Das Zittern der Remis Könige: Die Tops und Flops von GWD Mindens Bundesliga-Saison 2020/21 Sebastian Külbel Minden.  So spät wie diesmal hat GWD Minden lange nicht den Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga gesichert. Dafür gibt es ebenso gute Gründe wie für das doch noch erreichte Ziel.  MT-Redakteur Sebastian Külbel schaut auf die Tops und Flops einer wechselhaften Saison. Die Tops  Abwehrstärke: Die Schlussphase im entscheidenden Saisonspiel unterstrich den größten Trumpf auf dem Weg zum Klassenerhalt: Fast sieben Minuten blieb GWD gegen Ludwigshafen ohne Gegentor, erzielte noch den 24:24-Ausgleich und stieß den Gegner am vorletzten Spieltag in die 2. Liga. In Sachen Gegentore liegen die Mindener zwar nur auf Rang 13 im Liga-Vergleich, bei zwei Werten sind sie jedoch oben dabei: 121 Steals und 116 Blocks bedeuten jeweils Rang zwei. Torhüter: Schon in der Vorsaison zeigte Malte Semisch phasenweise, welch großer Rückhalt er für sein Team sein kann. In dieser Spielzeit jedoch steigerte sich der 2,08-Meter-Mann mit insgesamt 344 Paraden zu einem der besten Torhüter der Liga. Für seinen Positionspartner Carsten Lichtlein war das Fluch und Segen zugleich: Als Torwarttrainer führte er Semisch auf ein neues Niveau, Einsatzzeit blieb für ihn aber nur wenig übrig. Lübbecke: Der unfreiwillige Umzug nach Lübbecke sorgte in Minden für wenig Begeisterung. Abgesehen vom logistischen Mehraufwand wurde GWD in der Kreissporthalle aber schnell heimisch. Mit acht Siegen und 21:17 Punkten waren die Grün-Weißen so heimstark wie seit 19 Jahren nicht mehr und legten im Domizil des Kreisrivalen TuS N-Lübbecke den Grundstein zum Klassenerhalt. Am Ende durften sogar rund 700 Zuschauer in die Halle – und machten Lärm wie viermal so viele. Winter-Zugänge: Weil vor allem der Ausfall von Miljan Pusica ein Loch in den Kader gerissen hatte, war GWD in der WM-Pause zum Handeln gezwungen. Die Winter-Zugänge wurden zu Glücksgriffen: Maximilian Janke (Foto) übernahm als Abwehrchef schnell eine zentrale Rolle im Team, Miro Schluroff deutete sein großes Potenzial an und wurde im Saison-Endspurt als Vertreter von Doruk Pehlivan immer wichtiger. Unentschieden: Mit acht Unentschieden ist GWD der Remis-König der Bundesliga. Und wo andere mit vertanen Chancen hadern, nimmt Mindens Trainer Frank Carstens das zwiespältige Resultat gerne mit: „Jeder Punkt ist gut für uns." Im Marathon-Mai trieb sein Team es sogar auf die Spitze und spielte gleich dreimal in Folge unentschieden. Und natürlich machte GWD im Abstiegsendspiel gegen Ludwigshafen (Foto) auch den letzten Schritt zum Klassenerhalt mit genau diesem Ergebnis. Die Flops  Wurfquote: Der Blick in die Statistik zeigt, warum die Mindener Saison von Angriffsproblemen geprägt war. Nur gut 55 Prozent der Abschlüsse führten zu einem Tor, das ist die schlechteste Wurfquote der Liga. Vor allem die Rückraumspieler um Christian Zeitz (Foto) trafen nicht gut genug und verwandelten nur 35 Prozent ihrer Versuche aus der Distanz. Die guten Werte bei Gegenstoßtoren und technischen Fehlern überdeckten diese Schwäche ein wenig. Abstiegsduelle: Was sonst immer eine große Stärke war, wurde in dieser Saison zum Problem: GWD musste auch deshalb so lange um den Klassenerhalt kämpfen, weil die Bilanz gegen die direkten Konkurrenten flau war. Nur gegen die Absteiger Coburg (4:0 Punkte) und Nordhorn-Lingen (3:1 Punkte) gewannen die Mindener den direkten Vergleich, gegenüber Stuttgart, Balingen (Foto) und Ludwigshafen (jeweils 1:3 Punkte) sowie Essen (2:2 Punkte, aber schlechteres Torverhältnis) hatten sie das Nachsehen. Siebenmeter: Wenn der Schiedsrichter pfeift und auf die Linie zeigt, beginnt bei GWD das Zittern. Nur 78 Siebenmetertore erzielte der Tabellen-16., das ist der schlechteste Wert in der Bundesliga. Zudem bekommen die Mindener mit 136 auch so viele Gegentreffer per Siebenmeter wie kein anderes Team. Als Schützen versuchten sich Mats Korte (Foto), Juri Knorr, Kevin Gulliksen und Christoffer Rambo. Eine 80-Prozent-Quote wie die Top-Werfer der Liga schaffte keiner von ihnen. Spielpausen: Wehe, sie geraten aus dem Rhythmus: Wenn die GWD-Spieler nach einer längeren Pause wieder aufs Parkett gingen, kassierten sie herbe Rückschläge. Nach einer Corona-Quarantäne im November gab es eine 24:30-Niederlage in Ludwigshafen, in Folge der WM-Pause verlor Minden 20:27 gegen Balingen, und auch vor dem 27:29 in Lemgo lagen im April zehn Tage ohne Spiel. Nach der nächsten Pause meldete sich GWD dann aber mit dem wichtigen Remis gegen Stuttgart (Foto) zurück. Verletzungspech: Das Verletzungspech zog sich durch die Saison: Beim Derbysieg gegen Lemgo verlor GWD mit Miljan Pusica (Kreuzbandriss) und Lucas Meister (Abriss der Bizepssehne) den kompletten Innenblock. Das Knie schmerzte in der Rückrunde auch bei Doruk Pehlivan (Foto), der Türke fällt mit einem Knorpelschaden auf unbestimmte Zeit aus. Das Quartett der Pechvögel komplettiert Christoph Reißky: Gerade von seiner Schulterverletzung genesen, erlitt auch er einen Kreuzbandriss.

