Der Letzte ist der Erste - Tomas Urban wird zur großen Überraschung im GWD-Kader Sebastian Külbel Minden. Er war eine Woche vor dem Saisonstart der letzte Zugang, aber in einer Hinsicht ist Tomas Urban schnell zur Nummer eins bei GWD Minden geworden: Mit 57 Saisontreffern ist der slowakische Nationalspieler zurzeit der beste Torjäger im Kader des Handball-Bundesligisten. Und so richtig durchgestartet ist der 32-Jährige erst in seiner Zweitrolle. Denn eigentlich war Urban nach einer Verletzung von Max Staar in der Vorbereitung als dessen Positionspartner auf Rechtsaußen verpflichtet worden. Als jedoch Nikola Jukic und Christian Zeitz ausfielen, war der Linkshänder plötzlich im Rückraum gefordert – und drehte richtig auf. Seit seinen zehn Toren bei der Heimniederlage gegen Lemgo traf der Routinier immer mindestens fünfmal pro Partie und ist ein wichtiger Anker im GWD-Spiel. „Tomas ist eine positive Überraschung und über dem, was wir von ihm erwartet haben“, lobt Trainer Frank Carstens. Urbans gute Torquote ragt angesichts seiner Einsatzzeiten noch mehr heraus: Oft kommt er erst in der 20. Minute ins Spiel, braucht dann aber keinen langen Anlauf. „Er ist immer da, bei ihm muss man nicht erst die richtige Taste finden“, sagt sein Coach. „Ich kann das Spiel von der Bank besser beobachten, dann komme ich frisch rein und kann das nutzen“, beschreibt Urban seinen aktuellen Job als „Booster“ im Team. Besonders sein Tempo und sein Zug zum Tor kommen umso besser zur Geltung, je weiter das Spiel fortgeschritten ist. „Ich möchte die Mannschaft nach vorne pushen, egal ob von der Bank aus oder auf der Platte“, sagt der Slowake über seine Rolle. Mit seiner Treffsicherheit hat sich Urban auch als Siebenmeterschütze etabliert – ein altes Problemfeld bei GWD. „Das habe ich auch gespürt, es wurde viel darüber gesprochen“, sagt der 32-Jährige, der anfangs ebenfalls in dieser Spezialdisziplin wackelte. Als er sich darauf besann, dass er auch im Nationalteam erfolgreicher Siebenmeterschütze ist, wurde es besser: „Ich musste meinen Kopf frei kriegen.“ Ähnlich ist sein Ansatz für die schwierige Situation der Mannschaft als Tabellenletzter: „Wir müssen mit dem Druck besser umgehen, für mich ist das alles Kopfsache“, sagt Tomas Urban. Als Beleg dafür nimmt er das Heimspiel gegen Lemgo, das GWD nach einer Acht-Tore-Führung noch verlor: „Bis zur 39. Minute können wir Handball spielen und danach plötzlich nicht mehr? Das ist nicht so, da spielen Angst und Druck eine große Rolle.“ Der erfahrene Mann weiß, wovon er spricht, denn er hat in seiner Karriere schon einiges erlebt. Minden ist bereits sein zehnter Verein als Handballprofi, nach Stationen in seiner Heimat sowie in Ungarn kam er 2015 nach Deutschland zum ThSV Eisenach. Dass der Linkshänder seitdem nie lange an einem Ort blieb, hatte mehrere Gründe. Seine Saison 2017/2018 bei FA Göppingen war von Verletzungen (Mittelhandbruch, Achillessehnenriss) geprägt, beim TV Großwallstadt erlitt Urban einen Bizepssehnenabriss und wollte 2019 nicht mit in die 3. Liga gehen. Auch sein jüngstes Engagement beim TV Emsdetten endete unglücklich: Im Frühjahr dieses Jahres befand sich der Außenspieler in Gesprächen mit dem Verein und signalisierte, beim Klassenerhalt in der 2. Liga bleiben zu wollen. Dieser gelang schließlich am letzten Spieltag, doch schon kurz vorher habe ihm der TVE mitgeteilt, dass der Vertrag mit ihm nicht verlängert werde. Auch bei GWD Minden hat Urban nur einen Vertrag für eine Saison. „Ich kann mir aber vorstellen, länger zu bleiben und werde alles dafür tun“, betont der Familienvater, der gerade mit seiner Frau Lucia Vargova und dem fünfjährigen Sohn Tomas ein Mietshaus in Dankersen einrichtet. Von hier blickt der Slowake bereits ein wenig in Richtung Januar, wenn er mit der Nationalmannschaft in seiner Heimatstadt Kosice zur EM-Vorrunde gegen Norwegen, Litauen und Russland antritt. Viel wichtiger sind für ihn aber die nächsten Wochen mit GWD, um die Situation im Tabellenkeller schnell zu verbessern: „Es ist schwierig, aber machbar. Wir haben noch viele Spiele und nur vier Punkte Rückstand. Das kann man schon in einer Englischen Woche aufholen.“ Dazu will auch Tomas Urban weiterhin mit seinen Toren beitragen. Tomas Urban über... seine Lieblingsposition: „Ich spiele lieber Rechtsaußen. Das habe ich gelernt, da sind die Aufgaben leichter: Man bekommt den Ball, wirft ihn rein und läuft die Gegenstöße. Ich bin eher ein aktiver Außenspieler, weil ich den Ballkontakt liebe. Im Rückraum bin ich keiner, der aus zehn Metern wirft. Deshalb entstehen viele Zweikämpfe, viel Körperkontakt. Rückraum tut mehr weh.“ Gänsehaut-Tore: „Gegenstoßtore sind meine liebsten. Sie tun dem Gegner richtig weh und pushen die eigene Mannschaft richtig nach vorne. Da spürt man viel Euphorie und die Zuschauer werden mitgerissen. Ich habe schon Gänsehaut, wenn ich nur darüber spreche.“ den Wechsel zu GWD: „Ich bin sehr glücklich, dass ich hier gelandet bin. Für mich ist das ein großer Schritt nach vorne, nicht nur, weil ich aus der 2. in die 1. Liga gegangen bin. Ich bin sehr froh, dass es so gut für mich läuft und hoffe, ich kann diese Form halten – oder auch noch steigern.“

