Zurück in der Heimat: Schalker Ex-Profi Yves Eigenrauch lebt wieder in Porta - und hat Abstand zum Fußball gewonnen Jörg Wehling Porta Westfalica. Ehrliche Arbeit abliefern, Werte vermitteln, zum Beispiel seinen beiden Kindern – dafür steht der gebürtige Portaner Yves Eigenrauch heute. In den 90er Jahren rackerte der 49-Jährige zwölf Jahre lang als Fußball-Profi beim Bundesligisten Schalke 04. Ruhrpott in Gelsenkirchen statt Blauer See in Lerbeck und dem Porta-Berg mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Jetzt ist Eigenrauch zurück. Aus familiären Gründen hat er den Ruhrpott als Lebensmittelpunkt hinter sich gelassen und lebt nun dort, wo er groß geworden ist. Sein Markenzeichen im Profifußball war die aufopferungsvolle Bereitschaft, um jeden Ball zu kämpfen und seinem Gegenspieler den Ball wegzugrätschen. „Heute wären das Eigenschaften, da würde es wohl nicht mehr zum Fußball-Profi reichen", sagt der Portaner im Rückblick auf seine Zeit in Gelsenkirchen. Wehmut schwingt eher nicht mit, wenn Yves von der Zeit, die ihn bekannt gemacht hat, erzählt. „Das war ein Abschnitt in meinem Leben. Nicht mehr und nicht weniger", betont Eigenrauch. Damals in den 90er Jahren machte er sich einen Namen als besonderer Profi. Das langgezogene „Yyyyyves" begleitete ihn bei seinen Auftritten in den Bundesliga-Arenen. Ehrliche Arbeit? Das mochte man ganz besonders beim „Kumpel- und Malocherklub", für den sich Schalke noch heute hält. Bei den Fans war und ist Eigenrauch Publikumsliebling – bis heute. „Das war für mich in meiner aktiven Zeit schon eher eine latente Belastung, weil ich den Menschen, die Vertrauen in mich setzten, unbedingt etwas zurückgeben wollte", sagt er. Dass sie den gebürtigen Ostwestfalen noch heute im Revier mögen, zeigt sich vielfältig. Er gehört nach einer Umfrage zu den 25 beliebtesten Schalker Spielern aller Zeiten – an der Seite von Vereinsikonen wie Olaf Thon oder Klaus Fischer. Warum das so ist? Eigenrauch hat Sportgeschichte mitgeschrieben, schließlich gehört er zu der legendären „Eurofighter"-Mannschaft, die als krasser Außenseiter 1997 in Mailand den UEFA-Cup gewann. „Natürlich vergisst man so etwas nicht. 20.000 eigene Fans, Sieg im Elfmeterschießen und alles, was dann anschließend kam mit dem überwältigenden Empfang in Gelsenkirchen. Da wurde ein Traum Realität." Doch auch aus anderen Gründen war er beliebt, weil er seine Meinung vertrat, damit schon mal aneckte und so kein Profi im herkömmlichen Sinne war. Der ganze Glanz und Glamour war schon damals nicht seine Welt. Während seine Berufskollegen mit schnellen, schicken Autos zum Training kamen, bevorzugte er den Kleinwagen oder das Minifahrrad. „Ich habe gerne Fußball gespielt. Das ganze Business drumherum war aber nicht meins", sagt Eigenrauch. Darum war es auch für ihn nie erstrebenswert, eine Karriere nach der Karriere als Funktionär beim FC Schalke 04 anzustreben. Kolumnen hat er geschrieben über seinen Traditionsverein oder sich zur aktuellen Lage seines Klubs und zum Profifußball geäußert. „Der Sport hat jegliches Maß verloren", hört man von ihm, oder, dass es ihm nicht zustehen würde, sich zur Situation auf Schalke zu äußern. „Die Entwicklung ist natürlich bedauerlich. Und ich drücke die Daumen, dass sie den Klassenerhalt doch noch schaffen", sagt der Portaner aber dann doch. Und