Das Zittern der Remis Könige: Die Tops und Flops von GWD Mindens Bundesliga-Saison 2020/21

GWD Minden sicherte sich mit einem 24:24 am vorletzten Spieltag den Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga - und feierte ihn danach ausgelassen.  © Noah Wedel

Minden.  So spät wie diesmal hat GWD Minden lange nicht den Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga gesichert. Dafür gibt es ebenso gute Gründe wie für das doch noch erreichte Ziel.  MT-Redakteur Sebastian Külbel schaut auf die Tops und Flops einer wechselhaften Saison.

Die Tops 

- © Noah Wedel
© Noah Wedel

Abwehrstärke: Die Schlussphase im entscheidenden Saisonspiel unterstrich den größten Trumpf auf dem Weg zum Klassenerhalt: Fast sieben Minuten blieb GWD gegen Ludwigshafen ohne Gegentor, erzielte noch den 24:24-Ausgleich und stieß den Gegner am vorletzten Spieltag in die 2. Liga. In Sachen Gegentore liegen die Mindener zwar nur auf Rang 13 im Liga-Vergleich, bei zwei Werten sind sie jedoch oben dabei: 121 Steals und 116 Blocks bedeuten jeweils Rang zwei.

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© Noah Wedel

Torhüter: Schon in der Vorsaison zeigte Malte Semisch phasenweise, welch großer Rückhalt er für sein Team sein kann. In dieser Spielzeit jedoch steigerte sich der 2,08-Meter-Mann mit insgesamt 344 Paraden zu einem der besten Torhüter der Liga. Für seinen Positionspartner Carsten Lichtlein war das Fluch und Segen zugleich: Als Torwarttrainer führte er Semisch auf ein neues Niveau, Einsatzzeit blieb für ihn aber nur wenig übrig.

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© Noah Wedel

Lübbecke: Der unfreiwillige Umzug nach Lübbecke sorgte in Minden für wenig Begeisterung. Abgesehen vom logistischen Mehraufwand wurde GWD in der Kreissporthalle aber schnell heimisch. Mit acht Siegen und 21:17 Punkten waren die Grün-Weißen so heimstark wie seit 19 Jahren nicht mehr und legten im Domizil des Kreisrivalen TuS N-Lübbecke den Grundstein zum Klassenerhalt. Am Ende durften sogar rund 700 Zuschauer in die Halle – und machten Lärm wie viermal so viele.