Der Letzte ist der Erste - Tomas Urban wird zur großen Überraschung im GWD-Kader

Keiner jubelte in dieser Saison bei GWD Minden so oft wie Tomas Urban. Der slowakische Torjäger ist zum wichtigen Anker geworden und reißt nicht nur als Siebenmeterschütze seine Kollegen mit. Foto: Angela Metge ©Angela Metge

Minden. Er war eine Woche vor dem Saisonstart der letzte Zugang, aber in einer Hinsicht ist Tomas Urban schnell zur Nummer eins bei GWD Minden geworden: Mit 57 Saisontreffern ist der slowakische Nationalspieler zurzeit der beste Torjäger im Kader des Handball-Bundesligisten. Und so richtig durchgestartet ist der 32-Jährige erst in seiner Zweitrolle.

Denn eigentlich war Urban nach einer Verletzung von Max Staar in der Vorbereitung als dessen Positionspartner auf Rechtsaußen verpflichtet worden. Als jedoch Nikola Jukic und Christian Zeitz ausfielen, war der Linkshänder plötzlich im Rückraum gefordert – und drehte richtig auf. Seit seinen zehn Toren bei der Heimniederlage gegen Lemgo traf der Routinier immer mindestens fünfmal pro Partie und ist ein wichtiger Anker im GWD-Spiel.

„Tomas ist eine positive Überraschung und über dem, was wir von ihm erwartet haben“, lobt Trainer Frank Carstens. Urbans gute Torquote ragt angesichts seiner Einsatzzeiten noch mehr heraus: Oft kommt er erst in der 20. Minute ins Spiel, braucht dann aber keinen langen Anlauf. „Er ist immer da, bei ihm muss man nicht erst die richtige Taste finden“, sagt sein Coach.

„Ich kann das Spiel von der Bank besser beobachten, dann komme ich frisch rein und kann das nutzen“, beschreibt Urban seinen aktuellen Job als „Booster“ im Team. Besonders sein Tempo und sein Zug zum Tor kommen umso besser zur Geltung, je weiter das Spiel fortgeschritten ist. „Ich möchte die Mannschaft nach vorne pushen, egal ob von der Bank aus oder auf der Platte“, sagt der Slowake über seine Rolle.

