Westfalenligist SVKT trotzt der Krise im Frauenfußball Sebastian Külbel Minden.Wenn SV Kutenhausen-Todtenhausens Westfalenliga-Fußballerinnen am 29. August mit einem Auswärtsspiel bei DJK VfL Billerbeck in die neue Saison starten, ist das für sie auch das Ziel einer langen Reise. Fast sechs Monate dauerte die Vorbereitung auf diesen Moment, und das hat auch mit der alarmierenden Situation im Frauenfußball zu tun. „Es war zeitaufwendig, aber es hat sich gelohnt“, sagt Chefcoach Ronny Vogt über die lange Trainingsphase. Das gilt gleich doppelt: Zum einen ist sind alle Spielerinnen verletzungsfrei und mit guten Grundlagen ins Mannschaftstraining am 23. Mai und dann in die Vorbereitung am 26. Juni gestartet. Zum anderen hat Vogt das Team zusammengehalten – nicht selbstverständlich, wie der Blick über den Tellerrand zeigt: „Es gibt im Frauenfußball schon länger einen Abwärtstrend in der ganzen Region, in der Bezirksliga sind aus 16 Mannschaften nur noch elf geworden“, schildert der Trainer: „Corona hat das Ganze offenbar stark beschleunigt.“ Das merkt auch die SVKT als Frauenfußball-Leuchtturm im Fußballkreis Minden: „Wir hatten vor fünf Jahren noch 100 B-Juniorinnen, jetzt sind es 30“, sagt Vogt. Auch in anderen Vereinen sieht es nicht besser aus, wie zahlreiche Rückzüge und Abmeldungen von Mannschaften bis hoch zur Regionalliga zeigen. Auch bei denen, die noch da sind, ist es oft eng: „Es ist sehr schwer, Testspielgegner zu bekommen“, stellte der SVKT-Coach in den vorigen Wochen fest. Auch deshalb hat er seine Spielerinnen früh wieder um sich versammelt – wenn auch zunächst nur einzeln: „Als am 7. März wieder Einzeltraining möglich war, haben wir sofort angefangen.“ Fast drei Monate stand Ronny Vogt jeden Tag für zwei Stunden auf dem Platz, um seine Schützlinge kontaktlos in Zweiergruppen fit zu halten. „Man muss den Mädels etwas bieten“, erklärt er. Auch dank dieser persönlichen Betreuung kann er auf einen stattlichen 26-Frau-Kader zurückgreifen. Wie hoch dessen Aufwand ist, zeigt ein kleines Zahlenspiel: Der durchschnittliche Anfahrtsweg einer SVKT-Spielerin beträgt 32 Kilometer. Längst rekrutiert der Verein sein Personal in der ganzen Region. Im Kader hat sich trotz der intensiven Bemühungen einiges geändert, denn es gibt gleich sieben Abgänge. Nadine Jablonski und Kim Müller haben ihre Karriere beendet, Christin Horst und Chiara Rösener stehen wegen ihres Studiums nicht mehr zur Verfügung. Zudem gehen Melonie Grabowski, Sabrina Lietz und Mara Luckenbach aus beruflichen Gründen in die zweite Mannschaft. Aufgefangen wird der Aderlass vor allem mit Eigenmitteln. Torfrau Emily Benner, Lucia Blaha und Joline Krumme rücken aus der zweiten Mannschaft auf, Chiara Gieselmann von den B-Mädchen. Einziger externer Zugang ist Chiara Gieselmann vom SV Weser Leteln. Und dann sind da noch die Rückkehrerinnen Franziska Neuse (nach Kreuzbandriss) und Linda Riechmann (nach Babypause). Vor allem Letztere sieht Vogt in einer wichtigen Rolle: „Sie hat wieder Fahrt aufgenommen und wird der jungen Mannschaft mit ihrer Erfahrung gut tun.“ Trotz des beträchtlichen Personalwechsels bleibt das Gerüst der Mannschaft zusammen, so dass der Trainer durchaus optimistisch in die neue Spielzeit geht: „In der kurzen letzten Saison waren wir nach sechs Spieltagen Sechster und hatten schon gegen die Titelkandidaten gespielt. Damit wäre ich auch jetzt zufrieden“, sagt Vogt zu den Aussichten. Dennoch setzt er sein neu sortiertes Team nicht unter Druck: „Wir wollen gut starten und nichts mit dem Abstieg zu tun haben.“ Taktisch soll der Trend des vergangenen Herbstes fortgesetzt werden. „Wir hatten vor der letzten Saison viel an der Balance zwischen Abwehr und Angriff gearbeitet, und das hat damals hervorragend funktioniert.“ Die Grundausrichtung bleibe zwar das Spiel nach vorne, „dieses Team stellt sich nicht hinten rein, es will angreifen“. Dennoch betont Vogt: „Wir müssen den Offensivdrang der Mannschaft defensiv absichern. Dann ist sie zu vielem fähig.“ Mehr Teamvorstellungen zur Fußballsaison auf MT.de

