Zur Kur mit einem Trikot von Klos: Der Aufstieg von Arminia Bielefeld bewegt auch die Fans im Mindener Land Marcus Riechmann,Christian Oestreich Minden/Bielefeld. Bielefeld feiert: Die Arminia kehrt elf Jahre nach dem letzten Abstieg in die Fußballbundesliga zurück. Der wundersame Aufstieg aus den Niederungen der 2. und auch 3. Liga begeistert vor dem Saisonfinale am Sonntag gegen den 1. FC Heidenheim aber nicht nur die Menschen in der ostwestfälischen Metropole. Auch im Mindener Land freuen sich Fans über die Rückkehr ihrer Arminia auf die große Fußballbühne. „Bundesliga ist schon schön“, sagt Jannes Tilicke., der über das Studium in Bielefeld zum Arminen-Fan wurde. Doch dem Kutenhauser fehlt am Ende der Corona-Saison mit ihren Geisterspielen die Euphorie, die die Rückkehr des DSC nach Jahren des Darbens eigentlich hätte auslösen sollen. „Das war ein Aufstieg mit angehaltener Luft. Da fehlt was“, beschreibt Tilicke ein Gefühl, das auch andere Fans beschlichen hat. „Es ist schon komisch, auf dem Sofa vor dem Fernseher aufzusteigen“, hat der 29-Jährige seinen Stehplatz im Block 3 und die Kumpels vermisst. Vom Bayern-Anhänger ist der Juso-Kreisvorsitzende einst zum Arminen-Fan geworden. Ein Konfirmationsgeschenk, Tickets zum Pokal-Hit gegen Bayern München, ebneten den Weg, der sich im Studium verfestigte. Da ist ihm Friedrich Quest ein paar Tage voraus. „Seit 1955 bin ich Armine“, sagt der heute 87 Jahre alte Bahn-Pensionär über den Beginn seiner Liebe. „Ich bin oft auf der alten Alm gewesen“, erzählt der gebürtige Herforder, der heute in Porta Westfalica lebt. Ein Wimpel schmückt seinen Schreibtisch, doch im Stadion war er schon lange nicht mehr. „Das macht die Gesundheit nicht mit, aber ich bin noch mit ganzem Herzen Fan“, sagt er, „jetzt verfolge ich die Spiel auf Videotext.“ Zum Aufstieg will er ein Trikot von Stürmer und Teamkapitän Fabian Klos kaufen. „Das trage ich dann, wenn ich zur Kur in Bayern bin“, erzählt Quest: „Da bin ich sowieso immer der Bielefelder.“ Arminia ist nicht „der Klub“ im Mindener Land. Zum einen besteht auch eine Bindung an die nahe hinter der Landesgrenze kickenden „Roten“ von Hannover 96. Zum anderen spielen die klassischen Branchengrößen wie Bayern München, Borussia Dortmund, Schalke 04 und andere Erstligisten eine große Rolle bei den heimischen Fans. „Wir haben einen echten Arminen-Fan im Team, der Rest ist anders orientiert“, sagt beispielsweise Carsten Korff, Trainer des Bezirksligisten FSC Eisbergen. Ähnlich sieht es bei der FT Dützen aus, berichtet Coach Patrick Zweck. Doch die wegen der Corona-Situation letztlich abgesagte Fußball-Fahrt der ersten und zweiten Mannschaft sollte die FTD zur Schüco-Arena führen. „Ich bin aus meiner Bielefelder Studienzeit mit Arminia verbunden, aber eher als Sympathisant und nicht als Fan“, sagt Zweck, der gesteht: „Ich freue mich über den Aufstieg, das ist gut für die ganze Region, aber ich habe vor der Saison nicht gedacht, dass die das schaffen.“ Aus seiner Mitarbeit bei den DSC-Ferienspielen weiß er: „In Bielefeld kennt jedes Kind Spieler wie Fabian Klos. Aber in Minden nicht, da zählen eher Messi oder Lewandowski.“ Das Arminen-Land, das bestätigen die heimischen Anhänger, fängt erst „hinterm Berge“ richtig an. „Am Bahnhof Minden ist es überschaubar. In Bad Oeynhausen steigen schon mehr Fans ein“, berichtet Tilicke über die Bahnfahrten zu den Heimspielen. Doch der DSC Arminia Bielefeld hat eine solide Bindung ins Mindener Land. Zahlreiche Testspiele absolvierten die Arminen im nördlichen Zipfel der Region. In der Vorbereitung auf die aktuelle Meistersaison gastierten sie gleich zweimal im Mühlenkreis. Im Juni besiegte die Mannschaft von Coach Uwe Neuhaus zunächst den FC Preußen Espelkamp 3:0 und eine Woche später dann RW Maaslingen 5:0. Fünf der derzeit 189 offiziell gelisteten Fanclubs kommen aus dem Minden-Lübbecke: Die Stadiontester (Bad Oeynhausen/ Gründung 2005), die North West Crew (Minden/2006), Lebenslänglich Schwarz-Weiß-Blau (Lübbecke/2012), No sleep `til Bielefeld (Bad Oeynhausen/2012) und die Aueland Arminen (Rahden/2015). Auch die heimische Wirtschaft ist dem DSC verbunden Die Gauselmann AG ist eines von elf Unternehmen, die bei der Gründung dem Bündnis Ostwestfalen angehören. Die Melitta Gruppe kam nur wenig später im Mai 2018 dazu. Große Bedeutung hat der „Klub der Ostwestfalen“ als Sprungbrett für heimische Fußballtalente. Die Jugendabteilung ist wichtiger Anlaufpunkt für junge Kicker aus dem Mindener Land. Und so mancher Mühlenkreis-Fußballer ist in Bielefeld zum Profi gereift. Diesen Aspekt betont auch Trainer Zweck: „Die Jugendarbeit in Bielefeld ist super. Für heimische Talente ist das eine gute Adresse“, sagt der 39-Jährige und stellt fest: „Wieder Erstliga-Fußball vor der Haustür zu haben ist schon eine super Sache.“ MINDENER PROFIS BEI ARMINIA BIELEFELD Wolfgang „Latscher“ Pohl (1954 in Espelkamp geboren) ist eine Arminia-Legende. Mit 359 Einsätzen steht er an Nummer zwei der meisten Spiele für die Arminia nach Wolfgang Kneib. Mit 167 Bundesliga-Spielen ist er auch in dieser Kategorie die Nummer zwei nach Rüdiger Kauf. Der Lübbecke Finn Holsing absolvierte 2004 unter Trainer Uwe Rapolder drei Bundesliga-Spiele. Heute leitet er das Nachwuchs-Leistungszentrum bei der Arminia. Der 1985 geborene Mindener Thilo Versick schaffte nach seinem Wechsel von RW Maaslingen 2006 im DSC-Trikot 2007 den großen Sprung. Der Stürmer kam zu zwei Bundesliga-Einsätzen. Spuren hinterließ auch Drittliga-Rekordspieler Tim Danneberg, der von Union Minden zur Arminia kam und sieben 2006 und 207 Erstligaspiele bestritt – unter anderem einem Kurzeinsatz beim legendären 2:1-Sieg gegen Bayern München. Auch der Kutenhauser Maik Rodenberg und andere spielten bei der Arminia auf höchstem Niveau. (mt)

