Wasserstraßes Marc Nahrwold im MT-Interview: "Ich wusste vor lauter Nervosität nichts mit mir anzufangen" Daniel Branahl Petershagen. Der TuS Wasserstraße ist der nördlichste Verein im Fußballkreis Minden und zählt seit Jahren zu den Top-Teams der Fußball-Kreisliga B Nord. Kapitän Marc Nahrwold spricht im MT-Interview über sein schönstes Erlebnis in seiner bisherigen Laufbahn und warum ein Vereinswechsel für ihn trotz einiger Anfragen nie in Frage kam. Außerdem berichtet der Freistoßspezialist von einem besonderen Corona-Wettbewerb und nennt Gründe, warum er den TuS auch ohne eigene Jugendmannschaft gut aufgestellt sieht. In der Saison 2006/2007 haben Sie den Sprung aus der eigenen Jugend in die 1. Mannschaft geschafft. Seitdem spielen Sie ununterbrochen für den TuS. Warum kam ein Wechsel nie in Frage? Mir war es immer wichtiger, mit meinen Kumpels zu kicken. Mit einigen vom ihnen spiele ich seit klein auf zusammen. Zudem sind mir der Verein und die Menschen ans Herz gewachsen. Vor allem der Zusammenhalt in Wasserstraße ist sensationell. Ich hab zwar das ein oder andere mal mit anderen Vereinen gesprochen, aber wirklich wechseln wollte ich nie. Im Sommer 2013 sind Sie mit dem TuS nach Elfmeterschießen im Entscheidungsspiel gegen den TuS Minderheide in die Kreisliga A aufgestiegen. War das bislang Ihr schönstes Fußball-Erlebnis? Ich erinnere mich an den Tag, als wäre er gestern gewesen. Wir hatten zwischenzeitlich zehn Punkte Rückstand auf Minderheide, sind dann aber zwei Spieltage vor Serienende gleichgezogen. So kam es zu dem Entscheidungsspiel in Petershagen. An dem Tag hat es die ganze Zeit geregnet, und ich wusste vor lauter Nervosität nichts mit mir anzufangen. Es schauten dann mehr als 600 Zuschauer zu, eine Wahnsinns-Kulisse. Das kuriose an der ganzen Geschichte war, dass wir im Vorfeld bereits eine Mannschaftsfahrt nach Mallorca gebucht hatten und am Tag des Spiels eigentlich schon auf der Insel gewesen wären. Kurzerhand haben wir die Flüge auf die Nacht nach dem Spiel umgebucht. Als Aufsteiger dann nach Malle zu fliegen, war genial und daher definitiv das Highlight in meiner bisherigen Karriere. In der Kreisliga A konnte sich Ihre Mannschaft dann nicht halten und stieg direkt wieder ab. Danach gehörte Wasserstraße immer zu den Top-Teams der Kreisliga B, wurde aber nie Meister. Warum? Das ist schwierig zu sagen. Es kamen mehrere Dinge zusammen. Zum einen waren Leistungsträger immer wieder lange verletzt. Zum anderen gab es fast immer eine Mannschaft, die die Liga dominierte und souverän durchmarschiert ist. Wir hingegen haben zu oft gegen vermeintlich schwächere Gegner wichtige Punkte liegengelassen. Ist es Ihr Ziel, noch einmal in der Kreisliga A zu spielen? Das ist es tatsächlich. Es wäre schön, noch einmal mit den Jungs einen Aufstieg zu feiern. Vor allem für unsere jüngeren Spieler, die den Aufstieg damals noch nicht miterlebt haben, würde ich es mich riesig freuen. Ich bin noch top-motiviert und meine Knochen machen auch noch super mit. Mein Ziel ist es, die jungen Spieler bei ihrer Entwicklung zu unterstützen und meine Erfahrung an sie weiterzugeben. Das hat mir früher selbst geholfen. Ihr Trainer Bernd Neumann schätzt Ihre Freistoßqualitäten. Trainieren Sie die regelmäßig? Ich fand es schon als Kind entspannter, den Ball mehr zu bewegen als mich selbst (lacht). Das hat vielleicht dazu beigetragen, dass ich auf meine Schusstechnik immer geachtet habe. Gelegentlich trainiere ich Freistöße mit unserem Keeper noch nach den Einheiten. Aber es liegt mir einfach auch. Gegenfrage: Was schätzen Sie an Ihrem Trainer? Bernd ist ein super sympathischer Typ, der sehr akribisch arbeitet. Wir machen sogar Videoanalysen von unseren Spielen. Einzelne Szenen von Abwehr und Angriff werden nach jedem Spiel besprochen. Zudem ist er in der Trainingsgestaltung sehr kreativ. Beispielsweise haben wir mal mit einer Augenklappe trainiert, um unser schwächeres Auge zu schulen. Es ist sensationell, auf welche Ideen er kommt. Im Februar hat ihre Mannschaft einen besonderen Wettbewerb absolviert. Erzählen Sie bitte davon. Wir haben gegen den OTSV Preußisch Oldendorf gewettet, welche Mannschaft zusammengerechnet mehr Kilometer in dem Monat läuft. Der Sieger erhält dann ein 50 Liter Fass Bier und Grillwürstchen. Wir haben ganz knapp gewonnen und sind insgesamt mehr als 5000 Kilometer gelaufen. Sie selbst sind in den 28 Tagen mehr als 350 Kilometer gelaufen. Das war Mannschaftsrekord. Was hat Sie trotz des Schnees und der eisigen Temperaturen motiviert? Ich verliere nicht gerne und bin auch recht ehrgeizig. Und wenn ich dann doch mal unmotiviert war, hat mich meine Frau zum Laufen geschickt, auch bei schlechtem Wetter. Am vorletzten Tag bin ich gemeinsam mit Hinnerk Kollhorst sogar einen Marathon gelaufen. Die anderen Jungs aus der Mannschaft haben uns dabei tatkräftig unterstützt und uns auf der Strecke immer wieder ein Stück begleitet. Seit dieser Saison steht der TuS ohne eine einzige Jugendmannschaft da. Machen Sie sich Sorgen um den Nachwuchs, oder sollte eine Spielgemeinschaft gegründet werden? Im Moment sehe ich da noch keinen Handlungsbedarf. Wir haben gerade aus unserer A-Jugend viele Spieler dazubekommen. Dazu spielen noch einige Jungs aus unserem Dorf in den Jugendmannschaften von Leese und Loccum. Sie könnten demnächst zu uns stoßen. Und wir haben aktuell zwei gut besetzte Seniorenmannschaften, so dass ich uns sehr gut aufgestellt sehe. Wasserstraße ist der nördlichste Verein im Kreis. Sind die langen Auswärtsfahrten für Sie lästig? Grundsätzlich spielen wir wie jede Mannschaft lieber zu Hause. Eine Auswärtstour auf einem Sonntag ist dann aber auch schön, wenn man nicht gerade der Fahrer ist. Ich glaube jeder Kreisligaspieler weiß, was ich damit meine (lacht). Allerdings sind weite Auswärtsspiele unter der Woche nach einem langen Arbeitstag schon ein wenig lästig und anstrengend.

