Sport-Rückblicke: Vor 25 Jahren sorgte Herbert Hoppmann mit dem Satz "Union soll in den bezahlten Fußball" für Aufsehen Thomas Kühlmann Minden. Als Herbert Hoppmann vor 25 Jahren den legendären Satz „Union soll in den bezahlten Fußball“ in der Mindener Schachtschleuse über die Lippen brachte, konnte er noch nicht ahnen, welch ein Echo diese prägnanten sechs Worte für ihn und den Verein haben würden. „Dieser Satz war im Vorfeld nicht geplant, sondern ist spontan aus mir herausgebrochen, um zu untermauern, wie ich das Konzept vom damaligen Fußball-Obmann Heinz Albersmeier und mir, dem Fußball in Minden seinerzeit wieder einen höheren Stellenwert zu verschaffen, möglichst schmackhaft bei potenziellen Sponsoren verkaufen könnte“, blickt Hoppmann heute mit einem Schmunzeln im Gesicht zurück. Es war im Januar 1997, als der Verein Union Minden, der fünf Jahre zuvor aus den drei Mindener Traditions-Klubs SC Minden, Mindener SV 05 und VfL Minden hervorgegangen war, zu einer Pressekonferenz geladen hatte, um die Zukunft des Vereins in personeller und konzeptioneller Hinsicht zu erläutern. Zu diesem Zeitpunkt war der Klub unter Trainer Andreas Schwemling schon von der Kreisliga in die Bezirksliga aufgestiegen und spielte auch in der neuen Klasse sofort wieder oben mit. Diese positive Entwicklung wollten Hoppmann und Albersmeier nutzen, um die Erfolgsgeschichte des Vereins sowie des Fußballs in Minden fortzuschreiben. Im Zuge dessen wurde die Zusammenarbeit mit Erfolgstrainer Schwemling um zwei Jahre verlängert und gleichzeitig auch die „Union Minden Sportwerbung 2000 GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) ins Leben gerufen, um möglichst viele Klein- und Mittelsponsoren zu gewinnen und so die sportlichen Ambitionen auch finanziell auf eine gesunde und solide Basis zu stellen. Dabei hatte man sich den „GWD-Pool 100“ des Handball-Bundesligisten GWD Minden als Vorbild genommen und sich auch mit den Grün-Weißen bei der Umsetzung ausgetauscht. „Und bei den Sponsoren musste ich seinerzeit natürlich auch offensiv auftreten. Viele sagten mir: Weist sportliche Erfolg auf, dann geben wir auch etwas. Doch ich habe ihnen sofort klar gemacht, dass der umgekehrte Weg der richtige ist. Wir können ohne Euer Geld keine Erfolge feiern“, erinnert sich der gelernte Kaufmann und diplomierte Betriebswirt Hoppmann noch heute gut an seine Touren zu bereits vorhandenen und möglichen neuen Unterstützern des Vereins. „Heinz Albersmeier und ich hatten uns die Kompetenzen klar aufgeteilt. Heinz war extrem gut vernetzt und sollte sich um Spieler kümmern, ich für die Geldgeber sorgen“, sagte Hoppmann und ergänzte. „Doch mit dem bezahlten Fußball verbanden wir ganz klar die höchste Amateurklasse, seinerzeit die Oberliga. Wir waren im Leben nicht so vermessen, um den Sprung in die 2. Liga oder die Bundesliga in Angriff zu nehmen“, relativierte Hoppmann rückwirkend seine Aussage. „Persönlich ist mir der Satz allerdings nie zum Nachteil gewesen, weil ich ihn immer erklären konnte, wenn ich darauf angesprochen wurde.“ Bei der Pressekonferenz hatte auch der damalige 2. Vorsitzende Olaf Marin, Gerüchte über eine eventuelle Verpflichtung des seinerzeit vermeintlich erfolgreichsten Trainer des Fußball-Kreises Minden, Rolf Kuntschik, ins Reich der Fabel verwiesen. In Insiderkreisen war sogar der Name Uli Borowka als Nachfolger für Schwemling genannt worden. Doch auch dafür hatte Fußball-Obmann Albersmeier seinerzeit nur ein müdes Lächeln über. „Das sind alles nur Gerüchte. Uns wurde auch schon nachgesagt, wir wären pleite“, sagte er damals. Doch die