Abschied vom gelobten Land: GWD kehrt nach Minden zurück - jedenfalls fürs erste Marcus Riechmann Minden/Lübbecke. Die Rückkehr steht bevor. Wenn in der zweiten September-Woche die neue Saison der Handball-Bundesliga startet, wird GWD Minden den Auftakt gegen die SG Flensburg-Handewitt in der heimischen Kampa-Halle bestreiten. Eineinhalb Jahre verbrachte GWD in einer Wohngemeinschaft mit dem TuS N-Lübbecke. Nun ist die Zeit in der Kreissporthalle an der Roten Mühle in Lübbecke beendet. „Wir brechen die Zelte ab“, sagt Markus Kalusche. Der Finanz-Geschäftsführer bei GWD bereitet die Heimkehr vor. Er hat einen geänderten Lizenz-Antrag beim Liga-Verband HBL gestellt, Ende August soll die Abnahme der Halle erfolgen. „Bis dahin sollen die infrastrukturellen Maßnahmen vollzogen sein“, sagt Kalusche. Brandschutz-Gründe machten es notwendig, dass der Vip-Raum aus dem Mehrzweck-Raum in das Nordfoyer umziehen musste. Kalusche ist froh, dass die bauliche Umgestaltung und damit auch die Rückkehr möglich ist. Doch er bedauert: „Schon der alte Vip-Raum reichte nicht mehr aus. Die neue Fläche ist nun noch etwas kleiner. Das begrenzt unsere Möglichkeiten.“ Ausgebremst wird GWD auch an anderer Stelle. Zwar sollen die Zuschauer wieder auf die Tribünen zurückkehren, doch die Auslastung der Kampa-Halle ist angesichts der unvorhersehbaren Pandemie-Entwicklung unklar, ein Dauerkarten-Verkauf ohne sichere Platzzuweisung kaum möglich. „Wir tüfteln an dem Problem, denn wir wollen den Dauerkarten-Inhabern natürlich ein Angebot machen“, berichtet Kalusche. Der aktuelle Beschluss, der in Sportarenen eine maximale Auslastung von 50 Prozent erlaubt, gilt zunächst nur bis zum 11. September. Saisonstart der Handball-Bundesliga ist wenige Tage zuvor. „Wir können eigentlich nur bis zum ersten Heimspiel planen“, sagt Kalusche. Der Abschied aus Lübbecke wird begleitet von Wehmut. In der Kreissporthalle legte GWD die Basis für den Klassenerhalt. Acht Siege, fünf Unentschieden und damit 21:17 Punkte holte das Team in der Notunterkunft, GWD erreichte Platz elf der Heimtabelle. „Lübbecke hat eine große Atmosphäre, da entsteht eine Menge Druck“, lobte der scheidende Linksaußen Joscha Ritterbach die neue „Festung“, die bei den Heimspielen des TuS N-Lübbecke Merkur-Arena heißt. Bereits der Start im Februar 2020 machte deutlich, welche Wucht die Halle hat und welche Rückendeckung sie GWD beschert: Von den drei Heimspielen direkt nach dem Umzug gewann GWD zwei: gegen FA Göppingen und gegen die Füchse Berlin. Unmittelbar nach dem Einzug wurde Lübbecke für GWD zum gelobten Land. Lediglich gegen Kiel gab es beim 26:29 keine Punkte. „Wir haben es geschafft, die Halle auch optisch zu einer echten Heimarena zu machen“, sagt Kalusche und hebt die großen grünen Wandvorhänge mit dem GWD-Logo hervor: „Das ist gut angekommen und hat auch auf vielen Fotos eine tolle Wirkung erzielt.“ Wohl nicht zufällig ging der Preis des Verbandes deutscher Lokalsportjournalisten für das „Foto des Jahres“ an ein Bild aus Lübbecke, welches Jörg Hagemann von der Lippischen Landeszeitung beim Spiel des TBV Lemgo gegen GWD dort gemacht hatte. Nach Minden in die Kampa-Halle lässt sich das prägnante Branding jedoch nicht transferieren. „Das passt nicht“, bedauert Kalusche, der das Tuch nun erstmal einlagern wird. Es wird wohl erneut zum Einsatz kommen: Denn wenn der politische Plan zur Sanierung der Kampa-Halle umgesetzt wird, muss GWD ein weiteres Mal weichen. Bereits im Februar 2023 könnte es für erneut eineinhalb Jahre zurück nach Lübbecke gehen. Sportlich war es in Lübbecke erfolgreich, wirtschaftlich immerhin nicht nachteilig: Zwar gab es mit der Umgestaltung der Halle sowie der Miete der technischen Infrastruktur und des Hallenbodens vom TuS Mehrkosten, die Kalusche im sechsstelligen Bereich ansiedelt. Doch die Aufwendung wurden von den Ausgleichszahlungen für den abrupten Auszug aus Minden vom Kreis Minden-Lübbecke gedeckt. Ein Grund dafür, dass GWD die Corona-Saison finanziell erträglich gestaltete: „Es war ein hartes Ringen auf der Ausgaben- wie auf der Einnahmeseite Mit Glück werden wir ein nahezu ausgeglichenes Ergebnis erreichen“, sagt der Manager. Dankbar äußert er sich über die Unterstützung, die GWD nach dem hektischen Rauswurf aus der Kampa-Halle widerfahren ist. „Wir wurden sehr gut aufgenommen“, dankt er vor allem dem Gastgeber TuS N-Lübbecke, der GWD den Vip-Raum zur Verfügung gestellt, das Hygienekonzept maßgeblich entwickelt und auch an vielen anderen Stellen geholfen hat. „Die Zusammenarbeit war sehr gut“, sagt Kalusche und nennt vor allem den Austausch mit TuS-Geschäftsführer Torsten Appel und Hauptsponsor Armin Gauselmann. Auch mit den Ämtern habe es eine gute Kooperation gegeben. „Es gab unbürokratische Hilfe. Damals musste es schnell gehen, das war ja ein Umzug auf der letzten Rille. Auf der einen Seite gingen die Arbeiter raus und auf der anderen die Zuschauer rein“, erzählt Kalusche: „Das Aufbau-Team, einfach alle Beteiligte haben an jedem Spieltag ausgezeichnete Arbeit geleistet.“ Nun werden aus den Partnern wieder Rivalen. Mit dem Aufstieg des TuS N-Lübbecke kehren die Derbys zurück. Bereits zum Beginn der Herbstferien soll das Hinspiel in der Kampa-Halle steigen, Anfang März spielt dann GWD in der zweiten Heimat in Lübbecke. Auch wenn das Team in die Gästekabine einchecken muss und das typische GWD-Branding fehlen wird: Ein echtes Auswärtsspiel werde das nicht, meint der Geschäftsführer: „Die Halle hat ihren Schrecken verloren.“ Im Gegenteil sogar. Das Derby beim Rivalen wird zur Rückkehr ins gelobte Land.

