Befreiungsschlag in Lingen mit murrendem Matchwinner Sebastian Külbel Lingen. Fast wirkte es, als könne sich der Matchwinner nicht recht freuen über diesen so wichtigen Sieg. „Das war heute mehr Krampf als ein schönes Spiel“, murrte Juri Knorr nach dem 22:20 (11:10)-Erfolg von GWD Minden im Kellerduell der Handball-Bundesliga bei der HSG Nordhorn-Lingen. Für die Gäste war es nach vier Niederlagen in Folge ein Befreiungsschlag, zu dem er als bester Torschütze des Abends neun Treffer beigetragen hatte. Allerdings lag es auch in den Händen des 20-Jährigen Nationalspielers, das Zittern in der Schlussphase zu vermeiden. Mit einem trockenen Wurf erzielte Knorr in der 47. Minute sein neuntes Tor der Partie, das zugleich seinen Saison-Bestwert markierte. 19:14 führte GWD zu diesem Zeitpunkt scheinbar sicher, bevor die Mindener ihre Linie verloren. Allein Knorr schoss den Ball über das Tor, scheiterte aus der Hüfte am herausragenden HSG-Torwart Bart Ravensberg und knallte einen Siebenmeter an den Pfosten. Insgesamt gelang den Gästen zehn Minuten lang kein Treffer. Nordhorn kam bis auf 19:18 heran, bevor der davor lange unglücklich agierende Christoffer Rambo die Zeichen zum Sieg setzte. Sieben Fehlwürfe in elf Versuchen zeigte die offizielle Statistik hinterher, doch seine beiden letzten Versuche aus dem Rückraum zum 21:18 (58.) saßen. Die Vorentscheidung. Die Säulen des GWD-Spiels waren gestern aber andere. Allen voran Juri Knorr, der vor allem in der ersten Halbzeit brillierte und mit cleveren Bewegungen und Durchbrüchen sechs von elf Mindener Toren warf. „In erster Linie müssen wir uns aber bei Malte bedanken“, meinte der Spielmacher später. Denn auch Torwart Semisch ragte heraus, hielt zwölf von 29 Würfen und war der Rückhalt einer starken Deckung. Die setzte vor allem die Vorgabe von Trainer Frank Carstens um, das Kreisspiel des Gegners zu unterbinden. Auch aus dem Nordhorner Rückraum kam wenig. „Die Abwehr war heute absolut fantastisch, wir bekommen nur neun Gegentore aus dem Positionsangriff“, betonte GWD-Trainer Frank Carstens, dem die von Knorr bemängelte handballerische Qualität herzlich egal war: „Es lag eine Menge drauf, und dann laufen diese Spiele eben genau so.“ Nämlich so, dass seine Mannschaft mit dem sicheren Sieg vor Augen aus dem Tritt kam und den mühsam erspielten Vorteil fast aus der Hand gab. „Aber wir haben uns aus dieser Lage befreit“, hob Carstens positiv hervor und räumte ein: „Wir hatten auch das nötige Glück.“ Für Mindens Sport-Geschäftsführer Frank von Behren war der ersehnte Erfolg sogar Schicksal: „Es sollte heute einfach so ausgehen. Wir wussten selbst nicht, wie wir die letzten zehn Minuten herum bekommen, obwohl wir genug Chancen hatten. Und am Ende macht Nordhorn den entscheidenden Fehler.“ Gemeint war der falsche Wechsel in der Schlussminute, der die letzte Chance zur Aufholjagd zunichte machte. Minden kam so beim 21:19 wieder in Ballbesitz, Maximilian Janke traf zum 22:19 und brachte seinem Team einen Moment der Erleichterung. „Wir haben den Knoten erstmal gelöst“, sagte von Behren. Der Blick auf die Tabelle sieht für den 15. mit fünf Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz nun wieder etwas freundlicher aus. Das war angesichts der Vorzeichen nicht unbedingt zu erwarten. Zu den vier erwarteten Ausfällen im Rückraum gesellte sich kurzfristig auch noch Christian Zeitz aufgrund von „Unwohlsein“ (von Behren). Immerhin stand Simon Strakeljahn für Kurzeinsätze zur Verfügung, auch Kreisläufer Lucas Meister gab wie erwartet sein Comeback. Gemeinsam mit dem Team kämpften sie sich durch einen zähen, aber spannenden Abend, auf den Juri Knorr hinterher so gar nicht stolz war. „Er guckt halt auch auf die B-Note, aber um die geht es in unserer Situation nicht“, sagt Coach Carstens, der mit seinem Matchwinner auch deshalb zufrieden war, weil er eben nicht nur für die Glanzmomente spielte: „Abstiegskampf ist sicher oft nicht schön. Aber er hat diesen Kampf heute vor allem in der zweiten Halbzeit angenommen.“

