Sport-Rückblicke: So lotste Heinz Albersmeier einst den 1. FC Magdeburg nach Minden Michael Lorenz Minden. Kurz vor Weihnachten des Jahres 1990 erreichte Heinz Albersmeier, seines Zeichens Initiator, Ausrichter und „Vater“ des legendären „Weserspucker-Turniers“ für Fußball-Tradionsteams, die Hiobsbotschaft: Der 1. FC Magdeburg, der als Zugpferd für das 6. Altherren-Fußballturnier gedacht war, sagte seine Teilnahme kurzerhand ab. Doch damit gab sich Albersmeier nicht zufrieden: Er fuhr mit Uwe Gerdes, dem Vorsitzenden des Ausrichtervereins, des damaligen SC Minden, in das seinerzeit „nagelneue“ Bundesland Sachsen-Anhalt und bewegte die mitteldeutschen Kicker doch noch zur Teilnahme. Rückblende: „Ich hatte schon mehrfach versucht, Mannschaften aus der DDR einzuladen“, erinnert sich Albersmeier. Doch so einfach war das nicht zu Zeiten der deutschen Teilung. DDR-Fußballer wie Jürgen Pahl, Norbert Nachtweih oder Lutz Eigendorf hatten Auslandsreisen zur Flucht in den Westen genutzt. Jürgen Sparwasser, der Torschütze des einzigen offiziellen Spiels zwischen der Bundesrepublik und der Deutschen Demokratischen Republik, welches die DDR bei der WM 1974 1:0 gewann, hatte sich während eines ein Altherrenspiels des 1. FC im Jahr 1988 in Saarbrücken zudem in den Westen abgesetzt, daher waren die „Staatsschützer“ extrem vorsichtig. Doch der „Eiserne Vorhang“ wurde rissig. Im November 1989 fiel die Mauer in Berlin, das Symbol der Teilung Deutschlands und ganz Europas. Im Jahr 1990 hatte Albersmeier schließlich Erfolg, als er den 1. FC Magdeburg zum Turnier einlud. Doch im Dezember, wenige Wochen vor der 6. Turnierausgabe, sagten Vertreter des 1. FCM kurzfristig ab. „Die Plakate für das Turnier waren aber bereits gedruckt“, erinnert sich Albersmeier, „die Telefonverbindungen in die ehemalige DDR waren damals noch ziemlich schlecht, und so sind Uwe Gerdes und ich mit dem PKW nach Magdeburg gefahren“. Sie steuerten das Ernst-Grube-Stadion an, in dem der 1. FC seine Heimspiele austrug, doch von ihrem vermeintlichen Ansprechpartner, einem gewissen Günter Wagner, war weit und breit nichts zu sehen. „Wir sind dann zu ihm nach Hause gefahren, doch seine Frau sagte, er sei nicht da. Ich bin mir bis heute sicher, dass der sich verleugnen lassen hat“, blickt Albersmeier zurück, „der hat gesehen, wie gut das Turnier besetzt ist und kalte Füße bekommen, weil er glaubte, der 1. FCM sei dort nicht konkurrenzfähig. Dieses Denken hatten die aus DDR-Zeiten offenbar noch drin.“ Mit viel Überredungskunst gelang es den beiden Mindener schließlich, den 1. FC doch noch zur Teilnahme zu bewegen. Magdeburg reiste mit DDR-Legenden wie Wolfgang Seguin, Dirk Stahmann, Siegmund Mewes, Martin Hoffmann oder Jürgen Pommerenke an. Joachim Streich, der „Gerd Müller des Ostens“ , Rekordtorschütze der höchsten DDR-Liga und des 1. FC, spielte beim Turnier bereits für Eintracht Braunschweig. Mit diesem Team gewann er das Turnier vor dem 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt und den Magdeburgern. Zudem wurde Streich mit neun Treffern Torschützenkönig. „Zu den Magdeburgern haben sich regelrechte Freundschaften entwickelt“, sagt Albersmeier rückblickend, „sie hatten eine Supertruppe, die auch sehr gut im Feiern war.“ Acht Jahre lang waren die Sachsen-Anhaltiner Stammgäste an der Weser. „Irgendwann waren sie dann aber einfach zu alt, um mitzuhalten. Bei den Magdeburgern kam dann ja auch nicht mehr viel nach“, erinnert sich Albersmeier, „aber es war eine tolle Zeit.“

Sport-Rückblicke: So lotste Heinz Albersmeier einst den 1. FC Magdeburg nach Minden