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© Noah Wedel

Winter-Zugänge: Weil vor allem der Ausfall von Miljan Pusica ein Loch in den Kader gerissen hatte, war GWD in der WM-Pause zum Handeln gezwungen. Die Winter-Zugänge wurden zu Glücksgriffen: Maximilian Janke (Foto) übernahm als Abwehrchef schnell eine zentrale Rolle im Team, Miro Schluroff deutete sein großes Potenzial an und wurde im Saison-Endspurt als Vertreter von Doruk Pehlivan immer wichtiger.

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© Noah Wedel

Unentschieden: Mit acht Unentschieden ist GWD der Remis-König der Bundesliga. Und wo andere mit vertanen Chancen hadern, nimmt Mindens Trainer Frank Carstens das zwiespältige Resultat gerne mit: „Jeder Punkt ist gut für uns." Im Marathon-Mai trieb sein Team es sogar auf die Spitze und spielte gleich dreimal in Folge unentschieden. Und natürlich machte GWD im Abstiegsendspiel gegen Ludwigshafen (Foto) auch den letzten Schritt zum Klassenerhalt mit genau diesem Ergebnis.

Die Flops 

- © Noah Wedel
© Noah Wedel

Wurfquote: Der Blick in die Statistik zeigt, warum die Mindener Saison von Angriffsproblemen geprägt war. Nur gut 55 Prozent der Abschlüsse führten zu einem Tor, das ist die schlechteste Wurfquote der Liga. Vor allem die Rückraumspieler um Christian Zeitz (Foto) trafen nicht gut genug und verwandelten nur 35 Prozent ihrer Versuche aus der Distanz. Die guten Werte bei Gegenstoßtoren und technischen Fehlern überdeckten diese Schwäche ein wenig.

- © Noah Wedel
© Noah Wedel

Abstiegsduelle: Was sonst immer eine große Stärke war, wurde in dieser Saison zum Problem: GWD musste auch deshalb so lange um den Klassenerhalt kämpfen, weil die Bilanz gegen die direkten Konkurrenten flau war. Nur gegen die Absteiger Coburg (4:0 Punkte) und Nordhorn-Lingen (3:1 Punkte) gewannen die Mindener den direkten Vergleich, gegenüber Stuttgart, Balingen (Foto) und Ludwigshafen (jeweils 1:3 Punkte) sowie Essen (2:2 Punkte, aber schlechteres Torverhältnis) hatten sie das Nachsehen.

- © Noah Wedel
© Noah Wedel

Siebenmeter: Wenn der Schiedsrichter pfeift und auf die Linie zeigt, beginnt bei GWD das Zittern. Nur 78 Siebenmetertore erzielte der Tabellen-16., das ist der schlechteste Wert in der Bundesliga. Zudem bekommen die Mindener mit 136 auch so viele Gegentreffer per Siebenmeter wie kein anderes Team. Als Schützen versuchten sich Mats Korte (Foto), Juri Knorr, Kevin Gulliksen und Christoffer Rambo. Eine 80-Prozent-Quote wie die Top-Werfer der Liga schaffte keiner von ihnen.

- © Noah Wedel
© Noah Wedel

Spielpausen: Wehe, sie geraten aus dem Rhythmus: Wenn die GWD-Spieler nach einer längeren Pause wieder aufs Parkett gingen, kassierten sie herbe Rückschläge. Nach einer Corona-Quarantäne im November gab es eine 24:30-Niederlage in Ludwigshafen, in Folge der WM-Pause verlor Minden 20:27 gegen Balingen, und auch vor dem 27:29 in Lemgo lagen im April zehn Tage ohne Spiel. Nach der nächsten Pause meldete sich GWD dann aber mit dem wichtigen Remis gegen Stuttgart (Foto) zurück.

- © Noah Wedel
© Noah Wedel

Verletzungspech: Das Verletzungspech zog sich durch die Saison: Beim Derbysieg gegen Lemgo verlor GWD mit Miljan Pusica (Kreuzbandriss) und Lucas Meister (Abriss der Bizepssehne) den kompletten Innenblock. Das Knie schmerzte in der Rückrunde auch bei Doruk Pehlivan (Foto), der Türke fällt mit einem Knorpelschaden auf unbestimmte Zeit aus. Das Quartett der Pechvögel komplettiert Christoph Reißky: Gerade von seiner Schulterverletzung genesen, erlitt auch er einen Kreuzbandriss.

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