Wasserstraßes Marc Nahrwold im MT-Interview: "Ich wusste vor lauter Nervosität nichts mit mir anzufangen"

Kapitän und Leistungsträger: Marc Nahwold (rechts) spielt bis auf eine kurze Unterbrechung in der Jugend sein gesamtes Leben beim TuS Wasserstraße. © Daniel Branahl

Petershagen. Der TuS Wasserstraße ist der nördlichste Verein im Fußballkreis Minden und zählt seit Jahren zu den Top-Teams der Fußball-Kreisliga B Nord. Kapitän Marc Nahrwold spricht im MT-Interview über sein schönstes Erlebnis in seiner bisherigen Laufbahn und warum ein Vereinswechsel für ihn trotz einiger Anfragen nie in Frage kam. Außerdem berichtet der Freistoßspezialist von einem besonderen Corona-Wettbewerb und nennt Gründe, warum er den TuS auch ohne eigene Jugendmannschaft gut aufgestellt sieht.

In der Saison 2006/2007 haben Sie den Sprung aus der eigenen Jugend in die 1. Mannschaft geschafft. Seitdem spielen Sie ununterbrochen für den TuS. Warum kam ein Wechsel nie in Frage?

Mir war es immer wichtiger, mit meinen Kumpels zu kicken. Mit einigen vom ihnen spiele ich seit klein auf zusammen. Zudem sind mir der Verein und die Menschen ans Herz gewachsen. Vor allem der Zusammenhalt in Wasserstraße ist sensationell. Ich hab zwar das ein oder andere mal mit anderen Vereinen gesprochen, aber wirklich wechseln wollte ich nie.

Im Sommer 2013 sind Sie mit dem TuS nach Elfmeterschießen im Entscheidungsspiel gegen den TuS Minderheide in die Kreisliga A aufgestiegen. War das bislang Ihr schönstes Fußball-Erlebnis?

Ich erinnere mich an den Tag, als wäre er gestern gewesen. Wir hatten zwischenzeitlich zehn Punkte Rückstand auf Minderheide, sind dann aber zwei Spieltage vor Serienende gleichgezogen. So kam es zu dem Entscheidungsspiel in Petershagen. An dem Tag hat es die ganze Zeit geregnet, und ich wusste vor lauter Nervosität nichts mit mir anzufangen. Es schauten dann mehr als 600 Zuschauer zu, eine Wahnsinns-Kulisse. Das kuriose an der ganzen Geschichte war, dass wir im Vorfeld bereits eine Mannschaftsfahrt nach Mallorca gebucht hatten und am Tag des Spiels eigentlich schon auf der Insel gewesen wären. Kurzerhand haben wir die Flüge auf die Nacht nach dem Spiel umgebucht. Als Aufsteiger dann nach Malle zu fliegen, war genial und daher definitiv das Highlight in meiner bisherigen Karriere.