Abschied vom gelobten Land: GWD kehrt nach Minden zurück - jedenfalls fürs erste

Zum Abschied herrschte Party-Stimmung: Mit einem Remis gegen Ludwigshafen gelang den GWD-Spielern der Klassenerhalt. Foto: Noah Wedel © Noah Wedel

Minden/Lübbecke. Die Rückkehr steht bevor. Wenn in der zweiten September-Woche die neue Saison der Handball-Bundesliga startet, wird GWD Minden den Auftakt gegen die SG Flensburg-Handewitt in der heimischen Kampa-Halle bestreiten.

Eineinhalb Jahre verbrachte GWD in einer Wohngemeinschaft mit dem TuS N-Lübbecke. Nun ist die Zeit in der Kreissporthalle an der Roten Mühle in Lübbecke beendet. „Wir brechen die Zelte ab“, sagt Markus Kalusche. Der Finanz-Geschäftsführer bei GWD bereitet die Heimkehr vor. Er hat einen geänderten Lizenz-Antrag beim Liga-Verband HBL gestellt, Ende August soll die Abnahme der Halle erfolgen. „Bis dahin sollen die infrastrukturellen Maßnahmen vollzogen sein“, sagt Kalusche. Brandschutz-Gründe machten es notwendig, dass der Vip-Raum aus dem Mehrzweck-Raum in das Nordfoyer umziehen musste. Kalusche ist froh, dass die bauliche Umgestaltung und damit auch die Rückkehr möglich ist. Doch er bedauert: „Schon der alte Vip-Raum reichte nicht mehr aus. Die neue Fläche ist nun noch etwas kleiner. Das begrenzt unsere Möglichkeiten.“

Ausgebremst wird GWD auch an anderer Stelle. Zwar sollen die Zuschauer wieder auf die Tribünen zurückkehren, doch die Auslastung der Kampa-Halle ist angesichts der unvorhersehbaren Pandemie-Entwicklung unklar, ein Dauerkarten-Verkauf ohne sichere Platzzuweisung kaum möglich. „Wir tüfteln an dem Problem, denn wir wollen den Dauerkarten-Inhabern natürlich ein Angebot machen“, berichtet Kalusche. Der aktuelle Beschluss, der in Sportarenen eine maximale Auslastung von 50 Prozent erlaubt, gilt zunächst nur bis zum 11. September. Saisonstart der Handball-Bundesliga ist wenige Tage zuvor. „Wir können eigentlich nur bis zum ersten Heimspiel planen“, sagt Kalusche.