er ergänzt: „Ein Fußballverein lebt davon, authentisch zu sein. Das scheint in den letzten Jahren verloren gegangen zu sein. Das ist aber ganz klar kein Schalke-spezifisches Problem. Das betrifft fast alle Profiklubs." Die Karriere nach der Karriere führte ihn in Richtung Kunst und Kultur. Er fotografiert gerne, hat einen Podcast-Sender, in dem geht es um Gespräche mit mehr oder minder bekannten Menschen, hin und wieder auch aus dem Sport. Gerade hat er mit seinem ehemaligem Mitspieler Günter Schlipper gefachsimpelt. Viel probiert hat er auch in den zurückliegenden 20 Jahren, zum Beispiel hat er im Veranstaltungs-Management der Schalke Arena gearbeitet, aber auch im Callcenter einer Baumarktkette oder im Bereich der Werbetechnik. Im Bereich Presse hat er ebenfalls gearbeitet, er dürfte – was er aber nicht macht – auch als PR-Berater arbeiten. Jetzt ist Yves Eigenrauch zurück in Ostwestfalen und es hat den Anschein, dass er seine Rückkehr genießt. Viel Glück hat er in seinem Leben bisher gehabt und eine Sportkarriere hingelegt, in der ab und an auch der Zufall half. Seinen Klub BW Lerbeck verließ er, weil in seiner Jugend-Mannschaft zu alte Spieler aufliefen und das Team bei der Stadtmeisterschaft disqualifiziert wurde. Zu Arminia Bielefeld wechselte Eigenrauch über die Zwischenstation Mindener Spielvereinigung 05, dem Vorgängerverein von Union Minden. Dort wurde die B-Jugend-Mannschaft aufgelöst. Sein Jugendtrainer Thomas Bouza Behm, heute Anzeigenchef beim Mindener Tageblatt, brachte ihn bei den Arminen unter. „Auf Schalke und im Ruhrgebiet habe ich mich anfangs überhaupt nicht wohlgefühlt. Die Mentalität war schroff, damit konnte ich anfangs nicht umgehen", sagt Eigenrauch. Erst ein Zufall schubste ihn ins Rampenlicht. Weil Schalkes damaliger Trainer Aleksandar Ristic, ein Disziplinfanatiker, mittags vor der Abendpartie drei Spieler beim Backgammon-Spiel erwischte, rückte Eigenrauch in den Kader. Sein guter Auftritt beim Spiel in Nürnberg verhalf ihm zum Durchbruch auf Schalke. Zum Nationalspieler reichte es bei ihm leider nicht ganz, obwohl er zu DFB-Sichtungslehrgängen bei Berti Vogts und Erich Ribbeck eingeladen war. „Auch das war eine sehr interessante Erfahrung für mich", sagt Eigenrauch. Ob er noch Freunde aus dieser Zeit hat, verneint er. „Bei regelmäßigen Treffen der Eurofighter sieht man sich noch ab und zu. Das ist es aber auch", sagt er. Ohnehin schaut er nur sehr selten Fußball, verzichtet auf TV-Übertragungen oder gar auf den Gang ins Fußballstadion. „Ich habe lieber gespielt und weniger geguckt", lautet sein ehrliches Eingeständnis. Immerhin: Ein Handballspiel mit GWD Minden hat er schon gesehen. Was er noch für Wünsche in seinem Leben habe? „Alt werden möchte ich und viel lesen und gute Musik hören", sagt er. Und obwohl er kein Reisemensch ist, möchte er dennoch den einen oder anderen Kontinent besuchen und fremde Länder kennenlernen. „Japan, Südamerika und Island. Das wäre noch etwas, was ich gerne sehen möchte", sagt Eigenrauch, der froh ist, dass er nun mittlerweile auch unerkannt durch die Stadt gehen kann. Ob er nun zurück in seiner Heimat sei, beantwortet er so. „Jede Region hat ihre Reize. Lange Zeit war es das Ruhrgebiet, heute ist es wieder Porta Westfalica. Hier hat sich vieles verändert, aber es ist die Region, in der aufgewachsen bin."