Weiterentwicklung im Verein machte nicht die gewünschten Fortschritte. Zwar stieg Trainer Andreas Schwemling mit der Mannschaft wir geplant in die Landesliga auf, doch kurz darauf war sein Kapitel bei Union Minden auch schon beendet. „Andreas war ein hervorragender Trainer und mit seiner kumpelhaften Art schon fast zu gutmütig für die Spieler, von denen einige erfahrenere Akteure diese Gutmütigkeit des öfteren immer wieder ausnutzten. Und als Andreas dann selbst an uns herantrat, mit der Bitte, sich sportlich noch einmal zu verändern, haben wir schweren Herzens diesem Wunsch stattgegeben. Wir hätten ihn seinerzeit gern behalten“, blickt Heinz Albersmeier zurück. So kam es, wie es kommen musste: Der zuvor noch heftig diskutierte Rolf Kuntschik wurde doch Trainer bei Union, während Andreas Schwemling bei RW Maaslingen eine beispielhafte Ära von 18 erfolgreichen Jahren mit zwei Westfalenliga-Aufstiegen startete. Doch auch Kuntschiks Gastspiel bei Union währte nicht lange. In der Folgezeit gaben sich einige Trainer die Klinke in die Hand, und die sportliche Entwicklung stagnierte massiv. Herbert Hoppmann und Heinz Albersmeier haben die Gründe auch im Rückblick noch einmal schnell parat. „Es herrschte dauerhaft Unruhe im Vorstand. Die handelnden Personen im Vorstand hatten zudem andere Philosophien als wir beide, die wir alles in den Stiel gestoßen hatten“, sagt Hoppmann. Albersmeier macht den sportlichen Abwärtstrend, der in der Öffentlichkeit von Neidern nicht selten mit Schadenfreude verfolgt wurde, rückwirkend an drei zusätzlichen Rückschlägen fest. „Erster Genickschlag für uns war die schwere Verletzung von Steven Jones im Spiel bei SC Verl II. Mit ihm in Topform wären wir garantiert in die Verbandsliga aufgestiegen und die Entwicklung wäre anders gelaufen. Zum zweiten warf uns danach die umfangreiche Steuerprüfung massiv zurück, als plötzlich das Geld weg war. Und zum dritten hat uns der tragische Tod von Trainer Andreas Schwemling 2017 nach seiner Rückkehr zu uns einen weiteren K.o.-Schlag versetzt.“ Zu diesem Zeitpunkt spielte Union bereits wieder in der Bezirksliga, später folgte sogar noch der erneute Abstieg in die Kreisliga A, so dass man sportlich praktisch wieder am Anfang stand.Jetzt will man einen neuen Anlauf starten, den talentierten Jugendfußballern auch bei Union Minden eine Plattform zu bieten und den Verein als sozialen Anlaufpunkt wieder zu etablieren. „Ich habe mit Freude gelesen, dass in Kutenhausen bereits in der Winterpause sechs A-Jugendliche in den Seniorenkader integriert werden sollen. Das ist tolle Arbeit, vor der ich meinen Hut ziehe. Da wollen wir auch hin. In Marcel Todte haben wir dafür einen hervorragenden Mann gewonnen, der uns nach auskurierter Verletzung als Spieler auf dem Platz, allerdings auch als akribischer Arbeiter in der Führungsebene des Vereins enorm weiterhilft. Er hat personell bereits einen Stamm an Hilfskräften für den Unterbau und die Jugendteams aufgebaut, und ist sich auch nicht zu schade, bei der Renovierung der Anlagen am Mittelweg selbst Hand anzulegen, um den Jugendlichen ein gutes Umfeld zu schaffen. Zudem hat er sein neues sportliches Konzept bereits bei mehreren Sponsoren vorgestellt und hat offene Türen eingerannt. Er möchte in der neuen Saison alle Jugendklassen besetzen und am Spielbetrieb teilnehmen lassen. Mit ihm sehe ich auf jeden fall Licht am Ende des Tunnels und wieder eine Aufbruchstimmung im Verein“, hält Albersmeier große Stücke auf Todte. Auf so markige Worte wie seinerzeit Herbert Hoppmann hat Todte allerdings bisher verzichtet. Historische Seiteauf MT.de