Zur Kur mit einem Trikot von Klos: Der Aufstieg von Arminia Bielefeld bewegt auch die Fans im Mindener Land

Topstimmung in der Schüco-Arena in der Vor-Corona-Zeit. Die Arminia-Mannschaft feiert mit den Fans. Auch aus Minden machen sich regelmäßig Anhänger auf den Weg zu den Heimspielen nach Bielefeld. Foto: Noah Wedel © Revierfoto

Minden/Bielefeld. Bielefeld feiert: Die Arminia kehrt elf Jahre nach dem letzten Abstieg in die Fußballbundesliga zurück. Der wundersame Aufstieg aus den Niederungen der 2. und auch 3. Liga begeistert vor dem Saisonfinale am Sonntag gegen den 1. FC Heidenheim aber nicht nur die Menschen in der ostwestfälischen Metropole. Auch im Mindener Land freuen sich Fans über die Rückkehr ihrer Arminia auf die große Fußballbühne.

„Bundesliga ist schon schön“, sagt Jannes Tilicke., der über das Studium in Bielefeld zum Arminen-Fan wurde. Doch dem Kutenhauser fehlt am Ende der Corona-Saison mit ihren Geisterspielen die Euphorie, die die Rückkehr des DSC nach Jahren des Darbens eigentlich hätte auslösen sollen. „Das war ein Aufstieg mit angehaltener Luft. Da fehlt was“, beschreibt Tilicke ein Gefühl, das auch andere Fans beschlichen hat. „Es ist schon komisch, auf dem Sofa vor dem Fernseher aufzusteigen“, hat der 29-Jährige seinen Stehplatz im Block 3 und die Kumpels vermisst.

Vom Bayern-Anhänger ist der Juso-Kreisvorsitzende einst zum Arminen-Fan geworden. Ein Konfirmationsgeschenk, Tickets zum Pokal-Hit gegen Bayern München, ebneten den Weg, der sich im Studium verfestigte. Da ist ihm Friedrich Quest ein paar Tage voraus. „Seit 1955 bin ich Armine“, sagt der heute 87 Jahre alte Bahn-Pensionär über den Beginn seiner Liebe. „Ich bin oft auf der alten Alm gewesen“, erzählt der gebürtige Herforder, der heute in Porta Westfalica lebt. Ein Wimpel schmückt seinen Schreibtisch, doch im Stadion war er schon lange nicht mehr. „Das macht die Gesundheit nicht mit, aber ich bin noch mit ganzem Herzen Fan“, sagt er, „jetzt verfolge ich die Spiel auf Videotext.“ Zum Aufstieg will er ein Trikot von Stürmer und Teamkapitän Fabian Klos kaufen. „Das trage ich dann, wenn ich zur Kur in Bayern bin“, erzählt Quest: „Da bin ich sowieso immer der Bielefelder.“