Zurück in der Heimat: Schalker Ex-Profi Yves Eigenrauch lebt wieder in Porta - und hat Abstand zum Fußball gewonnen

Legendäres Duell: Yves Eigenrauch war einer der wenigen Verteidiger, die den brasilianischen Weltstar Ronaldo in den Griff bekommen haben. Foto: © imago/Oliver Behrendt

Porta Westfalica. Ehrliche Arbeit abliefern, Werte vermitteln, zum Beispiel seinen beiden Kindern – dafür steht der gebürtige Portaner Yves Eigenrauch heute. In den 90er Jahren rackerte der 49-Jährige zwölf Jahre lang als Fußball-Profi beim Bundesligisten Schalke 04. Ruhrpott in Gelsenkirchen statt Blauer See in Lerbeck und dem Porta-Berg mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Jetzt ist Eigenrauch zurück. Aus familiären Gründen hat er den Ruhrpott als Lebensmittelpunkt hinter sich gelassen und lebt nun dort, wo er groß geworden ist.

Sein Markenzeichen im Profifußball war die aufopferungsvolle Bereitschaft, um jeden Ball zu kämpfen und seinem Gegenspieler den Ball wegzugrätschen. „Heute wären das Eigenschaften, da würde es wohl nicht mehr zum Fußball-Profi reichen", sagt der Portaner im Rückblick auf seine Zeit in Gelsenkirchen.

Wehmut schwingt eher nicht mit, wenn Yves von der Zeit, die ihn bekannt gemacht hat, erzählt. „Das war ein Abschnitt in meinem Leben. Nicht mehr und nicht weniger", betont Eigenrauch.

Damals in den 90er Jahren machte er sich einen Namen als besonderer Profi. Das langgezogene „Yyyyyves" begleitete ihn bei seinen Auftritten in den Bundesliga-Arenen. Ehrliche Arbeit? Das mochte man ganz besonders beim „Kumpel- und Malocherklub", für den sich Schalke noch heute hält.

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Bei den Fans war und ist Eigenrauch Publikumsliebling – bis heute. „Das war für mich in meiner aktiven Zeit schon eher eine latente Belastung, weil ich den Menschen, die Vertrauen in mich setzten, unbedingt etwas zurückgeben wollte", sagt er. Dass sie den gebürtigen Ostwestfalen noch heute im Revier mögen, zeigt sich vielfältig. Er gehört nach einer Umfrage zu den 25 beliebtesten Schalker Spielern aller Zeiten – an der Seite von Vereinsikonen wie Olaf Thon oder Klaus Fischer. Warum das so ist? Eigenrauch hat Sportgeschichte mitgeschrieben, schließlich gehört er zu der legendären „Eurofighter"-Mannschaft, die als krasser Außenseiter 1997 in Mailand den UEFA-Cup gewann. „Natürlich vergisst man so etwas nicht. 20.000 eigene Fans, Sieg im Elfmeterschießen und alles, was dann anschließend kam mit dem überwältigenden Empfang in Gelsenkirchen. Da wurde ein Traum Realität."

Doch auch aus anderen Gründen war er beliebt, weil er seine Meinung vertrat, damit schon mal aneckte und so kein Profi im herkömmlichen Sinne war. Der ganze Glanz und Glamour war schon damals nicht seine Welt. Während seine Berufskollegen mit schnellen, schicken Autos zum Training kamen, bevorzugte er den Kleinwagen oder das Minifahrrad. „Ich habe gerne Fußball gespielt. Das ganze Business drumherum war aber nicht meins", sagt Eigenrauch.

Darum war es auch für ihn nie erstrebenswert, eine Karriere nach der Karriere als Funktionär beim FC Schalke 04 anzustreben. Kolumnen hat er geschrieben über seinen Traditionsverein oder sich zur aktuellen Lage seines Klubs und zum Profifußball geäußert. „Der Sport hat jegliches Maß verloren", hört man von ihm, oder, dass es ihm nicht zustehen würde, sich zur Situation auf Schalke zu äußern. „Die Entwicklung ist natürlich bedauerlich. Und ich drücke die Daumen, dass sie den Klassenerhalt doch noch schaffen", sagt der Portaner aber dann doch. Und er ergänzt: „Ein Fußballverein lebt davon, authentisch zu sein. Das scheint in den letzten Jahren verloren gegangen zu sein. Das ist aber ganz klar kein Schalke-spezifisches Problem. Das betrifft fast alle Profiklubs."