Sport-Rückblicke: Vor 25 Jahren sorgte Herbert Hoppmann mit dem Satz "Union soll in den bezahlten Fußball" für Aufsehen

Der damalige Fußball-Obmann und Union-Urgestein Heinz Albersmeier (links) und Herbert Hoppmann präsentieren die Zeitungsseite, deren Aufmacherüberschrift mit Hoppmanns Zitat „Union soll in den bezahlten Fußball“ vor 25 Jahren hohe Wellen in Minden schlug. MT-Foto: Thomas Kühlmann

Minden. Als Herbert Hoppmann vor 25 Jahren den legendären Satz „Union soll in den bezahlten Fußball“ in der Mindener Schachtschleuse über die Lippen brachte, konnte er noch nicht ahnen, welch ein Echo diese prägnanten sechs Worte für ihn und den Verein haben würden. „Dieser Satz war im Vorfeld nicht geplant, sondern ist spontan aus mir herausgebrochen, um zu untermauern, wie ich das Konzept vom damaligen Fußball-Obmann Heinz Albersmeier und mir, dem Fußball in Minden seinerzeit wieder einen höheren Stellenwert zu verschaffen, möglichst schmackhaft bei potenziellen Sponsoren verkaufen könnte“, blickt Hoppmann heute mit einem Schmunzeln im Gesicht zurück.

Es war im Januar 1997, als der Verein Union Minden, der fünf Jahre zuvor aus den drei Mindener Traditions-Klubs SC Minden, Mindener SV 05 und VfL Minden hervorgegangen war, zu einer Pressekonferenz geladen hatte, um die Zukunft des Vereins in personeller und konzeptioneller Hinsicht zu erläutern. Zu diesem Zeitpunkt war der Klub unter Trainer Andreas Schwemling schon von der Kreisliga in die Bezirksliga aufgestiegen und spielte auch in der neuen Klasse sofort wieder oben mit. Diese positive Entwicklung wollten Hoppmann und Albersmeier nutzen, um die Erfolgsgeschichte des Vereins sowie des Fußballs in Minden fortzuschreiben.

Im Zuge dessen wurde die Zusammenarbeit mit Erfolgstrainer Schwemling um zwei Jahre verlängert und gleichzeitig auch die „Union Minden Sportwerbung 2000 GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) ins Leben gerufen, um möglichst viele Klein- und Mittelsponsoren zu gewinnen und so die sportlichen Ambitionen auch finanziell auf eine gesunde und solide Basis zu stellen. Dabei hatte man sich den „GWD-Pool 100“ des Handball-Bundesligisten GWD Minden als Vorbild genommen und sich auch mit den Grün-Weißen bei der Umsetzung ausgetauscht. „Und bei den Sponsoren musste ich seinerzeit natürlich auch offensiv auftreten. Viele sagten mir: Weist sportliche Erfolg auf, dann geben wir auch etwas. Doch ich habe ihnen sofort klar gemacht, dass der umgekehrte Weg der richtige ist. Wir können ohne Euer Geld keine Erfolge feiern“, erinnert sich der gelernte Kaufmann und diplomierte Betriebswirt Hoppmann noch heute gut an seine Touren zu bereits vorhandenen und möglichen neuen Unterstützern des Vereins.

„Heinz Albersmeier und ich hatten uns die Kompetenzen klar aufgeteilt. Heinz war extrem gut vernetzt und sollte sich um Spieler kümmern, ich für die Geldgeber sorgen“, sagte Hoppmann und ergänzte. „Doch mit dem bezahlten Fußball verbanden wir ganz klar die höchste Amateurklasse, seinerzeit die Oberliga. Wir waren im Leben nicht so vermessen, um den Sprung in die 2. Liga oder die Bundesliga in Angriff zu nehmen“, relativierte Hoppmann rückwirkend seine Aussage. „Persönlich ist mir der Satz allerdings nie zum Nachteil gewesen, weil ich ihn immer erklären konnte, wenn ich darauf angesprochen wurde.“

Bei der Pressekonferenz hatte auch der damalige 2. Vorsitzende Olaf Marin, Gerüchte über eine eventuelle Verpflichtung des seinerzeit vermeintlich erfolgreichsten Trainer des Fußball-Kreises Minden, Rolf Kuntschik, ins Reich der Fabel verwiesen. In Insiderkreisen war sogar der Name Uli Borowka als Nachfolger für Schwemling genannt worden. Doch auch dafür hatte Fußball-Obmann Albersmeier seinerzeit nur ein müdes Lächeln über. „Das sind alles nur Gerüchte. Uns wurde auch schon nachgesagt, wir wären pleite“, sagte er damals.