Befreiungsschlag in Lingen mit murrendem Matchwinner

Emotion pur: Juri Knorr schreit die Energie nach einem seiner neun Treffer förmlich heraus. Der junge Spielmacher war GWD Mindens Matchwinner beim wichtigen Sieg in Lingen. Foto: Noah Wedel © Noah Wedel

Lingen. Fast wirkte es, als könne sich der Matchwinner nicht recht freuen über diesen so wichtigen Sieg. „Das war heute mehr Krampf als ein schönes Spiel“, murrte Juri Knorr nach dem 22:20 (11:10)-Erfolg von GWD Minden im Kellerduell der Handball-Bundesliga bei der HSG Nordhorn-Lingen. Für die Gäste war es nach vier Niederlagen in Folge ein Befreiungsschlag, zu dem er als bester Torschütze des Abends neun Treffer beigetragen hatte. Allerdings lag es auch in den Händen des 20-Jährigen Nationalspielers, das Zittern in der Schlussphase zu vermeiden.

Mit einem trockenen Wurf erzielte Knorr in der 47. Minute sein neuntes Tor der Partie, das zugleich seinen Saison-Bestwert markierte. 19:14 führte GWD zu diesem Zeitpunkt scheinbar sicher, bevor die Mindener ihre Linie verloren. Allein Knorr schoss den Ball über das Tor, scheiterte aus der Hüfte am herausragenden HSG-Torwart Bart Ravensberg und knallte einen Siebenmeter an den Pfosten. Insgesamt gelang den Gästen zehn Minuten lang kein Treffer. Nordhorn kam bis auf 19:18 heran, bevor der davor lange unglücklich agierende Christoffer Rambo die Zeichen zum Sieg setzte. Sieben Fehlwürfe in elf Versuchen zeigte die offizielle Statistik hinterher, doch seine beiden letzten Versuche aus dem Rückraum zum 21:18 (58.) saßen. Die Vorentscheidung.

Die Säulen des GWD-Spiels waren gestern aber andere. Allen voran Juri Knorr, der vor allem in der ersten Halbzeit brillierte und mit cleveren Bewegungen und Durchbrüchen sechs von elf Mindener Toren warf. „In erster Linie müssen wir uns aber bei Malte bedanken“, meinte der Spielmacher später. Denn auch Torwart Semisch ragte heraus, hielt zwölf von 29 Würfen und war der Rückhalt einer starken Deckung. Die setzte vor allem die Vorgabe von Trainer Frank Carstens um, das Kreisspiel des Gegners zu unterbinden. Auch aus dem Nordhorner Rückraum kam wenig.

„Die Abwehr war heute absolut fantastisch, wir bekommen nur neun Gegentore aus dem Positionsangriff“, betonte GWD-Trainer Frank Carstens, dem die von Knorr bemängelte handballerische Qualität herzlich egal war: „Es lag eine Menge drauf, und dann laufen diese Spiele eben genau so.“

Nämlich so, dass seine Mannschaft mit dem sicheren Sieg vor Augen aus dem Tritt kam und den mühsam erspielten Vorteil fast aus der Hand gab. „Aber wir haben uns aus dieser Lage befreit“, hob Carstens positiv hervor und räumte ein: „Wir hatten auch das nötige Glück.“ Für Mindens Sport-Geschäftsführer Frank von Behren war der ersehnte Erfolg sogar Schicksal: „Es sollte heute einfach so ausgehen. Wir wussten selbst nicht, wie wir die letzten zehn Minuten herum bekommen, obwohl wir genug Chancen hatten. Und am Ende macht Nordhorn den entscheidenden Fehler.“

Gemeint war der falsche Wechsel in der Schlussminute, der die letzte Chance zur Aufholjagd zunichte machte. Minden kam so beim 21:19 wieder in Ballbesitz, Maximilian Janke traf zum 22:19 und brachte seinem Team einen Moment der Erleichterung. „Wir haben den Knoten erstmal gelöst“, sagte von Behren. Der Blick auf die Tabelle sieht für den 15. mit fünf Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz nun wieder etwas freundlicher aus.

Das war angesichts der Vorzeichen nicht unbedingt zu erwarten. Zu den vier erwarteten Ausfällen im Rückraum gesellte sich kurzfristig auch noch Christian Zeitz aufgrund von „Unwohlsein“ (von Behren). Immerhin stand Simon Strakeljahn für Kurzeinsätze zur Verfügung, auch Kreisläufer Lucas Meister gab wie erwartet sein Comeback.

Gemeinsam mit dem Team kämpften sie sich durch einen zähen, aber spannenden Abend, auf den Juri Knorr hinterher so gar nicht stolz war. „Er guckt halt auch auf die B-Note, aber um die geht es in unserer Situation nicht“, sagt Coach Carstens, der mit seinem Matchwinner auch deshalb zufrieden war, weil er eben nicht nur für die Glanzmomente spielte: „Abstiegskampf ist sicher oft nicht schön. Aber er hat diesen Kampf heute vor allem in der zweiten Halbzeit angenommen.“

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