Die Karriere nach der Karriere führte ihn in Richtung Kunst und Kultur. Er fotografiert gerne, hat einen Podcast-Sender, in dem geht es um Gespräche mit mehr oder minder bekannten Menschen, hin und wieder auch aus dem Sport. Gerade hat er mit seinem ehemaligem Mitspieler Günter Schlipper gefachsimpelt.

Wie war das damals? Yves Eigenrauch antwortet ausführlich beim Gesprächstermin im Hause des Mindener Tageblatts. MT-Foto: Alexander Lehn - © Alex Lehn
Wie war das damals? Yves Eigenrauch antwortet ausführlich beim Gesprächstermin im Hause des Mindener Tageblatts. MT-Foto: Alexander Lehn - © Alex Lehn

Viel probiert hat er auch in den zurückliegenden 20 Jahren, zum Beispiel hat er im Veranstaltungs-Management der Schalke Arena gearbeitet, aber auch im Callcenter einer Baumarktkette oder im Bereich der Werbetechnik. Im Bereich Presse hat er ebenfalls gearbeitet, er dürfte – was er aber nicht macht – auch als PR-Berater arbeiten.

Jetzt ist Yves Eigenrauch zurück in Ostwestfalen und es hat den Anschein, dass er seine Rückkehr genießt. Viel Glück hat er in seinem Leben bisher gehabt und eine Sportkarriere hingelegt, in der ab und an auch der Zufall half. Seinen Klub BW Lerbeck verließ er, weil in seiner Jugend-Mannschaft zu alte Spieler aufliefen und das Team bei der Stadtmeisterschaft disqualifiziert wurde. Zu Arminia Bielefeld wechselte Eigenrauch über die Zwischenstation Mindener Spielvereinigung 05, dem Vorgängerverein von Union Minden. Dort wurde die B-Jugend-Mannschaft aufgelöst. Sein Jugendtrainer Thomas Bouza Behm, heute Anzeigenchef beim Mindener Tageblatt, brachte ihn bei den Arminen unter.

„Auf Schalke und im Ruhrgebiet habe ich mich anfangs überhaupt nicht wohlgefühlt. Die Mentalität war schroff, damit konnte ich anfangs nicht umgehen", sagt Eigenrauch. Erst ein Zufall schubste ihn ins Rampenlicht. Weil Schalkes damaliger Trainer Aleksandar Ristic, ein Disziplinfanatiker, mittags vor der Abendpartie drei Spieler beim Backgammon-Spiel erwischte, rückte Eigenrauch in den Kader. Sein guter Auftritt beim Spiel in Nürnberg verhalf ihm zum Durchbruch auf Schalke. Zum Nationalspieler reichte es bei ihm leider nicht ganz, obwohl er zu DFB-Sichtungslehrgängen bei Berti Vogts und Erich Ribbeck eingeladen war. „Auch das war eine sehr interessante Erfahrung für mich", sagt Eigenrauch.

Ob er noch Freunde aus dieser Zeit hat, verneint er. „Bei regelmäßigen Treffen der Eurofighter sieht man sich noch ab und zu. Das ist es aber auch", sagt er. Ohnehin schaut er nur sehr selten Fußball, verzichtet auf TV-Übertragungen oder gar auf den Gang ins Fußballstadion. „Ich habe lieber gespielt und weniger geguckt", lautet sein ehrliches Eingeständnis. Immerhin: Ein Handballspiel mit GWD Minden hat er schon gesehen.

Was er noch für Wünsche in seinem Leben habe? „Alt werden möchte ich und viel lesen und gute Musik hören", sagt er. Und obwohl er kein Reisemensch ist, möchte er dennoch den einen oder anderen Kontinent besuchen und fremde Länder kennenlernen. „Japan, Südamerika und Island. Das wäre noch etwas, was ich gerne sehen möchte", sagt Eigenrauch, der froh ist, dass er nun mittlerweile auch unerkannt durch die Stadt gehen kann.

Ob er nun zurück in seiner Heimat sei, beantwortet er so. „Jede Region hat ihre Reize. Lange Zeit war es das Ruhrgebiet, heute ist es wieder Porta Westfalica. Hier hat sich vieles verändert, aber es ist die Region, in der aufgewachsen bin."

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