Arminia ist nicht „der Klub“ im Mindener Land. Zum einen besteht auch eine Bindung an die nahe hinter der Landesgrenze kickenden „Roten“ von Hannover 96. Zum anderen spielen die klassischen Branchengrößen wie Bayern München, Borussia Dortmund, Schalke 04 und andere Erstligisten eine große Rolle bei den heimischen Fans. „Wir haben einen echten Arminen-Fan im Team, der Rest ist anders orientiert“, sagt beispielsweise Carsten Korff, Trainer des Bezirksligisten FSC Eisbergen. Ähnlich sieht es bei der FT Dützen aus, berichtet Coach Patrick Zweck. Doch die wegen der Corona-Situation letztlich abgesagte Fußball-Fahrt der ersten und zweiten Mannschaft sollte die FTD zur Schüco-Arena führen.

„Ich bin aus meiner Bielefelder Studienzeit mit Arminia verbunden, aber eher als Sympathisant und nicht als Fan“, sagt Zweck, der gesteht: „Ich freue mich über den Aufstieg, das ist gut für die ganze Region, aber ich habe vor der Saison nicht gedacht, dass die das schaffen.“ Aus seiner Mitarbeit bei den DSC-Ferienspielen weiß er: „In Bielefeld kennt jedes Kind Spieler wie Fabian Klos. Aber in Minden nicht, da zählen eher Messi oder Lewandowski.“

Das Arminen-Land, das bestätigen die heimischen Anhänger, fängt erst „hinterm Berge“ richtig an. „Am Bahnhof Minden ist es überschaubar. In Bad Oeynhausen steigen schon mehr Fans ein“, berichtet Tilicke über die Bahnfahrten zu den Heimspielen.

Doch der DSC Arminia Bielefeld hat eine solide Bindung ins Mindener Land. Zahlreiche Testspiele absolvierten die Arminen im nördlichen Zipfel der Region. In der Vorbereitung auf die aktuelle Meistersaison gastierten sie gleich zweimal im Mühlenkreis. Im Juni besiegte die Mannschaft von Coach Uwe Neuhaus zunächst den FC Preußen Espelkamp 3:0 und eine Woche später dann RW Maaslingen 5:0.

Fünf der derzeit 189 offiziell gelisteten Fanclubs kommen aus dem Minden-Lübbecke: Die Stadiontester (Bad Oeynhausen/ Gründung 2005), die North West Crew (Minden/2006), Lebenslänglich Schwarz-Weiß-Blau (Lübbecke/2012), No sleep `til Bielefeld (Bad Oeynhausen/2012) und die Aueland Arminen (Rahden/2015). Auch die heimische Wirtschaft ist dem DSC verbunden Die Gauselmann AG ist eines von elf Unternehmen, die bei der Gründung dem Bündnis Ostwestfalen angehören. Die Melitta Gruppe kam nur wenig später im Mai 2018 dazu.

Große Bedeutung hat der „Klub der Ostwestfalen“ als Sprungbrett für heimische Fußballtalente. Die Jugendabteilung ist wichtiger Anlaufpunkt für junge Kicker aus dem Mindener Land. Und so mancher Mühlenkreis-Fußballer ist in Bielefeld zum Profi gereift. Diesen Aspekt betont auch Trainer Zweck: „Die Jugendarbeit in Bielefeld ist super. Für heimische Talente ist das eine gute Adresse“, sagt der 39-Jährige und stellt fest: „Wieder Erstliga-Fußball vor der Haustür zu haben ist schon eine super Sache.“

MINDENER PROFIS BEI ARMINIA BIELEFELD

Wolfgang „Latscher“ Pohl (1954 in Espelkamp geboren) ist eine Arminia-Legende. Mit 359 Einsätzen steht er an Nummer zwei der meisten Spiele für die Arminia nach Wolfgang Kneib. Mit 167 Bundesliga-Spielen ist er auch in dieser Kategorie die Nummer zwei nach Rüdiger Kauf.

Der Lübbecke Finn Holsing absolvierte 2004 unter Trainer Uwe Rapolder drei Bundesliga-Spiele. Heute leitet er das Nachwuchs-Leistungszentrum bei der Arminia. Der 1985 geborene Mindener Thilo Versick schaffte nach seinem Wechsel von RW Maaslingen 2006 im DSC-Trikot 2007 den großen Sprung. Der Stürmer kam zu zwei Bundesliga-Einsätzen.

Spuren hinterließ auch Drittliga-Rekordspieler Tim Danneberg, der von Union Minden zur Arminia kam und sieben 2006 und 207 Erstligaspiele bestritt – unter anderem einem Kurzeinsatz beim legendären 2:1-Sieg gegen Bayern München. Auch der Kutenhauser Maik Rodenberg und andere spielten bei der Arminia auf höchstem Niveau. (mt)

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