Der 1. FC Magdeburg, der 1974 den Pokal der Pokalsieger, den einzigen Fußball-Europacup in die DDR geholt hatte, nahm insgesamt acht Mal am Mindener Weserspucker-Turnier teil. Repro-Foto: Michael Lorenz © Lotte Lorenz

Minden. Kurz vor Weihnachten des Jahres 1990 erreichte Heinz Albersmeier, seines Zeichens Initiator, Ausrichter und „Vater“ des legendären „Weserspucker-Turniers“ für Fußball-Tradionsteams, die Hiobsbotschaft: Der 1. FC Magdeburg, der als Zugpferd für das 6. Altherren-Fußballturnier gedacht war, sagte seine Teilnahme kurzerhand ab. Doch damit gab sich Albersmeier nicht zufrieden: Er fuhr mit Uwe Gerdes, dem Vorsitzenden des Ausrichtervereins, des damaligen SC Minden, in das seinerzeit „nagelneue“ Bundesland Sachsen-Anhalt und bewegte die mitteldeutschen Kicker doch noch zur Teilnahme.

Rückblende: „Ich hatte schon mehrfach versucht, Mannschaften aus der DDR einzuladen“, erinnert sich Albersmeier. Doch so einfach war das nicht zu Zeiten der deutschen Teilung. DDR-Fußballer wie Jürgen Pahl, Norbert Nachtweih oder Lutz Eigendorf hatten Auslandsreisen zur Flucht in den Westen genutzt. Jürgen Sparwasser, der Torschütze des einzigen offiziellen Spiels zwischen der Bundesrepublik und der Deutschen Demokratischen Republik, welches die DDR bei der WM 1974 1:0 gewann, hatte sich während eines ein Altherrenspiels des 1. FC im Jahr 1988 in Saarbrücken zudem in den Westen abgesetzt, daher waren die „Staatsschützer“ extrem vorsichtig. Doch der „Eiserne Vorhang“ wurde rissig. Im November 1989 fiel die Mauer in Berlin, das Symbol der Teilung Deutschlands und ganz Europas. Im Jahr 1990 hatte Albersmeier schließlich Erfolg, als er den 1. FC Magdeburg zum Turnier einlud. Doch im Dezember, wenige Wochen vor der 6. Turnierausgabe, sagten Vertreter des 1. FCM kurzfristig ab.

„Die Plakate für das Turnier waren aber bereits gedruckt“, erinnert sich Albersmeier, „die Telefonverbindungen in die ehemalige DDR waren damals noch ziemlich schlecht, und so sind Uwe Gerdes und ich mit dem PKW nach Magdeburg gefahren“. Sie steuerten das Ernst-Grube-Stadion an, in dem der 1. FC seine Heimspiele austrug, doch von ihrem vermeintlichen Ansprechpartner, einem gewissen Günter Wagner, war weit und breit nichts zu sehen. „Wir sind dann zu ihm nach Hause gefahren, doch seine Frau sagte, er sei nicht da. Ich bin mir bis heute sicher, dass der sich verleugnen lassen hat“, blickt Albersmeier zurück, „der hat gesehen, wie gut das Turnier besetzt ist und kalte Füße bekommen, weil er glaubte, der 1. FCM sei dort nicht konkurrenzfähig. Dieses Denken hatten die aus DDR-Zeiten offenbar noch drin.“

Mit viel Überredungskunst gelang es den beiden Mindener schließlich, den 1. FC doch noch zur Teilnahme zu bewegen. Magdeburg reiste mit DDR-Legenden wie Wolfgang Seguin, Dirk Stahmann, Siegmund Mewes, Martin Hoffmann oder Jürgen Pommerenke an. Joachim Streich, der „Gerd Müller des Ostens“ , Rekordtorschütze der höchsten DDR-Liga und des 1. FC, spielte beim Turnier bereits für Eintracht Braunschweig. Mit diesem Team gewann er das Turnier vor dem 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt und den Magdeburgern. Zudem wurde Streich mit neun Treffern Torschützenkönig.

„Zu den Magdeburgern haben sich regelrechte Freundschaften entwickelt“, sagt Albersmeier rückblickend, „sie hatten eine Supertruppe, die auch sehr gut im Feiern war.“ Acht Jahre lang waren die Sachsen-Anhaltiner Stammgäste an der Weser. „Irgendwann waren sie dann aber einfach zu alt, um mitzuhalten. Bei den Magdeburgern kam dann ja auch nicht mehr viel nach“, erinnert sich Albersmeier, „aber es war eine tolle Zeit.“

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