenden Mindener hernach ruppig von Boden hoch.

Der größte Wühler schnappt GWD Minden den Punkt weg

Und wieder nichts: Der Frust über eine weitere vergebene Torchance seines Teams steht Mindens Linkshänder Tomas Urban ins Gesicht geschrieben. Foto: ©Angela Metge

Minden. Die Mini-Serie von GWD Minden ist nach drei Siegen in Folge gerissen, die kleine Aufholjagd in der Handball-Bundesliga ist gestoppt. Mit der 23:24 (10:12)-Heimniederlage gegen die HSG Wetzlar verpasste es die Mannschaft um den überragenden Torjäger Amine Darmoul, den letzten Tabellenplatz erstmals nach Monaten zu verlassen. Stattdessen muss das Schlusslicht nun alle Konzentration und Hoffnung auf das letzte Spiel des Jahres legen, wenn am zweiten Weihnachtstag die unmittelbar vor GWD auf Rang 17 platzierte Mannschaft von HBW Balingen-Weilstetten zum Rückrundenauftakt in die Kampa-Halle kommt.

„Minden hatte heute einen Punkt verdient“, meinte Gästecoach Benjamin Matschke zwar anerkennend, doch GWD ließ vor 1.182 Zuschauern einfach zu viele gute Chancen aus. „Den Punkt hätten wir gerne mitgenommen“, ärgerte sich GWD-Trainer Frank Carstens nach der als vermeidbar empfundenen Niederlage. Immerhin – aus Mindener Sicht – verpasste Kellerkonkurrent TVB Stuttgart eine Überraschung und verlor nach zwischenzeitlicher 25:22-Führung noch 31:35 beim THW Kiel. Ein allerdings schwacher Trost für die enttäuschten Grün-Weißen.

Mann des Tages war GWD-Torjäger Amine Darmoul, der neun Treffer erzielte. Foto: - ©Angela Metge
Mann des Tages war GWD-Torjäger Amine Darmoul, der neun Treffer erzielte. Foto: - ©Angela Metge

Die zweite Halbzeit war es ein „Wühlerspiel“ sagt Frank Carstens über einen zerfahrenen und erbittert geführten Kampf. Und so passte es, dass der größte Wühler auf dem Spielfeld das entscheidende Tor erzielte. Nachdem er sich zuvor zig Mal in die Mindener Abwehr geworfen hatte, machte Wetzlars Mittelmann Magnus Fredriksen mit seinem ersten und zugleich einzigen Treffer zum 24:22 den Auswärtssieg der Hessen perfekt. Der Schwede wurde damit zum zweiten Mal in Folge zum Matchwinner, denn bereits am Sonntag hatte er für Wetzlar das Siegtor zum 29:27 gegen den THW Kiel geworfen. Damit kulminierte die Begegnung in einem nahezu tragischen Finale: Denn ehe der zuvor erfolglose Fredriksen traf, hatte in Amine Darmoul ausgerechnet der beste Schütze der Partie den letzten GWD-Angriff verstolpert und die Ausgleichschance vertan.

Darmoul war am Abend Mindens Allzweckwaffe. Vor allem in der zweiten Halbzeit, als der GWD-Angriff stockte, narrte er die Gäste-Abwehr und traf fast nach Belieben. „Den haben wir nicht verteidigt bekommen“, sagte HSG-Trainer Matschke. „Amine hat eine fantastische zweite Halbzeit gespielt. Aber ein einzelner Spieler reicht nicht aus“, meinte Carstens mit einer Mischung aus Lob für seinem Torjäger und Frust darüber, dass die Unterstützung der Mitspieler fehlte.

„Wenn es darauf ankam, haben wir Bälle liegen lassen. Wir haben zu viele, teilweise zu leichte Fehler gemacht“, haderte Carstens und meinte mit Blick auf Darmouls Unzulänglichkeit: „Das ist das beste Beispiel.“ Doch ein gutes Beispiel war der Fehler des Tunesiers eigentlich nur für die Schlussminuten. Der von der Wetzlarer Abwehr nicht zu bremsende Wirbelwind hatte GWD als Alleinunterhalter erst ins Rennen um Punkte geführt. Mit den Toren 18, 19, 20 und dann 22 sorgte der Spielmacher drei Minuten vor dem Abpfiff beim 22:22 für den ersten Ausgleich der zweiten Halbzeit. Längst standen da die Fans und trieben das Team mit „Dankersen“-Rufen an. Als dann auch noch Malte Semisch einen weiteren Wurf von HSG-Rechtsaußen Lars Weissgerber abwehrte, war der Weg frei zur ersten Mindener Führung. Doch gegen die nun maximal offensive Gäste-Abwehr verstolperte erst Miro Schluroff das Spielgerät, was Emil Mellegard zur erneuter Führung Wetzlars nutzte. Danach versprang Darmoul der Ball. Das 23:24 durch Tomas Urban kam zu spät. Wetzlar ließ die letzten Sekunden nach dem Anschlusstor lässig von der Uhr tickern. Anders als noch im Juni, als Matschke mit den Eulen Ludwigshafen gegen GWD mit dem Abstieg eine der bittersten Stunden seiner Laufbahn erlebte, hatte dieses Mal mehr Glück, denn GWD gelang nicht wie einst noch der Ausgleich.

Zuvor waren es aber nicht so sehr die technischen Fehler gewesen, als vielmehr die unzähligen Fahrkarten nach besten Chancen, die Minden das Leben schwer machten. Die einstigen Spätstarter waren nämlich mal wieder prächtig in die Partie gekommen und hatten flugs eine 5:2-Führung vorgelegt. Gestützt auf eine Top-Deckung hielt Minden den Tabellenfünften im Griff. Immer wieder drängte GWD die Gäste ins Zeitspiel, der wurfstarke Lenny Rubin wurde von Max Staar komplett abgemeldet. „Minden war besser, die waren sofort da“, erkannte Matschke an. Eigentlich liefen die Dinge für GWD nach Plan, doch früh zeigte sich das Manko des Abends: Reihenweise verballerten Max Staar, Niclas Pieczkowski und Co. gute Wurfchancen. Minden besaß im Malte Semisch zwar selbst einen erneut guten Rückhalt, doch noch stärker war Wetzlars Anadin Suljakovic, der den Vorzug vor dem frisch in den EM-Kader berufenen Till Klimpke hielt und die Wahl Matschkes mit einer Glanzleistung rechtfertigte. Und so vergab GWD in Halbzeit eins eine mögliche klare Führung und geriet stattdessen von 8:6 zum 8:10 in Rückstand – einen Rückstand, dem die Mindener bis zum Schluss hinterherliefen.

Früh beendet war die Partie für Wetzlars Kreisläufer Felix Danner, der in der intensiven aber keinesfalls unfairen Partie bereits nach 21 Spielminute die Rote Karte sah. Mit einem Unterarmtreffer in das Gesicht streckte er Jan Grebenc nieder und riss den am Boden liegenden Mindener hernach ruppig von Boden hoch.

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