Westfalenligist SVKT trotzt der Krise im Frauenfußball

Die erste Frauenmannschaft der SV Kutenhausen-Todtenhausen in der Saison 2021/2022: Paula Frohwitter (obere Reihe von links), Luise Ellerkamp, Franziska Neuse, Linda Backhaus, Michelle Rösener, Lisa Reimer, Leonie Vogt, Joline Krumme, Carina Frenz, Trainer Ronny Vogt (mittlere Reihe von links), Geschäftsführer Dieter Rademacher, Belinda Bockhop, Thandie Reinkensmeier, Beverlie Bockhop, Maisha Höbel, Lale Waltemathe, Melena Kruse, Torwarttrainer Linus Piontek, Co-Trainerin Sabrina Schlottmann, Katja Selchow (untere Reihe von links), Sarah Heine, Alexandra Mallwitz, Celine Camacho, Nina Göking, Emily Benner, Lucia Blaha, Chiara Gieselmann und Michele Haybat. Es fehlen Lisa Lange und Vanessa Wiehe. MT-Foto: Sebastian Külbel

Minden.Wenn SV Kutenhausen-Todtenhausens Westfalenliga-Fußballerinnen am 29. August mit einem Auswärtsspiel bei DJK VfL Billerbeck in die neue Saison starten, ist das für sie auch das Ziel einer langen Reise. Fast sechs Monate dauerte die Vorbereitung auf diesen Moment, und das hat auch mit der alarmierenden Situation im Frauenfußball zu tun.

„Es war zeitaufwendig, aber es hat sich gelohnt“, sagt Chefcoach Ronny Vogt über die lange Trainingsphase. Das gilt gleich doppelt: Zum einen ist sind alle Spielerinnen verletzungsfrei und mit guten Grundlagen ins Mannschaftstraining am 23. Mai und dann in die Vorbereitung am 26. Juni gestartet. Zum anderen hat Vogt das Team zusammengehalten – nicht selbstverständlich, wie der Blick über den Tellerrand zeigt: „Es gibt im Frauenfußball schon länger einen Abwärtstrend in der ganzen Region, in der Bezirksliga sind aus 16 Mannschaften nur noch elf geworden“, schildert der Trainer: „Corona hat das Ganze offenbar stark beschleunigt.“

Das merkt auch die SVKT als Frauenfußball-Leuchtturm im Fußballkreis Minden: „Wir hatten vor fünf Jahren noch 100 B-Juniorinnen, jetzt sind es 30“, sagt Vogt. Auch in anderen Vereinen sieht es nicht besser aus, wie zahlreiche Rückzüge und Abmeldungen von Mannschaften bis hoch zur Regionalliga zeigen. Auch bei denen, die noch da sind, ist es oft eng: „Es ist sehr schwer, Testspielgegner zu bekommen“, stellte der SVKT-Coach in den vorigen Wochen fest.

Auch deshalb hat er seine Spielerinnen früh wieder um sich versammelt – wenn auch zunächst nur einzeln: „Als am 7. März wieder Einzeltraining möglich war, haben wir sofort angefangen.“ Fast drei Monate stand Ronny Vogt jeden Tag für zwei Stunden auf dem Platz, um seine Schützlinge kontaktlos in Zweiergruppen fit zu halten. „Man muss den Mädels etwas bieten“, erklärt er. Auch dank dieser persönlichen Betreuung kann er auf einen stattlichen 26-Frau-Kader zurückgreifen. Wie hoch dessen Aufwand ist, zeigt ein kleines Zahlenspiel: Der durchschnittliche Anfahrtsweg einer SVKT-Spielerin beträgt 32 Kilometer. Längst rekrutiert der Verein sein Personal in der ganzen Region.

Im Kader hat sich trotz der intensiven Bemühungen einiges geändert, denn es gibt gleich sieben Abgänge. Nadine Jablonski und Kim Müller haben ihre Karriere beendet, Christin Horst und Chiara Rösener stehen wegen ihres Studiums nicht mehr zur Verfügung. Zudem gehen Melonie Grabowski, Sabrina Lietz und Mara Luckenbach aus beruflichen Gründen in die zweite Mannschaft.

Aufgefangen wird der Aderlass vor allem mit Eigenmitteln. Torfrau Emily Benner, Lucia Blaha und Joline Krumme rücken aus der zweiten Mannschaft auf, Chiara Gieselmann von den B-Mädchen. Einziger externer Zugang ist Chiara Gieselmann vom SV Weser Leteln. Und dann sind da noch die Rückkehrerinnen Franziska Neuse (nach Kreuzbandriss) und Linda Riechmann (nach Babypause). Vor allem Letztere sieht Vogt in einer wichtigen Rolle: „Sie hat wieder Fahrt aufgenommen und wird der jungen Mannschaft mit ihrer Erfahrung gut tun.“

Trotz des beträchtlichen Personalwechsels bleibt das Gerüst der Mannschaft zusammen, so dass der Trainer durchaus optimistisch in die neue Spielzeit geht: „In der kurzen letzten Saison waren wir nach sechs Spieltagen Sechster und hatten schon gegen die Titelkandidaten gespielt. Damit wäre ich auch jetzt zufrieden“, sagt Vogt zu den Aussichten. Dennoch setzt er sein neu sortiertes Team nicht unter Druck: „Wir wollen gut starten und nichts mit dem Abstieg zu tun haben.“

Taktisch soll der Trend des vergangenen Herbstes fortgesetzt werden. „Wir hatten vor der letzten Saison viel an der Balance zwischen Abwehr und Angriff gearbeitet, und das hat damals hervorragend funktioniert.“ Die Grundausrichtung bleibe zwar das Spiel nach vorne, „dieses Team stellt sich nicht hinten rein, es will angreifen“. Dennoch betont Vogt: „Wir müssen den Offensivdrang der Mannschaft defensiv absichern. Dann ist sie zu vielem fähig.“

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