Der Abschied aus Lübbecke wird begleitet von Wehmut. In der Kreissporthalle legte GWD die Basis für den Klassenerhalt. Acht Siege, fünf Unentschieden und damit 21:17 Punkte holte das Team in der Notunterkunft, GWD erreichte Platz elf der Heimtabelle. „Lübbecke hat eine große Atmosphäre, da entsteht eine Menge Druck“, lobte der scheidende Linksaußen Joscha Ritterbach die neue „Festung“, die bei den Heimspielen des TuS N-Lübbecke Merkur-Arena heißt. Bereits der Start im Februar 2020 machte deutlich, welche Wucht die Halle hat und welche Rückendeckung sie GWD beschert: Von den drei Heimspielen direkt nach dem Umzug gewann GWD zwei: gegen FA Göppingen und gegen die Füchse Berlin. Unmittelbar nach dem Einzug wurde Lübbecke für GWD zum gelobten Land. Lediglich gegen Kiel gab es beim 26:29 keine Punkte.

„Wir haben es geschafft, die Halle auch optisch zu einer echten Heimarena zu machen“, sagt Kalusche und hebt die großen grünen Wandvorhänge mit dem GWD-Logo hervor: „Das ist gut angekommen und hat auch auf vielen Fotos eine tolle Wirkung erzielt.“ Wohl nicht zufällig ging der Preis des Verbandes deutscher Lokalsportjournalisten für das „Foto des Jahres“ an ein Bild aus Lübbecke, welches Jörg Hagemann von der Lippischen Landeszeitung beim Spiel des TBV Lemgo gegen GWD dort gemacht hatte.

Nach Minden in die Kampa-Halle lässt sich das prägnante Branding jedoch nicht transferieren. „Das passt nicht“, bedauert Kalusche, der das Tuch nun erstmal einlagern wird. Es wird wohl erneut zum Einsatz kommen: Denn wenn der politische Plan zur Sanierung der Kampa-Halle umgesetzt wird, muss GWD ein weiteres Mal weichen. Bereits im Februar 2023 könnte es für erneut eineinhalb Jahre zurück nach Lübbecke gehen.

Sportlich war es in Lübbecke erfolgreich, wirtschaftlich immerhin nicht nachteilig: Zwar gab es mit der Umgestaltung der Halle sowie der Miete der technischen Infrastruktur und des Hallenbodens vom TuS Mehrkosten, die Kalusche im sechsstelligen Bereich ansiedelt. Doch die Aufwendung wurden von den Ausgleichszahlungen für den abrupten Auszug aus Minden vom Kreis Minden-Lübbecke gedeckt. Ein Grund dafür, dass GWD die Corona-Saison finanziell erträglich gestaltete: „Es war ein hartes Ringen auf der Ausgaben- wie auf der Einnahmeseite Mit Glück werden wir ein nahezu ausgeglichenes Ergebnis erreichen“, sagt der Manager.

Dankbar äußert er sich über die Unterstützung, die GWD nach dem hektischen Rauswurf aus der Kampa-Halle widerfahren ist. „Wir wurden sehr gut aufgenommen“, dankt er vor allem dem Gastgeber TuS N-Lübbecke, der GWD den Vip-Raum zur Verfügung gestellt, das Hygienekonzept maßgeblich entwickelt und auch an vielen anderen Stellen geholfen hat. „Die Zusammenarbeit war sehr gut“, sagt Kalusche und nennt vor allem den Austausch mit TuS-Geschäftsführer Torsten Appel und Hauptsponsor Armin Gauselmann. Auch mit den Ämtern habe es eine gute Kooperation gegeben. „Es gab unbürokratische Hilfe. Damals musste es schnell gehen, das war ja ein Umzug auf der letzten Rille. Auf der einen Seite gingen die Arbeiter raus und auf der anderen die Zuschauer rein“, erzählt Kalusche: „Das Aufbau-Team, einfach alle Beteiligte haben an jedem Spieltag ausgezeichnete Arbeit geleistet.“

Nun werden aus den Partnern wieder Rivalen. Mit dem Aufstieg des TuS N-Lübbecke kehren die Derbys zurück. Bereits zum Beginn der Herbstferien soll das Hinspiel in der Kampa-Halle steigen, Anfang März spielt dann GWD in der zweiten Heimat in Lübbecke. Auch wenn das Team in die Gästekabine einchecken muss und das typische GWD-Branding fehlen wird: Ein echtes Auswärtsspiel werde das nicht, meint der Geschäftsführer: „Die Halle hat ihren Schrecken verloren.“ Im Gegenteil sogar. Das Derby beim Rivalen wird zur Rückkehr ins gelobte Land.

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