„The big german“: Mindener finanziert sich mit Fußball Studium in den USA Fabian Terwey Minden. „The big german", den großen Deutschen rufen sie ihn auf dem Fußballplatz. Für Auswärtsspiele steigt er in den Flieger, Cheerleader und ein Wildkatzen-Maskottchen feuern ihn an. Amerikanischer Alltag für den Mindener Fabio Podmelle. Der 1,93-Hüne finanziert sich als Abräumer der Baker University Wildcats aktuell sein Studium in den USA. Das ersehnte Sportstipendium in Kansas macht es möglich. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten verfolgt er nun seinen nächsten Traum. „Mein Berufsziel ist, mit Fußball meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Am liebsten in Australien oder bei meinem Lieblingsverein Werder Bremen", erklärt Fabio Podmelle: „Wenn das nicht klappt, nutze ich meinen Doppel-Abschluss." Psychologie und Businessmanagement studiert er seit August 2019. Zuvor hatte der heute 20-Jährige sein Abitur am Herder Gymnasium absolviert, währenddessen in der B-Jugend-Westfalenliga für SV Rödinghausen und in der U19 für Preußen Espelkamp gespielt: „Ich hatte aber keine garantierte Aussicht, Profifußballer zu werden. Und ich wollte unbedingt etwas in der Hand haben, eine Ausbildung." Darum schaute sich der Defensiv-Spezialist schon frühzeitig nach einer Kombination um: „Sportliche und akademische Laufbahnen sind in den USA gut verwoben. Profi-Footballer oder -Basketballer kommen ja meist auch vom Collage. Vereinssport wie in Deutschland gibt es in den USA nicht. Ich kannte zwar niemanden, der etwas Vergleichbares schonmal gemacht hat, aber im Herbst 2017 habe ich dann einen ersten Kontakt zu einer Agentur aufgenommen." Die vermittelte ihm schließlich das Stipendium für die Universität nahe Kansas City. „Das fußballerische Talent spielt da natürlich eine entscheidende Rolle", erklärt Fabio Podmelle: „Das Stipendium finanziert das komplette Studium. Für das ist sonst ein fünfstelliger Betrag pro Semester fällig. Fürs Essen und Wohnen muss man selbst aufkommen." Seine Eltern unterstützten ihn bei seinem Vorhaben: „Meine Mutter war natürlich traurig, hat aber den akademischen Aspekt gesehen. Mein Vater hat sich gefreut, dass ich beides verbinden konnte. Außerdem hat er auch schonmal für zwei Jahre in Brasilien gelebt und konnte den Schritt gut verstehen." Aktuell wohnt der Abwehrrecke dank seiner Zugehörigkeit zu einer Studentenverbindung in einem eigenen Zimmer eines Wohngemeinschafts-Hauses auf dem Campus. In Amerika war Fabio Podmelle vorher noch nie gewesen: „Ich hatte auch nicht die leiseste Ahnung, was mich genau in Kansas erwartet. Aber schon an meinem ersten Tag war ich extrem überrascht von der Gastfreundschaft. Ich kann mir gut vorstellen, hier zu bleiben." Sprachprobleme hatte er keine. Dem Englisch-Leistungskurs in der Schule sei Dank. Bis zu seinem Master-Abschluss 2025 hat er nun täglich von 8 Uhr bis 14 Uhr Uni-Kurse. „Das ist wie in der Schule. Abends ist dann Training", sagt Fabio Podmelle. Gespielt wird in verschiedenen Verbänden, staatliche Universitäten messen sich in der National Collegiate Athletic Association (NCAA), kleinere private Unis wie die von Fabio Podmelle konkurrieren in der National Association of Intercollegiate Athletics (NAIA). Über Conference- und Playoff-Spiele qualifizieren sich die Studenten für die nationale Finalrunde. Bitter für den Mindener: „2019 sind wir im Achtelfinale durch ein Golden Goal in der Verlängerung ausgeschieden." 0:1 hieß es gegen den späteren Vize-Champion, die Columbus University aus Georgia. Aktuell warten die Wildcats nach Platz fünf von zwölf in der absolvierten Conference noch auf einen Playoff-Gegner. Wohin es also geht, steht zur aktuellen Corona-Pause noch nicht fest. Teilweise ist Fabio Podmelle mit seinen Wildcats für die Anfahrt zu den Spielen 13 Stunden unterwegs: „Sei es nach Nebraska oder sonstwohin." Die Spielart in den USA sei im Vergleich zu Deutschland deutlich physischer, dafür weniger taktisch. „Die Teams versuchen, schneller nach vorne zu kommen", erklärt der Abräumer. Neben Fußball interessiert er sich nun auch für American Football: „In Deutschland hatte ich damit nichts zu tun, aber in Kansas war rund um den Super Bowl eine Riesenbegeisterung. Jetzt gucke ich auch." Mit seinen Freunden unternahm er zudem schon Ausflüge zum Spring Break. Die weltweit bekannte Semesterferien-Party in Los Angeles sei genauso beeindruckend gewesen wie er sie schon aus dem Fernsehen kannte: „Manchmal fahren wir aber auch einfach fünf Stunden durch die Gegend, um Freunde an anderen Unis zu besuchen." Eines der nächsten Ziele ist Colorado. „Dort studiert seit Kurzem Rayk Riechmann von RW Maaslingen", erklärt Fabio Podmelle: „Ihn und einen weiteren Freund habe ich mit meiner Begeisterung für das Studium in den USA angesteckt." Beim Einleben in Amerika haben sie „The big german" an ihrer Seite.