Mit seiner Treffsicherheit hat sich Urban auch als Siebenmeterschütze etabliert – ein altes Problemfeld bei GWD. „Das habe ich auch gespürt, es wurde viel darüber gesprochen“, sagt der 32-Jährige, der anfangs ebenfalls in dieser Spezialdisziplin wackelte. Als er sich darauf besann, dass er auch im Nationalteam erfolgreicher Siebenmeterschütze ist, wurde es besser: „Ich musste meinen Kopf frei kriegen.“

Ähnlich ist sein Ansatz für die schwierige Situation der Mannschaft als Tabellenletzter: „Wir müssen mit dem Druck besser umgehen, für mich ist das alles Kopfsache“, sagt Tomas Urban. Als Beleg dafür nimmt er das Heimspiel gegen Lemgo, das GWD nach einer Acht-Tore-Führung noch verlor: „Bis zur 39. Minute können wir Handball spielen und danach plötzlich nicht mehr? Das ist nicht so, da spielen Angst und Druck eine große Rolle.“

Der erfahrene Mann weiß, wovon er spricht, denn er hat in seiner Karriere schon einiges erlebt. Minden ist bereits sein zehnter Verein als Handballprofi, nach Stationen in seiner Heimat sowie in Ungarn kam er 2015 nach Deutschland zum ThSV Eisenach. Dass der Linkshänder seitdem nie lange an einem Ort blieb, hatte mehrere Gründe. Seine Saison 2017/2018 bei FA Göppingen war von Verletzungen (Mittelhandbruch, Achillessehnenriss) geprägt, beim TV Großwallstadt erlitt Urban einen Bizepssehnenabriss und wollte 2019 nicht mit in die 3. Liga gehen.

Auch sein jüngstes Engagement beim TV Emsdetten endete unglücklich: Im Frühjahr dieses Jahres befand sich der Außenspieler in Gesprächen mit dem Verein und signalisierte, beim Klassenerhalt in der 2. Liga bleiben zu wollen. Dieser gelang schließlich am letzten Spieltag, doch schon kurz vorher habe ihm der TVE mitgeteilt, dass der Vertrag mit ihm nicht verlängert werde.

Auch bei GWD Minden hat Urban nur einen Vertrag für eine Saison. „Ich kann mir aber vorstellen, länger zu bleiben und werde alles dafür tun“, betont der Familienvater, der gerade mit seiner Frau Lucia Vargova und dem fünfjährigen Sohn Tomas ein Mietshaus in Dankersen einrichtet.

Von hier blickt der Slowake bereits ein wenig in Richtung Januar, wenn er mit der Nationalmannschaft in seiner Heimatstadt Kosice zur EM-Vorrunde gegen Norwegen, Litauen und Russland antritt. Viel wichtiger sind für ihn aber die nächsten Wochen mit GWD, um die Situation im Tabellenkeller schnell zu verbessern: „Es ist schwierig, aber machbar. Wir haben noch viele Spiele und nur vier Punkte Rückstand. Das kann man schon in einer Englischen Woche aufholen.“ Dazu will auch Tomas Urban weiterhin mit seinen Toren beitragen.

Tomas Urban über...

seine Lieblingsposition: „Ich spiele lieber Rechtsaußen. Das habe ich gelernt, da sind die Aufgaben leichter: Man bekommt den Ball, wirft ihn rein und läuft die Gegenstöße. Ich bin eher ein aktiver Außenspieler, weil ich den Ballkontakt liebe. Im Rückraum bin ich keiner, der aus zehn Metern wirft. Deshalb entstehen viele Zweikämpfe, viel Körperkontakt. Rückraum tut mehr weh.“

Gänsehaut-Tore: „Gegenstoßtore sind meine liebsten. Sie tun dem Gegner richtig weh und pushen die eigene Mannschaft richtig nach vorne. Da spürt man viel Euphorie und die Zuschauer werden mitgerissen. Ich habe schon Gänsehaut, wenn ich nur darüber spreche.“

den Wechsel zu GWD: „Ich bin sehr glücklich, dass ich hier gelandet bin. Für mich ist das ein großer Schritt nach vorne, nicht nur, weil ich aus der 2. in die 1. Liga gegangen bin. Ich bin sehr froh, dass es so gut für mich läuft und hoffe, ich kann diese Form halten – oder auch noch steigern.“

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