Doch die Weiterentwicklung im Verein machte nicht die gewünschten Fortschritte. Zwar stieg Trainer Andreas Schwemling mit der Mannschaft wir geplant in die Landesliga auf, doch kurz darauf war sein Kapitel bei Union Minden auch schon beendet. „Andreas war ein hervorragender Trainer und mit seiner kumpelhaften Art schon fast zu gutmütig für die Spieler, von denen einige erfahrenere Akteure diese Gutmütigkeit des öfteren immer wieder ausnutzten. Und als Andreas dann selbst an uns herantrat, mit der Bitte, sich sportlich noch einmal zu verändern, haben wir schweren Herzens diesem Wunsch stattgegeben. Wir hätten ihn seinerzeit gern behalten“, blickt Heinz Albersmeier zurück.

So kam es, wie es kommen musste: Der zuvor noch heftig diskutierte Rolf Kuntschik wurde doch Trainer bei Union, während Andreas Schwemling bei RW Maaslingen eine beispielhafte Ära von 18 erfolgreichen Jahren mit zwei Westfalenliga-Aufstiegen startete. Doch auch Kuntschiks Gastspiel bei Union währte nicht lange. In der Folgezeit gaben sich einige Trainer die Klinke in die Hand, und die sportliche Entwicklung stagnierte massiv. Herbert Hoppmann und Heinz Albersmeier haben die Gründe auch im Rückblick noch einmal schnell parat. „Es herrschte dauerhaft Unruhe im Vorstand. Die handelnden Personen im Vorstand hatten zudem andere Philosophien als wir beide, die wir alles in den Stiel gestoßen hatten“, sagt Hoppmann.

Albersmeier macht den sportlichen Abwärtstrend, der in der Öffentlichkeit von Neidern nicht selten mit Schadenfreude verfolgt wurde, rückwirkend an drei zusätzlichen Rückschlägen fest. „Erster Genickschlag für uns war die schwere Verletzung von Steven Jones im Spiel bei SC Verl II. Mit ihm in Topform wären wir garantiert in die Verbandsliga aufgestiegen und die Entwicklung wäre anders gelaufen. Zum zweiten warf uns danach die umfangreiche Steuerprüfung massiv zurück, als plötzlich das Geld weg war. Und zum dritten hat uns der tragische Tod von Trainer Andreas Schwemling 2017 nach seiner Rückkehr zu uns einen weiteren K.o.-Schlag versetzt.“ Zu diesem Zeitpunkt spielte Union bereits wieder in der Bezirksliga, später folgte sogar noch der erneute Abstieg in die Kreisliga A, so dass man sportlich praktisch wieder am Anfang stand.

Jetzt will man einen neuen Anlauf starten, den talentierten Jugendfußballern auch bei Union Minden eine Plattform zu bieten und den Verein als sozialen Anlaufpunkt wieder zu etablieren. „Ich habe mit Freude gelesen, dass in Kutenhausen bereits in der Winterpause sechs A-Jugendliche in den Seniorenkader integriert werden sollen. Das ist tolle Arbeit, vor der ich meinen Hut ziehe. Da wollen wir auch hin. In Marcel Todte haben wir dafür einen hervorragenden Mann gewonnen, der uns nach auskurierter Verletzung als Spieler auf dem Platz, allerdings auch als akribischer Arbeiter in der Führungsebene des Vereins enorm weiterhilft. Er hat personell bereits einen Stamm an Hilfskräften für den Unterbau und die Jugendteams aufgebaut, und ist sich auch nicht zu schade, bei der Renovierung der Anlagen am Mittelweg selbst Hand anzulegen, um den Jugendlichen ein gutes Umfeld zu schaffen. Zudem hat er sein neues sportliches Konzept bereits bei mehreren Sponsoren vorgestellt und hat offene Türen eingerannt. Er möchte in der neuen Saison alle Jugendklassen besetzen und am Spielbetrieb teilnehmen lassen. Mit ihm sehe ich auf jeden fall Licht am Ende des Tunnels und wieder eine Aufbruchstimmung im Verein“, hält Albersmeier große Stücke auf Todte. Auf so markige Worte wie seinerzeit Herbert Hoppmann hat Todte allerdings bisher verzichtet.

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