„The big german“: Mindener finanziert sich mit Fußball Studium in den USA

Der Mindener Fabio Podmelle finanziert sich sein Studium in den USA mit einem Sport-Stipendium. Er spielt Fußball für die Baker University Wildcats. Foto pr © pr

Minden. „The big german", den großen Deutschen rufen sie ihn auf dem Fußballplatz. Für Auswärtsspiele steigt er in den Flieger, Cheerleader und ein Wildkatzen-Maskottchen feuern ihn an. Amerikanischer Alltag für den Mindener Fabio Podmelle. Der 1,93-Hüne finanziert sich als Abräumer der Baker University Wildcats aktuell sein Studium in den USA. Das ersehnte Sportstipendium in Kansas macht es möglich. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten verfolgt er nun seinen nächsten Traum.

„Mein Berufsziel ist, mit Fußball meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Am liebsten in Australien oder bei meinem Lieblingsverein Werder Bremen", erklärt Fabio Podmelle: „Wenn das nicht klappt, nutze ich meinen Doppel-Abschluss." Psychologie und Businessmanagement studiert er seit August 2019. Zuvor hatte der heute 20-Jährige sein Abitur am Herder Gymnasium absolviert, währenddessen in der B-Jugend-Westfalenliga für SV Rödinghausen und in der U19 für Preußen Espelkamp gespielt: „Ich hatte aber keine garantierte Aussicht, Profifußballer zu werden. Und ich wollte unbedingt etwas in der Hand haben, eine Ausbildung."

Der Mindener Fabio Podmelle spielt in den USA Fußball für die Baker University Wildcats. Foto: privat - © privat
Der Mindener Fabio Podmelle spielt in den USA Fußball für die Baker University Wildcats. Foto: privat - © privat

Darum schaute sich der Defensiv-Spezialist schon frühzeitig nach einer Kombination um: „Sportliche und akademische Laufbahnen sind in den USA gut verwoben. Profi-Footballer oder -Basketballer kommen ja meist auch vom Collage. Vereinssport wie in Deutschland gibt es in den USA nicht. Ich kannte zwar niemanden, der etwas Vergleichbares schonmal gemacht hat, aber im Herbst 2017 habe ich dann einen ersten Kontakt zu einer Agentur aufgenommen." Die vermittelte ihm schließlich das Stipendium für die Universität nahe Kansas City. „Das fußballerische Talent spielt da natürlich eine entscheidende Rolle", erklärt Fabio Podmelle: „Das Stipendium finanziert das komplette Studium. Für das ist sonst ein fünfstelliger Betrag pro Semester fällig. Fürs Essen und Wohnen muss man selbst aufkommen." Seine Eltern unterstützten ihn bei seinem Vorhaben: „Meine Mutter war natürlich traurig, hat aber den akademischen Aspekt gesehen. Mein Vater hat sich gefreut, dass ich beides verbinden konnte. Außerdem hat er auch schonmal für zwei Jahre in Brasilien gelebt und konnte den Schritt gut verstehen."