In der Kreisliga A konnte sich Ihre Mannschaft dann nicht halten und stieg direkt wieder ab. Danach gehörte Wasserstraße immer zu den Top-Teams der Kreisliga B, wurde aber nie Meister. Warum?

Das ist schwierig zu sagen. Es kamen mehrere Dinge zusammen. Zum einen waren Leistungsträger immer wieder lange verletzt. Zum anderen gab es fast immer eine Mannschaft, die die Liga dominierte und souverän durchmarschiert ist. Wir hingegen haben zu oft gegen vermeintlich schwächere Gegner wichtige Punkte liegengelassen.

Ist es Ihr Ziel, noch einmal in der Kreisliga A zu spielen?

Das ist es tatsächlich. Es wäre schön, noch einmal mit den Jungs einen Aufstieg zu feiern. Vor allem für unsere jüngeren Spieler, die den Aufstieg damals noch nicht miterlebt haben, würde ich es mich riesig freuen. Ich bin noch top-motiviert und meine Knochen machen auch noch super mit. Mein Ziel ist es, die jungen Spieler bei ihrer Entwicklung zu unterstützen und meine Erfahrung an sie weiterzugeben. Das hat mir früher selbst geholfen.

Ihr Trainer Bernd Neumann schätzt Ihre Freistoßqualitäten. Trainieren Sie die regelmäßig?

Ich fand es schon als Kind entspannter, den Ball mehr zu bewegen als mich selbst (lacht). Das hat vielleicht dazu beigetragen, dass ich auf meine Schusstechnik immer geachtet habe. Gelegentlich trainiere ich Freistöße mit unserem Keeper noch nach den Einheiten. Aber es liegt mir einfach auch.

Gegenfrage: Was schätzen Sie an Ihrem Trainer?

Bernd ist ein super sympathischer Typ, der sehr akribisch arbeitet. Wir machen sogar Videoanalysen von unseren Spielen. Einzelne Szenen von Abwehr und Angriff werden nach jedem Spiel besprochen. Zudem ist er in der Trainingsgestaltung sehr kreativ. Beispielsweise haben wir mal mit einer Augenklappe trainiert, um unser schwächeres Auge zu schulen. Es ist sensationell, auf welche Ideen er kommt.

Im Februar hat ihre Mannschaft einen besonderen Wettbewerb absolviert. Erzählen Sie bitte davon.

Wir haben gegen den OTSV Preußisch Oldendorf gewettet, welche Mannschaft zusammengerechnet mehr Kilometer in dem Monat läuft. Der Sieger erhält dann ein 50 Liter Fass Bier und Grillwürstchen. Wir haben ganz knapp gewonnen und sind insgesamt mehr als 5000 Kilometer gelaufen.

Sie selbst sind in den 28 Tagen mehr als 350 Kilometer gelaufen. Das war Mannschaftsrekord. Was hat Sie trotz des Schnees und der eisigen Temperaturen motiviert?

Ich verliere nicht gerne und bin auch recht ehrgeizig. Und wenn ich dann doch mal unmotiviert war, hat mich meine Frau zum Laufen geschickt, auch bei schlechtem Wetter. Am vorletzten Tag bin ich gemeinsam mit Hinnerk Kollhorst sogar einen Marathon gelaufen. Die anderen Jungs aus der Mannschaft haben uns dabei tatkräftig unterstützt und uns auf der Strecke immer wieder ein Stück begleitet.

Seit dieser Saison steht der TuS ohne eine einzige Jugendmannschaft da. Machen Sie sich Sorgen um den Nachwuchs, oder sollte eine Spielgemeinschaft gegründet werden?

Im Moment sehe ich da noch keinen Handlungsbedarf. Wir haben gerade aus unserer A-Jugend viele Spieler dazubekommen. Dazu spielen noch einige Jungs aus unserem Dorf in den Jugendmannschaften von Leese und Loccum. Sie könnten demnächst zu uns stoßen. Und wir haben aktuell zwei gut besetzte Seniorenmannschaften, so dass ich uns sehr gut aufgestellt sehe.

Wasserstraße ist der nördlichste Verein im Kreis. Sind die langen Auswärtsfahrten für Sie lästig?

Grundsätzlich spielen wir wie jede Mannschaft lieber zu Hause. Eine Auswärtstour auf einem Sonntag ist dann aber auch schön, wenn man nicht gerade der Fahrer ist. Ich glaube jeder Kreisligaspieler weiß, was ich damit meine (lacht). Allerdings sind weite Auswärtsspiele unter der Woche nach einem langen Arbeitstag schon ein wenig lästig und anstrengend.

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