Der Mindener Fußballer Fabio Podmelle auf verschneitem Platz. Foto: privat - © privat
Der Mindener Fußballer Fabio Podmelle auf verschneitem Platz. Foto: privat - © privat

Aktuell wohnt der Abwehrrecke dank seiner Zugehörigkeit zu einer Studentenverbindung in einem eigenen Zimmer eines Wohngemeinschafts-Hauses auf dem Campus. In Amerika war Fabio Podmelle vorher noch nie gewesen: „Ich hatte auch nicht die leiseste Ahnung, was mich genau in Kansas erwartet. Aber schon an meinem ersten Tag war ich extrem überrascht von der Gastfreundschaft. Ich kann mir gut vorstellen, hier zu bleiben." Sprachprobleme hatte er keine. Dem Englisch-Leistungskurs in der Schule sei Dank.

Der Mindener Fußballer Fabio Podmelle schaute den Super Bowl 2020 gemeinsam mit seinen Freunden in Kansas. Damals gewannen die City Chiefs. Foto: privat - © privat
Der Mindener Fußballer Fabio Podmelle schaute den Super Bowl 2020 gemeinsam mit seinen Freunden in Kansas. Damals gewannen die City Chiefs. Foto: privat - © privat

Bis zu seinem Master-Abschluss 2025 hat er nun täglich von 8 Uhr bis 14 Uhr Uni-Kurse. „Das ist wie in der Schule. Abends ist dann Training", sagt Fabio Podmelle. Gespielt wird in verschiedenen Verbänden, staatliche Universitäten messen sich in der National Collegiate Athletic Association (NCAA), kleinere private Unis wie die von Fabio Podmelle konkurrieren in der National Association of Intercollegiate Athletics (NAIA). Über Conference- und Playoff-Spiele qualifizieren sich die Studenten für die nationale Finalrunde. Bitter für den Mindener: „2019 sind wir im Achtelfinale durch ein Golden Goal in der Verlängerung ausgeschieden." 0:1 hieß es gegen den späteren Vize-Champion, die Columbus University aus Georgia. Aktuell warten die Wildcats nach Platz fünf von zwölf in der absolvierten Conference noch auf einen Playoff-Gegner. Wohin es also geht, steht zur aktuellen Corona-Pause noch nicht fest. Teilweise ist Fabio Podmelle mit seinen Wildcats für die Anfahrt zu den Spielen 13 Stunden unterwegs: „Sei es nach Nebraska oder sonstwohin."

Die Spielart in den USA sei im Vergleich zu Deutschland deutlich physischer, dafür weniger taktisch. „Die Teams versuchen, schneller nach vorne zu kommen", erklärt der Abräumer. Neben Fußball interessiert er sich nun auch für American Football: „In Deutschland hatte ich damit nichts zu tun, aber in Kansas war rund um den Super Bowl eine Riesenbegeisterung. Jetzt gucke ich auch." Mit seinen Freunden unternahm er zudem schon Ausflüge zum Spring Break. Die weltweit bekannte Semesterferien-Party in Los Angeles sei genauso beeindruckend gewesen wie er sie schon aus dem Fernsehen kannte: „Manchmal fahren wir aber auch einfach fünf Stunden durch die Gegend, um Freunde an anderen Unis zu besuchen." Eines der nächsten Ziele ist Colorado. „Dort studiert seit Kurzem Rayk Riechmann von RW Maaslingen", erklärt Fabio Podmelle: „Ihn und einen weiteren Freund habe ich mit meiner Begeisterung für das Studium in den USA angesteckt." Beim Einleben in Amerika haben sie „The big german" an ihrer Seite.


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